Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Drogen-Reportagen sehe ich leider an, weil ich allzu oft einen Bezug zum eigenen Stadtteil herstellen kann. Diese hier ist eine, wo das nicht so auffällt, die man aber auch nicht gerade als mutmachend bezeichnen kann. Man sitzt im steten Kopfschüttelmodus davor.

Ein Grafitti, der Schriftzug Fentanyl

Auf arte sah ich zwei weitere Film-Dokus. Zum einen die über das Paar Ali MacGraw und Steve McQueen. Erst jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass sie das Mac im Namen hat, er das Mc, was für ein netter Zufall. Man kann sich allerdings mühelos eine etwas feministischere Perspektive der Doku vorstellen, es wäre sinnvoll gewesen. Dieses tendenziell durchklingende Verständnis, Männer lieben nun einmal schnelle Autos und Affären, die sind einfach so – ich weiß ja nicht. Etwas zu einfach gedacht vielleicht. Aber als ein Stück Kulturgeschichte dennoch interessant.

Zum anderen diese Doku über Orson Welles. Der darin besonders sympathisch wirkt, vielleicht sogar am sympathischsten von all diesen Film-Heldinnen und Helden in der Dokureihe. Ich habe keine Ahnung, ob er wirklich sympathisch war, aber die Wirkung ist zunächst überzeugend.

Einen Wes-Anderson-Film von 2007 holte ich dann noch nach: „Darjeeling Limited“. Mit Owen Wilson, Adrien Brody, Jason Schwartzman.  Ich habe allerdings nicht einmal ansatzweise verstanden, was Herr Anderson mir mit diesem Film sagen wollte. Vielleicht wollte er mir auch gar nichts sagen, kann ich mir vorstellen. Vielleicht wollte er mir nur einmal zeigen, was in seinem Kopf so abläuft. Und das immerhin wurde dann, wie bei ihm nicht anders zu erwarten, in exzellenten Bildern dargestellt.

Weswegen ich Wes Anderson also selbst bei kompletter inhaltlicher Ratlosigkeit genießen kann, und das ist doch auch ein schönes Kompliment.

Die noch leere Bühne des Schauspielhauses

Im Hamburger Schauspielhaus (ich war aus!) sah ich ein Gespräch aus der Reihe „Zukunft der Demokratie“. Es ging zwischen Mely Kiyak und Lukas Bärfuss um Sprache und Politik, auf durchgehend hohem Niveau. Mitgenommen habe ich Hinweise auf drei Bücher, die an diesem Abend mehrfach erwähnt wurden und bei denen ich den Eindruck hatte, ich sollte mir sie vormerken.

Zum einen die BBC-Reden von Thomas Mann, die Mely Kiyak herausgegeben hat: „Deutsche Hörer!“, zum anderen ihr Buch „Gute Momente“. Und dann noch der schmale Band von Lukas Bärfuss über seine Mutter: „Königin der Nacht“.

Der Abend war ansonsten ein klein wenig schmerzhaft, da er an einen Tag anschloss, an dem ich sämtliche Themen, die mir vor dem Theaterbesuch begegneten, ausgesprochen niveaulos fand, tendenziell dümmlich und meist auch sinnlos. Es war also einer dieser Tage, wie ihn wohl die meisten Menschen kennen werden, an dem man sich pausenlos fragt: „Was zum Teufel mache ich hier eigentlich!?“

Nach solchen Tagen kann die Begegnung mit Kultur und Feuilletoninhalten etwas herausfordernd sein. Aber auch das ist nichts Schlechtes.

Gelesen:

Bei Vanessa las ich über Klötzchen in Berlin.

In the dark times will there also be singing? Rebecca Solnit schreibt aus US-Sicht über die aktuelle Lage. Mit Bezug auf den Brecht-Klassiker „An die Nachgeborenen“, den Sie vermutlich ebenfalls noch aus der Schule kennen, wo er vermutlich bis heute auf dem Lehrplan steht. Und bei dem ich übrigens annehmen würde, dass man die letzten beiden Zeilen als junger Mensch eher unterschätzt, während man als älterer Mensch vielleicht etwas zu wissend nickt beim Lesen.

Und hier lernte ich noch einen neuen Begriff, der mir nützlich und verwendbar vorkommt: Boomer-Realism: „… upholding the illusion of normalcy“.

Eine Möwe auf dem Dach eines Alsterboots

Gehört:

Gerne gehört habe ich einen Podcast der Zeit, „Das Politikteil“, mit dem Gast Robert Habeck. Dem ich über 1:17 kaum widersprechen kann oder mag, dem ich auch zuhören kann, ohne ihn peinlich zu finden. Und wie viel will das heißen in diesen Zeiten! Interessante Ideen gibt er da von sich.

Bei ARD Sounds hörte ich vier kurze Pater-Brown-Geschichten von Gilbert Keith Chesterton: „Der Hammer Gottes“, „Der Unsichtbare“, „Das blaue Kreuz“ und „Die seltsamen Schritte“. Gelesen von Hans Korte.

Die Kriminalhandlung war mir dabei ziemlich egal, aber es gibt darum herum interessante Personen-, Situations- und Kulissenbeschreibungen. Selbstverständlich lese ich auch in der Wikipedia zum Autor nach:

„Gewöhnlich trug er ein Cape und einen zerdrückten Hut, einen Stockdegen und hatte eine Zigarre aus dem Mund hängen. Er vergaß oft, wohin er wollte, und verpasste den Zug, der ihn dorthin bringen sollte. Es wird berichtet, dass er mehrfach seiner Frau von entfernten Orten Telegramme schickte wie „Am at Market Harborough. Where ought I to be?“ („Bin in Market Harborough. Wo sollte ich sein?“), worauf sie antwortete: „Home“ („zu Hause“).“

Es gibt immer und zu jeder Zeit Menschen, die sind noch verwirrter als man selbst. Und auch das ist ein Trost.

Beim SWR hörte ich eine Diskussionsrunde in der Ausprägung Politologie und Geschichtsforschung: „250 Jahre USA: Das amerikanische Imperium –  Wie haben die USA die Welt verändert?“ (44 Min.) Es hebt die Laune nicht, dort zuzuhören. Aber es nützt ja nichts.

Ein neues Hörbuch fing ich auch an, nach Beendigung der „Lotte in Weimar“ von Thomas Mann. Und zwar ist es eine dieser Geschichten, die man mit einiger Sicherheit kennt, selbst wenn man sie nicht kennt. Weil man etliche Splitter daraus irgendwo gesehen hat, Spiegelungen davon und auch Ableitungen, Variationen: „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas dem Jüngeren. Verfügbar ist sie kostenlos in der öffentlich-rechtlichen Mediathek.

Vermutlich, nein, ziemlich sicher ist es das einzige Buch, bei dem ich den betont bildungsbürgerlich anmutenden Satz anmerken kann: „Ich kenne es bisher nur als Oper.“ In anderen Blogs, sehe ich, wird es auch gerade thematisiert.

***

Abschlussmusik. Es ist einigermaßen ruckartig wieder Sommer geworden, es ist sogar sehr Sommer. Da suchen wir uns also ein Lied mit dem passenden Titel, und selbstverständlich ist dann dieses hier die erste Wahl. Es kann gar nicht anders sein:

“For we are always what our situations hand us

It’s either sadness or euphoria …”

***

Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

Ein Kommentar

  1. So Gott will, werde ich mich heute mit einer Gemeindebriefandacht zu 1. Sam 16,7 („Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“) in den Reigen der Kameliendame-Aufgreifenden einreihen. In den letzten Tagen war ich schon im Internet unterwegs, die passende Werbung mit Opernarie zu finden, um der Leser:in „La Traviata“ ins Gedächtnis zu rufen. Kiki wusste weiterzuhelfen. Anlass zum Thema sind Fotos aus einem botanischen Garten, die eine Frau aus der Gemeinde beibrachte, darunter eine dunkelrote Kamelie.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert