Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe schon wieder zu danken, zum einen für die freundliche Zusendung des neuen Romans der von mir sehr geschätzten Elizabeth Strout: Oh, William! Zweifellos eine Bereicherung auf dem Nachttisch, hier noch eine Rezension dazu. Zum anderen für die ebenso freundliche Zusendung einer Schürze (schwarz, schlicht, mit dem Schriftzug einer Whiskymarke in aller Dezenz darauf), nachdem ich hier kurz einen gewissen Mangel daran erwähnt hatte. Das war prompt und überraschend, sehr fein!

Drittens kam soeben ein Posten Notizbücher, eine ganz hervorragende und große Auswahl sogar, es ist herrlich. Ganz herzlichen Dank an alle!

Vorderseite

Wie gestern notiert, ist es nicht einfach mit den Bildern im tristen Januar, aber ich arbeite hier natürlich mit allen Tricks und schnippele Ihnen daher mal eben etwas zusammen, aus zwei mach eins, und schon ergibt es hoffentlich Sinn und alles, passen Sie auf. Ich gehe morgens das übliche Brötchen für die Herzdame holen. Es ist noch früh, es ist noch dunkel, auf den Straßen und Wegen ist kaum etwas los. Im Hochparterre eines Altbaus sehe ich im zügigen Vorbeigehen einen Mann in seiner Küche sitzen, er wird etwa zwanzig Jahre älter als ich sein. Ein einfaches Bild also wieder, wie oft in diese Rubrik. Eine dunkle Straße, ein erleuchtetes Fenster. Im kleinen Ausschnitt, den ich beim schnellen Hochsehen wahrnehmen kann, sehe ich Küchenmöbel, ein paar hängende Pfannen und Töpfe, einige Kochbücher in einem Regal. Es hängt noch Weihnachtsdeko am Fensterrahmen, bunte Lichter. Der Mann sitzt und trinkt aus einem Becher, vermutlich Kaffee. Er liest ein Buch. Wir sehen nur seinen Kopf und noch etwas vom Oberkörper, das Buch, den Kaffeebecher, die Küchenwand, das ist alles. Das ist schon das obere Bild, wir teilen die Karte in zwei Hälften. In der unteren Hälfte sehen wir den exakt gleichen Ausschnitt, alles passt genau untereinander, aber es wirkt anders, denn es ist hell geworden, es ist die Mittagszeit. Der Küchenhintergrund ist jetzt aufgrund der Lichtverhältnisse schlechter zu erkennen, die Lichterkette am Fensterrahmen leuchtet nicht mehr. Der Mann aber sitzt immer noch in der Küche. Wie am Morgen sitzt er, in der einen Hand einen Becher, in der anderen Hand ein Buch.

Das ist alles. Zwischen diesen Bildern liegen etwa vier, fünf Stunden, ich habe nicht genau aufgepasst. Ich stelle mir vor, er hat da die ganze Zeit so gesessen. Er hat das Buch vielleicht fast durchgelesen. Einen Roman vielleicht, in einem Rutsch. Ich weiß genau, wann ich zuletzt mehrere Stunden am Stück gelesen habe, wann ich einen Roman an nur einem Tag komplett durchgelesen habe. Das war auf Eiderstedt, das ist eine Weile her, mehrere Monate. Nur dort gelingt mir das, immer wieder gelingt es mir dort sogar, aber im Alltag ist es mir vollkommen unmöglich. Ich stelle es mir schön vor, das zu können. Was machst du heute? Ach, ich setze mich mal in die Küche und lese ein Buch.

Das ist sehr, sehr weit weg von mir, auch wenn ich das Motiv wie fast immer um die Ecke gefunden habe. Ein Bild aus der Nachbarschaft, aber es handelt sich hier doch um eine Postkarte mit exotischem Flair.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

Ein Kommentar

  1. Schauen Sie mal bei mir zum Fenster rein, lieber Herr Buddenbohm. Das sieht ganz ähnlich aus: Ü-70, volle Bücherregale, Pandemie, Hamburg Wetter. Zeit also genug für NICHT “Maulende Rentner“, wie sie uns vor Jahren von Pigor und Eichhorn bei Ihnen ums Eck im Polittbüro vorgestellt wurden.

    Ich sag’s ja immer: Altwerden ist nicht nur schlecht…

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