Am Mustersee

Sonnabend, der 29. Juli, Meran. Der letzte Tag in Südtirol. Wir fahren an den Montiggler See, aus Traditionsgründen, denn es ist für uns der See schlechthin, der Mustersee. Exakt so gehört ein schöner See, mit Bäumen, die halb gestürzt ins Wasser ragen, mit Felsen, von denen man in das sensationell klare Wasser hineinspringen kann, mit ein, zwei sandigen Stellen am Ufer, mit Wald ringsherum, mit Schatten auf den Wegen und dabei so abgelegen, dass es nie zu voll dort ist. Ein wahrer Traumsee.

Die beiden Söhne, man sieht sie von hinten, am Ufer des Montiggler Sees

Beim letzten Besuch kamen die Söhne dort enorm schnell aus dem Wasser, in dem sie gerade herumtollten, als neben ihnen eine Schlange elegant ins Wasser glitt, dieses Mal stellt sich mir beim Rundgang eine Misteldrossel in den Weg, kühnen Blicks und mit vorgereckter Brust, als wollte sie uns die weitere Passage verwehren. Misteldrosseln aus der Nähe sind großartig und sehr schön, um sie herum flogen Libellen in Hubschraubergröße, also fast jedenfalls. Doch, das ist eine feine Gegend da, mit interessanter Tierwelt.

Auf dem Rückweg gab es dann noch eine neue und originelle Fehlermeldung im Mietwagen, wie hart kann so ein Gerät nerven.

Am Abend unser Abschlussspaziergang durch Meran, noch einmal über die beiden Promenaden. Hier und da, selten nur, etwas Politik an den Laternenmasten und Bänken, Edding-Inschriften für oder gegen die Regierung, Anmerkungen zur speziellen Südtiroler Lage, alles dezent und zurückhaltend, wie um die Touristen nicht zu stören. Viel häufiger als Politik sehe ich Vornamen und Herzchen, man verewigt sich hier gerne als Pärchen, auch auf die altmodische Art, also geschnitzt, geritzt.

Die Herzdame und Sohn II; man sieht beide von hinte, spazieren durch Meran, an der Passer entlang

Es würde viel zu lange dauern, bis ich unsere Vornamen irgendwo ins Holz gearbeitet hätte, besonders mein Name ist bei so etwas herausfordernd. Das mal auf die Zeit als Rentner verschieben und vielleicht vorher an Frühstücksbrettchen üben.

Wie auch bei den vorherigen Besuchen haben wir in der Woche besondere Schwierigkeiten mit den Öffnungszeiten gehabt, mit den Ruhetagen, den Mittagspausen, den Nachmittagsschließzeiten und was es da noch alles in Südtirol gibt, man macht hier generell gerne zu. Das ist selbstverständlich auch in Ordnung, wir kommen nur aus einer Stadt, in der alles etwas länger und durchgehender geöffnet ist, und das passt nicht immer einfach zusammen.

„Wollen wir heute dies oder das machen?“

„Egal, es wird sowieso beides geschlossen sein.“

Ich denke, ich habe viel Verständnis für diese Öffnungszeiten hier, vielleicht sind sie mir sogar sympathisch. Ich bin nur vollkommen anders geprägt.

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In den Nachrichten geht es währenddessen weiter um eine rechtsextreme Partei in Deutschland. Ich bin mit der Art der Berichterstattung ohne sinnige Einordnung ganz und gar nicht einverstanden, ich bin ausdrücklich altmodisch demokratisch, und ich finde die Fehler der Medien, die eher Klicks und Abschreiberei als Werten verpflichtet sind und etliche Aussagen vollkommen unreflektiert wiedergeben, immer unübersehbarer und drastischer.

Immerhin fällt mir nebenbei aber eine historische Pointe ein, die mich eine Weile still amüsiert: Wenn die Rechten an die Macht kommen, werden sie Blogs nicht wie damals die Bücher verbrennen können. Blogs muss man löschen, und das eben ist die Weiterentwicklung, mehr haben wir gar nicht erreicht. Wir haben wohl nur gedacht, etwas erreicht zu haben.

In einer Broschüre für die Touristen hier wird die Zeit unter dem Duce sehr kurz als die „Leidenszeit Südtirols“ abgehandelt, zu allen anderen geschichtlichen Phasen gibt es wesentlich mehr Inhalt, und ich lese diesen Text, während neofaschistische Politikerinnen schon wieder das Land regieren. Was soll man noch sagen oder schreiben.

Abendlicht an der Promenade an Meran, eine erleichtete Laterne vor den Bergen im Hintergrund der Stadt, blaue Stunde

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