Es wird noch Pflaumenkuchen geben

Der Kuckuck ruft wieder. Ich lese also den Kuckuck nach, immer alles nachlesen. Der reist, hätten Sie das gewusst, Anfang August, quasi gleich also, schon wieder ab ins südliche Afrika, let‘s call it a summer, das war es dann schon. Er hat hier alles erledigt und genug erlebt. Dann flieg doch, möchte man da etwas patzig rufen, dann flieg doch. Hier aber wird es noch Pflaumenkuchen mit zwei Teigsorten geben, zu denen man Meinungen haben kann und muss, und reichlich Wärme im August und feinstes Licht im September wird es auch geben, und dann erst kippt das alles wieder ins Herbstliche. Es hat schon noch ein paar Wochen Zeit.

Kuckuck, da ruft er gerade wieder. Auch noch nie gesehen, den Vogel, immer nur gehört. Im April kommt er wieder, jedenfalls vielleicht. Er gehört zu einer gefährdeten Art, aber wer nicht.

Ein Junge auf dem Hof hat einen Frosch gefangen, in einem dieser „Forscherbecher“, wie es sie für Kinder gibt, mit einer Lupe im Deckel. Er besieht sich den Frosch begeistert, läuft herum und zeigt ihn allen. Er lässt ihn vorsichtig hinaus, der Frosch springt sofort zu mir. Der Junge ist etwas enttäuscht, er hatte gehofft, der Frosch hätte schon Freundschaft mit ihm geschlossen und würde prompt zurück auf seine ausgestreckte Hand springen, aber von wegen. Er fängt ihn noch einmal in dem Becher, lässt ihn dann wieder frei. Der Frosch weiß nicht, wie ihm geschieht, die ersten Erwachsenen um die Szene herum werden unruhig, mit Tieren spielt man nicht, da muss reagiert werden. Der Frosch aber, er springt wieder zu mir.

Der Junge sieht den Frosch an, sieht mich an: „Du bist einer, den die Frösche mögen“, sagt er schließlich leise, mit ein wenig Neid in der Stimme.

Ich bin einer, den die Frösche mögen. So wird man auch im Urlaub einmal gelobt, sogar ohne irgendeine Leistung erbracht zu haben. Vielleicht diesen Satz in die Bio aufnehmen. Es ist doch etwas Besonderes, möchte ich meinen, es ist markant und selten.

„Herr Buddenbohm, was können Sie uns noch über sich sagen?“

„Ich bin einer, den die Frösche mögen.“

Oder später auf dem Grabstein: „Frösche mochten ihn.“ Da haben Friedhofsbesucher dann etwas zum Nachdenken.

***

Und weil alle, besonders alle aus Hamburg, gerade ihre Uwe-Seeler-Geschichten erzählen: Es ist nicht lange her, da habe ich ihn den Söhnen noch gezeigt. Er saß in einem Café bei uns um die Ecke, nachdem er bei einer Beerdigung in der Kirche vor unserer Haustür war, Teil einer größeren Trauergesellschaft. Alle in schwarzen Anzügen, Kleidern und Mänteln, alle in Trauer, deswegen gab es keine fröhlich-begeistert drängenden Fans. Aber etliche Passanten waren doch sehr erfreut ihn zu sehen, winkten ihm wenigstens im Vorbeigehen erfreut zu und er winkte verlässlich zurück, grüßte höflich und um Verbindlichkeit bemüht, ein freundlicher Mann. Ich zeigte ihn den Söhnen und sagte, dass den vermutlich alle kennen in dieser Stadt, diesen alten Mann da, der früher einmal sehr gut Fußball spielen konnte, es ist schon eine Weile her.

„Aha“, sagten sie, und was sollten sie auch sagen. Keiner von ihnen kann sich daran erinnern, habe ich gestern festgestellt.

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Ein Kommentar

  1. Ganz bestimmt können nicht allzu viele Menschen, die nah und fern um uns herum auf diesem Planeten wohnen, von sich behaupten, dass sie von Fröschen gemocht werden!! Was für ein schönes, berührendes Kompliment…zumal es von einem Kind stammt! Ich würde dahinter keinerlei Neid vermuten….viel eher aufrichtige, nahezu grenzenlose Bewunderung. Dieser Bub wird sich für sein Erwachsenenleben vielleicht eines wünschen: Dass aus ihm mal einer wird, den die Frösche mögen.
    Würde bloß jeder Mensch diesen Wunsch in sich tragen….es ginge ganz bestimmt fröhlicher zu in dieser Welt!
    Herzlichen Gruß aus Österreich!

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