Also bei mir nicht

Am Montagmorgen fand eine Erweiterung des Smalltalkrituals um einen weiteren Inhalt statt. Ohne jede Absprache war das Thema auf einmal gesetzt. Und wer weiß, vielleicht texteten wir dabei schon Phrasen, die für Jahrzehnte und Generationen Bestand haben werden. Nämlich bei der allgemeinen Abkühlungskritik, deren Leit- und Kernsatz aus einem bündigen „Also bei mir nicht!“ bestand, woran man dann beliebig hohe Temperaturen hing, gemessen oder gefühlt in Schlaf- und Wohnzimmern, Büros etc.

Regen und Gewitter wurden dann ebenfalls nach Kräften relativiert: „Aber das brachte ja alles gar nichts!“

In der fachkundigen Bewertung der sogenannten „Abkühlung“, wozu wir lustige Anführungszeichen in die Luft malten, war man sich vielleicht sogar dermaßen einig, wie man es sonst nur bei der Bewertung der Fußball-Nationalmannschaft ist. Man könnte es gleich heute ausgiebig vergleichen: „Aber die brachten ja alle gar nichts!“

Doch, doch, es werden Ähnlichkeiten auszumachen sein.

Ein Fleet bei Niedrigwasser, im Schlamm wird ein versunkenes Fahrrad erkennbar

Währenddessen, um kurz und nur der Vollständigkeit halber auf die eingangs erwähnte Abkühlung in Schlafzimmern zurückzukommen: „Also bei mir nicht!“.

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Ich habe die Kameliendame von Alexandre Dumas d. J. nun durchgehört (hier gab es sie in der ARD-App, es las Dominik Freiberger, empfehlenswert) und mich dabei noch über einige Vokabeln gefreut. Etwa über die „kopfhängerischen Gedanken“, die sich da jemand machte. Er war also trübe, mutlos, verzagt, deprimiert, resigniert, ratlos etc. Ein bildschöner Ausdruck ist es, dieses „kopfhängerisch“. Ganz zu Unrecht wurde das Wort fast vergessen, finde ich, vielleicht sollten wir es wiederbeleben? Jetzt schon an die kopfhängerischen Kolumnen im Herbst denken!

Dann schlug ich beim Satz „Mein Vater saß im Schlafrock am Kamin“ die Bedeutungsdifferenzen von Schlaf- und Morgenrock nach, mit einem kleinen Exkurs über Bademäntel. Man kommt ja dermaßen leicht auf weit verzweigte Abwege, Sie kennen das. Dabei stieß ich auf ein Bild, bei dem ich kurz dachte, das könnte doch auch etwas für mich sein. Interessant und gediegen sah das Kleidungsstück aus. Und dann staunte ich kurz, dass es eine Firma gibt, die dergleichen heute noch herstellt.

Die Speichertadt im Sommersonnenschein

Keine bezahlte Werbung, nein, das war nur ein Zufallsfund, aber ich war doch einen Moment lang fasziniert von dem gerade gefundenen Shop, in dem es sogar die passenden Kopfbedeckungen zu diesen Mänteln gibt, mit denen auch schon Romanfiguren aus dem 19. Jahrhundert am Kamin gesessen haben. Und der Hausmantel, der Dressing Gown, dort mein Interesse geweckt hatte, er ist auch nicht gerade ein Schnäppchen. Aber gut, es geht dort auch nicht um Fast Fashion, sondern um Handwerk, ich sah mich also weiter um. Oder dieser hier? Mit der ebenfalls schönen Bezeichnung „Erbstückqualität“ in der Beschreibung. Für den es aber, siehe oben, erst deutlich abkühlen müsste.

Stellen Sie sich das doch bitte einmal vor, eine Wohnung so kühl, dass man gerne einen samtenen Hausmantel anziehen möchte … Na, man träumt so vor sich hin.

Und apropos Kamin – in der letzten Woche, als die Hitze gerade komplett eskalierte, wurde ich dezent darauf hingewiesen, dass mein Hintergrundbild bei den Videocalls im Brotberuf u. a. einen brennenden Kamin zeigen würde. Und schon der Anblick sei doch etwas herausfordernd, bei diesen absurd heißen Temperaturen.

Bei der nächsten Hitzewelle also umsichtig und mitdenkend alles auf kühlere Bilder umstellen. Auch das merke ich gerne vor. Es wird wohl mit zur Anpassung gehören, welche der Wandel von uns allen verlangen wird.

Der Rathausmarkt, menschenleer im Weitwinkel

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