Links am Morgen

Bei der Geschichte der Gegenwart geht es um Impfungen und gesellschaftliche Entwicklungen:

Rohe Bürgerlichkeit ist der Antipode zu demokratischer Empathie, der manifeste Ausdruck roher gesellschaftlicher Verhältnisse und Ausdruck der Bereitschaft, das soziale Band mit den anderen zu kappen.

Rohe Bürgerlichkeit, das ist gut ausgedrückt, diesen Begriff vielleicht mal merken. Ich habe gerade noch einmal Michael Kohlhaas vom Kleist gelesen, bzw. mir vorlesen lassen (Reclam Hörbuch, rund vier Stunden), da kann man sich auch ganz zwanglos eine Linie durch die Jahrhunderte zu den Querdenkern von heute ausmalen. Dieser erstaunlich kurze Weg vom Rechthaben zum Plündern und Brandschatzen, zu rohen Verhältnissen, vom Zustand der zumindest gefühlten Rechtschaffenheit zu „Ich bin der Richter“, das ist gut und dort schon im Grunde ein für alle Mal geschildert. Auch diese eine Stelle, die mir früher sicher nie aufgefallen ist, in der Michael Kohlhaas seinen Kontrahenten ohne inhaltlich greifbaren Anlass auf einmal „Feind aller Christen“ nennt und „alle guten Christen“ zum Kampf gegen ihn aufruft, also schnell und radikal Begriffe verwirbelt und Bedeutungen verschiebt, Rechtfertigungen eskaliert, um sich weiter und auf immer höherer Ebene zu legitimieren … doch, das Buch ist dummerweise auch wieder interessant geworden.

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Diese Rezension klingt vielversprechend. Das also mal vormerken.

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Gesehen und gemocht: Diese Doku über Agatha Christie.

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Margarete Stokowski ist wütend. Aber wer ist es nicht.

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Ich denke, dass Demokratie eine unumgängliche Zukunft für jedes Land ist, das überleben möchte.Ein schöner und edler Satz, ich meine das ohne jede Ironie, aus einem Interview in der taz mit einer russischen Menschenrechtlerin, bei der es schon heldenhaft ist, dass es sie überhaupt noch gibt. Ich finde ihren Einsatz ausdrücklich bewundernswert. Und ich mag den zitierten Satz sehr, ich bin aber zu pessimistisch, um ihn zu teilen. Nein, ich glaube das nicht, und ich müsste Anlass zu Optimismus erst wieder entdecken. Die letzten sieben Jahre waren da nicht hilfreich.

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Es gab Thai-Hühnersuppe, etwa wie hier, nur mit Gemüse, das irritierenderweise im Rezept fehlt. So ja nun nicht! Brokkoli, Frühlingszwiebeln und Karotten lagen herum – jetzt nicht mehr. That was easy. Die Herzdame möchte das öfter haben, was vermutlich auf eine latente Koriandersucht zurückzuführen ist, denn sie behauptet bei jedem Essen, an dem drei Blättchen Koriander sind, es sei sehr, sehr gut. Na, meinetwegen. Apropos Kochen, bei der Kaltmamsell kann man etwas über Techniken der Avocadoentkernung lernen. Wird demnächst nachgespielt.

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1 Kommentar

  1. Danke für den Link zum Artikel „rohe Bürgerlichkeit…“
    Auch ich habe einen bislang unbekannten, doch wie mir scheint, sehr zutreffenden Begriff kennen gelernt. Glänzend geschrieben von der Autorin. Und ich fühle mich in der eigenen Wahrnehmung hinsichtlich einer sich verändernden Gesellschaft sehr bestätigt. Die reine Ichbezogenheit, die mit Freiheit verwechselt wird und Solidarität vermissen lässt, macht mir Sorge.

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