Gesehen:
Bei der ARD läuft noch bis zum 22. August der Film „Die Nachbarn von oben“.
Beim SRF heißt es:
„Die Nachbarn von oben“ behandelt Themen wie Kommunikation und Sex in langjährigen Beziehungen, Flirten ausserhalb der Beziehung oder offene Beziehungen. Wenn die eher verklemmten Anna und Thomas den lockeren Nachbarn gegenübersitzen, ist Fremdschämen vorprogrammiert. Wer über die unangenehmen Diskussionen fremder Paare lachen kann, wird hier gut unterhalten. Und zum Überdenken der eigenen Beziehung angeregt. Paartherapie auf der Leinwand sozusagen.
Ich fand die Besetzung hervorragend: Ursina Lardi, Sarah Spale, Roeland Wiesnekker, Max Simonischek. Fast alles Namen, die mir nichts sagten. Was bei mir allerdings mangels ausreichender Fernseherfahrung nicht viel heißt.
Der Fremdschämfaktor wird bei uns verschieden ausfallen, aber eigene Zustände oder Erfahrungen werden fast alle mühelos an die Dialoge des Films anknüpfen können, die langjährige Beziehungen haben oder hinter sich haben. Ich nehme sogar an, man wird ein paar Mal anerkennend „Treffer!“ murmeln können. Denn wir gleichen uns auch in Beziehungen oft mehr, als uns lieb ist.
Ob man das dann lustig findet, das wird am Ende auch eine Frage der Tagesform sein. Ich habe mich amüsiert, hatte aber nebenbei auch einen Anfall von fast zudringlicher Paarnostalgie. Und das muss man dann gerade abkönnen.

In diesem Zusammenhang fiel mir außerdem ein, dass ich vor längerer Zeit die Mini-Serie „Wanderlust“ zu ähnlichen Themen auf Netflix gesehen und damals auch gutgefunden habe. Ich habe dann noch einmal hineingesehen, ob meine Erinnerung stimmt, und ich denke immer noch: Kann man sich ansehen. Wobei die Serie, wenn ich da noch richtig liege, moralisch korrekt endet. Was man sicher bemängeln kann, denn welche Welt soll das abbilden.
„Saturday Night Fever“ läuft auf arte. Im Blog der Mediathekperlen gibt es den Hintergrund dazu, auch die heute notwendig erscheinenden Warnungen. Der Film kam 1978 in die deutschen Kinos. Ich war 12 Jahre alt und habe ihn damals so kennengelernt, wie es für zu junge Menschen in jener Zeit üblich war, nämlich über die Parodien im Mad-Magazin. Ich habe danach etliche Splitter des Films gesehen, Spiegelungen, Verzerrungen in der Popkultur, Zitate und Ausschnitte. Jetzt sehe ich ihn zum ersten Mal ganz.
Und wie interessant das ist! Wie viel von dem, was ich da etwa als Interieur der Disco sehe, mir später begegnet ist, noch viele Jahre nach diesem Film. Die Beleuchtung, die Deko, die Stimmung. Nur diese ausgesprochen gockelhafte Art des Travolta-Tanzes, die ist mir nie so begegnet. Diesen Teil des Kults habe ich komplett verpasst, oder es gab ihn hier einfach nicht in dieser Form. Die Tanzszenen kommen mir sämtlich schlecht gealtert vor, was bei Tänzen doch einigermaßen merkwürdig ist.
Es ist aber auch einer der Filme, bei denen man wieder merkt, was für eine dumpfe Zeit die 70er und 80er waren, wenn es um Chauvinismus, Frauenfeindlichkeit, Gewalt gegen Minderheiten, patriarchale Albernheiten, Macho-Verherrlichung etc. geht.
Ich verdränge das gerne, aber ich sehe bei solchen Gelegenheiten doch: Es war so. Eindeutig war es so, und es war auch immer noch schlimmer, als es meine Erinnerungen zunächst zugeben möchten. Es waren brutale Jahrzehnte in dieser Hinsicht.
Kurz kam mir auch wieder die Erinnerung daran, wie ich mit den Söhnen, als sie noch klein waren, einen vermeintlich lustigen Film aus meiner Kindheit sehen wollte, mit Bud Spencer und Terence Hill. Denn was hatten wir gelacht damals! In den ersten Minuten des Films wurden dann Frauen und Kinder geschlagen, wurde ohne Gurt Auto gefahren, wurde beim Familienessen geraucht und gesoffen. Ich hatte so viel spontanen Erklärungsbedarf, wir haben den Film dann nicht weitergesehen. Zumal auch keine einzige der Pointen bei den Söhnen funktionierte.
Tempi passati, das gilt oft auch für den Humor der Zeit.
Die Kaltmamsell verlinkt hier ganz unten im Text eine Foto-Galerie zu „Live Aid“. So etwas steht eher für das Bild der Epoche, an das ich mich freiwillig erinnern möchte. Man biegt es sich eben alles passend zurecht, ne.
Von Walther Ziegler ließ ich mir in bewährter Manier Heidegger erklären. Das kann man selbstverständlich auch hören, sehen muss man es nicht unbedingt.
Eine arte-Doku mit viel Kunstgeschichte sah ich auf YouTube: „Wie der Narr zum Symbol der Freiheit wurde“.
Gelesen:
Einen Artikel im Guardian, der in der Schlagzeile postoptimistisch beginnt: „Your worst fears about cultural collapse might be true …“ Es geht um ein neues Buch der mir unbekannten Autorin Sarah Wilson: „I eat the stars“, mit dem ansprechenden Untertitel: „How to live fully and beautifully in a collapsing world.“
Ich halte es längst für zweckmäßig, in diese Richtung zu denken. Und ich denke nicht oder nicht mehr, dass dies übersteigerter Pessimismus ist. Es ist mehr eine Form der Ehrlichkeit beim geistigen Zurechtfinden.
Aber bitte, die Selbstverpflichtung zum Optimismus, und sei er noch so haltlos, sie ist dermaßen stark in dieser Gesellschaft verankert, ich weiß. So stark, dass sie manche Menschen glatt vom Denken abhält, so kommt es mir manchmal vor. Wenn Sie weiterhin glauben möchten, dass am Ende alles gut wird, bitte sehr, es ist in dieser Hinsicht ein freies Land. Und wenn Sie Recht haben sollten, ich würde mich ehrlich mit Ihnen freuen. Ich dagegen neige eher einem ausgeprägten Pessimismus zu, in dem ich aber positive Ereignisse und Wendungen jederzeit und ausdrücklich für möglich halte und auch nach ihnen Ausschau halte. Für mich ist es die korrekte Mischung in dieser Zeit.

Durchgelesen habe ich offline einen schmalen Band aus dem öffentlichen Bücherschrank: „Das Kugelspiel“ von Johannes Moy.

Der Name Johannes Moy sagte mir nichts. Auch die Online-Suche gab dann zunächst fast nichts her, abgesehen von etlichen gebrauchten Exemplaren dieses Titels. Aber im Buch lese ich ein geradezu andächtiges Vorwort von Peter Handke, der sich beeindruckt von diesem Moy gibt – wie geht das nun zu?
Der Herr war, wie ich dann sehe, ein Graf, er war aus glänzender Familie. Außerdem war er Hausherr auf diesem faszinierenden Schloss, da staunt man vielleicht kurz. Ansonsten war er beruflich eng mit der Erforschung und Bewahrung der Kulturgeschichte von Salzburg, Mozart etc. verbunden. Weswegen er wohl auch nur einen einzigen Band Prosa geschrieben hat, denn er kam zu nichts, man kennt das.
Der Erzählungsband hat es allerdings in sich. Man sitzt und liest und es fühlt sich überzeugend so an, als würde man einen Klassiker aus dem Kanon lesen (aus welchem Kanon auch immer). Er wurde zum Lebensende hin gefragt, der Herr Graf, ob er es denn bereue, nicht mehr Geschichten oder auch Romane geschrieben zu haben. Dies hat er bestätigt. Vielleicht hat er sein Leben lang Anfänge oder Kapitel im Sinn gehabt, vielleicht hat er jahrzehntelang und bis zu seinem Tod gedacht, demnächst wieder zu schreiben. Es würde in eine Geschichte von ihm passen, in eine nüchtern erzählte Geschichte ohne Pointe.
Und wir als Lesende können es ebenfalls bedauern, dass es nicht mehr von diesen Texten gibt. Deren Tonfall irgendwo zwischen Stifter und Kafka zu verorten ist, so als grobe Richtung. Hat mir gefallen, dieses Buch, und hat mich auch überrascht.
Noch ein wenig, wirklich sehr wenig, zum Autor.
Hier wird anlässlich des Todes von Glen Hasard auf seine griechisch-römische Ausstrahlung hingewiesen, mit einem verlinkten Bild. Ich möchte präzisieren: Sokrates – gucken Sie bitte einmal hier. Faszinierend.
Gehört:
In der Deutschlandfunkreihe „Büchermarkt“ hörte ich eine Folge über ein Buch von Toni Morrison, „Solomons Lied“, das gerade in neuer Übersetzung von Tanja Handels erschienen ist (hier bei Rowohlt). Es gab wohl gute Gründe für eine neue Übersetzung. Nein, schlechte Gründe waren es eigentlich, wie in der Sendung erklärt wird.
Es hört sich jedenfalls alles so an, als würde ich das auch einmal lesen wollen.

In der Podcast-Reihe „Schweigen ist Zustimmung“ von Patrick Breitenbach und Jens Brodersen, in welcher normalerweise soziale, politische und andere Probleme in extenso und in allen Verästelungen erörtert werden, geht es in der aktuellen Folge vor der Sommerpause des Formats ausschließlich um gute Nachrichten.
Wobei man den stets bemühten Moderatoren deutlich, allzu deutlich anhört, was für eine heikle Gratwanderung diese Übung ist. Denn es ist doch zu und zu verlockend, bei sämtlichen Themen in das Negative abzudriften, wieder in es hineinzufallen und sich darin routiniert zu suhlen.
Aber sie kommen durch. Vielleicht ist es auch eine Übung, der man sich hier und da ebenfalls widmen sollte, denn ich nehme stark an, wir hätten alle ganz ähnliche Probleme beim Moderieren gehabt. Im Negativen redet und schreibt es sich nun einmal viel leichter und gewohnter.

Bei den Hörbüchern habe ich „Rheinsberg“ von Tucholsky auf der „Sounds“-Plattform durchgehört. Es ist nur ein äußerst schmales Werk, es vergeht so schnell wie eine Sommerliebe.
Auf der gleichen Seite höre ich nun „Ein Sommer mit Goethe“ von Gustav Seibt weiter, es liest Ulrich Matthes.
Außerdem gab es eine MDR-Reportage über die Flamingo-Revolution in Albanien.
Dann nahm ich kopfschüttelnd zur Kenntnis, dass man es jetzt „Book-Cation“ nennt, wenn man verreist, um zu lesen. Oder „Readaway“. Oder, Gott steh uns bei, „Readtreat“.
Aber wie auch immer man es nennt: Was war ich bei diesem Trend wieder für ein ambitionierter Pionier. Und seit wie langer Zeit schon.
Musik:
Neue Musik sah und hörte ich etwa von Flora Hibberd:
Und von Eels:
Außerdem fand ich eine auf YouTube neu eingestellte Sinatra-Aufnahme, eine besonders swingende Version von „You‘re nobody til somebody loves you“.
Aus meinem Geburtsjahr ist diese Aufnahme , so ging es da also zu. Man beachte die sehr eleganten Streifen auf dem Fußboden, die schon in Richtung 70 zu zeigen scheinen.
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