Gesehen:
Der NDR hat eine Bilderstrecke zum gerade erfolgten Einbau der Sternbrücke. Sie ist auch dann beeindruckend, diese Bilderfolge, wenn man sich weder für Technik allgemein noch speziell für den Brückenbau interessiert. Man beachte etwa die mittlerweile viel zitierten 40 Zentimeter, die hier und da beim Transport nur zwischen der ungeheuerlich großen Brücke und den Häusern lagen.
Wenn man sich die Brücke vor Ort ansieht, wird diese Distanzbemessung noch etwas gruseliger. Ich war bisher nur einmal dort, um die Brücke kurz zu begrüßen. Aber ich werde wohl bald wieder hingehen, um auch mitzubekommen, wie sie sich einlebt.

Wie auch immer, es ist jedenfalls nett, sich nicht immer nur mit maroden, desolaten und dysfunktionalen Brücken zu beschäftigen (looking at you, Bonn), sondern auch einmal gelingende Projekte mitzubekommen. Auch wenn das „Gelingen“ selbstverständlich umstritten ist, denn selbstverständlich gibt es reichlich Kritik an der Brücke. Man bemängelt ihre überdimensioniert wirkende Größe, ihre Form, die Art der Planung, den Städte- und Eisenbahnbau überhaupt etc.
Aber sie steht jedenfalls. Sie steht und überbrückt bestimmungsgemäß genau das, was dafür vorgesehen war. Und dies gelang mit einer jungen ProjekjtleiterIN, wie man auch mit einigem Vergnügen bemerken kann.
Von der Serie „Vorstadtweiber“ habe ich etliche Folgen gesehen. Fasziniert war ich dabei zunächst von der Grundidee, dass hier alle Beteiligten durch und durch böse, charakterlich verkommen und desolat sind, dass also keine wehrlosen Guten und Lieben als Opfer vorgeführt werden und fortwährend zu bemitleiden sind. Dass die Handlung daher auch nicht durch das Leid und die an- und abschwellende Not der edleren Charaktere vorangetrieben wird, wie es sonst fast immer und überall der Fall ist. Fasziniert war ich dann auch davon, dass so ein Konstrukt dennoch Spaß machen kann, und gar nicht so wenig.
Es war ein Spaß, der dann zwar ab Staffel drei tendenziell etwas abnahm, der mich aber bis dahin ein halbes Wochenende, welches ich ansonsten eher signifikant schlecht gelaunt verbracht habe, vollkommen ausreichend amüsiert hat. Und das ist ja etwas.
Ich freue mich außerdem noch im Nachhinein über den Einfall, dass sich eine der Hauptfiguren zwischendurch vor Selbstekel übergibt, ich finde das bemerkenswert konsequent ausgeführt. Wobei ich mich aber vor Überheblichkeit hüte, denn wer weiß schon, wozu man fähig ist und wohin einen das Leben noch treiben kann. Die Ausfahrt zur Heiligsprechung nehmen bekanntlich nur wenige von uns. Und schon gar nicht rechtzeitig.
Eine arte-Sendung sah ich auf YouTube: Werden wir immer einsamer?
(Siehe dazu, es passt sogar besonders schön, ein Interview im Deutschlandfunk mit der Einsamkeitsforscherin Maile Luhmann, die ein Buch über die Einsamkeit geschrieben hat – hier der Verlagslink.
Maike Luhmann ist also „Einsamkeitsforscherin“, wie ich mit Interesse höre. Was nämlich wieder so etwas ist, was sich auf Visitenkarten zu und zu schön machen würde. Ich sehe den Titel mit deutlichen Anflügen von Neid gedruckt vor mir, denn meine brotberufliche Bezeichnung fällt dagegen doch deutlich ab, langweiliges Corporate-Einerlei. Davon abgesehen, dass ich gar keine Visitenkarten mehr besitze, schon seit etlichen Jahren nicht mehr.

Gelesen:
Ich lese so gut wie nie Reiseberichte. Ich lese aber immer alle Reiseberichte von Vanessa Giese, und zwar vollkommen erwartbar mit Lust und Gewinn. So wie bei dem hier: Von Haltern nach Hamburg. Sie empfiehlt darin auch das Projekt der Rathauspassage in Hamburg. Dem möchte ich mich anschließen – es ist sehr gut dort.
Nils Minkmar schrieb über die Feuer in Frankreich, und er hat es alles vor Ort notiert.
Herr Rau schreibt, und ich bin da anschlussfähig: „Meine Einstellung zu Chatbot-Nutzung wird immer ablehnender.“ Da auch ich im Umfeld Verblödung im Galopp erlebe, wenn jemand diesen Modellen verfällt und das Denken, Schreiben und auch Lesen immer vollständiger und schneller, immer bedenkenloser an sie auslagert.
Es wirkt bei manchen Menschen offensichtlich wie eine schnell eskalierende Sucht. Wobei ich selbst überaus suchtanfällig bin und stets mein Glück zu schätzen weiß, wenn mich ein potenzielles Suchtmittel nicht weiter lockt. Wenn es mich nicht interessiert, nicht verführen kann. Bei KI komme ich, wie es bisher aussieht, erfreulicherweise nicht „drauf“. Es kickt einfach nicht bei mir.
Schwein gehabt.
Gleichzeitig begegnen mir aber auch mehr und mehr sinnvolle Einsatzgebiete von KI. Nicht nur in der Medizin, auch in anderen Forschungsgebieten, etwa bei Fragen der Geschichte und Kulturgeschichte, in der Kunstgeschichte. Wobei die Erfolge in der Medizin allein schon reichen könnten, um einige gut abgehangene Menschheitsträume zu erfüllen, etwa in der Krebsbekämpfung.
Aber das geht im Rauschen der anderen Meldungen über die Eskapaden der wildgewordenen Chatbots und ihrer durchgeknallten Business-Junkies eher unter, wie mir scheint. Etwas schade ist es schon.
Stefan Weichelt recherchierte über die lautesten 5 Prozent im Internet, jene 5 Prozent, die wir alle kennen und nur so ungern zur Kenntnis nehmen.
Die Offline-Reihe mit Büchern von Irmgard Keun setze ich mit „Kind aller Länder“ fort, hier ist es bei der Wikipedia beschrieben. Ein Exilroman aus Sicht eines zehnjährigen Kindes, das mit den aus Deutschland geflüchteten Eltern unstet von Hotel zu Hotel zieht und mit der Mutter dort meist gemeinsam wartet, dass der Vater, ein irrlichternder Autor, der seinen Markt und damit seine finanziellen Chancen verloren hat (Joseph Roth nachempfunden, so wird es zumindest teilweise sein), irgendwo da draußen, in dem zusammenkrachenden Europa, doch noch etwas Geld auftreibt. Wenigstens genug Geld, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren.
Ich sah online nach, ob das Buch auch verfilmt worden ist, was auf den ersten Blick nicht der Fall zu sein scheint (WTF!). Dabei fand ich aber immerhin die Hörbuchversion. Falls es jemanden interessiert: Hier ist sie kostenlos bei ARD-Sounds verfügbar. Gelesen von Jodie Ahlborn. Ich bleibe in diesem Fall allerdings bei der gedruckten Version.

„Reading Maps“: Journeys from fiction drawn on the real world. Was für eine ausgesprochen erfreuliche Idee! (Via)
Ich kenne das: „Was soll ich mir wünschen? In mich hineingehorcht und eine seltsame Stille vorgefunden.“
Ein besonders abgefahrenes Stück Kulturgeschichte: Liebesaugen und Liebeslippen als Schmuckstücke.

Gehört:
Den “Sommer mit Goethe” von Conrad Seibt habe ich durchgehört. Überrascht davon, dass dieses Sachbuch nennenswert anspruchsvoller war, als ich angenommen hatte, vermutlich in die Irre geführt von dem nach Ferien und Leichtigkeit klingenden Sommer im Titel. Es ist aber eher ein Sommer-Intensiv-Seminar in einem Goethe-Camp für Fortgeschrittene, falls man sich so etwas vorstellen kann (ich wäre interessiert).
Empfohlen also vor allem für Deutschlehrerinnen, für Germanistik-Ultras und auch für die etwas anhänglicheren Freunde des spätbürgerlichen Bildungsballastes. Für diese aber wird es sehr empfohlen, mir z. B. hat es gefallen. Ich habe das alles mit Interesse gehört und ich lasse mich auch gerne darauf ein, dass die Lektüre dieses zum Buch gewordenen Sommer-Seminars stark dazu verführt, wieder etwas mehr und öfter ins Gesamtwerk von Goethe zu sehen.
Das nächste Hörbuch, ich habe offensichtlich gerade eine betont konservative Phase, wenn es um Literaturgeschichte geht, ist von Volker Weidermann: „Mann vom Meer“. Über Thomas Mann und die Liebe seines Lebens, über seine Sehnsuchtsverbindung zu Ozeanen und Stränden.
Im Gegensatz zum Goethe-Buch ist dieses Werk ausdrücklich erzählend angelegt. Und zwar wird auch noch gekonnt erzählt, aus meiner Sicht ist es beste Unterhaltung. Gekonnt vorgelesen wird auch, diesmal von Hanns Zischler.
In der Podcastreihe der Zeit „Ist das eine Blase?“ hörte ich die Folge über das eventuelle Ende der deutschen Autoindustrie.
In Japan stehen wegen der schwindenden Bevölkerung unfassbar viele Häuser leer. Dazu gab es eine Sendung beim Deutschlandfunk über den Umgang mit diesen Gebäuden und den sich teils schnell leerenden Orten. Man kann zwanglos auch einige deutsche Gegenden assoziieren und in diese Richtung weiterdenken.
Bei „Sein und Streit“ ging es um Biorhythmik, aber nicht im alltäglichen Sinne, etwas größer gedacht: „Lebensphasen – Wer bestimmt den Takt unseres Lebens?“ Man könnte große Mengen Text daran anlegen. Wenn man die Zeit dafür hätte und wenn es nicht zu warm für alles wäre. In dieser Sendung kommt außerdem eine weitere, ungeheuer attraktive Berufsbezeichnung vor: „Zeitphilosoph“.
Wir stellen uns vielleicht mal eben eine Kurzgeschichte vor, in der sich eine Einsamkeitsforscherin und ein Zeitphilosoph kennenlernen, ist es nicht verlockend? Am Ende verpasst er die richtige Zeit und sie bleibt allein …
Und bei „Radiowissen“ gab es schließlich eine Folge über die Apokalyptik in der Geschichte und in der Gegenwart. Enthaltend auch den Hinweis, dass zu einer anständigen Apokalypse früher ganz selbstverständlich ein Happy-End gehört hat.
Welches uns in unserer Erwartungshaltung dann aber irgendwann abhandenkam.
Ein Trend, der mir entgangen ist: „Literatur als Modeaccessoire – wie große Marken mit Literatur werben.“

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Die Lebenstaktsendung fand ich ebenso spannend. Besonders die 3 As taten es mir an: Ausbildung, Ausüben, Ausruhen. Ich würde ja gerne von Phase 2 zu 3 wechseln. Als 60-jähriger Greis doch kein allzu vermessner Wunsch? Die Apokalypsesendung hörte ich gestern. Ich dachte so, lieber jetzt, bevor es zu spät ist.
Deutschlandfunk Nova geht gerade in 100 Folgen durch die Weltgeschichte. Ich hörte gestern eine Stunde über die Christenverfolgung. https://www.deutschlandfunknova.de/podcasts/download/eine-stunde-history