Das Ausdenken ist im Grunde entbehrlich

Ich war in den letzten sieben Tagen zweimal aus, einmal in einem Restaurant, einmal in einer Kneipe. Ich hätte mich jeweils lieber draußen getroffen, das Wetter war aber nicht danach, beim besten Willen nicht. Zwischen den beiden Dates lagen ein paar Tage und, das ist das Entscheidende, obwohl sich in der Hotspotstadt Hamburg an den Regeln so gut wie nichts geändert hat, lag dazwischen auch, wie ich es erwartet habe, ein bedeutender Zuwachs an Lässigkeit im Umgang mit den Regeln. Am ersten Abend noch die genaue Kontrolle von App und auch Ausweis, am zweiten: „Ihr habt ja sicher alles dabei, ne?“ Dann Abwinken und fertig.

Das Ende dieser Kontrollen ist absehbar, das Verfahren läuft aus. Auf Wiedersehen im Herbst.

Ich sitze am Schreibtisch, ich höre auf der Straße lautes Reden, Lachen, aber nicht auf die erfreuliche Art. Ich gehe auf den Balkon und sehe runter, zwei Betrunkene gehen auf der Fahrbahn, Arm in Arm, leicht schwankend. Ein Autofahrer kommt nicht an ihnen vorbei und muss wegen der beiden abbremsen, er hupt, sie schlagen ihm wütend und brüllend aufs Dach, er hält an, er springt heraus wie ein Schachtelteufel. Alle drei schreien aus Leibeskräften herum und gestikulieren, raumgreifend und breitschultrig werden die Arme gewedelt, alle drei recken auch die Brust so dermaßen albern raus, dass ich unwillkürlich an Tierfilme denke, an Imponiergehabe, Silberrücken und dergleichen, das hier ist etwas für Verhaltensforscher. Ganz dicht kommen sich die drei und es ist einen Moment arg knapp vor Handgreiflichkeiten, bevor der Autofahrer doch wieder einsteigt und einfach so weiterfährt, ohne Prügelei, nur dauerhupend. Die beiden Betrunkenen klatschen sich ab, der Triumph, der herrliche Triumph, dem haben sie es aber gegeben.

Neulich noch die Gewaltfantasien hier im Blog, aber es ist alles auch in der Wirklichkeit so. Das Ausdenken ist im Grunde entbehrlich.

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Weltweit wächst der Druck auf die Zivilgesellschaft. Diese eine Zahl im Artikel, diese 3% vor der Angabe „offen“. Schwer auszuhalten, der Gedanke. Wir summen dazu: Keep on blogging in the free world.

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Von da an gings bergab. (Gefunden via Heike Rost auf Twitter)

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