Rückseite

Ich habe zu danken für Dinge, die ich aus jahreszeitlichen Dingen hier gar nicht weiter benennen werde. Aber es kam also an, vielen Dank!

Vorderseite

Neulich habe ich zur Einleitung eines Bildes wie von ungefähr den Herrn Ludwig Richter erwähnt, heute muss es wohl eher der Herr Deix sein. Ganz wohl ist einem dabei natürlich nicht, denn er steht nicht für erfreuliche Motive. Aber das Genre der Karikaturpostkarte kann hier auch einmal bedient werden, finde ich, es ist immerhin an jedem Postkartenständer zu finden. Es ist allerdings keine Karikatur, die ich hier abbilde, es ist nur die Wirklichkeit, auch wenn die Trennlinie nicht recht auszumachen ist. Aber was soll ich machen, so haben sie sich eben entwickelt, die Welt und die Zeiten, der Geschmack und die Gesellschaft. Es kann vieles längst nicht mehr ernst gemeint sein – und ist es eben doch, so sehr mich das auch verstört. Die Zeit, in der wir das folgende Bild alle (tatsächlich alle) noch als Scherz empfunden hätten, die könnte ich nach einiger Recherche sogar präzise benennen, man könnte das mit etwas Einsatz herausfinden. Es ist gar nicht so lange her, wir erinnern uns.

Ich gehe vom Einkaufen nach Hause. In der Ladezone vor dem Supermarkt hält ein Auto, das kein Lieferwagen ist. Es handelt sich vielmehr um einen ungeheuerlichen SUV. Es ist ein Modell, das ich bisher noch nicht gesehen habe. Es sprengt alle mir bekannten Dimensionen, es ist also noch ungeheuerlicher als die Dinger ohnehin schon sind. Es ist vollkommen maßlos, schamlos, dreist und barock bekloppt. Es ist kein Hummer, das nicht, aber es fehlt auch nicht viel, wobei der Hummer, wir erinnern uns, zunächst auch als eher schlechter Scherz wahrgenommen wurde. Die Marke des Monsters erkenne ich nicht, auch nicht, als ich das Logo hinten am Heck sehe, das sagt mir nichts. Aber gut, ich erkenne ohnehin nur noch wenig Automodelle. Das unselige Ungeheuer ist sicher kein Meilenstein der Designgeschichte, ich möchte mich da aus meiner laienhaften Position heraus festlegen. Es ist eher schlicht gestaltet, es ist einfach nur irre groß. Keine eleganten Kurven, keine ästhetischen Wölbungen, nichts Interessantes, nur fürchterlich viel von allem. Viel Blech, viel Motor, viel Verbrauch des öffentlichen Raums. Deswegen hält es auch in der Ladezone, nehme ich an. Ich brauche mehr Platz als andere, gib her, geh weg. 

In dem SUV sitzen zwei Männer sie tragen Anzüge. Es spricht überhaupt nichts dagegen, Anzüge zu tragen, einige meiner besten Freunde tragen Anzüge, ich selbst trage Anzüge. Aber es gibt auch unter Anzugträgern solche und solche, und diese hier sind die anderen. Die Investmentbanker aus den Schlagzeilen, die Immobilienhaie der ganz großen Vorhaben, die Lokalpolitiker von der falschen Partei. Die Lobbyvertreter irgendwelcher Ekelbranchen, solche Typen sind das, schon auf den ersten Blick. Die Männer sitzen zurückgelehnt und sicher breitbeinig, man möchte es wetten, auch wenn man es natürlich nicht sehen kann, der SUV ist viel zu hoch. Sie lachen. Sie lachen gerade auf diese Art, der man gleich ansieht, dass es um ein böses “Hähä” geht, nicht etwa um ein vergnügtes “Hihi” oder um ein offenes “Haha”. So lachen in Filmen die Bösen, wenn sie gerade notleidenden MieterInnen die getürkte Eigenbedarfskündigung in den Briefkasten geschoben haben. 

Das ist, Sie sehen das vielleicht auch, schon ein Fall für Deix, nicht wahr. Das ist aber auch echt. Daran ist gar nichts übertrieben, so ist es eben. Karikaturpostkarten sind auch nur eine Abbildung der Heimat.

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