Währenddessen in den Blogs, Ausgabe 24.4.2022

Nachdem ich neulich gerade die krisenorientierte Werbung erwähnt habe, das Abhauen, die Notfälle, hier ein passendes Anlegestück von Christian: „Wann ist der Punkt um dieses Haus zu verkaufen und in ein möglichst autarkes Wohnmobil zu investieren? Wann ist der Punkt damit aufzuhören, einfach hier immer weiter zu machen und an dem Glauben festzuhalten, der Tausch meines Benziners gegen ein E-Auto würde irgendwie bestimmt alles gut machen?

In den letzten zwei Tagen habe ich keine weitere Werbung in der Richtung gesehen, aber ein Bemerknis gab es dennoch da draußen, und zwar im Hauptbahnhof, bei einem der Kioske im Unterbau des riesigen Gebäudes, im Getunnel – da kann man nämlich jetzt kaufen, was man wohl etwas bitter Ukraine-Merch nennen müsste. Schlüsselanhänger, Handyhüllen, Winkefähnchen etc. – alles in blaugelber Farbgebung. Und zwar in dem Kiosk, in dem es bei Beginn der Pandemie auch die ersten Stoffmasken gab – da passt jemand genau auf. Auch interessant, da mal öfter vorbeisehen und die Weltlage ablesen.

Die Flagge der Ukraine weht an einem Kirchturm

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Etwas über Venezuela

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In den regulären Foodblogs kreist immer noch der Bärlauch, aber es gibt im Moment noch ein anderes Kochthema. Es fing mit einem Twitter-Thread bei Miriam Vollmer an, es ging da um „radikal unmoderne Rezepte“ (hier entlang), mittlerweile greift es auch auf Blogs über. Man könnte es psychologisch deuten, man kann es natürlich auch lassen. Man kommt ohnehin nicht zum Deuten, man muss ja dauernd essen:

Dann fällt mir noch der Nudelsalat von früher ein, den ich auch häufiger zubereite, und den erst heute TochterJ schnell gezaubert hat. Hörnchennudeln, Dosenchampignons, ErbsenMöhrchen, früher Fleischwurst, heute ohne, Curry, SalzPfeffer, Miracelwhipp balance (sonst spielten beim Kochen bei meinen Eltern kalorienreduzierte Zutaten keine Rolle, keine Ahnung, weshalb das hier anders ist) etwas Essig und Öl, voila!

Siehe auch bei Frau Novemberregen: „Es gab mal so ein Gericht, das eine Freundin von mir aus Uni-Zeiten immer gemacht hat, wenn sie Besuch erwartete: Hähnchenfilet in Stücken anbraten, mit einer Dose „Tropischer Fruchtcocktail“ ablöschen, gar ziehen lassen und einen Becher Schmand unterrühren. Würzen mit Pfeffer, Salz, evtl. Currypulver, dazu Reis.

Plötzlich Hunger. Hm.

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Excellensa greift den selten bekloppten Satz von Schröder auf, I don’t do mea culpa, wozu ich eine Erinnerung ergänzen möchte. Als ich anfing in einem Büro zu arbeiten, 1987 war das und ich habe es seither versäumt, die Firma zu wechseln, gab es da eine Chefin mit einem äußerst stabilen Ego und einer Gutsherrinnenart, die mir in den Jahren danach lange nicht mehr so begegnet ist (heute wird sie allerdings in Business-Kreisen wieder modern, fürchte ich.) Die hatte mal gegenüber einer Angestellten fürchterlich Unrecht und tat das dann schließlich ab mit einem Satz, den ich mir bis heute gemerkt habe: „Entschuldigungen sind nicht mein Stil.“ Lange, lange habe ich darüber nachgedacht, wie man bloß so werden kann.

Im Grunde habe ich nie aufgehört, darüber nachzudenken.

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5 Kommentare

  1. > „Entschuldigungen sind nicht mein Stil.“ Lange, lange habe ich darüber nachgedacht, wie man bloß so werden kann.

    Narzissmus ist meistens die Folge einer verheerend gefühlskalten Kindheit.

  2. Bitte sagen Sie dringend Bescheid falls es im Kiosk kleine Atombomben als Schlüsselanhänger gibt, besonders falls eine russische Fahne aufgemalt ist. Obwohl….vielleicht ist es dann schon zu spät. So traurig, daß alles.

  3. So eine Chefin will man nicht geschenkt haben. Ich hatte mal einen Kollegen, der ernsthaft sagte: „Ich mache keine Fehler.“ Er ging dann in die Revision, sich mit den Fehlern anderer befassen …

  4. es waren (und sind) verrückterweise Gabelspaghetti im Nudelsalat, und ich hatte mal eine zeitlang die selbstgemachte Deppenmajonaise im Einsatz, aber hier ging‘s ja um Dosenessen also wäre selbstgemacht Thema verfehlt und hui, eben erst die Verlinkung gesehen weil die Woche so viel los war , ein mich geehrt fühlendes Danke <3

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