Jahre gab es, ich weiß aber nicht mehr wann, vielleicht war es zu einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, da fiel die Hitze im Sommer nicht annähernd so heftig und beeindruckend aus wie in diesem. Also auch nicht dergestalt, dass man sie wirklich satt hatte, die Sommerglut, dass man diese Temperaturangaben im Wetterbericht einfach nicht mehr sehen konnte. Damals war es im Hochsommer nur ein wenig wärmer als sonst. Und das reichte dann gerade einmal für zwei, drei Erwähnungen im Smalltalk. Es war aber kein Aufregerthema. Und es war auch keine Schlagzeile wert.
Kurz nach diesen ein wenig wärmeren Tagen war dann auf einmal schon August und die Sonne brannte ohnehin nicht mehr so heiß. Das brachte es dann allerdings mit sich, dass man in manchen dieser Jahre zum September hin nicht genug oder sogar überhaupt nicht unter der Hitze im Hochsommer gelitten hatte. Dass man sie nur wie nebenbei abgetan und fast ohne jede Anstrengung durchgestanden hatte.
Was aber nicht genug war! Nicht genug jedenfalls, um die in unseren Breiten notwendige und auch seelisch überlebenswichtige Herbstbereitschaft herzustellen. Ohne die man doch die dunkleren Jahreszeiten in diesem Land nicht gut überstehen kann. In solchen Jahren fror man dann fast unweigerlich von Oktober bis März. Ein durchgehendes Klappern und Zittern war es. Und die lastende, lähmende Novemberstimmung, sie dehnte sich in manchen dieser Jahre auf bis zu sechs Monate aus. Sie quoll immer weiter grau und zäh über den Rand des ihr zugewiesenen Kalenderbereichs.
Denn man war einfach nicht bereit für das alles, man war nicht gerüstet. Der Herbst kam über einen, als sei er der erste und daher auch der schwerste Herbst überhaupt.
So ein Jahr ist dieses nun aber nicht, wie wir in dieser Woche mit Entschiedenheit bemerken wollen, noch während wir die vierzig Grad anpeilen, liebe Gemeinde. Um dabei wiederum im Torbergschen Sinne festzustellen, was auch an dieser Wetterlage noch ein Glück ist: Wir werden für den Herbst dann schon bereit sein! Das immerhin darf man ruhig annehmen. Vielleicht sind es die Ersten sogar in ein, zwei Tagen schon, und die müssen dann aber noch etwas warten.
Eine inhaltliche Brücke zum Klimawandel bietet sich an dieser Stelle leider nicht an. An dem ist wohl gar nichts noch ein Glück, und den gewöhnlichen und uns so nützlichen Herbst können wir metaphorisch dummerweise nicht in seine Bildwelt übertragen. Er stellt uns also nicht einmal diese geistige Form der angenehmen und entlastenden Ausflucht zur Verfügung.
Ein rettendes „Immerhin“ beim Klimawandel zu suchen, es ist wohl eine der sportlicheren Denkaufgaben. Und Denkaufgaben bei diesem Temperaturen, das wird ohnehin nichts.

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