Hochgucken: Eine ältere Dame liest in der S-Bahn

Diese Rubrik, in der ich das beschreibe, was man sieht, wenn man ausdrücklich einmal nicht aufs Handy sieht, besonders in der S-Bahn, droht schon wieder auszutrocknen – also schnell mal etwas nachgießen.

Ich fahre am frühen Abend mit der S-Bahn. Es ist ein Freitagabend und die ersten Pulks von Jugendlichen, die in Richtung Reeperbahn oder zu ähnlich vielversprechenden Zielen unterwegs sind, steigen schon ein. Bierflaschen und Energydrinkdosen gehen in den Gruppen herum, wildes Schultergeklopfe und hysterisches Gekicher, so ein Freitagabend kann eine spannende Angelegenheit sein, wenn man im richtigen Alter dafür ist.

Mir gegenüber sitzen keine Jugendlichen, mit gegenüber setzt sich eine ältere Dame hin, die einen großen Einkaufstrolley dabei hat. Sie scheint es eilig zu haben, so schnell, wie sie sich hinsetzt, einmal durchatmet und dann sofort im Einkaufstrolley herumwühlt, mit schnellen Bewegungen, fast hektisch. Es sieht aus, als hätte sie womöglich etwas vergessen, vielleicht findet sie ihren Schlüssel nicht oder dergleichen? Dann kramt sie dort aber ein Buch hervor, und zwar ein Buch von äußerst respektabler Dicke, man könnte es glatt auf sechshundert Seiten oder noch mehr schätzen. Ein Wälzer, und zwar ein ganz neuer Wälzer, der ist noch in Folie. In Folie, die von der Dame sofort ungeduldig abgerissen wird. Dann schlägt sie das Buch auf und liest den ersten Satz, atmet wieder durch und sieht sich noch einmal kurz um, wobei sie nicht aussieht, als würde sie etwas mitbekommen von dem, was im Waggon um sie herum passiert, das ist ihr alles vollkommen egal, das ist alles unwichtig. Sie hat hier den ersten Satz einer langen, langen Lesereise vor sich und sie liest so gierig, so aufmerksam über das Buch gebeugt, dass man unweigerlich neugierig auf dieses Buch wird, das sie vom ersten Satz an so konzentriert, schnell und völlig versunken liest, als müsse sie es bis zur Endstation geschafft haben, was allerdings vollkommen unmöglich ist. Sie liest schnell, sie blättert schnell, ihre Finger folgen ungeduldig aufs Papier tippend den Absätzen, noch einer, noch einer, noch einer, nächste Seite, die fliegen nur so, die Seiten, das ist wirklich großer Lesesport, was sie da zeigt.

Die Jugendlichen trinken und lachen und stürzen sich ein paar Stationen später in das Leben. Die Dame ignoriert sie und liest vom Leben und als sie das erste Kapitel durch hat, nickt sie einmal kurz und ist dann schon zwei, drei Absätze weit im nächsten, aber in diesem Nicken liegt so viel Zustimmung, dass man annehmen kann, sie stürze sich auch gerade in das Leben, wenn es auch an diesem Abend das Leben anderer Menschen ist, das Leben literarischer Figuren.

Ich habe das Buch natürlich sofort auf dem Handy gegoogelt, es handelt sich um “Melnitz”, von Charles Lewinsky, eine jüdische Familiensaga aus der Schweiz, hier eine ausführliche Rezension dazu. Vielleicht sollte man mal wieder einen richtigen Wälzer lesen. Er hat tatsächlich immerhin fast achthundert Seiten.

 

Indiebookday

Heute ist, Sie werden das wissen, Indiebookday. Sollten Sie das aber nicht wissen, dann lesen Sie das z.B. hier einmal nach, denn das ist eine überaus feine Sache zur Förderung unabhängiger Verlage.

Wenn man in Blogs, auf Twitter, Facebook oder in welchen Netzwerken auch immer heute nach #indiebookday guckt, bekommt man genug Lesehinweise für den ganzen Rest des Jahres, das ist auch praktisch – und es sind viele Titel dabei, die es nicht in die Feuilletons oder Literaturblogs geschafft haben. Und bei denen es sich selbstverständlich dennoch um Perlen handeln kann.

Ich habe mich für eine Vater-Sohn-Geschichte entschieden, von dem Buch habe ich bisher noch nichts gehört oder gesehen, egal, das macht ja nichts. Sapphia Azzeddine: Mein Vater ist Putzfrau. Aus dem Französischen von Birgit Leib.

Mein Vater ist Putzfrau

 

Die Herzdame backt: Osterlamm

Keine Angst, das ist fleischlos, das geht hier alles ganz friedlich zu. Ostern ist quasi in wenigen Minuten, da wird es höchste Zeit für dieses Rezept. Denn hierfür brauchen Sie noch etwas, das Sie vielleicht gar nicht im Haus haben: eine Lammbackform.

Lamm im Nest

Osterlamm

Die bekommen Sie aber für rund zehn Euro quasi überall, das ist schnell besorgt. Man könnte sich jetzt fragen, ob sich das lohnt, eine Backform für nur einen Zweck? Warum macht man das? Nun, das lohnt sich auf jeden Fall, wenn man Kinder hat. Kinder finden gebackenes Osterlamm großartig, dieses Tierchen ist bei uns die Ostertradition schlechthin.

Wobei wir an dieser Stelle kurz etwas bekennen wollen, ein schweres elterliches Versagen. Das tut anderen Eltern oft gut, wenn sie so etwas lesen, das entspannt und nimmt Druck, wenn andere Eltern etwas nicht auf die Reihe bekommen, nicht wahr? Wir z.B., wir sind serielle Eiversager. Seit sieben Jahren nehmen wir uns kurz vor Ostern fest vor, dieses Jahr aber wirklich, wirklich Eier auszublasen, anzumalen, zu färben oder sonstwie zu ansprechender Deko zu verbasteln. Und seit sieben Jahren scheitern wir komplett daran. Wir kommen zu nix, ich erwähnte es vielleicht bereits irgendwann einmal. Keiner der Söhne hat jemals ein Ei ausgeblasen, keiner hat je ein Ei gefärbt. Oster-Deko kennen sie nur als Fertigprodukt. Schlimm, ich weiß. Man sieht schon vor sich, wie spätere Therapeuten den Kuli aufs Papier setzen und nickend ein paar Notizen machen, während die Söhne von Ostern bei den Buddenbohms erzählen.

“Aber”, möchte ich an dieser Stelle dem bisher nur imaginären Therapeuten zurufen, “aber die Söhne können Lämmer backen. Beide! Und zwar routiniert!”

Sie können das also, weil das hier die Standardostervorbereitung ist, weil wir eine Lammbackform haben. Um in dieser ein Lamm mit Marzipan zu backen, brauchen wir:

Eier

Backzubehör

100 g Marzipanrohmasse
2 Eier
75 g Butter
50 g Zucker
1 Pk Vanillezucker
1 Prise Salz
10 Tropfen Bittermandelöl (eher weniger)
80g Weizenmehl
20 g Speisestärke
1 gestr. Teelöffel Backpulver
Etwas Puderzucker zum Bestäuben

Wir lassen uns die Rezepte jetzt übrigens von Sohn I vorlesen, was ziemlich gut klappt. Nur bei den Mengenangaben wird es manchmal noch etwas abenteuerlich. Aber irgendwas ist ja immer. Wenn er achthundert Gramm Mehl sagt, werden wir doch noch misstrauisch.

Sohn I liest Rezept

Herzdame und Sohn I lesen Rezept

Den Backofen auf 175 Grad vorheizen. Die Marzipanrohmasse in kleine Stücke teilen lassen, was sich hervorragend als Kinderarbeit eignet, dabei aber verschärft auf Schwund achten.

Marzipan

Schüssel mit Marzipan

Das Marzipan mit dem Zucker und dem Vanillezucker verrühren. So steht es jedenfalls im Rezept, de facto geht das kaum, man wirft die Zutaten mehr gemeinsam in einer Schüssel herum. Egal. Eier, Salz und Bittermandelöl dazugeben. Das dann rühren, bis eine glatte Masse entsteht, was etwas länger dauern kann. Das Mehl in eine Schüssel geben und mit der Speisestärke und dem Backpulver mischen.

Dann alles zusammenrühren, inklusive der Butter.

Herzdame, rührend

Die Lammform mit Butter oder Margarine einfetten, zusammensetzen und mit Teig betanken.

Lammbackform

Lammbackform

Der Teig füllt das Lamm nicht komplett aus, das ist korrekt so.

Herzdame und Lammbackform

Das Lamm etwa eine halbe Stunde bei 175 Grad backen.

Herzdame an Herd

Dann nimmt man das Lamm aus dem Ofen, eine dekoratoive Körperhaltung an und macht die bekannte Stäbchenprobe.

Stäbchenprobe

Lammbackform mit Lamm

Abkühlen lassen. Danach die Form vorsichtig (!) aufmachen, das Lamm unten begradigen und dann noch mit Puderzucker bestäuben.

Lammbegradigung

Lammbestäubung

Zack, fertig!

Lamm an Herzdame

An so einem Lamm ist übrigens nichts dran, das kann man in der Osterzeit nahezu täglich backen.

Lamm

Die aufmerksame Leserschaft wird an dieser Stelle bemerken wollen, dass wir das natürlich nicht jeden Tag backen können. Denn wir verzichten ja aufgrund einer seltsamen Idee der Herzdame gerade auf Zucker, wie unlängst berichtet. Nach einigem Nachdenken hat sie aber festgelegt, dass diese Regel für Backwerk am Wochenende nicht gilt, sonst könnten wir diese Kolumne ja nicht produzieren, und das wäre doch schade. Dachte sie. Also gibt es am Wochenende doch Zucker, was vielleicht auch dieses leichte Grinsen hier unten erklärt.

Herzdame und Lamm

Schritt für Schritt

Mehrere Menschen um mich herum zählen neuerdings ihre Schritte. Das geht mit Handys ganz einfach, man muss das Handy nur mit einer Zähl-App in der Hosentasche haben. 10.000 Schritte pro Tag sollten es wohl sein, die muss man absolvieren, wenn man halbwegs fit sein möchte. Mehr sind natürlich noch besser. Nach neuerer Erkenntnis ist Sitzen nämlich das Böse schlechthin. Stehe auf und wandle! Das sagt einem nicht mehr die Bibel, das sagt jetzt jede Zeitschrift und jede Ratgebersendung. Aber schaffe ich jeden Tag 10.00 Schritte? Ich habe mitgespielt und gezählt, ich bin bei so etwas ja neugierig.

Manche halten 10.000 Schritte am Tag für ziemlich viel, manche für normal, mein Durchschnitt liegt deutlich darüber. Ich habe zwei Kinder und laufe schon etwa 4.000 Schritte pro Tag den Kindern hinterher, und das sogar ohne die Wohnung zu verlassen. Als ich neulich mit den Söhnen zu Fuß beim Zahnarzt und danach beim Einkaufen und dann noch auf dem Spielplatz im Park war, schickte mir die Schrittzähl-App einen Glückwunsch, ich hätte gerade so viel getan wie bei einer Bergwanderung. Familienleben ist also reiner Sport, ich habe es immer geahnt.

Aber es hat noch einen ganz anderen Grund, warum ich auf viel mehr Schritte als 10.000 pro Tag komme. Die Söhne prüfen nämlich abends meinen Zähler. Und wenn er noch deutlich unter dem Soll ist, dann schnappen sie sich das Handy und rennen damit mal eben ein paarmal um den Block. “Wir wollen ja einen fitten Vater”, hat der größere Sohn gesagt, als er keuchend von der großen Runde zurückkam und mir stolz die 16.000 auf dem Zähler zeigte. Je höher die Zahl, desto gesünder der Papa, das hat er soweit korrekt verstanden.

Familienleben ist Sport, das ist völlig richtig. Aber man bekommt auch tatsächlich viel zurück. Schritt für Schritt.

 (Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

12 von 12

Schon seit Monaten denke ich, man könnte ja mal bei diesem „12 von 12“ mitmachen, also bei diesem Internetding, bei dem alle am 12. des Monats 12 Bilder ihres Tages posten (Sammelstelle hier). Und zwar habe ich das vorzugsweise am 13. gedacht, also immer zu spät. Dann dachte ich, ach, machste das eben nächsten Monat, und in dem Monat wiederholte sich das selbstverständlich. Und das hätte noch jahrelang friedlich so weiter gehen können, hätte mich nicht dieser freundliche Mensch heute an meine Teilnahmeabsicht erinnert. So hing ich also drin.

Den Morgen verbrachte ich dann mit der Rätselfrage, was wohl am besten aufzunehmen sei, wobei meine elegante Art zu denken sehr schön hier symbolisiert wird:

Fragezeichenaufkleber

 

Dann erst einmal zur Arbeit.

Hammerbrookstrasse

Aufgrund der seltsamen Perspektive des Fotos wurde ich auf Twitter gefragt, ob ich wie Superman zur Arbeit fliege. Ich möchte das bejahen.

Kein Bild von der Arbeit im Büro, da sind überall andere Menschen oder Zahlen im Bild, das geht nicht. Dafür der Rückweg von der Arbeit:

S-Bahn Hammerbrook
Dann Jobwechsel, von Zahlen geht es zu Buchstaben. Ich verlege meinen Arbeitsplatz an die Elbe:

Elbausblick

 

Und habe außerdem für den abzuarbeitenden Auftrag einen Assistenten dabei, Sohn I:

Sohn I vor Elbe

Den Assistenten brauche ich, den ich gehe für meine Kolumne beim Hamburg Führer auf die Cap San Diego. In der Kolumne geht es um Hamburg mit Kindern, also muss er mit.

Cap San Diego

Erfreulich, dass er da immer schon mal hinwollte.Als Hamburger Kind muss man da auch mal gewesen sein, keine Frage.

An Bord gesehen: Ein schönes Symbolbild für einen netten Tagesverlauf.

Maschinentelegraf

Außerdem viele, nun ja, Dingse gesehen, die so wirkten, als hätte man sie gerne zu Hause an der Wand hängen.

Makrofon

Dann nach Hause, Feierabend.

Dithmarscher Pilsener
Sohn II steckt grün-weiße Gebilde und singt dazu den norddeutschen Klassiker: „Was ist grün und stinkt nach Fisch“. Er versucht auf diese Art vermutlich zu verarbeiten, dass seine neuen Freundin, in die er schwerst verliebt ist, Fan des falschen Fußballvereins ist.

Werder Bremen-Logo
Sohn I räumt währenddessen auf. Was bedeutet, er schafft Ordnung in einem seiner Sammelalben und lässt um sich herum alles in Chaos versinken.

Sohn I schafft Chaos

Ich suche derweil schon mal nach dem Buch für den Abend. Gutes Buch übrigens, dazu mehr wie immer am Monatsende.

Alles frisch - finnische Erzählungen

Zusammenhänge

Sohn I liest immer mehr und immer schneller, allmählich wird es ihm doch zu dumm, immer auf einen vorlesenden Erwachsenen zu warten, wenn er den einen Satz doch auch mal eben selbst erledigen kann. Und dann den nächsten. Langsam erkennt er auch all die englischen Begriffe und Namen, bei deren Aussprache so ganz andere Regeln als im Deutschen gelten, immer öfter wieder. Okay klingt also beim lauten Lesen nicht mehr wie okai, sondern eben okay. Aber das ist ein eher mühsamer Prozess und in jedem neuen Buch müssen die Namen der Hauptfiguren erst erarbeitet werden. Lucky Luke braucht also etwas, bis er vorne ein gesprochenes A im Namen hat.

Das gilt auch dann, wenn er die Namen im Prinzip kennt. Bei den Büchern zu Star Wars gibt es zum Beispiel einen Luke Sküwalker, der im Kopf erst zum vertrauten Skywalker umgebaut werden muss. Das geht ziemlich fix, das kann man schon raten, das dauert aber immer noch viel länger als bei erfahrenen Lesenden. Darth Vader klingt für Sohn I beim ersten Lesen wie Dart Wader und er ist immer noch nicht ganz über die Frage hinweg, ob in dem Fall das deutsche Wader nicht vielleicht doch richtiger als das englische Vader ist. Was macht die Aussprache mit dem Wort, wie ist es richtig, wie ist es noch richtiger? Ist es ein anderes Wort, wenn man es deutsch ausspricht, oder ist es nur falsch? Wieso sprechen wir diese Wörter eigentlich englisch und nicht deutsch aus, wenn deutsch doch auch geht? Und hat, da kam er ganz nebenbei drauf, dieser Dart Wader am Ende etwas mit Hannes Wader zu tun? Gibt es Zusammenhänge, die es noch zu entdecken gilt? Und warum beantwortet der seltsame Vater des Leseanfängers die Frage nach dem Waderzusammenhang mit dem Satz “Ich bin dein Liedermacher” und bricht dann hysterisch lachend zusammen?

Es ist alles sehr kompliziert.

 

Ein Update bei „Was machen die da“

Und zwar mit einem Projekt, das ich besonders großartig finde. Es klingt wie eine ganz einfache Sache, Menschen aus verschiedenen Kulturen erzählen sich ihr Leben. Es hat wunderbare Folgen, es wird von wunderbaren Leuten gemacht – und es geht um das Erzählen, zu dem wir alle nicht kommen – obwohl wir immer öffentlicher werden.

Hier also ein Interview zu einem Integrationsprojekt, zur deutsch-türkischen Freundschaft und zu sozialem Engagement – bitte klicken sie diesen Link.

Handgelenk mit Peace-Anhänger

 

Kurz und klein

Schillig

Die Herzdame liegt und liest, das ist nämlich der Zweck des Kühlungsbornwochenendes, auch wenn es in Schillig stattfindet.

Herzdame lesend

“Chillig in Schillig”, wie man geradezu zwanghaft kalauern muss. Würde sie das Buch sinken lassen, sie würde das Meer sehen, weswegen sie das tatsächlich alle paar Minuten mal macht. Manchmal galoppieren gerade in dem Moment Pferde über den Strand, dann seufzt sie schwer. Über einen Strand zu reiten, das gehört offensichtlich zu ihren unerfüllten Lebensträumen. Den können wir hier aber auch wieder nicht wahr werden lassen, denn dazu müssten wir aufstehen, und das ist abzulehnen. Niemand hat die Absicht, das Bett zu verlassen.

Außer natürlich um sich wenigstens einmal kurz den Ort anzusehen, was im Falle von Schillig tatsächlich sehr schnell zu machen ist. Hier ist nicht viel – und was da ist, ist im März noch geschlossen. Es ist genau so ruhig, wie wir es an diesem Wochenende haben wollen. Offen sind nur die überall an der deutschen Küste in jedem zweiten Haus zu findenden Outdoorjackboutiquen für die Outdoorjackenpartnerlookrentnerpärchen.

Schillig ist baulich kein Highlight, das lieben wohl nur Menschen mit einer ausgeprägten Vorliebe für die Architektur der Achtziger. Aber der Strand! Der Blick! Der Himmel!

Immer, wenn man sich am Horizont etwas satttgesehen hat und sich doch einmal umdreht, staunt man wieder über die Häuser des Ortes. Man kann es sich einfach nicht recht erklären, das fängt schon bei dem Hotel an, dem einzigen großen Haus des Ortes. Ein sechsstöckiges Gebäude mit angrenzenden Ferienwohnungen. Ein großer Komplex, den man offensichtlich ins Nichts gestellt hat, direkt an den Strand. Links, rechts, davor und dahinter nichts als Fläche. Und wie baut man dann, wenn man nichts als Platz hat? Genau, murkelig und verwinkelt. Man kann es nicht begreifen, was die Architekten damals umgetrieben hat, war es eine Sehnsucht nach Enge und Beschaulichkeit, ich weiß es nicht. Ich kenne diese Bauten auch aus meiner Jugend in Travemünde, diese seltsam hingeduckten Häuser mit den schauderhaften Farben in der Außengestaltung. Schlammbraune, moosgrüne, mattrote Verkleidungen an den Balkonen. Dazu knallblau oder klinikweiß lackierte Metallverstrebungen an den Balkonen und, ganz wichtig, große weiße Betonflächen, die im Laufe der Jahre natürlich grünlich-braun anlaufen. Kein Haus aus den Achtzigern altert würdevoll, es sind alles Pflegefälle, betreuungsintensiv und im Grunde ohne Aussicht.

Das Hotel ist aber innen so restauriert, wie es nur möglich war, die Zimmer sind schön und der Blick! Der Blick ist alles wert. Und wenn man am Fenster steht und auf das Meer sieht, das in der Abenddämmerung ununterscheidbar in den Himmel übergeht, wenn man da zusieht, wie die Farbe ganz langsam aus dem Bild verschwindet und man locker mehr als fünfzig Grautöne am sich auflösenden Horizont abzählen könnte, dann sieht man das Hotel gar nicht.

Schillig

Muscheln

Ungewöhnlich viele Muscheln liegen hier herum, auch sehr schöne. Wenn man so etwas sammelt, das geht hier besser als an vielen anderen Stränden.

Die Herzdame zeigt auf Inseln

Die Herzdame zeigt auf Inseln. Sie hat noch nicht herausgefunden, welche Insel welche ist, das treibt sie um und beunruhigt sie. Sie vergleicht Karten-Apps, Hinweisschilder und Prospekte und wird nicht recht schlau aus dem allen, es lässt ihr einfach keine Ruhe. Mir ist es völlig egal, welche Insel welche ist. Als ich eine seltsam hoch bebaute Insel durchs Zoom-Objektiv genauer betrachtet habe, da war sie ein Containerschiff.

Strandblick

Da hinten liegt eine Insel mit ohne zwei Berge und ja, ich habe Dreck auf der Linse. Schlimm.

Vorsicht Unterwasserbauwerk

Das Lädchen

Leiter

Schillig ist ein Ort mit Aufstiegsmöglichkeiten.

Strand

Hotel

Rechts im Bild das Hotel. Es handelt sich um das Hotel am Strand der Kette Upstalsboom und nein, das ist keine bezahlte Werbung. Das Hotel können wir aber tatsächlich für ein entspanntes Wochenende empfehlen, der Strandblick ab dem dritten Stock ist spektakulär und vor allem auch vom Bett aus zu genießen. Das Essen war gut und laut Herzdame ist der Wellnessbereich klein, aber fein, und man sieht auch aus der Sauna aufs Meer, sagt sie. Ich betrete so etwas ja nicht.

Strand

Stock am Strand

Handschuh am Strand

Strandspaziergänger

Fast alle Menschen gehen hier mit Nordic-Walking-Stöcken herum. Man kommt sich nach einer Weile ganz seltsam vor, wenn man ohne Stock geht.

Welten-Tor

Das war hier für unser kinderfreies Wochenende wirklich eine hervorragende Wahl – wobei nicht zu übersehen ist, dass die Kinder das hier auch toll gefunden hätten. So viel Strand! Direkt vor der Tür! Es ist wirklich großartig.

 

Heute so

Ortsschild Schillig

 

Es ist wieder Kühlungsbornwochenende. Ja, da steht ein anderer Ort auf dem Schild, schon klar. Es verhält sich wie folgt:

Wie langjährige Leserinnen wissen, parken wir die Jungs einmal im Jahr bei den Großeltern im Heimatdorf und fahren ohne sie zwei Tage ans Meer. Das sind dann die Erholungstage des Jahres, denn mehr Ausbrüche dieser Art kriegen wir nicht hin. In den letzten drei oder vier Jahren waren wir jedenfalls an diesen Wochenenden immer im selben Hotel in Kühlungsborn, weswegen diese Wochenenden jetzt Kühlungsbornwochenenden heißen, da bin ich ja Traditionalist.

Weil ich Kühlungsborn aber nicht mehr sehen kann, womit ich nichts gegen den Ort gesagt haben will, da war ich jetzt einfach nur oft genug und kenne gefühlt jede Kaffeetasse in jeder Bäckerei, haben wir nachgesehen, wo die Hotelkette, deren Gast wir da immer waren, noch Häuser hat und haben einfach das nächstbeste davon gebucht. In Schillig. Nie vorher davon gehört.

Dazu in Kürze mehr.