Es gibt Situationen, Sie werden es vielleicht kennen, da erahnt man die Macht und die nicht steuerbare Leistungsfähigkeit des eigenen Unterbewusstseins auf einmal überaus deutlich. Vielleicht auch unheimlich deutlich. Man erkennt also wieder einmal, dass da Gedanken, Assoziationen, Verbindungen und Prozesse in einem ablaufen, von denen man mit dem vermeintlich so bewussten Selbst (was aber auch noch genauer zu definieren wäre, denn es ist, wenn man erst anfängt, es zu durchgrübeln, wahrhaftig kompliziert und vielschichtig, to say the least) zunächst nichts mitbekommt. Und zwar rein gar nichts.
Erst mit teils erheblicher Verspätung bemerkt man, dass da eine offensichtlich andere Instanz, die aber auch zu einem zu gehören scheint und in einem auch permanent tätig ist, wer weiß, vielleicht als eine Art Untergrund-Bewegung, sich einen kleinen Scherz geleistet hat. Vor dem man dann mit offenem Mund steht und bei dem man nach und nach erst versteht, was die innere Spaß-Guerilla da im Sinn hatte.
So ging es mir gerade gestern. Als ich nämlich am Nachmittag nach den Bürostunden mein Brotberuf-Notebook auspackte und dabei Radio hörte. Und ein Sprecher lapidar sagte, was mir bis dahin noch nicht prominent aufgefallen war: „Es ist Mittwoch, der 17. Juni …“ Ich hatte das Datum bis zu dieser Stunde schon mehrfach in Dokumente geschrieben und in diverse Programme eingegeben, aber es hatte nicht Klick dabei gemacht. Es kam mir nicht weiter auffällig vor. Es war nur irgendein Datum, eine fortlaufende Zahl von vielen.
Ich hatte es bis dahin keine Sekunde lang als das wahrgenommen, was es für mich doch lange Zeit meines Lebens vor allem war. Nämlich das Datum eines Feiertags, an dem die ganze damalige Republik frei hatte, obwohl doch lediglich ein Geburtstag gefeiert wurde. Nämlich Omas Geburtstag. Der stets im Garten ihres Hauses gefeiert wurde, an der großen Kaffeetafel. Denn am 17. Juni hatten mit Sicherheit alle Zeit und es war außerdem schönes Wetter. Kategorisch.
Was ich also einerseits am Morgen nicht einmal ansatzweise mitbekam, was mir nicht einmal beim mehrfachen Schreiben des Datums dämmerte. Was mich aber doch geradezu brav einen Text veröffentlichen ließ, in dem es prominent um meine Großmutter ging. Und sogar noch mit einem typischen Satz von ihr im Titel. Wie bitte geht denn das zu? Komme ich doppelt vor und kennen wir uns?
Oder, um den begnadeten Redner Giovanni Trappatoni noch einmal ins Spiel zu bringen und leicht zu variieren (ich verlinke hier den FC Bayern, was kommt noch alles …), was immerhin in diesen WM-Zeiten besonders gut passt:
Ein Autor ist nicht ein Idiot! Was erlauben Psyche?

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