Kürbis, Tee, Regen

Mittwoch, der 20. September. Gestern sah ich, dass es jetzt auch in meinem Discounter die Weihnachtsregale gibt, Lebkuchen, Dominosteine etc. Andere hatten dergleichen in meinen Timelines allerdings schon viel früher vermeldet, Wochen vorher, nach welcher Logik das wohl gehen mag? Ob es eine systemgestützte Entscheidung für die einzelnen Märkte ist, ob es im Ermessen der Filialleitung liegt oder läuft es ganz anders, ist es am Ende wieder bloß ein Verkauf gemäß der Verfügbarkeit? Fragen über Fragen. Aber egal, ich habe eh nichts davon gekauft, selbstverständlich nicht. Immer erst einmal eine Runde Mäßigung üben, Verzicht und Selbstkasteiung. Spartaner stehen im September vor Stollen und gucken sparsam.

Die Völlerei kommt dann erst wieder bei einbrechender Kälte, und in meinem Wetterbericht kommt die weit und breit nicht vor, nicht in diesem Monat, und auch nicht zu Beginn des Oktobers. Herzensternebrezelvertagung.

Ich sehe währenddessen einen etwas seltsamen neuen Trend bei den Herbstvideos auf Instagram und Tiktok, bei diesem ganzen Dark-Academia-Zeug also, mit Kürbis, alten Büchern, Ledersesseln, Tee, Edinburgh und Regen vor den Fenstern, viel Regen: Man zerhackt jetzt die Clips in viele Schnitte, um möglichst viele dieser Bilder in einer Sequenz unterzubringen. Als wolle man in möglichst wenigen Sekunden zeigen, was man alles vorrätig hat an dunkel abgetönten Aufnahmen, die tiefe, tiefe Ruhe ausstrahlen. Chillige Bilder in rasendem Takt also, es geht dabei wohl um eine Steigerung der Entspannungseffizienz. Auch du wirst relaxed, wenn du dir nur ausreichend hektisch wechselnde Bilder von gemütlichen Umgebungen ansiehst, und hier, nimm noch eben zwei, drei Sekunden beschleunigten Chopin mit, das beruhigt.

Ich weiß nicht, bei mir funktioniert es nicht recht, fürchte ich. Am Ende muss ich also doch wieder selbst vor die Tür und mir oktobrige Stimmungsbilder in der echten Landschaft ansehen, in mittelalterlichen Altstädten im Speckgürtel der Stadt oder in Museen und Bibliotheken. wie so ein Mensch aus dem letzten Jahrhundert.

Schlimm ist das, die Digitalisierung klemmt wirklich überall.

Ein heranreifender Hokkaido hinter Brennnessellaub

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4 Kommentare

  1. Das erinnert mich an die Sendung im NDR-Radio „Stenkelfeld– Weihnachten im Oktober“….
    Viele Grüsse in den geliebten Norden!

  2. „““… nach welcher Logik das wohl gehen mag? Ob es eine systemgestützte Entscheidung für die einzelnen Märkte ist, ob es im Ermessen der Filialleitung liegt oder … … Fragen über Fragen ..““

    Ein paar Antworten:

    Nur bei genossenschaftlich organisierten Läden, wie z.B. bei EDEKA, entscheiden die selbständigen Kaufleute selbst – ab wann ‚Weihnachtsware‘ angeboten/verkauft wird.

    Ansonsten ist es in anderen Märkten seit vielen Jahren üblich – dass Weihnachtswaren ab der 35.KW (Herbstanfang) angeboten werden.

    Grund u.a.: Was es lange nicht gibt ist attraktiv.. Kunden kaufen auch ‚Erdbeeren‘ im Januar…

    ‚Hohlkörper’Produkte (Weihnachtsmänner:innen) werden deutlich später angeboten. ..

    Bei ‚OSTER-Artikel‘ gibt es (noch) durch Weihnachten eine klare Grenze.. (bisher)

    PS: Ein Drittel der ‚Weihnachtsware‘ wird VOR November verkauft ..

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