Links am Morgen

Die Links würden besser am Abend passen, aber ich habe dummerweise jetzt Zeit und nachher nicht. Vielleicht machen Sie sie gleich wieder zu und später wieder auf? Na, nur ein Vorschlag. Sie können machen, was Sie wollen, es ist ein freies Land. Vorgestern wäre das noch ein viel leichterer und heiterer Scherz gewesen, so schnell kann es gehen.

Zehn unsortierte Gedanken von Vanessa. „Ein zartes Gefühl von Apokalypse“, schreibt sie da, und es wurde schon zu Beginn der Pandemie oft als Cartoon und Witz ausgearbeitet, aber es ist eben wirklich ein besonders verstörender Teil dieser Erfahrung, dass man dabei weiter jeden Tag ganz normal arbeiten soll. Oder zu Schule, zur Uni etc. gehen soll. Es ist seit März 2020 höchst irritierend, finde ich, und ich meines es nicht als Scherz.

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Ich weiß nicht mehr, wer diesen Artikel von Tom Nichols verlinkt hatte, auf Twitter war es jemand, ich bitte die Nichtnennung zu entschuldigen, aber ich fand ihn jedenfalls gut. Es geht um das Einsortieren von Begriffen in politischen Debatten.

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Diese Linksammlung wurde noch vor dem russischen Angriff geschrieben, sie entstehen immer stückweise, diese Texte, zu einer Zeit also wurde sie größtenteils geschrieben, als die folgenden Themen auch noch relevant erschienen:

Auf arte sah ich einen Film (52 Minuten) über Lady Chatterley von D.H Lawrence, bzw. um den Prozess zum Buch damals. Das Buch war in meinem Studium Seminarinhalt, fällt mir wieder ein, es ging da um die Bewertung (heute und historisch) von anzüglicher oder pornografischer Literatur. Also bezogen auf öffentliche Bibliotheken: was darf in den Bestand? „There are thirteen passages of sexual intercourse in this book“, sagt der Ankläger im Film in scharfem Tonfall, und ich erinnere mich an keine einzige davon. Am Ende habe ich das Buch nicht einmal komplett durchgelesen, ich weiß es nicht mehr. Schlimm.

Ebenfalls auf arte und dito passend zum Seminarinhalt damals gab es noch eine Doku über Lolita von Nabokov, 54 Minuten. Ich glaube, meine Dozentin damals hatte das Motiv des Buches richtig einsortiert, also im Sinne dieses Filmbeitrags, es war überhaupt eine außerordentlich kluge Dozentin und ein wandelndes Lexikon der Literaturgeschichte. Sehr schön bei dieser Doku die Interviewstelle im Film, in der Nabokov sagt, dass der Name des Protagonisten Humbert Humbert auch ein Gitter sei, Humbert Humbert Humbert … und wie er dann kurz und skeptisch zum Interviewpartner blickt, ob der das überhaupt versteht … Nabokov übrigens damals aus Russland geflohen, es gibt immer überall Bezüge.

Und schließlich noch eine dritte arte-Literatur-Doku, die über Emma Bovary, 52 Minuten. Ich sehe so etwas sehr gerne, vorzugsweise an Wochenendmorgen, das ist auch seltsam. In den Briefen von Flaubert, die ich gerade lese, ich erwähnte es vermutlich bereits irgendwo, finde ich eine Stelle, da beschwert er sich gerade vehement über die Arbeit an der Bovary. Es geht im Manuskript nämlich um ihre Verschuldung, es geht um so etwas wie Wechsel und Diskont, und er versteht davon nichts, überhaupt nichts, er findet das Thema furchtbar, langweilig und das Schreiben schrecklich, aber er muss da nun einmal durch. Sehr interessante Briefe auch!

Ich habe nie ganz ergründen können, warum ich Briefe, Tagebücher, Biografien und alle Arten von Sekundärliteratur oft wesentlich reizvoller als die eigentliche Literatur finde – am Ende ist aber auch das nur das Anzeichen einer veritablen Meise und gar kein lobenswerter Bildungsdrang, so ist es ja meistens. Immer alles in Frage stellen, ja, ja.

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Diese Links verweisen alle auf arte, was soll ich machen, ich schaffe nicht mehr. Hier noch schnell eine abgefahrene Doku über das Haus von Victor Hugo (52 Minuten) auf Guernsey, sie ist vielleicht noch interessanter für Menschen, die sich für Innenausstattung interessieren, als für die Literatur-Bubble. Dieser Arbeitsplatz auf dem Dach!

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Über die geliehene Erinnerung an die Flut in Hamburg.

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Genauigkeit ist Selbstschutz – ein Feature über Herta Müller. Audio, 30 Minuten. Die Stelle mit „Der Wind ist kälter als Schnee“ – grauenvoll schön ist die, schon dafür lohnt sich der Beitrag. Rumänien war damals ja unter russischem Einfluss … ach, lassen wir das.

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Ich höre weiterhin viel Blues, das passt gerade, es ist nicht eben überraschend, wenn man an meine Stimmungsbeschreibung von neulich denkt. Hier habe ich eine Live-Aufnahme von Freddie King, es sind 12 Minuten, und es ist großartig, glauben Sie mir. Die Pausen, die er spielt, sein Gesichtsausdruck, der Herr am Klavier (David Maxwell) ab 08:03. Das ganz kurz eingeblendete Gesicht der Zuschauerin bei 3:12! Have you ever loved a woman so much that you tremble in pain? Wer nicht, meine Herren, wer nicht. Ich finde dieses Video sensationell.

Freddie King starb an einem Herzanfall, den er während eines Konzerts hatte, fast möchte man diese Art des Abgangs schön finden, wenn man ihn bei diesem Lied sieht.

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Es gab Pasta Pollo, das kam hier im Blog vor längerer Zeit schon einmal vor. Ganz simpel, aber doch gut, und das mögen alle im Haushalt. Es gab außerdem Bratreis, etwa so, den fand ich immerhin sehr gut, der Rest war mehr bei „befriedigend“. Ich möchte hier aber entgegen meiner sonstigen Selbstverpflichtung zur Bescheidenheit vermuten: Ich hatte Recht.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

 

2 Kommentare

  1. Das mit der Sekliteratur geht mir genauso. Ich muss unbedingt immer sofort nach oder auch während der Lektüre Sekliteratur lesen, hab aber auch Komparatistik, klassische Philologie und Romanistik studiert, da ist man wahrscheinlich einfach berufsgeschädigt

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