Mausgrauer Mitttwoch

Ein weiterer mausgrauer Werktag, es war ein, Moment, ich sehe eben nach – Mittwoch.

Ich huste nachts, ich schlafe schlecht, ich träume wirr, mich infiziert zu haben. Es lässt einen nicht mehr los, jetzt sind auch die Träume verseucht. Ein Schnelltest zum Frühstück, reine Routine.

Ich gehe später einkaufen, ich höre drei Gespräche im Vorbeigehen. Sie werden alle recht laut geführt, sie passen zu meinem gestern geposteten Text beim Goethe-Institut, es fallen in den Gesprächen Sätze wie: „Das ist doch eh alles Blödsinn“, „Was richtig ist, das weiß eh keiner mehr“ und „Omikron, Omikron, hör mir bloß auf.“ Im Supermarkt schiebt mir am Eingang jemand seinen leeren Einkaufswagen hin, zeigt auf den Griff und sagt laut: „Hier, nehmen Sie den, da sind frische Viren dran!“ Und guckt dann so lauernd, was ich jetzt mache, und guckt auch schon, ob andere gucken. Was ist mit den Leuten los?

Schon gut, das war eine rhetorische Frage.

Währenddessen, noch ein Satz für die Chronik, gibt es jetzt in allen Familien, mit denen wir freundschaftlich verkehren, mindestens einen Corona-Fall, das ging doch etwas schneller als erwartet. Alle paar Stunden kam eine entspreche Nachricht, so muss man sich das vorstellen, aber dummerweise im Ernst, nicht als humoristisch sein sollende Übertreibung.

Schließlich der Abendspaziergang durch den prompt einsetzenden Nieselregen. Leere Läden, leere Kneipen. Nur die üblichen Pegeltrinkerinnen sitzen da, wo sie immer sitzen. Vor einem heute geschlossenen Restaurant stehen die Bänke und Tische im Regen, nasses Holz.  Ein älteres Ehepaar in Partnerlookoutdoorjacken setzt sich dort gerade an einen Tisch. Er fegt mit dem Ärmel Wassertropfen vom Tisch, sie packt Stullen aus papierenen Päckchen, sie grinsen beide. Da haben sie einen guten Platz gefunden, das denken sie wohl, und sie rücken eng an die Hauswand, wo der Regen nicht so sehr hinkommt, sie essen Brot und kauen und grinsen und verstehen sich gut.

Im Dönerimbiss ein paar Meter weiter sitzen die beiden Verkäufer und essen Döner. Vielleicht haben sie sich gegenseitig einen gemacht, vielleicht haben sie sich gegenseitig die üblichen Fragen gestellt und „Mit scharf!“ gesagt. Sie gucken raus, während sie essen, in die Dunkelheit, in den Regen.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

2 Kommentare

  1. Same here: Nachbarn, Freunde, Kinder und Enkel im Umfeld sind infiziert. Den einen geht’s ganz gut damit, anderen weniger bis richtig schlecht.
    Also Obacht weiterhin – ich will es nicht!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.