Woanders – Der Wirtschaftsteil

Werfen wir einen Blick auf Weltstädte, auf die, die unser Berlin noch ein wenig überragen. Ein klein wenig. Paris zum Beispiel, da gibt es den Mut zu radikalen Entscheidungen, etwa zu Tempo 30 im Stadtgebiet. Fast im ganzen Stadtgebiet, wohlgemerkt. Man beachte auch die Angaben zu Mietfahrrädern im Artikel und erinnere sich kurz, dass ein ähnliches Programm in Hamburg nicht weiter ausgebaut wird, wir berichteten. Nun ja.

Nach Paris erwähnt man traditionell gerne London, das machen wir dann natürlich auch. Den Bezug zum ersten Link kann man sich nach Lektüre der Überschrift selber denken, vor allem aber kann man über den Vergleich zu Peking ein wenig länger nachdenken. Ist es denn möglich? Es ist. Und wer genau hinsieh, der findet übrigens unser Berlin in dem Artikel, wenn es auch leider keine lobende Erwähnung ist.

Das Auto als Problembär, da gab es auch eine Meldung in den letzten Woche, die durch sämtliche Medien geisterte – nämlich über die Halden von unverkauften Autos. Auch gesehen? Das haben fast alle gesehen, sollte man annehmen. Hier etwas zum Hintegrund – das haben mit Sicherheit nicht alle gesehen. Faszinierend und amüsant auch die Kommentare unter dem Artikel.

Dabei passt diese Meldung doch so gut ins Bild, das viele gerne von der allmählich aussterbenden Autoindustrie hätten. Wirklich schade.

Immer irritierend, diese zweiten Meinungen – und auch gar nicht immer willkommen. Auch die Sache mit dem Freihandelsabkommen, über die wir uns alle so einig sind,  kann man anders sehen, als es die meisten in der Leserschaft hier gewohnt sind. Nanu. Aber keine Sorge, bestimmt kommt in der nächsten Woche wieder eine Meinung aus der anderen Richtung. Meinungen sind so leicht zu finden.

Zwischendurch schnell ein Blick auf kleinere regionale Einheiten, das ist etwas tröstlicher und angenehm überschaubar. So gibt es Gegenden, da wird die Energiewende in Kürze zu 100% umgesetzt. Na gut, es sind keine riesigen Länder. Mehr so Fleckchen. Aber immerhin!

Bei der Energiewende denkt man an den Klimawandel. Und der Klimwandel ist längst ein Thema bei den Konzernen, denn auch die müssen damit umgehen können. Damit sind wir wieder bei den Links weiter oben, man beachte etwa in diesem Artikel zu den Kosten des Kliwandels die Erwähnung von General Motors. Aber egal, wir buddeln hier weiter nach Kohle, versteht sich.

Alles weiter wie bisher, das ist immer schön einfach. Wenn man in die Kantine geht, immer wieder Currywurst bestellen, die hat beim letzten Mal doch auch geschmeckt. Der Mensch ist so, der Mensch isst so.

In dem Film ging es um Fremde, um Ankommende. Und um unsere Haltung diesen Fremden gegenüber schien es bei der Europawahl auch vielen zu gehen, wenn man sich die seltsamen Erfolge der rechten Parteien so ansieht. Zur Xenophobie der Deutschen hier daher noch ein Kommentar bei der Deutschen Welle.

Den Kulturteil widmen wir schließlich denjenigen, die auch heute im Büro sitzen, die auch heute arbeiten, sich abrackern, Deadlines hinterherrennen oder gar neue Projekte anschieben. Machen Sie ruhig weiter, immer weiter, bis zum Burnout. Denn hinterm Burnout, da liegt das Paradies. Wenn das kein Trost ist!

GLS Bank mit Sinn

 

Nachdenken mit Sohn II

Wenn Vierjährige nachdenken, muss das nicht trivial sein. Denn auch in dem Alter kann man schon über große Fragen nachdenken – man kann es sogar erstaunlich gut, auch wenn man ganz und gar kein höherbegabtes Kind ist, kein Wunderkind, kein Genie. Und man kann auch ganz ohne jede Bildung denken, weil der Mensch an sich eben denken kann. Der Mensch kann es genau genommen so gut, dass man bei jedem Kind wieder versteht, wie aus manchen dieser kleinen Wesen irgendwann große Denker werden können, Mathematiker, Wissenschaftler, Philosophen. Kinder brauchen keine Anleitung, sie fangen an zu denken, richtig zu denken, tiefschürfend zu denken, sobald nur das Vokabular reicht, es fasziniert mich immer wieder. Jedes Kind treibt es zu anderen Themen, aber jedes Kind grübelt.

Aktuell entdeckt Sohn II seine Vorliebe für Zahlen und mathematische Phänomene, eine Leidenschaft, die ihm in diesem Haushalt ganz gewiss niemand vorlebt, ganz im Gegenteil. Er grübelt über Zahlen. Über deren Steigerungsfäigkeit, über Zahlenreihen und, ganz wichtig, über ihre Unendlichkeit. Er denkt schon seit Wochen verbissen auf der Unendlichkeit herum, die ihm bei Zahlen zum ersten Mal auffiel. Mittlerweile hat er sie auch für das All entdeckt, das scheint ihm vergleichbar, das nimmt er recht lässig hin. Zahlen hören nicht auf. Nie. Man könnte ein ganzes Leben lang zählen und käme an kein Ende, es gibt nämlich kein Ende, es gibt immer noch eine Zahl mehr. Das kann man sich ganz plastisch vorstellen, weil man ja immer eine Zahl mehr sagen kann. Und noch eine. Und noch eine. Es lässt ihm einfach keine Ruhe.

Er stellt sich vor, um die Erde zu gehen, einmal ganz herum. Das ist eine Kugel, die hat keinen Anfang, also hat sie auch kein Ende. Sie ist damit irgendwie auch unendlich, aber nicht so wie die Zahlen, nicht so wie das All. Man ist ja irgendwann herum, um die Kugel, man kann sie gewissermaßen komplett begreifen, die Unendlichkeit aber nicht. “Man kann ganz herumgehen, also mit einem Schiff zwischendurch. Dann lebt man hinterher noch, nur nicht mehr so lange.” Er denkt und denkt, schließlich kommt er darauf – die Erde kann man von allen Seiten antippen, wie einen Ball, sie hat eben doch ein Ende. Die Fläche ist das Ende. Eine Kugel ist begrenzt, sie hat nur keinen Eckpunkt, keinen Start. Er tastet auf einem Ball herum und denkt und denkt. Er kann das sprachlich noch nicht richtig ausdrücken, was er gerade herausfindet, aber seine Finger kreisen und tippen. Kein Ende ist nicht unendlich. Das ist schwer, aber man kann doch darauf kommen. Und wenn die Kugel einen Anfang hätte, dann wäre sie eine Spirale. Sagt er, springt auf, holt einen Zettel und malt: “Wie bei einer Schnecke!”

Er fragt immer wieder, ob tausend mehr als hundert ist. Wieviel eine Million ist, wieviel eine Milliarde, wieviel Zigtrilliarden. Und ob diese Zahlen näher an der Unendlichkeit sind als, sagen wir, zehn. Er fragt Multiplikationen ab, hundert mal hundert, tausend mal tausend. Kommt man dann näher? Oder mit einer Million plus eine Trilliarde? Nein. Nichts kommt an unendlich heran, gar nichts. Er fragt nach unendlich plus tausend, stellt dann aber, noch bevor ich antworten kann, fest, dass Rechenaufgaben mit unendlich gar keinen Sinn haben. Weil man unendlich ja nicht erreicht, kommt man auch nicht zur anderen Zahl, die man adddieren möchte, das kann man vergessen, sagt er.

Er liegt im Bett, ich liege neben ihm. Er sagt mir zum hundertsten Mal, dass niemand weiß, wann unendlich zu Ende ist, auch in der Zeit nicht. Er bittet mich zu schweigen und sieht angespannt in das Zimmer. Mit weit aufgerissenen Augen, er hält den Atem an, macht keinen Laut und starrt. Starrt in den Raum, in dem sich jetzt gar nichts mehr bewegt. Stille im Raum, Stille im Haus. Er sieht mit großen Augen zum Fenster, wo ein paar Schleierwolken gemächlich vor blassblauem Hintergrund vorbeiziehen. Ein Auto fährt irgendwo weiter weg vorbei, ganz leise, eine Möwe schreit jäh über dem Dach. Das Kind guckt und guckt und ich merke – er guckt die Zeit an. “Jetzt”, sagt er, als er doch Luft holen muss, “jetzt ist unendlich auch noch nicht vorbei.” Aber er hat immerhin doch ein Stück davon vorbeigehen sehen, das war wichtig. Ein Stück von den Stücken, aus denen sich die Unendlichkeit immer wieder neu vor uns aufstapelt.

Er grübelt über die Unendlichkeit der Zeit in beiden Richtungen, über seine Position darin. Er fragt: “Papa, sind eigentlich mehr Menschen schon gestorben oder mehr noch nicht geboren?”

Ich bin sprachlos. Ich denke selbst nach, ich verliere mich in Mutmaßungen. Wir nähern uns der Antwort gefühlsmäßig, nicht wissenschaftlich, ich bin kein Wissenschaftler. Den Anfang der Menschheit kann man bestimmen, irgendwann gab es uns noch nicht, oder nur als Affen. Über das Ende wissen wir weniger, auch wenn es sicher kommen wird, das ist klar. Aber wir waren sehr lange sehr wenig Menschen, wir sind jetzt sehr viele Menschen, wir raten daher beide, dass mehr Menschen noch geboren werden, als schon gestorben sind. Wenn die Welt nicht gerade morgen untergeht, versteht sich.

Ist Ihnen klar, was das für eine Konsequenz hat? Mir war das gar nicht klar, ich habe aber mit dem Sohn gemeinsam darüber nachgedacht. Das heißt nämlich, wir sind nur die Vorhut, die meisten kommen erst noch. The best is yet to come? Wir bereiten für andere vor, wir sind mitten in einer Geschichte, also in der Geschichte. Zumindest kann man es so sehen.  Andersherum wären wir schon mit der Abwicklung beschäftigt, wäre der Höhepunkt überschritten, après nous le déluge, wir gucken längst den Abspann. Das ändert schon etwas, finden Sie nicht? Dem Sohn ist das wichtig, dass das meiste vor uns liegt, das findet er gut und richtig. Geschichten sind am Anfang nämlich besser, das ist ja klar. Wenn man anfängt vorzulesen, die ersten Seiten – auf denen liegt doch der Genuss. Nach hinten hin hat man ja Angst vor dem Ende. Auch wenn es ein gutes Ende ist.

Da kann man mal drüber nachdenken. So etwa ab 4 anscheinend. Ich habe übrigens gemacht, was man als Vater heute eben macht, ich habe die Frage nach unserer Position in der hypothetischen Zeitreihe der Menschen , die mich dann doch leicht überforderte, an meine sozialen Netzwerke weitergereicht. Da bekommt man dann schlaue Antworten auf Teilaspekte – und das gute, das sehr gute Gefühl, dass andere Menschen mitdenken. Und etwas sagen, etwas fragen, etwas ergänzen. Ich lese dem Sohn einige Antworten vor. Andere Menschen freuen sich über seine Frage. Er wächst mit dem Gefühl auf, dass man immer auch gemeinsam denken kann. Auch mit 4 schon. Ist das nicht großartig?

Sage mir keiner was gegen soziale Netzwerke. Das muss so.

 

Eine weitere kleine Bogdan&Buddenbohm-Koproduktion (Werbung für Werbung)

Die Produktion der wöchentlichen Beiträge zu “Was machen die da”  verschlingt so absurd viel Zeit, dass Isa und ich das gemacht haben, was man in solchen Situationen eben macht: einfach noch ein Projekt anfangen. Doch, das ist logisch.

Zur Erfrischung  geht es diesmal um etwas, von dem wir gar keine Ahnung haben, nämlich um Modefotografie. Und das kam so: Isa hat eine innige Beziehung zum Hamburger Modelabel Garment und Isa macht gerne mal Werbung für Marken, die sie sehr gut findet. Ich kann das aus männlicher Sicht übrigens bei der Marke gut nachvollziehen, ich mag da auch die Herrenmode sehr. So weit, so nachvollziehbar. Und da Isa eine Bloggerin mit einem persönlichen Blog ist, hat sie für diese Werbestrecke natürlich selbst gemodelt. Und wie das bei BloggerInnen so ist, macht man den Rest dann auch im Netzwerk, bleibt unter sich und bittet nicht etwa einen Profifotografen dazu – sondern mich. Ich habe von Fotografie natürlich nur so mäßig Ahnung, bin aber stets bemüht und freue mich über Gelegenheiten, bei denen man herumspielen und etwas lernen kann. Das war übrigens auch einer der  Gründe, mit “Was machen die da” tatsächlich anzufangen und es nicht wieder nur bei der Idee zu belassen, wie bei tausend anderen Projekten. Wenn man fotografieren möchte, muss man sich auch Gelegenheiten schaffen, die einen tendenziell überfordern, sonst wird das nie was. Glaube ich. Und da ich ohnehin gerade über Mode nachdenke

Wir haben also Modeblog gespielt, Isa ich – und ihr Mann, der damit tatsächlich  seinen ersten Onlineauftritt hat. Dass ich das noch erleben darf! Ein Hammer. Wir haben uns am bisher heißesten Tag des Jahres in der Hafencity  getroffen, die Models haben sich mehrmals umgezogen, ich habe endlos viele Bilder geschossen. Wir haben dies und das probiert, auf Wolken gewartet, doch wieder auf Sonne gewartet, sind viel herumgerannt. Wir haben sehr lange nach einem Eis gesucht und keines gefunden (Hafencity, ey), wir haben Szenen probiert, verworfen, herumposiert. Und viel gelacht, versteht sich, sonst würden wir all das ja eh nicht machen.

Was dabei herauskam, kann man drüben bei Isa sehen, mit einer feinen Erklärung, wie sie überhaupt zu dieser Marke kam. Und wieder zeigt sich: Blogwerbung macht im Grunde nur dann wirklich Spaß, wenn das Produkt oder die Marke den Beteiligten wirklich gefallen, wenn man dazu stehen kann und wenn das. was man da produziert, auch zu dem passt, was man sonst so veranstaltet. So habe ich auch in diesem Blog den Wirtschaftsteil mit der GLS Bank aufgezogen, das ist für mich tatsächlich der beste Weg. Verblüffend, dass man so selten dazu kommt und verblüffend, wie viele Firmen es einfach nicht verstehen. Es lohnt sich doch, etwas länger gemeinsam nachzudenken, statt immer nur alten Mustern zu folgen. Finde ich.

Andere Werbeformen kann man auch machen – und mache ich auch – sie machen aber deutlich weniger Spaß.

 

 

 

 


 

Viel mehr Bilder drüben bei Isa.

Woanders – diesmal mit Nationen, Dolly Parton, dem Hochgucken und anderem

Politik: Robert Menasse zur Europawahl mit lesenswerten Absätzen zum Thema nationalistische Politik.

Feuilleton: Judith Holofernes über Dolly Parton.

Feuilleton: Andere beschäftigen sich – wie ich auch gelegentlich – mit dem Hochgucken.

Feuilleton: Auf Headphonelovers erzählen diese Menschen, die mit den Riesenkopfhörern durch die Stadt laufen, was sie für Musik hören. Ich bin noch nie mit Kopfhörern durch die Stadt gelaufen und mir sagt der ganze Markenklimbim da nichts, aber ich finde das interessant, was da an Musiktiteln genannt wird.

Familie: Eine klappbare Rutsche für den Hausgebrauch im Treppenhaus. Das sieht total sinnvoll aus.

Familie: Hier wird ein Test zerlegt, in dem es um hochsensible Kinder geht.