Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Ein klarer Fall von reiner Kulissen- und Kostümschwelgerei. Aber es geht, wenn auch eher knapp, noch als Bildung durch, denn es war immerhin eine Literaturverfilmung: „Der Leopard“, die Miniserie auf Netflix. Bei der Zeit war man von dieser Verfilmung allerdings ganz und gar nicht angetan (und nicht bei der taz oder beim Standard, man findet auch noch weitere, eher verheerende Rezensionen). Es fällt in der Zeit-Besprechung das äußerst böse Wort „schmonzettenhaft“.

Ich denke nach ein, zwei Folgen, dass es leider stimmt, man kann es so stehenlassen. Schade, ich gucke dann doch nicht alles.

Aber die Kleider, aber die Kulissen! Sizilien! Palermo! Da war ich sogar schon einmal, damals irgendwann. Schon schön da, to say the least. Und es ist doch eine helle Freude, sich das anzusehen. Selbst in einer Schmonzette. Ein schönes Wort aus dem Jiddischen oder Hebräischen übrigens, lange habe ich es nicht mehr gesehen oder benutzt.

Ich sah mir den Leoparden in aller Unschuld und frei von Bildungslast an, denn ich habe weder den so hochgeachteten Roman je gelesen, obwohl er hier lockend bereitsteht und zweifellos in jeden Kanon gehört, noch habe ich die vielgerühmte Visconti-Verfilmung je gesehen. Eine Schande, beides, ich weiß. Aber ohne schändliche Lücken kommt niemand durch die Jahre, das weiß ich auch.

Im Zeitartikel lobend erwähnt wird dagegen die Netflix-Verfilmung von „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Garcia Márquez, und die sehe ich mir dann wohl als Nächstes an. Da kenne ich immerhin das Buch schon, wenn ich mich auch nur äußerst vage erinnern kann. Damals habe ich es gelesen, als alle es gelesen haben. Als „man“ überhaupt sehr viel aus Südamerika gelesen hat. Aber so begeistert wie alle war ich dann doch nicht, das immerhin weiß ich noch.

Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt noch einen Freundeskreis Graham Greene gibt. Ich würde es bedauern, wenn es nicht so wäre, auch wenn man zugeben muss, dass seine Themen nicht mehr aktuell sind und es beispielsweise für die meisten von uns keineswegs mehr an der Tagesordnung ist, mit Gott und mit dem eigenen Glauben zu ringen, als ginge es dabei um Leben und Tod oder auch nur um besonders ernste Fragen. Aber so ging es in seinen Büchern oft zu.

Neulich habe ich erst, ich berichtete auch davon, „Das Ende einer Affäre“ wieder gelesen, eine auffällig brillant konstruierte Geschichte über einen Ehebruch und über die damalige Moral, bis hin zur Mitwirkung von Gott. Auf 3sat läuft die hervorragende Verfilmung aus dem Jahr 1999 von Neil Jordan, mit Julianne Moore und Ralph Fiennes.

Zu erwähnen ist aber auch Stephen Rea, der die undankbare Rolle hat, einen unscheinbaren Mann zu spielen. Und er macht es sehr gut, sie alle machen es sehr gut. Wenn Sie Greene mögen, werden Sie den Film auch mögen. Wenn Sie etwas über Gentleman-Behavior lernen wollen, dann sicher ebenso. Hier gibt es den Film bei 3sat, mir gefiel er.

Und schon einmal hineingesehen habe ich in „Corsage“ von Marie Kreutzer aus 2022. Mit der stets anbetungswürdigen Vicky Krieps in der Rolle der Elisabeth von Österreich (eine Sissi in späten Jahren). Hier alles zum Film bei der Wikipedia, und hier kann man sehen, wo er gerade läuft. Ich bin fast sicher, er ist empfehlenswert.

Gelesen:

Über das Denken in ganzen Sätzen.

Weitere interessante Links bei Felix.

Bei der Frischen Brise gibt es in drei Teilen (hier, hier und hier) dermaßen anziehende Aarhus-Bilder … Also, wenn ich das so sehe, man möchte vielleicht doch einmal dorthin und ernsthaft selbst nachsehen.

Eine Story im Guardian las ich außerdem, über das spektakuläre Scheitern einer großen Werbeaktion. Die vom werbenden Konzern (Starbucks) verwendete KI ist nicht unschuldig an den Vorgängen, verantwortet aber selbstredend gar nichts.

Gehört:

Weiter im Hörbuch „Knife“ (Verlagslink) von Salman Rushdie, weiter war ich angetan. Allerdings muss man vielleicht doch warnen, denn er beschreibt recht grausige medizinische Details in aller epischen Ausführlichkeit. Das werden definitiv nicht alle hören oder lesen wollen, stelle ich mir vor. Je mehr Vorstellungskraft man hat, desto elender wird einem bei manchen Stellen, es greift einen an. Wobei ich, auch wenn man das nur raten kann, vermutlich ähnlich von so einem Vorfall berichten würde. Ich finde es nachvollziehbar, damit so umzugehen.

Er berichtet in dem Buch aber auch, wie er seine Frau, die Dichterin Rachel Eliza Griffiths kennengelernt hat und wie er sich in sie verliebte. Und dafür, dass es ausdrücklich keine Geschichte ist, sondern ein eher sachlicher, beschreibender Text, ist es doch ein besonders schöner Liebesbericht geworden.

Danach brauchte ich aber dringend ein entspannenderes Hörbuch. Daher ging ich, passend zur Goethe-Biografie, durch die ich mich gerade arbeite, zum Goethe-Roman von Thomas Mann über, also zu „Lotte in Weimar“. In welchem die in die Jahre gekommene Original-Lotte, die also das Vorbild zur weiblichen Heldin im Werther war, nach Jahrzehnten ihren alten Freund Goethe in Weimar besucht. Was eine historische Tatsache ist: Die Handlung ist nicht komplett erfunden.

Ich höre über die App der öffentlichen Büchereien eine Hörbuchversion, die Gert Westphal eingelesen hat, über sechzehn Stunden lang. Der bekanntlich als König der Vorleser im deutschsprachigen Raum gilt. Und wenn man bei diesem Buch nur den Anfang hört, nur die erste Viertelstunde oder zwanzig Minuten etwa, dann weiß man, warum er so genannt wird. Ein Großmeister, ganz zweifellos.

Und dass es signifikante Unterschiede bei Vorlesefähigkeiten gibt, man bemerkt es doch jäh und deutlich, wenn man da reinhört. Es treten da etwa ein Herr Mager und ein Herr Riemer auf, der eine ein serviler Kellner mit einem leicht thüringischen Einschlag in der Aussprache, der andere die betont würdevolle Assistenz von Goethe mit einem „leicht gaumigen“ Tonfall. Und während man sich beim stillen Lesen vielleicht am Rande fragen würde, wie genau das eigentlich klingen mag, wechselt Gert Westphal mit unfassbarer Leichtigkeit in diese Betonungsarten hinein und man denkt sofort: Ja! Natürlich! Genauso muss ein „gaumiger Tonfall“ klingen.

Und zumindest für mich gilt: Ich könnte das nicht so lesen. Nicht einmal ansatzweise.

Albrecht von Lucke war Gast im Podcast von Jagoda Marinic, „Freiheit Deluxe“, über 1:37 hinweg. Dem Herrn zuzuhören, das finde ich meist interessant, so auch in diesem Fall.

Eine Folge Radiowissen: „Viktor Frankl – Sinn des Lebens, Sinn des Leidens“. 21 Minuten, und Frankl zu kennen, das schadet nicht. Im Gegenteil.

Und einen Podcast gab es auch wieder ausdrücklich außerhalb der thematischen Komfortzone. Das baue ich nach Möglichkeit oft ein, nämlich eine Folge von „Der Rest ist Geschichte“: Waffentechnik – Krieg ist auch nicht mehr das, was er mal war. 44 Minuten.

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Neue Musik fand ich etwa von Seasick Steve, bei dem ich die besonders langsamen Stücke meist mag. Gerade erschienen: “The last season of America”:

Neue alte Musik fand ich auch auf YouTube, etwa von Peggy Lee in der Ed-Sullivan-Show, „Non dimenticar“ (Vergiss nicht):

Oder hier, Lonnie Johnson:

Zuletzt ein grandioser Auftritt von Alicia Keys. Aber wann wäre sie nicht grandios.

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