Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe – wiederum dezent verspätet, pardon! – herzlich zu danken für die überaus freundliche Zusendung von Gründüngung fürs Kartoffelbeet, die hat im Garten tatsächlich gefehlt und wird auch Bienen Spaß machen. Es gab außerdem das Kartenspiel Elfer raus, wobei es eine kleine und irritierende Merkwürdigkeit gibt, vielleicht kann das mal jemand aus meiner Generation kommentieren, ich erinnere mich nämlich deutlich an ganz ähnliche Spielkarten aus meiner Kindheit, aber nicht einmal ansatzweise an das Spiel an sich. Gab es da denn etwas anderes, das auch so aussah? Ich denke schon seit Tagen darüber nach. Und es gab schließlich noch die Briefe von Flaubert, ein schöner Band mit dem anziehenden Titel „Ich schreibe gerade eine kleine Albernheit.“

Vorderseite

Eine ausgesprochen bildarme Woche war das, ich erwähnte es bereits. Der Bildschirm des Home-Office-Computers, der Bildschirm des Privatnotebooks, der Blick aus dem Dachfenster auf dauergrauen Himmel, zwischendurch nur kurz die gleichen Läden wie immer, die Küche, der Wäschekeller, der Staubsauger, die Französischvokabeln von Sohn II, der Satz des Pythagoras bei Sohn I, Schulbuchseiten, was nehme ich da bloß?

Ich zeige Ihnen am besten eine kurze, eine sehr kurze Bewegtbildsequenz, eine kleine Drehung des Autors ist es, eine halbe sogar nur, wenn man es genau nimmt. Sie müssen entschuldigen, es gab sonst einfach nichts zu sehen und Sie stellen sich bitte einmal vor, wie ich im Discounter stehe, vor dem Regal mit den Keksen. Kekse, die ich nicht unbedingt für mich kaufe, eher für die Söhne, aber egal, es liegen daneben auch die Schokorosinen, für die ich eine etwas unselige Schwäche habe und die bei mir zu einer staunenswerten Unbeherrschtheit führen. Die Sequenz fängt also mit diesem kurzen Moment an, in dem ich dort stehe, eine Hand im Regal. Ich greife gerade nach dem wie auch immer heißenden Prinzenrollenverschnitt der Discounterkette, so etwas eignet sich gut für Autofahrten. Es steht keine Autofahrt an, weit und breit nicht, aber so etwas denkt man dann dennoch, also ich jedenfalls, immer auch Vorräte kaufen, der Mensch als Hamster und Versorger. Mein Handy klingelt in dieser Sekunde. Es ist ein Arzt und es wird, ich ahne das, um gewisse Werte gehen. Das ist etwas ärgerlich, weil ich erstens eh nicht gerne telefoniere, zweitens schon gar nicht gerne mit Maske und drittens ganz sicher nicht im Discounter, zwischen etlichen anderen Menschen.

Aber was soll ich machen, wenn ich das Gespräch jetzt wegdrücke, dann erreiche ich die Praxis oder den Arzt vielleicht wieder tagelang nicht oder es passt dann sogar noch schlechter, was weiß ich, also gehe ich doch lieber ran. Ich versuche, möglichst leise zu sprechen, was natürlich kaum gelingt, da dann niemand etwas versteht, mit dieser FFP2-Maske vor dem Mund und mit all den Umgebungsgeräuschen. Ich nuschele Existenzbestätigendes, ja, ich bin es wirklich, ich verifiziere mich durch meinen Geburtstag, die Umstehenden gucken prüfend, ob ich tatsächlich so alt aussehe, wie ich wohl bin. Ich frage „Was?“ und der Arzt fragt das auch, denn wir verstehen beide wenig oder nichts. Er sagt „Ernährung“, er sagt auch „Fett und Kohlenhydrate“, so viel verstehe ich, und ich lege die Kekspackung schuldbewusst zurück, drehe mich nahezu elegant um und stehe, dieser Discounter ist etwas seltsam angeordnet, jetzt direkt vor Gurken, Tomaten, Salat und Paprika. Ich greife nach einem Eisbergsalat und halte ihn in der Hand, so wie gewisse Schauspieler etwas ganz anderes bei einem gewissen Shakespeare-Monolog in der Hand halten. Ich sage ja, das könne ich selbstverständlich umstellen, sicher könne ich das, das sei hier keine Frage. Und ja, wir gucken dann gerne noch einmal in drei Monaten, wir machen dann wieder einen Termin, sicher doch.

Es war nur eine schnelle halbe Drehung. Man bekommt sie oft nicht recht mit, die Schlenker, die Manöver, die Kurven, die Tricks, die Selbstüberlistungen und die Schubse der anderen, die kleinen Bewegungen – aber manchmal eben doch.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

3 Kommentare

  1. Elfer raus gab es in meiner Kindheit (Jahrgang 79) auch, und wenn ich mich recht erinnere, haben wir mit den Karten ein Spiel namens „Schlafmütz“ gespielt.

  2. Wir sind fast derselbe Jahrgang und ich erinnere mich tatsächlich -was Kartenspiele in der Kindheit angeht- nur an Elfer raus, Mau Mau und Binokel. Die haben aber ganz andere Karten. An Spielregeln und Abläufe erinnere ich mich aber auch kaum noch.

  3. In meiner Kindheit gab es auch Elfer raus, und wir haben damit Schlafmütze und Elfer raus gespielt – ich erinnere mich aber, dass die Anleitung noch Dutzend weitere Spiele mit den Karten vorschlug…. Leider sind die Karten nicht bei mir gelandet, was es also alles zu spielen gab, weiß ich nicht.
    Schlafmütze wurde bezeichnenderweise bei uns mit Mütze gespielt, so dass der Jüngste der Familie dauerhaft die Mütze trug. Er hat dann schnell die Lust daran verloren.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.