Katalog der nächtlichen Schreie erwachsener Menschen

Da ich jetzt zu jeder Tageszeit zuhause und außerdem beruflich gerade etwas ausgebremst bin, kann ich mich auch zu jeder Tageszeit ins Bett legen, nichts hält mich mehr davon ab. Ich kann in der Home-School am Vormittag schnell ein paar komplexe Aufgaben verteilen und habe dann erst einmal wieder frei, ich gehe ins Schlafzimmer und lege mich hin. Das mache ich sonst nie, das ist also mal etwas anderes, der Mensch braucht doch Abwechslung. Vor den beiden Dachfenstern im Schlafzimmer hängen weiße Vorhänge, die ein wenig wehen, wenn Luft hereinkommt. Ich sehe mir das gerne an, besonders wenn dahinter blauer Himmel zu vermuten ist und sommerlich durchscheint. Es hat immer etwas von Urlaub oder auch von Filminszenierung, von Szenen in Werbespots, wie der helle Stoff da so sachte bewegt wird und das Licht in den Falten spielt, es beruhigt mich ungemein. Ich stehe noch einmal auf und öffne die Fenster, es ist still da draußen, ganz still. Wenn ich nicht hinaussehe – vor dem Fenster könnte eine Großstadt liegen, die auf eine nie dagewesene Art zur Ruhe gekommen ist, oder aber die gottverlassenen Außenbezirke einer uninteressanten Kreisstadt oder auch der erste öde Maisacker hinter einem beliebigen Dorf in der tiefsten Provinz, die Unterschiede sind als Ohrenzeuge nicht zu ermitteln. Ich lege mich wieder hin und höre konzentriert auf die Geräusche von draußen, es ist wirklich gar nichts zu hören, aber um mich herum sind mehr als eine Million Menschen, ich weiß das. Eine Möwe schreit schließlich, ich könnte auch am Meer sein, und gleich kommen mir die weißen Vorhänge mit ihren leichten Wellen noch etwas romantischer vor und ich könnte mich jetzt unklaren Urlaubserinnerungen hingeben, wenn ich das nur wollte, irgendwas mit Strand im Süden und sehr weitem Himmel und einer geöffneten Balkontür im Hotel zur trägen Mittagszeit vielleicht, solche Erinnerungen, wie sie wohl fast jeder parat hat, der schon einmal pauschal gereist ist. 

Was in der Wohnung passiert, das ist fast durchgehend lauter als das Draußen, und selbst dann ist es lauter, wenn die Herzdame im Nebenraum nur eben etwas in ihr Notebook tippt oder wenn Sohn I am improvisierten Schreibtisch gedankenverloren und mit höchstens halber Stimme einen Song seiner Playlist mitsummt, während er Matheaufgaben macht. Nach einer Weile höre ich von der Straße her immerhin Schritte in Richtung Alster – dann aber wieder lange nichts. Und diese Schritte sind nicht besonders schnell und auch nicht besonders langsam, sie sind nicht schwer und nicht leicht, es sind einfach nur irgendwelche Schritte, sie geben nichts her, die Gedanken bleiben daran nicht hängen und sie gehen auch nicht mit ihnen mit. Irgendwann, nach mir endlos vorkommenden Minuten, fährt ein Auto vorbei und bremst in der Kurve vor dem Haus etwas ab. Dann wieder nichts. Viel länger kann ich dem nicht mehr zuhören, ich schlafe unweigerlich ein bei dieser Übung und das macht nichts.

Vor elf Jahren, vor zehn, vor neun Jahren und auch noch vor acht Jahren lag ich abends oft mit den kleinen Söhnen in diesem Schlafzimmer und habe darauf gewartet, dass sie endlich, endlich einschliefen. Sie lagen neben mir oder in meinem Arm, vielleicht lagen sie sogar links und rechts in meinen Armen, das kam manchmal vor, und sie dämmerten mit etwas Glück nach einer Weile allmählich in ihre Kinderträume, aber ich hatte nicht oft Glück dabei. Ich lag und atmete so ruhig, wie ich nur konnte. Ich versuchte, die Ruhe selbst zu sein, der Fels und die Sicherheit, der Vater schlechthin, das Alleswirdgut in Person. Ich bemühte mich, in dieser Einschlafzeit überhaupt nichts anderes mehr zu wollen und schon gar nichts anderes zu machen. Ich war in beiden Aufgaben nie wirklich gut, fürchte ich, ich war vielleicht nicht einmal befriedigend und ich bin im Laufe der Jahre darin auch nicht besser geworden. Ich habe aber wenigstens interessiert teilgenommen, so könnte man es im Zeugnis vermerken und ein weiteres Urteil dazu dann dezent vermeiden. Ich bemühte mich damals auch, diese Momente intensiv und ausschließlich als Glück zu erleben und dabei immerhin, dabei haben die Söhne mich vielleicht doch etwas vorangebracht. 

Mein Handy war in diesen Stunden natürlich leise gestellt, das Notebook war nicht in Griffweite. Die Herzdame machte im Nebenraum kaum einen Laut. So wie auch ich nur auf Zehenspitzen durch die Wohnung schlich, wenn sie an der Reihe war und die Kinder in den Schlaf begleitete, wir wechselten uns ab, so gut es nur ging.

Da lag ich also, und oft schrie dann draußen jemand herum. Man macht sich keinen Begriff, wie oft da draußen jemand herumschrie, aus Leibeskräften schrie, und so laut schrie, dass die Söhne, die beide nicht so leicht einschliefen, wieder wach wurden oder gar nicht erst die Augen zu machten. Das entsprach nun ganz und gar nicht meinen Erwartungen an diese Zeit mit Kleinkindern. Ich hatte immer angenommen, die Kinder würden abends unruhig etwas herumschreien und ich würde sie dann als Vater sachte wiegend, gütig brummend und natürlich erfolgreich wie im Bilderbuch beruhigen, ich hatte da so ein beglückendes Bild im Kopf. Noch bevor wir überhaupt Kinder hatten, lange davor, war dieses Bild schon da. Ich dachte, ich würde mich abends um die Bauchschmerzen der schreienden Kinder kümmern, um ihre Wachstumsschmerzen und um die durchbrechenden Zähne, um die Monster unterm Bett und auch um die im Schrank oder hinterm Vorhang. Aber so war es dann nicht, sondern die Erwachsenen schrien draußen herum, und wie sie das taten. Und die Söhne sahen mich im Halbdunkel mit großen Augen an und schliefen nicht. 

Unsere Wohnung liegt zwischen der Außenalster und dem Hauptbahnhof. Ortskundige Menschen gehen, laufen oder torkeln dort abends und nachts hin und her, besonders natürlich im Sommer. Die einen wollen nach Hause, die anderen wollen noch grillen oder sonst etwas in der freien, aber doch stets drangvoll gut besuchten Natur am ach so berühmten Ufer machen. Unsere Wohnung liegt in einer eigentlich ruhigen Nebenstraße, in der aber seltsam viele erwachsene Menschen in der Dämmerung oder in der Dunkelheit herumschreien. Aus ganz verschiedenen Gründen machen sie das, die man aber oft aus dem herausdeuten kann, was da gebrüllt wird, und selbst dann kann man das, wenn man eher wenig davon versteht oder der gebrüllten Sprache nicht einmal kundig ist. Das Präsens ist hier eigentlich falsch, fällt mir beim Schreiben auf, aber noch klingt es auch falsch, wenn ich das alles in die Vergangenheitsform setze. 

Ich hatte im Laufe der Jahre jedenfalls genug Gelegenheit und auch Muße, mich damit zu befassen, denn die Söhne brauchten lange, um zu ihren Träumen zu finden und hatten über Jahre einen nur leichten Schlaf. Ich lag da also und hörte, was auf der Straße vor sich ging und ich verfluchte alle Menschen, die sich dort unten nicht im Griff hatten. Ich hatte oft Lust, Wassereimer oder Schlimmeres aus dem Dachfenster nach draußen zu kippen, ich habe es natürlich nie gemacht. Und ich will auch nicht übertreiben, es gab selbstverständlich auch Abende, da waren die Menschen auf der Straße nicht ganz so schlimm. 

An diesen Abenden hörte ich, hörten wir dann die anderen Geräusche umso besser, etwa die vom Feuerwerk. Es gab früher erstaunlich oft Feuerwerk in dieser Stadt, zu gewissen Zeiten etwa jeden Freitagabend, und kleine Kinder, die von buntflackerndem Feuerwerksgeknalle vor dunklem Nachthimmel wach werden, sie schlafen so schnell nicht wieder ein. Ich habe heute noch, viele Jahre später, eine tiefe Abneigung gegen Böller und Raketen, die hat sich in dieser Zeit entwickelt. Und es gab selbstverständlich auch Autos, die vor dem Haus stark beschleunigt oder abrupt abgebremst wurden, es gab Fahrradklingeln und bellende Hunde und Polizeisirenen, es gab Rollkoffer, klackernde Absätze und zerklirrende Flaschen und all das. Wie es in der Mitte einer Großstadt eben ist oder war, ich will mich nicht beschweren, ich berichte nur. 

Nein, dass stimmt nicht. Ich will mich schon beschweren, aber ich bin mir der Sinnlosigkeit und Ignoranz dieser Haltung dabei bewusst. Ich wohne ja nicht aus Versehen in der Mitte der Stadt. 

Jetzt jedenfalls höre ich überhaupt nichts mehr. Die Stadt verharrt in der vielleicht größten Stille ihrer Geschichte, in einer Stille, die man kaum genießen kann, auch wenn man sich noch so sehr nach ihr gesehnt hat. Zu unheimlich ist das Ausbleiben der Geräusche und all der anderen Menschen, es ist schwer, das so hinzunehmen. Es ist eine lastende Stille der Unfreiwilligkeit, sie fühlt sich nicht gut an.

Zumindest in den nächsten beiden Wochen habe ich viel Zeit, das ist ein ungewohnter Zustand für mich. Ich will versuchen, diese nächtlichen Schreie erwachsener Menschen zu katalogisieren und durchzudeklinieren, was soll man als schreibender Mensch mit seinen Erinnerungen an lautere Zeiten auch sonst anfangen, man lässt sie ja doch nicht einfach ungenutzt verblassen. Auch wenn ich nur auf fünf, sechs Einträge kommen werde, aber in Zeiten, in denen man sich nicht mehr um den Kalender kümmert, ist auch der Begriff Katalog nicht mehr ganz so ernst zu nehmen.

Beginnen wir einfach mit dem Schreien der Verrückten, denn verrückt sind viele in der großen Stadt. Verrückt wird man ja leicht, in jeder großen Stadt. 

(Fortsetzung folgt)

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Kunst mit leicht zu ergänzendem Corona-Bezug: Ich und mein Kokon. Wozu ich als Vater mit Erziehungsauftrag sofort ergänzen möchte: Es heißt: „Mein Kokon und ich.“ Ach, die Reflexe.

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Noch eine interessante Randbemerkung: “Körperlich mögen wir gerade sehr distanziert sein, aber so häufig habe ich mit meinen Geschwistern nicht mehr zusammen Abendbrot gegessen, seit ich ausgezogen bin.

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Im Grunde mittlerweile eine Binse, aber dennoch: “Die Alternative zur unbedingten Marktfreiheit besteht in der Besinnung auf das globale Gemeinwohl.”

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Falls Sie gerade “aufgrund der aktuellen Lage”, wie es an jedem Laden und an jedem Restaurant steht, Schwierigkeiten mit dem Glücklichsein haben – passt schon, hier ein Buchtipp dazu. Die Rezension liest sich so, als könnte das Buch gerade hilfreich sein. Vielleicht reicht es sogar schon, mal eben schnell die Rezension zu lesen. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Updates

Zum einen habe ich neulich über die Liekedeeler und ihre neue Kiste geschrieben, da ging es um Lebensmittel von Food-Unternehmen aus der Region, in der Regel mit Bio-Aspekt, da ging es auch um wegbrechende Vertriebskanäle und Marktzugänge. 

Ich habe mittlerweile eine Testkiste erhalten und hier mal im Garten aufgebaut, dann kann man das mal sehen, das hier ist eine kleine Ausgabe:

 

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Womit jetzt also auch der Ernstfall eingetreten ist, dass hier Rote Bete liegen. Das kommt sonst nicht vor, denn die isst hier wieder keiner außer mir, in keiner Form, da muss ich also erst einmal ermitteln, was ich damit anfange, mir fehlt jede Übung. Aber Achtung, das ist ja auch keine Übung.

Es waren Wildbratwürste von Elbwild dabei – von denen kenne ich mittlerweile einige Produkte und ich fand sie alle gut bis sehr gut. Und Couscoussalat mit Kürbiskernen und Sultaninen gab es und Lammeintopf und Kuchen im Glas … doch, die kann man also ruhig mal probieren, die Kiste. Wie im ersten Text von mir schon angemerkt, das ist keine bezahlte Werbung.

Exkurs: Bezahlte Werbung in Textform kommt hier gar nicht mehr vor. Banner finde ich in Ordnung, Banner verkaufe ich jederzeit an Unternehmen, die mir kompatibel vorkommen, wenn nicht sogar sympathisch sind, aber textlich möchte ich nicht mehr für Werbung stehen. Klare Trennung, klare Sache. Exkursende. 

Hier geht es zum Shop von den Liekedeelern, Ich entnehme gerade einer Presse-Mitteilung, dass in dieser Woche 270 Kisten ausgeliefert wurden, das ist doch ein ganz respektables Ergebnis für so einen Schnellstart.

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Zum anderen fehlt hier noch ein Dank! Und zwar auch im Namen der Kirchengemeinde und der Suppengruppe. Es kamen nach dem Aufruf hier und auf Facebook tatsächlich rund 2.000 Euro zusammen, wie großartig ist das denn? Die wurden eingesetzt für kleine Wasserflaschen, für Einwegtöpfe, Sanitätsartikel etc. Es gab auch noch Sachspenden und tatsächlich auch das Angebot helfender Hände, es war wirklich überwältigend. Ich gebe das Wort mal an Pastorin Elisabeth Kühn: 

Auch in der letzten Woche haben wir unsere Suppengruppengäste wieder versorgen können. Vorausgegangen sind diverse Telefonate mit der Polizei und wir haben es geschafft, dass die Lebensmittelausgabe geduldet, wenn auch nicht offiziell genehmigt wurde. Haupt- und Ehrenamtliche waren ab 9 Uhr vor Ort, haben Lebensmittel in Tüten sortiert, gespendeten Kartoffelsalat aus der Miniatur-Wunderland-Kantine in Plastiktöpfe zum Mitnehmen umgefüllt, Abstandslinien aufs Straßenpflaster gemalt, Brötchen geschmiert und und und… Wir hatten Schutzmasken und Desinfektionsmittel vor Ort und ausreichend Handschuhe für den eigenen Schutz. Die Ausgabe haben wir zeitlich gestreckt, so dass es keine Menschenansammlungen an den verschiedenen Ausgabestellen gab. Alles lief reibungslos und es gab Lob von seiten der Polizei. Sehr viel mehr Gäste als sonst haben sich ausdrücklich bedankt. Allen Beteiligten sagen wir: Ihr seid großartig. Es ist toll, dass es euch gibt. Vielen Dank für eure Unterstützung!”

Dieser Dank richtet sich selbstverständlich auch an die Menschen, die gespendet haben. Und auch an den kommenden Freitagen gibt es wieder Suppe, eh klar.Während ich dies schreibe, kann ich vom Fenster aus die Ausgabe heute beobachten, sie hat regen Zulauf. 

By the way, ein paar Meter von der Kirche entfernt ist ein indisches Restaurant. Da hängt jetzt ein großes Schild im Fenster, dort bekommen Bedürftige mittags kostenlos eine heiße Mahlzeit, natürlich zum Mitnehmen. Einfach so. Man kann viel Schlimmes und zahllose Probleme wahrnehmen zur Zeit, aber die Kultur der Hilfe ist doch auch der Beachtung wert. Und in dieses Restaurant, das bisher gar nicht in meine engere Wahl fiel, gehen wir dann mal zum Essen, wenn man wieder kann. 

Wenn ich ein Update zur Suppengruppe poste, geht übrigens auch von hier aus jeweils eine Spende raus. 

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Drittens gab es bei uns wieder Lamm.

 

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Das Lamm folgt dem quasi althergebrachten Rezept, welches die Herzdame einmal hier verbloggt hat, damals trug sie noch schicke Kleider beim Backen. Quasi gute alte Zeit. Aber schmecken tut es auch heute und Sohn I besteht nach wie vor darauf, dass der Kopf nur ihm zusteht. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Ist es nicht ein Knaller, wie gut man sich das Beitragsbild ganz oben im Text hier auch in Öl und mit Goldrahmen vorstellen könnte? Sensationell.

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Ich sehe draußen ein solches Kuddelmuddel an Maskenverhaltensweisen; zu jeder könnte man einen Text finden, der erklärt, warum genau das falsch ist. Ich werde mir nicht meine eigene Maskenverhaltensweise zusammenfantasieren

Auch in Hamburg ist es deutlich zu sehen, das Maskentragen hat eine irrationale Komponente, so wie die Handhabung teils geradezu krass falsch ist, das gilt übrigens auch für Handschuhe. Es sind Accessoires, die gewiss ihren Sinn haben, die aber darüber hinaus auch mit Bedeutung und Glauben besonders aufgeladen sind. 

Währenddessen bei Susanne auf Instagram:

 

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Checkpoint Cherry. Über die Kirschblüte in Bonn. 

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Wenn das Homeschooling nicht ganz so einfach ist, wenn es vielleicht auch unmöglich ist:

Lehrkräfte“, teilt die Schulbehörde mit, „berichten jetzt häufiger davon, dass einzelne Schülerinnen und Schüler tagelang nicht erreichbar sind.“ 

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Ich habe keinen Kunden, der nicht auf die eine oder andere Art von Corona betroffen ist, hier etwa ein Artikel zur Lage beim Goethe-Institut.

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Es ist gut, dass sich viele Bürger*innen Gedanken über Grundrechte und Freiheit machen. Vielleicht bietet sich so die Chance, die aktuellen Erfahrungen auf alle Gruppen zu übertragen. Vielleicht macht es die Menschen sensibler für diskriminierendes Verhalten und sie können ihre aktuellen Erfahrungen der Einschränkung der Grundrechte auf die Zeit nach Corona mitnehmen. Und dann entsprechend reagieren.” 

Gefunden via Jürgen Braatz auf Twitter. Es ist vermutlich viel zu positiv gedacht, was da als Quintessenz mitgegeben wird, aber immerhin ist es ein angenehmer Gedanke, den nehmen wir doch mit. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Bekloppte und Römer

Im Vorübergehen gehört:

“Meine Tochter und ihr Freund, ne, die sind beide völlig bekloppt.”

“Ja, normal.”

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Ich habe neulich erwähnt, dass ich Sohn I beim Home-Schooling (wir werden künftig übrigens von School-Schooling reden müssen, wenn wir diese alte Außer-Haus-Methode da meinen) ausgiebig online recherchieren lasse, auf dass er auch dieses lerne. Das kam bei einigen Leserinnen und auch Bloggerinnen gut an, weswegen ich hier in routinierter Selbstkritik noch erwähnen möchte, dass er heute etwas zu Rom im Internet suchte, auf meine Ermunterung hin auch ausdrücklich bei Youtube, warum auch nicht, denn da gibt es ja alles. Und er fand dann auch, er sah auch, er nickte und grinste und wirkte ganz zufrieden, ich arbeitete währenddessen etwas anderes und spielte Home-Office. Er hatte Kopfhörer auf, und als ich deren Stecker kurz zog, um mich inhaltlich zwischendurch wieder aufs Laufende zu bringen, hörte ich den bemerkenswerten Satz: “Die Römer waren ganz harte Motherfucker.

Also es ging schon tatsächlich um römische Geschichte in dem Video, nur eben jugendoptimiert. Sagen wir ruhig – sehr jugendoptimiert. Recherche beizubringen, das ist schon weiterhin richtig. Aber man muss es recht eng begleiten, die Ergebnisse passen sonst nicht exakt genug zum Lehrplan. 

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Zeit für Real Life. Keine sehr gute Aufnahme, aber schön ist es doch. Eine Weile laufen lassen, es kriegt einen dann schon. Hier mehr zur Künstlerin. 


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Schichtunterricht – ich glaube, das Wort begegnet mir hier zum ersten Mal, aber es steht wohl zu befürchten, dass wir uns damit öfter befassen müssen. Jedenfalls, das ahnt sicher jede und jeder: “Auf eine Rückkehr zur Normalität sollten die Schulen und die Minister in diesem Schuljahr nicht mehr setzen.

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Corona-Street-Art

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Curt Smith von Tears for fears singt Mad World mit seiner Tochter Diva. Gefunden via Olaf Kolbrück auf Twitter

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Ich hatte ganz zu Anfang der Corona-Festwochen einmal erwähnt, dass ich der Zauberberglesung von Sven Walser aus dem Ernst-Deutsch-Theater auf Instagram folge. Mittlerweile gibt es die Folgen auch hübsch übersichtlich auf der Seite des Theaters, falls noch jemand mit einer nun schon geballten Dosis einsteigen möchte. Ich bin jedenfalls zu einem Sven-Walser-Fan geworden, und wenn er wieder einmal Theater spielt, dann gehe ich da hin. Was auch immer es dann sein wird. 

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Die Viren haben John Prine geholt. Noch ein Lied von ihm:


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Gartengedanken

Ich sitze im Garten. Ich habe das momentane Lieblingsnotizbuch aufgeschlagen auf den Beinen liegen und halte den Stift in lauernder Bereitschaft über der fast leeren Seite. Sie müssen sich das so vorstellen, dass nur diese Buchstaben, bis genau hier, dort bis jetzt zu sehen sind, also jetzt natürlich gerade wieder ein paar mehr, Sie müssen schon etwas mitdenken. Ich sitze also, starre konzentriert auf die größtenteils nach wie vor leere Seite und frage mich, was ich wohl denke. Dabei bin ich mehr als bereit, das sofort aufzuschreiben. Nicht etwa, weil ich große Gedanken vermuten würde, dagegen spricht ja jede Erfahrung, nein, einfach nur aus Neugier. Man kommt nicht viel herum zur Zeit und man ist es doch gewohnt, auf irgendwas zu achten, jedenfalls als schreibender Mensch. Man belauert eigentlich immer irgendwas, die Welt oder zur Not eben auch sich selbst. Ich komme heute aber nach einer Weile und nach gründlicher Beobachtung zu dem Schluss, dass ich überhaupt nichts denke. Das ist allerdings überhaupt kein Problem, denn das ist immerhin deutlich besser als die sinnlose, belastende und am Ende doch wieder nicht zielführende Herumgrübelei, die bekanntlich gerade nahezu weltweit Saison hat. Das also denke ich so und sage dann: “Ha!”, denn ich denke ja doch etwas und so doof ist es gar nicht. Jetzt das Level halten!

Man kommt ja ganz ohne Ehrgeiz doch nicht aus.

Während ich den obigen Absatz schrieb, flog eine Hummel mehrmals um mich herum, ganz so, als sei ich ein irgendwie blütenähnlicher Typ. Aber Verwirrte gibt es eben überall und unter sämtlichen Lebewesen, nehme ich an. Die Hummel heißt im Plattdeutschen Plüschmors, falls Sie das nicht wissen. Plüschmors, und wenn man das weiß, dann werden einem Hummeln gleich noch viel sympathischer, selbst die verwirrten Exemplare: “De Plüschmors is een Dösbaddel.”

Und am Rande sei hier noch schnell festgehalten, dass der schauspielaffine Sohn I das Wort “Plüschmors” bereits einmal auf der Bühne des Ohnsorgtheaters im Text hatte, also als es dort noch Theateraufführungen gab. Was eigentlich so schön ist, er müsste diesen entzückenden Umstand später in seiner Bio vorkommen lassen, wenn er denn jemals eine brauchen sollte. Ich werde ihn dann erinnern, nehme ich mir jedenfalls mal vor. Vielleicht wird er aber auch etwas Anständiges und braucht so etwas wie eine Bio dann gar nicht, wer weiß.

Ansonsten sitzt auf einem Zweig im Apfelbaum ein paar Meter weiter eine Meise und ist mit meiner Anwesenheit in diesem Garten ganz und gar nicht einverstanden, was sie lautstark und nun schon seit mehreren Minuten schimpfend verkündet. Und wissen Sie was, ich gehe da jetzt rüber und diskutiere das mit dem Vogel in aller Ruhe aus – ich verbringe doch nicht seit Jahren ziemlich viel Zeit in gewissen sozialen Netzwerken, um mich hier von der Seite anzwitschern zu lassen. 

So ja nun nicht. 

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Links am Morgen

The impossible has already happened: What coronavirus can teach us about hope”. Gefunden via Christiane Fröhlich auf Twitter

Nur ein Link heute, auf dem kann man aber auch etwas länger herumkauen. Ich hatte gerade übrigens ein ganz deutliches Freitagsgefühl, während ich dies schrieb, aber wie es mit den Gefühlen so ist, sie kommen und gehen. Wie die Wochentage. Man kann über beides hinwegmeditieren. Und morgen ist dann wieder irgendein Tag.

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Andere sind anders

Denken Sie auch ab und zu daran, wie Corona sich vor 30 oder 40 Jahren abgespielt hätte, in einer Zeit ohne Internet? Wie es alle Informationen nur aus der Zeitung und über Radio und Fernsehen gegeben hätte, drei Programme mit Sendeschluss, das ist eine überaus faszinierende Vorstellung. Vermutlich hätte man die Bevölkerung damals hauptsächlich per Lautsprecherwagen informiert, unentwegt wären die durch die Gegend gekurvt: “Hier spricht die Polizei! Bleiben Sie in den Wohnungen! Halten Sie Abstand!” Und es hätte Extrablätter gegeben, eines nach dem anderen. Ach, es ist alles gar nicht vorstellbar und es wird immer abenteuerlicher, je mehr Details man sich ausmalt. Home-Office ging nicht, Home-School – gar kein Gedanke, wir hätten unweigerlich einfach frei gehabt. Die Wirtschaft hätte nicht in einen Pausenmodus wechseln können, was ja selbst heute ein Euphemismus erster Klasse ist, sie wäre vermutlich einfach sofort und flächendeckend verstorben. 

Bei der Schneekatastrophe 78/79 gab es in Schleswig-Holstein schulfrei, das wurde morgens im Radio durchgesagt. Es gab keinen anderen Kanal für solche aktuellen Informationen. Da war ich aber schon brav losgegangen, bzw. da steckte ich schon draußen in der Schneewehe und mir dämmerte auf dem Weg zum Bus, dass durch diese seltsam polar anmutende Landschaft doch wohl gar kein Bus fahren kann, also bei aller Fantasie nicht, und ich kehrte dann nach längerer Überlegung um und ging nach Hause, oder ich kämpfte mich eher wieder durch den Schneesturm meines Lebens nach Hause. Das war ein einsamer Beschluss und er war auch schwer, denn es war ungeheuerlich und ein Wagnis, einfach nicht zur Schule zu gehen, so etwas war einfach nicht vorgesehen.

Wenn man sich nun vorstellt, man hätte die grundlegenden Informationen zu Corona verpasst und ginge eines Werktagsmorgens durch eine plötzlich menschenleere Stadt, alle Geschäfte geschlossen – im Grunde ein Gruselklassiker. Es wird Menschen am Anfang so gegangen sein, nehme ich an, einigen wenigen, den Informations- und Nachrichtenverweigerern, denn die gibt es auch. 

Aber apropos Nachrichten und Informationen. Wir haben hier im Stadtteil zwei sehr verschiedene Einkaufsstraßen. Eine kommt als Top-Adresse in Reiseführern vor und ist, wenn man es der Kürze halber deutlich vereinfacht, die Ausgeh- und Shoppingmeile für Menschen mit einem etwas besseren Monatseinkommen, für Hipster und Menschen aus dem Ausland, die sich eher nicht Migranten, sondern Expats nennen. Die andere ist, ebenso vereinfacht, das Einkaufsparadies für Menschen aus Ländern wie der Türkei, aus den arabischen Staaten, aus dem Iran, aus Indien, aus afrikanischen Ländern. Oder sagen wir so: In der einen Straße gibt es einen feinen Barbier für Hipsterbärte, der Laden ist so abgefahren und ungewohnt, da bleiben immer wieder Menschen vor den großen Fenstern stehen und sehen zu, wie prachtvolle Bärte aufwändig und ungewohnt liebevoll gepflegt werden. Also wenn die Barbiere geöffnet haben, meine ich. In der anderen Straße gibt es auch Barbiere, da bleibt aber kein Mensch vor den Fenstern stehen, denn da werden routiniert türkische Bärte rasiert und das ist so normal und alltäglich wie nur irgendwas. 

Man konnte nun in den letzten Wochen hervorragend beobachten, wie sich Informationen in soziologisch leicht abgrenzbaren Gruppen anders verteilen. Denn all die sattsam bekannten Maßnahmen, also das mit dem Abstand, dem Mundschutz, den Handschuhen, den wenigen Menschen pro Laden usw., die fanden zwar in beiden Straßen statt – aber in völlig unterschiedlichem Timing und auch in anderer Intensität, es ging ein wenig hin und her. Mal war auf der einen Straße deutlich mehr Abstand zu sehen, mal in der anderen viel mehr Menschen mit Mundschutz, dann wieder anders herum – und die Unterschiede waren jeweils genau so deutlich und auf einen Blick zu merken, wie einem auch sonst der Unterschied zwischen den beiden Straßen, die übrigens nur knappe zwei Gehminuten voneinander entfernt sind, auf jedem Meter und in jeder Minute auffällt.

Was natürlich nur heißt, das Menschen aus anderen Gruppen, Szenen, Gemeinschaften etc. einfach anders informiert sind. Dazu müssen sie auch nicht aus verschiedenen Ländern kommen, es fällt einem dann nur leichter auf. Das weiß man eigentlich, aber wenn man etwa auf Twitter ist, dann kommt man dort zu dem Schluss, dass es viele Menschen, auch solche mit umfassender Bildung, vielleicht aber auch gerade die, immer wieder vergessen und ihren eigenen Informations- und Wissensstand jederzeit zum Maß aller Dinge machen und das auch mit großem Einsatz verkünden. Der hehr gedachte kategorische Imperativ wird dabei zum blockwartorischen Imperativ, mit der einfachen Maxime: “Handle du stets so, dass es mir passt.”

Aber andere Menschen sind anders informiert und haben einen anderen Wissensstand. Andere Menschen denken womöglich auch anders. Andere Menschen sind nämlich anders und anders ist ein Mensch übrigens dann, wenn er nicht ich ist. Nichts, was ich denke, gar nichts davon, ist also allgemeingültig. Das scheint eher schwer zu verstehen zu sein.

Und wenn nichts allgemeingültig ist, dann ist es übrigens dieser Gedanke auch nicht, was? Und ich bin ja auch einer von denen auf Twitter …

Es ist kompliziert. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Ich habe hier etwas für das Goethe-Institut geschrieben.

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Homeschooling, my ass

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Aber die Bemühungen der Schulen sollen auch nicht zu kurz kommen, etwa hier. Gefunden via Kreide fressen

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Friederike Kroitzsch hat mit einem offiziell vereidigten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene telefoniert, und Sie sind damit jetzt also auch gewarnt. 

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Zusammen schreiben.

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Die am Thema Tanz interessierte Jugend, also Sohn I, empfiehlt dieses Video:


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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