Den Freitag habe ich, haben wir mit Müh und Not erreicht. Aber es war eine weitere Woche, in der ich mit der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht einmal annähernd auskam. Und zwar auch bei den Routinesachen nicht. Es fühlte sich ein wenig so an, als habe man mir die Stunden zusammengekürzt, unter Beibehaltung aller Aufgaben und Alltagsanforderungen. Es fühlte sich also auf eine gewisse Art CDU-regiert an, aber an der Politik lag es in Wahrheit wohl nicht.
Eher schon, und ich kam etwas dümmlich spät darauf, lag es daran, dass ich rückenschmerzbedingt einfach viel langsamer mit allem war und bin. Dass ich also nicht mehr im wieselflinken Gewusel durch den Alltag wimmle, nicht mehr im gazellenartigen Galopp die Gewerke abarbeite, sondern eher mit dem überschaubaren Furor eines Faultiers voranschreite. Dass ich dabei dauerhaft übermüdet wie ein Schichtarbeiter nach endlosem Dienst bin, denn die Nächte, sie sind ebenfalls schlecht.
Okay, das nimmt selbstverständlich etwas Fahrt aus allem, ich muss es sicher einsehen und akzeptieren. Aber ungern, so ungern. Denn langsam, da stehe ich nicht drauf, und der oder die Erste, die hier topcheckend anmerken will, dass der Rücken vielleicht gerade deswegen … Bringen Sie sich nicht in Gefahr.
Wie auch immer. Den Freitag haben wir also erreicht, und was machen wir nun mit diesem Tag am frühen Morgen, noch bevor Arbeit und Alltag beginnen? Wir definieren ihn einmal wieder als casual. Dieser Begriff ist mir allerdings schon seit sehr langer Zeit nicht mehr begegnet. Und er hat auch in dem Sinn und in dem Bekleidungskontext, mit dem er ursprünglich verbunden war, in meinem Umfeld nie eine Rolle gespielt, er kam eigentlich stets nur als Scherz im Smalltalk vor.
Bei der Beschäftigung mit „The Burning Hell“ neulich kam mir ein Lied unter, gesungen von Ariel Sharatt und Mathias Korn, das diesen Begriff im Titel trägt, und bei dem man den Text ruhig einmal zur Kenntnis nehmen kann, wie bei allen ihren Songs.
“Casual Friday
Our reflections are shining
In the glass of the office doors sliding
Open onto the beautiful world
So take off your necktie and put on your Uggs
Find your tearaway track pants, fill the pockets with drugs
Wear your sunglasses all morning because
You don’t have to make any eye contact
When you arrive at the office high five everyone
Play Jimmy Buffet through the intercom
Today you can all do whatever you want
It’s written right there in your contract”
Ansonsten trat gestern der geschätzte Ben Caplan (Wikipedia-Link) im Hamburger Nochtspeicher auf und sang alte und neue Lieder. Nun habe ich den Herrn also auch einmal live erlebt, was ich als recht großes Immerhin der Woche zu verzeichnen habe. Dummerweise war es aber kein seniorengerecht bestuhltes Konzert, ich hielt daher nicht bis zum Ende durch und bin nun auch in dieser Phase angekommen. In der nächsten Eskalationsstufe bringe ich vermutlich eigene Kissen überall mit hin. Schlimm.

Wie bei Kenntnis seiner Lieder und Videos jedenfalls zu ahnen war, ist Ben Caplan eine bühnenfüllende Erscheinung, auch als Einzelperson. Er hat auf eine merkwürdig deutliche Art bedeutend viel Präsenz, Charme und Stimmvolumen, vom Bart ganz zu schweigen. Und wirkt dabei insgesamt so, fiel mir nach einer Weile auf, als sei in ihm irgendwie mehr Mensch untergebracht als in einem selbst.
Es gibt noch Termine in Erfurt (morgen), Nürnberg, München und Köln. Ich kann Ihnen diese Auftritte empfehlen, etwas Neigung zu der Art von Musik, die er macht, vorausgesetzt. Die Beschreibung auf seiner Seite ist nicht verkehrt:
Ich nahm den Abend auch zum Anlass, bereits im Vorwege etliche alte Sachen von ihm noch einmal und dann auch mehrfach zu hören. Worunter Songs mit besonders gut mitsingbaren Zeilen für mich zu finden sind.
Etwa bei „Drift apart“. Das ist ein Song, bei dem ich gerade etliche Zeilen unterschreiben kann oder sogar geschrieben haben könnte. Wäre ich denn überhaupt in der Lage, Songs zu schreiben, was aber definitiv nicht der Fall ist.
„I have not been perfect for you
Although I think I was back at the start
You have no more patience for me
So now I guess we both just drift apart.”
Andererseits, wer ist schon perfect for anyone. Und in Sachen patience kann ich mit großer Sicherheit niemandem etwas vorwerfen, sollte viel eher permanent in den Spiegel sehen.
Wozu mir aber auch die Geduld fehlt.
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