Die Tiere sind unruhig

Weiterhin Donnerstag, der 22.6. Immer mehr Unwetterwarnungen für den Großteil der Republik, sehr viele, auf allen Kanälen. Tornadomöglichkeiten und alles. Großhagel, das ist auch so ein Wort, an das ich mich gar nicht erinnern kann. Ist es am Ende neu, und was kommt noch, Hagelbomben? An Hamburg wird das alles wohl vorbeiziehen, da ist man sich weitgehend einig. Man kann nicht alles haben, und einen Tornado möchte man auch nicht, schon gar nicht, wenn man unterm Dach wohnt. Es ist im Wetterbericht auch die Rede von „organisierten Gewittern“, das klingt nach krimineller Vereinigung, nach geplanten Angriffen und finsterster Verschwörung.

Die Menschen sind heute allesamt recht eindeutig noch verrücktet als sonst, sind also noch mehr Menschen, sind ganz bei sich selbst, das liegt sicher am Wetter. Heranrückende Unwetter machen alle komplett kirre und die Unzahl der Warnungen sowie der spöttischen oder mahnenden Kommentare zu diesen Warnungen in den sozialen Medien macht es nicht besser. Eine Stimmung da draußen jedenfalls … mehr als seltsam. Am Abend riecht es eine Stunde vor dem endlich einsetzenden Regen unangenehm schwefelig im Stadtteil, eine Luft wie zum Anzünden, satanische Düfte.

Ich gehe bei den ersten Tropfen noch einmal um den Block, ich höre mir die Musik von damals an, es kommt mir sensationell passend vor.

Es passiert dann jedenfalls nichts, wie ich hier aus späterer Perspektive ergänze, es regnet einfach nur etwas, und nicht einmal besonders viel. Mäßige Pfützenbildung auf dem Spielplatz, alles verbleibt im bescheidenen Bereich. Womit ich nicht sagen will, dass die Warnungen falsch waren, es gab andernorts weiß Gott genug Probleme, wie ich am nächsten Tag lese.

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Ansonsten können einem die Gleichzeitigkeit und die krassen Unterschiede in der medialen Bearbeitung der diversen Schiffsunglücke gerade das Hirn verbiegen, zumindest komm es mir so vor. Was für Lehrbuchbeispiele, wie außerordentlich unangenehm und wie irre teils die Kommentare, in den Leitartikeln und auch in den Timelines. In den Nachrufen wird man lesen, die Menschen an Bord der Titan seien wahre Pioniere gewesen. Meine Güte.

Titan und Adriana übrigens, die Schiffsnamen. Beide verweisen auf die klassische Mythologie, einmal Griechenland, einmal Rom. Ich hänge da keine Pointe dran, es kommt mir einfach nur bemerkenswert vor, es ist so ein Detail, das in einem Thriller wichtig wäre. Einer der Hauptfiguren würde irgendwann verlässlich einfallen, was es zu bedeuten hat.

Und apropos Mythologie. Ich teste gerade, ob eine App meine Handschrift gut lesen kann, so dass ich meine Notizen des Tages am Abend digitalisiert irgendwo einfügen kann. Ich schreibe, da ich durch die Nachrichten auf die Klassik gestoßen wurde: „Bedecke deinen Himmel, Zeus“, also den Anfang des Prometheus vom ollen Goethe. Und die App kann das auch tatsächlich lesen, obwohl meine Handschrift leider nicht zu den lesbarsten Varianten gehört. Es gibt nur einen kleinen Fehler in der Deutung, den man fast vernachlässigen kann, denn die App schreibt: „Bedecke deinen Himmel, Jens.“

Klingt doch auch gut, so leicht modernisiert. Zeus, Jens, die moderne Boomer-Variante des alten Obergottes. Gefällt mir.

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