Links am Abend

Ich habe für das Goethe-Institut wieder etwas zur Lage geschrieben – hier entlang bitte, Erinnerungen an Menschenmengen und Sessel in Cafés.

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Jochen schreibt über Bibliotheken damals, über Bibliotheken damals schreibt Jochen (das klärt sich dann schon auf, warum das da so seltsam steht). Ich erinnerte mich beim Lesen an eine kurze Phase, in der ich in der Hamburger Zentralbibliothek, damals noch an anderem Standort in der Innenstadt, im Auskunftsdienst Praktikum gemacht habe. Damals, als ich das Bibliothekswesen studiert und nebenbei gejobbt habe, was sich aber in Wahrheit eher andersherum verhielt. Ich war darin gut, fand ich, in diesem Auskunftsdienst, schon weil es mich viel mehr interessierte als die anderen Studentinnen und Studenten, die andere Aspekte des Berufs wesentlich anziehender fanden und die Fragen der manchmal auch als lästig empfundenen Besucherinnen eher nicht. Ich aber war auf dieses Suchen und Finden geradezu scharf, das Wort passt schon. Es gab Momente, da kamen Kundinnen auf mich zu, stellten eine Frage und ich ahnte schon, noch während sie im ersten Halbsatz waren, dass ich da gleich helfen können würde, weil ich wusste, dass in dieser riesigen Bibliothek, in diesem einen Regal da im anderen Stockwerk, in der unteren Reihe, etwas stand, das dann auf etwas verweisen würde, in dem dann stand, wo man … ich fand das ungeheuer aufregend. Man muss sich das viel körperlicher als heute vorstellen, man lief über Treppen und durch Gänge von einer Fundstelle zur anderen, es war Bewegung darin, man telefonierte vielleicht auch, man sprach mit Leuten, man bückte sich an Regalen und blätterte und schob Bücher. Und ich denke heute noch manchmal, dass diese Stunden beruflich recht gute Momente waren. Ich bin dann später woanders abgebogen, was den Job betrifft, und richtig war das nicht, wie ich Jahrzehnte später erst ernüchtert festgestellt habe. Na, man macht Fehler und man muss sich auch verzeihen können.

(Der Autor beendet den Absatz, sieht mit gnadenlos kaltem Blick auf die geschriebenen Zeilen und murmelt etwas von „Gott verzeiht mir vielleicht, ich aber nicht …“)

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Die Monatsnotiz von Nicola zum Januar. Immer interessant, besonders für den Freundeskreis Podcast.

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Auch gemocht und ein wenig nicht unangenehmen Neid dabei verspürt: Ankes Video-Erzählung. Hier Teil II. Ich könnte mich auf das Filmen nicht einlassen, es würde mich mit großer Sicherheit mit Haut und Haaren auffressen. Es war mit der Fotografie schon knapp bei mir, es wäre auch mit dem mich fast noch mehr anziehenden Zeichnen ziemlich sicher so. Ich habe da ein Engagement-Problem der drolligen und etwas überkandidelten Art. Nein, vor der Rente geht das alles nicht, nur Schreiben, um Himmels willen nur schreiben. Und dann mal sehen. Später. Na, nur noch zehn Jahre.

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Gegessen, quasi als neue Rubrik, ich wollte ja mehr Rezepte festhalten und öfter auf Foodblogs verweisen. Wobei das Blog hinter dem folgenden Link übrigens gerade so oft vorkommt, weil ich etliche Rezepte daraus abgespeichert habe und Sachen gerne systematisch abarbeite: Kabeljau mit Senfsauce und Möhrenstampf. Wieder mochten es immerhin drei von vier im Haushalt, also: Stattgegeben. Und ich bin zwar kein Feinschmecker und werde auch in diesem Leben gewiss keiner mehr, aber mein Dijon-Senf war doch zu billig, das schmeckte man raus, möchte ich meinen. So eine kaum spürbare, aber mich doch deutlich irritierende metallische Note. Da mal bald mehr investieren! Obwohl es sonst keiner bemerkt hat, unter den noch größeren Banausen hier.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

3 Kommentare

  1. „(Der Autor beendet den Absatz, sieht mit gnadenlos kaltem Blick auf die geschriebenen Zeilen und murmelt etwas von „Gott verzeiht mir vielleicht, ich aber nicht …“)“

    Sie können einen fast von den Beinen holen mit manchen Formulierungen… Die hier ist feinster hanseatischer Humor, ganz gediegen zürückhaltend, selbstironisch und dabei auf das Selbstverständlichste auf Augenhöhe mit höheren Wesen, man ist ja schließlich wer.

    Danke für den ausgiebigen Schmunzler.

  2. Verehrter Herr Buddenbohm, Ihr Blog ist großartig, großartig ist Ihr Blog, verehrter Herr Buddenbohm!

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