Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Zwei kurze Sendungen auf arte sah ich, je nur um zwanzig Minuten lang. Hier mit YouTube-Links: „Ist Monogamie eine Erfindung?“ und „Wie monogam ist der Mensch?“ Dabei habe ich festgestellt, dass meine Allgemeinbildung bei diesem Thema sogar recht gut abschnitt. Das meiste war mir bekannt, und teils war es sogar gut bekannt. Das kann man auch tröstlich finden – habe ich also doch phasenweise aufgepasst.

Allerdings würde ich diese Sache mit der Monogamie auch für ein Thema halten, bei dem man aus dem Wissen um die Vergangenheit und aus all den Erkenntnissen in der Biologie, in der Ethik, in der Kulturgeschichte und in welchem Fachgebiet auch immer vergleichsweise wenig Schlussfolgerungen für das eigene Leben und die eigenen Maximen ziehen kann. Es ist der Fluch der freien Welt und der mit Wissen so angereicherten Gegenwart, wir können es uns vollkommen beliebig aussuchen (zumindest in diesem Land), was wir bei diesem Thema richtig finden. Und wir können das dann auch mehr oder weniger folgerichtig anstreben.

Aber wir müssen es eben auch selbst aussuchen. Denn auch diejenigen, die glauben, nicht gewählt zu haben, trafen längst Entscheidungen dazu. Es sind allerdings, was es insgesamt für uns alle nicht lustiger macht, zumindest außerhalb von romantischen Komödien im Kino nicht, durchweg reversible Entscheidungen.

Da passen gerade noch einmal Herman Dune und Mayon, fällt mir ein, mit dem ebenso weisen wie schönen Lied: „You’re the buffoon of love.“

„From Senegal to Mexico

People say I told you so

From the Holy Land to California

People say well did’nt I warn you

That love is a ruthless king

For whom you dance and sing – oh

You’re the buffoon of love.”


Was man als Zusammenfassung des Ganzen wohl so stehen lassen kann. Tiefer, so steht zu befürchten, wird unsere Erkenntnis zu dem Thema in diesem Leben nicht mehr werden, liebe Gemeinde.

Blick über die Außenalster mit Segelbooten

Ich sah außerdem, nein, ich sehe immer noch: „Jeanne du Barry – Favoritin des Königs“, hier bei „Wer streamt es“ und hier die Wikipedia-Seite. Ich finde den Film etwas besser, als es dort zum Ausdruck kommt. Vor allem, weil er etliche geradezu gemäldeschöne Bilder und Szenen enthält, bei denen ich kurz auf Stopp drücken und mich hineinträumen möchte. Dafür bin ich anfällig, so etwas mag ich.

Gelesen:

Offline durchgelesen habe ich den Novellenband von Maupassant, „Die vertane Schönheit“. Seine letzte Sammlung von solchen Erzählungen war das. Darin enthalten sind etliche Story-Ideen, die modern anmuten, die auch leicht zu übertragen wären in spätere Jahrzehnte. Die vielleicht sogar etwas später noch besser funktioniert hätten. Er hat, könnte man vermuten, in Bezug auf Pointen, Wendungen und überhaupt Erzählkonstrukte seiner Zeit etwas voraus gedacht.

Das nächste Buch ist von Bruno Schulz: „Das Sanatorium zur Sanduhr“, neu übersetzt von Doreen Daume. Hier die Verlagsseite bei Hanser, hier die Perlentaucherseite dazu.

Der überaus filmkundige Kid37 vom hermetischen Café wies mich darauf hin, dass es zwei Verfilmungen zu diesem Buch gibt, eine von den Brothers Quay und eine von Wojciech Has.

Da hat man also gleich noch mehr vor, wenn man schon dabei ist, und das ist in kultureller Hinsicht meist angenehm und willkommen.

Bei Hanser heißt es:

„Das Sanatorium zur Sanduhr“ ist ein Buch über die verrinnende und die stehenbleibende, über die wuchernde, sich verästelnde und die rückwärts ablaufende Zeit. Es ist ein Buch über die Jahreszeiten mit ihrem Licht und ihren Gerüchen, aber auch ein Buch der kindlich-zarten Erotik, und nicht zuletzt ein Buch der grotesken Gestalten, das ein phantastisches Universum eröffnet.“

Vor allem aber ist es ein Buch, das man in die Hand nimmt, in das man kurz mal hineinliest, bei dem man dann zwei, drei Absätze lang hängenbleibt und bezogen auf die Sprache denkt: „Wow!“ Denn nicht immer fallen erste Eindrücke besonders geistreich aus, manchmal ist man auch einfach nur beeindruckt. Kunstvoll ist diese Sprache, so nennt man es wohl. Poetisch, was allerdings immer wie kurz vor kitschig klingt, aber diesmal nicht so gemeint ist. Verzaubernd vielleicht, aber auch das klingt allzu lieblich. Magisch muss man vielleicht sagen. Ja, magisch könnte es treffen.

Und ein paar Ergänzungsvokabeln für seinen eigenen Wortschatz kann man nebenbei auch noch einsammeln beim Lesen. Bereichernd!

Auf dem "Uniqlo"-Gebäude am Rathausmarkt weht eine Hamburg-Flagge, die sich sehr rot vom regnerischen Himmel abhebt

Apropos „Wow“, ich schlage nur aus Spaß eben ähnliche englische Ausrufe dieser Art nach („20 British slang words für wow“) und merke mir bei dieser Gelegenheit mit großer Begeisterung „Jeeze Louise“ zur baldigen Verwendung vor.

Ich las diese beiden Offline-Bücher allerdings ohne ein, wie man heute sagt, „performatives Lesen“ in Cafés oder so. Ich las sie schlicht zu Hause, im Bett oder im Sessel, und ganz ohne Zuschauerinnen. Vielleicht mache ich das auch falsch! Vielleicht wird man da draußen heutzutage sofort umschwärmt, wenn man sich mit einem Roman auf eine Bank an der Alster setzt – ich denke fast, ich muss es einmal versuchen.

Zwischendurch sah ich dann noch auf Instagram eine Aussage, die mich besonders hoch erfreute, dass nämlich das Lesen in Zeiten von KI eindeutig ein Akt des Widerstandes sei. Was ein Gedanke ist, mit dem ich doch heftig sympathisieren möchte, und Sie vielleicht auch? Wir lesen nicht etwa einfach nur, oh nein. Wir lesen vielmehr widerständig. Und gleich macht es noch mehr Spaß.

Gegen die Zeit und die Moden nämlich! Gleich möchte man grimmig entschlossen noch ein paar Seiten mehr lesen. Fast so wie damals, als man noch mit der Taschenlampe unter der Bettdecke … Aber das werden jüngere Menschen wohl gar nicht mehr kennen.

Blick vom Rathausmarkt in Richtung Alte Post

Was noch. „Let it burn“ – Die großen Feuer dieses Sommers finden auch in Blogs statt. Wie auch andere Naturphänomene, etwa die Sonnenfinsternis neulich. Und im Fachblog für Bewölkung gab es passend zu den Feuern etwas drohenden Regen.

Wenn Blogs einfach weg sind“ Bei mir sind Blogs manchmal auf eine ganz andere Art weg, denn ich habe noch keinen Feedreader gehabt, der nicht zwischendurch eigenmächtig hier und da ein paar Abos gekündigt hätte. Und das dauert dann manchmal, bis man merkt, dass man etwas verloren hat. Gerade in der letzten Woche erst habe ich wieder fünf Blogs „nachabonniert“. Seltsam.

Ein Text für die „Neigungsgruppe Overthinking“.

Felix hat währenddessen seine Blogroll renoviert und frischgemacht, hier für die deutschen, hier für die englischen Blogs. Ich bin etwas neidisch auf die Beschreibung beim Blog Fragmente. Aber es ist ein okayer Neid.

Blick über Außenalster mit Segelboot

Über Körpergeruch bei uns und in japanischen Zügen. Man lernt nicht aus! Vom gleichen Autor, Stefan A. K. Weichelt, gab es noch Anmerkungen zum Rhein-Pegel. Welche die Laune allerdings passend zu den Pegeln nicht heben.

Gehört:

Zwei Vorträge zu psychischen Krankheiten, Abweichungen und Defekten bzw. zu ihrem unbeweisbaren Gegenteil, der sogenannten Normalität. Einen gab es bei Deutschlandfunk Nova: „Mental Health – wie krank sind wir wirklich?“ Über die Verbreitung und die Kosten psychischer Besonderheiten aller Art und auch über die Frage, was da mehr oder weniger wird, was sich vielleicht auch nur gemäß anekdotischer Evidenz, aber ohne statistischen Beweis ändert. Der Freundeskreis Psychotherapie sollte sich diese Sendung auf jeden Fall anhören, denn es werden Beweismittel gegen die aktuellen Kürzungen aufgeführt.

Interessant ist aber auch für alle, deren Herz noch links schlägt, wie sehr betont wird, dass die Verringerung von Ungleichheit eine besonders wirksame Prophylaxe-Maßnahme im Dienst der seelischen Gesundheit ist. Na bitte, murmelt man da nebenbei, na bitte.

Und wunderbar dazu passend gab es noch eine Sendung beim SRF: „Was ist psychisch krank? Über Normalität und Wahnsinn.“ Ein Interview mit Leon Engler, der gerade den Roman „Die Botanik des Wahnsinns“ geschrieben hat. Hier die Perlentaucherseite mit recht positiven Rezensionen dazu, hier die Verlagsseite.

Noch etwas weiter mit der Psychologie: Beim Radiowissen ging es – für alles gibt es einen Fachbegriff, wirklich für alles – um den „Heterofatalismus“, eine Sendung zum Thema „Wenn Frauen männermüde sind“. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kennen auch sie eine Frau, vielleicht auch mehrere, denen Sie den Link gerne weiterschicken möchten.

Moment, ich mache uns eben noch einmal Musik an.


Zur Literatur. Zunächst ein Feature beim WDR: „Die phantastischen Konstruktionen des Stanislaw Lem“.

Auch bei Lem stets die lebhafte Erinnerung daran, wie präsent er in meiner Jugend war. In den Buchhandlungen, in den Büchereien, in den Buchregalen der studentischen WGs: allgegenwärtige Suhrkamp-Taschenbuchausgaben. Ähnlich wie manche Schallplattencover waren sie jederzeit und überall anzutreffen, vollkommen verlässlich.

Eine Sendung aus der schönen Reihe „Essay und Diskurs“ noch, die ich mit einiger Dringlichkeit allen empfehlen möchte, die mit dem Thema Lesen und Schreiben etwas zu tun haben, vielleicht auch in irgendeiner Form beruflich, und zwar vom Werbetexter bis hin zur Autorin von Bestsellern: „Erzählen gegen den Untergang – Scheherazades Kunst und die Kraft der Fiktionen in Zeiten der Bedrohung.

Ein Text von Samira El Ouassil. Die Sie vielleicht noch von dem Buch kennen, das sie vor ein paar Jahren mit Friedemann Karig geschrieben hat, „Erzählende Affen – Mythen, Lügen, Utopien – Wie Geschichten unser Leben bestimmen“ (Verlagsseite), und das hier auch noch im Regal steht. Gerne habe ich es gelesen damals (na ja, es war 2022).

Es passiert eher selten, dass ich eine Sendung zweimal höre, hier fand ich es angebracht. Ein feiner Text, ein schwieriges, inhaltsreiches Thema, eine gute Pointe auch. Die Autorin erwähnt „Die Krise der Narration“ von Byung-Chul Han, welches ich neulich erst gelesen habe, es sei hier bei der Gelegenheit noch einmal empfohlen.

Blick über den Zollkanal Richtung Elphi

Ebenfalls sehr interessant war die aktuelle Folge eines Podcasts, den ich gerade neu entdeckt habe und bei dem ich wohl noch einige alte Folgen hören werde: „Erschöpfung statt Gelassenheit – wieso Achtsamkeit die falsche Antwort auf ziemlich jede Frage ist“. Die Autorin und Sprecherin, Kathrin Fischer, hat zum Thema auch gerade ein Buch geschrieben: „Achtsam geht die Welt zugrunde – Wie die Ideologie der Achtsamkeit den gesellschaftlichen Wandel blockiert“ (Verlagsseite).

Es geht in der aktuellen Folge mit dem Wirtschaftsjournalisten Stephan Kaufmann um antifaschistische Wirtschaftspolitik. Die Folge ist lang und gründlich, sie erfordert sicher auch etwas Konzentration. Es lohnt sich aber.

Musik gab es schließlich auch wieder live für mich, denn noch einmal war ich bei „Draußen im Grünen“ in Planten & Blomen. Es spielten Bun Jon & The Big Jive, und es tanzten dazu ungemein viele Gäste. Und zwar tanzten sie dergestalt munter und vergnügt, dass ich etwas herausfordernd fand, nicht doch wieder verschärfte Lust auf Lindy Hop zu bekommen.

Contenance, so wichtig.


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