Noch zwei, drei Bemerknisse, über zwei Texte vielleicht. Möglichst schnell werde ich sie abhandeln, dann bin ich mit dem Kurztrip nach Sankt Peter-Ording auch schon durch und kann mich wieder der Hamburger Gegenwart oder, wer weiß, neuen Zielen zuwenden.
Zum einen machte ich mir zwischendurch versicherungsmathematische Gedanken. Also nur spaßeshalber, versteht sich, denn ich verstehe rein gar nichts von Versicherungsmathematik. Ich erkenne höchstens, und auch das unsicher, wenn in dieser Hinsicht Fragen aufgeworfen werden. Etwa jene Frage, die sich stellt, wenn man zur Kenntnis nimmt, was man an der Küste beim besten Willen nicht mehr übersehen kann, dass nämlich alle Menschen ungefähr ab dem Rentenalter kategorisch E-Bike fahren. Wenn sie denn überhaupt Rad fahren. Was sie, man kann auch das aber nur raten, vielleicht im Urlaub an der Nordsee lieber machen als zu Hause im Bergischen Land oder wo auch immer.

Sie fahren also E-Bike. Und sie fahren, aber das gehört nicht zum Thema, Partnerlook-E-Bike, in geradezu aufreizender Häufigkeit. Nicht nur die Outdoorjacken der Paare sind gleich aussehend, wie seit Jahren schon, auch die Räder sind jeweils Zwillinge. So häufig, dass man irgendwann annimmt, okay, diese E-Bikes werden vermutlich nur in Zweierpacks verkauft, die gehören einfach so. Es ist ein Für-Zwei-Produkt.
Worum es mir aber eigentlich geht: Sie strengen sich nun, da sie ja Motorunterstützung haben, eindeutig weniger an. Sie sind dennoch schneller als früher, was man ebenfalls nicht übersehen kann. Denn es wird sonst gefährlich, wenn man nicht dauernd hinsieht. Aber sie kommen dabei nicht mehr so trainingsmäßig außer Atem wie früher. Wie damals, als man noch strampeln und Sport treiben musste, als sei man ein Steinzeitmensch auf der Flucht.
Wenn sich jetzt aber alle Menschen ab etwa 60 Jahren auf dem Rad weniger anstrengen, was heißt das dann für die Volksgesundheit und also für das Gesundheitssystem? Sind E-Bikes so betrachtet gesundheitsschädlich? Oder ist es andersherum und es bewegen sich nun mehr Menschen denn je, weil auch diejenigen endlich aufs Rad steigen, die sonst gar keines angefasst hätten? Menschen also, die sich jetzt wenigstens ein bisschen bewegen. Und auch einmal an die frische Luft kommen.
Was da wohl überwiegt? Und ob es sich schon in nennenswerten Zahlen ausdrückt?
Die Umweltfrage bei diesem Thema kann man viel leichter beantworten, nehme ich an. Denn die meisten dieser E-Bike-Ausflüge werden keineswegs eine Autofahrt ersetzen, sie werden vielmehr ein letztlich entbehrlicher Zusatz zum Mobilitätsportfolio sein. Mit anderen Worten, E-Bikes sind, so betrachtet, schlecht für die Umwelt. Sie sind am Ende Ressourcenverschwendung, denn sie wurden für einen fragwürdigen Zweck hergestellt, für Freizeit. Bei Ressourcen gilt aber selbstverständlich wieder ein bekanntes Goethe-Wort: „Drum besser wär’s, dass nichts entstünde.“

Volkswirtschaftlich wiederum ist vielleicht doch alles super. Allerdings nur, sofern es sich um Räder aus deutscher Wertarbeit handelt. Binnennachfrage, Handwerkskunst, Ingenieurwissen! Heimliche Weltmarktführer bei den Einzelteilen! Sind sie aber importiert, womöglich und Gott sei bei uns, aus China, kann man die E-Bikes, die doch auch schon Gesundheit und die Umwelt ruinieren, nur als weiteres Mittel unserer freiwilligen Dekonstruktion verstehen. Dann treiben sie uns immer weiter und weiter in die wirtschaftlich und vor allem industriell abnehmende Bedeutung des Landes.
Das jedenfalls dachte ich mir alles so, als ich auf einer Promenade an der Nordsee wieder einmal einem Rentnerpärchen auswich. Welches auf E-Bikes im Partnerlook und in hoher Geschwindigkeit dort auf mich zuwalzte, wo es gar nicht fahren durfte. Und welches, es war nicht zu übersehen, von Ausweichen selbst recht wenig hielt.
Na, was man eben so denkt, in solchen Momenten.
Musik!
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Gute Fragen, niemand kennt die Antwort, die zahlenmäßige. Was die Gesundheit betrifft noch eine Ergänzung: Da Unfälle bei höheren Geschwindigkeiten wahrscheinlicher werden, und auch schon geworden sind, sind E-Bikes versicherungstechnisch schâtzungsweise eher ein Verlustgeschäft. Für die Kliniken im Umkreis viel befahrener E-Bike-Strecken verhält es sich möglicherweise aber ganz anders. Und das ist dann vielleicht wieder ein Wirtschaftsfaktor. Irre.
Wie dem auch sei: In den Nicht-Urlaubsgebieten, die ich mit bloßem Auge einsehen kann, scheinen mir E-Bikes zuzunehmen, die für Einkaufsfahrten etc genutzt werden, sowohl in der Für-Zwei-Version als auch als Single. Das nur zum Trost im Angesicht der fraglichen Entwicklung…