Das Wasser war in jenen Zeiten wärmer

In der ersten Schwimmphase damals stieg ich mit den noch kleinen Söhnen gemeinsam in die Planschzone und suhlte mich stundenlang herumrobbend darin herum. Ich blubberte sogar väterlich-walrosshaft lustig in dem körperwarmen Wasser, das vermutlich zu etwa 50% aus Kinderpipi bestand, was mir aber merkwürdigerweise in diesen Jahren nichts ausmachte, und es war alles schön, lustig und warm, sehr warm.

In der zweiten Schwimmphase konnten die Kinder schon verlässlich schwimmen und kamen also weitgehend alleine klar. Sie vergnügten sich ohne permanente elterliche Aufsicht,  sie erreichten Mindestaltermarken und machten absurde Sachen, sie sprangen also von 5ern oder 10ern und benutzten seltsam aussehende Express-Rutschen mit mehrseitigen Warnhinweisen am Rand und dergleichen, aber ich musste nicht mehr neben ihnen sein und nicht mitmachen, ich musste nur ab und zu mal hingucken und ehrlich beeindruckt „Toll!“ rufen und den Daumen hochrecken. Ich konnte mich währenddessen aber auch auf eine Liege legen und zwei Stunden hochkonzentriert lesen. Noch später konnte ich dabei auch so dermaßen tief schlafen wie zuletzt damals, als ich selbst noch Kind war, auf der Rückbank im Auto irgendwo zwischen Hamburg und Köln, und es war alles sehr entspannt, besinnlich und ich wurde gar nicht mehr nass dabei.

In der dritten Phase, ich habe sie gerade erst freudig erreicht, halte ich kurz vor der Schwimmhalle, drücke den Kindern ein wenig Geld in die Hand und komplimentiere sie dann mit den besten Wünschen für zwei, drei vergnügte Stunden aus dem Auto. Dann begebe ich mich mit der Herzdame direkt dorthin, wo es Lounge-Möbel, Latte Macchiato, Eierlikörtorte und Schatten gibt, wo wir ganze Sätze wechseln können, sogar mehrere nacheinander. Es ist alles sehr angenehm, komfortabel und nur leider auch etwas teurer als früher, als ich lediglich den Schwimmbadfamilienpreis und die Pommes bezahlen musste.

Alle drei Phasen haben zweifellos ihren Reiz.

In einer theoretisch möglichen vierten Phase gehe ich vielleicht wieder alleine in eine Schwimmhalle, um dort einfach mal zu schwimmen, wie son Mensch mit Freizeit und Interesse am eigenen Wohlbefinden. Ich lese ab und zu in Blogs, dass andere das so machen und finde das dann kurz interessant und denke: „Okay, später mal.“

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In einem der Schwimmbäder hier, in dem wir dann doch wieder gemeinsam waren, war, so stand es groß dran, die Temperatur des Wassers abgesenkt worden – die aktuellen Krisen etc., man kennt das, es ist vermutlich bundesweit so, die Gemeinden fangen an zu sparen.

Die Söhne fanden es viel zu kalt, das machte keinen Spaß, früher war alles besser und das Wasser war in jenen Zeiten wärmer, und das war, es sei doch kurz festgehalten, der vermutlich erste und noch sehr harmlose Einschlag von „Die fetten Jahre sind vorbei.“

Der erste von vielen, die wir wohl zu erwarten haben. Ich werde nach Möglichkeit berichten.

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3 Kommentare

  1. Wenn ich bade, vornehmlich oder eigentlich nur in natürlichen Gewässern (Flüsse, Seen, hin und wieder das ferne Meer) vergesse ich zuweilen, dass manche Menschen ja in Frei- und Hallenbäder gehen, um zu baden.
    Meine Flüsse vor der Haustür sind aktuell womöglich wärmer als eure Schwimmbäder. Natürlich erwärmte 24 Grad hatte die Reuss am Sonntag, pipiwarm also.
    Verkehrte Welt.

    Viel Spaß wünsche ich euch weiterhin, mehr noch allerdings viel Muße.

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