Überlagerungen, Unterbrechungen und Erzählstränge

Ich habe lange Zeit, über etliche Jahre, nur sehr wenige Filme und noch weniger Serien gesehen, ich hole aber gerade etwas auf. Dabei fallen mir vielleicht Aspekte verstärkt auf, an die sich andere längst gewöhnt haben. Vielleicht wurden sie auch neuerdings erst in auffälliger Häufigkeit in den Drehbüchern untergebracht. Ich weiß es nicht genau, mir fehlt in der Regel der Vergleich.

So ging es mir z. B. gerade bei drei Produktionen, die ich nacheinander weg gesehen habe, in denen die Hauptdarstellerinnen bei der Kommunikation dauernd das machten, was man heute eben so macht, was also durchaus realistisch abgebildet war – sie tippten etwas ins Smartphone oder lasen etwas darauf, sie reagierten auf Hinweisgeräusche und auf grafische Notifications. In allen nur denkbaren Situationen taten sie das, und zu allen Tages- und Nachtzeiten.

Und wer bei diesem Thema ohne Schuld ist, der werfe bitte das erste Handy, um es gleich vorwegzunehmen.

Der Text dieser Nachrichten auf den Smartphones war als Dialogsurrogatextrakt für den Fortgang der Handlung natürlich wichtig und wurde daher folgerichtig jeweils eingeblendet. Wurde also kurz, manchmal auch zu kurz, über die weiterlaufende Handlung oder über die Gesichter mit der auf die Nachricht reagierenden Mimik gelegt. In einigen Fällen auch in äußerst kleiner Schrift, und ich könnte an dieser Stelle also schon wieder etwas zum fortschreitenden Alter anmerken, zur Lesebrillen- oder Gleitsichtproblematik etc. Aber egal.

Bei einer skandinavischen Serie sah man jeweils gleich zwei Einblendungen. Eine in der Originalsprache mit all den lustigen Sonderzeichen, eine in der übersetzten Fassung für das deutschsprachige Publikum. Da waren in einer Sequenz dann immerhin drei Informationsebenen zusammen zu sehen: das klassische Handlungsbild, der Originalsprachentext und die Übersetzung.

Selbstverständlich passt das so zu unserer Wirklichkeit, denn so verhalten wir uns. Zumindest viele von uns. So kommunizieren wir. So lassen wir uns durch Textbröckchen bei allem und fast jederzeit unterbrechen und genauso werfen auch wir fortwährend oder zumindest häufig mit Informations-, Gefühls- oder Gesprächshäppchen um uns.

Aber wenn man es so auf einem weiteren Bildschirm gespiegelt bekommt, fällt es auf einmal noch viel mehr auf, was man ohnehin schon lange ahnt, nämlich wie seltsam das manchmal ist. Um es noch nett auszudrücken. Weil es alles ständig unterbricht, weil es Abläufe, Szenen und Bilder aller Art überlagert, weil es letztlich kommunikative Ruckbewegungen sind und weil dabei kaum jemals ein sprachlicher Abschluss erreicht wird. Weil wir uns diesen Kurztexten immer nur kurz widmen, gerade so, als sei das die Bedingung für den Gebrauch, was natürlich Unfug ist. Weil es oft dem eigentlichen Handlungsstrang schadet. Und weil es, wenn es nur häufig genug eingesetzt wird, also so häufig wie in der Wirklichkeit vielleicht, auch erheblich nerven kann. Etwa wenn es nicht gerade um den Austausch mit geschätzten, gewollten und zu diesem Spiel ausdrücklich eingeladenen Menschen geht. Man kennt es immerhin auch von MS Teams im Büro, zumindest die mit den Corporate-Jobs kennen das.

Dabei war doch das klingelnde Telefon, schon gar in der mobilen Variante, als potenziell jederzeit drohende Unterbrechung bei allem schon schlimm genug. Könnte man meinen.

Das fand ich jedenfalls interessant, mir das auf diese Art wie von außen anzusehen. Etwas unangenehm erhellend kam es mir vor.

So weit jedenfalls, wie ich es eben mitbekommen habe, während ich nebenbei … na, egal.

Eine mechanische Schreibmaschine, daneben eine Postkarte mit einem Bild von Anders Zorn

***

Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

Ein Kommentar

  1. Mir fallen (sowohl in Filmen/Serien als auch in der Realität) viel häufiger die auf, die – manchmal fast verzweifelt – auf solche Unterbrechungen/Nachrichten warten.

    Just my 2 ct.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert