Vorteil Jahreskarte! Ich gehe nun auch zu den Ausstellungen oder Events in der Kunsthalle, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie etwas für mich sind. Kostet ja nix, ne. Man ist außerdem weg von der Straße, hat es warm und trocken und kann sich dabei auch noch wahnsinnig kultiviert fühlen.
Ein durch und durch überzeugendes Konzept, ich werde dieses Abo daher mit Sicherheit verlängern.

David Novros (Wikipedia), der Name sagte mir nichts. Was nicht weiter erstaunlich ist, da ich von moderner Kunst so gut wie nichts verstehe und in aller Regel auch eher keinen Zugang habe. Wenn ich nicht zufällig einen persönlichen Bezug habe, weil ich etwa die Künstlerin kenne. Oder weil mir jemand mit professionellen Kenntnissen die Sache kundig erklärt. Wobei ich skeptisch bin, ob es richtig ist, dass mir Kunst erst erklärt werden muss, bevor ich geistig auch nur einen einzigen Schritt darauf zugehen kann. Aber das ist am Ende ein allzu abgründiges Thema, und ich habe bisher keine profunde Antwort gefunden.
Seine erste Ausstellung, das las ich gleich am Anfang, hatte David Novros im Jahr 1966. Mit anderen Worten, seine öffentlich zugängliche Kunst ist so alt wie ich, und zack, schon hatte ich meinen Bezug.
Manchmal ist es doch einfach.



Es geht bei ihm um ein Thema, über welches ich vermutlich kaum jemals nachgedacht habe, denn es geht um die Verbindung von bestimmten Räumen mit Kunst. Durch Wandgemälde, Mosaikdarstellungen etc. Es geht also um fest installierte Kunst, die dort hingehört, wo sie ist, und die vor allem für diesen speziellen Ort entworfen wurde.
Was auch bedeutet, dass diese Ausstellung einen Haken hat. Denn die gezeigten Werke sind eben nicht dort, wo sie hingehören. Sie wurden vielmehr transplantiert. Man muss dem ursprünglichen Konzept daher gedanklich durch Videos und Modelle folgen, wofür ich etwas Zeit brauchte, was ich dann aber mit jedem Raum immer interessanter fand.
Der Künstler erläutert das Konzept und seinen Zugang ausführlicher hier in diesem Video:
Er geht in diesem Gespräch auch mit teils erstaunlichen Beispielen darauf ein, dass es etliche seiner Werke bereits nicht mehr gibt, dass sie zerstört worden sind. Wo man doch bei Kunst direkt auf Wänden vielleicht zunächst eine eher längere Haltbarkeit als bei solchen auf Leinwand oder Papier unterstellen möchte. Aber Häuser werden verkauft, abgerissen oder umgebaut. Was man gerade in Hamburg gut versteht, nicht umsonst heißt es hier scherzhaft „Freie und Abrissstadt“. Was übrigens ein Scherz ist, den der erste Direktor der Kunsthalle von sich gegeben hat, Alfred Lichtwark.
Und ein Kunstwerk an einer Wand hält dieses Niedermachen nicht auf. Es begründet keinen sofortigen Denkmalschutz, und zwar auch dann nicht, wenn der Mensch, der die Kunst erschaffen hat, als bekannt zu gelten hat.
Dann konnte ich mir selbst noch einen Kunstkennerpunkt zuschreiben, weil ich eine Anspielung auf Mark Rothko sofort erkannt und richtig verstanden hatte. Das fand ich ebenfalls gut und zufriedenstellend. Auch wenn der Punkt nicht viel wert war. Denn Rothko, okay, den erkennen irgendwie alle, die jemals auch nur einen Gedanken an Kunst verschwendet haben.
Aber andererseits: Immerhin.




Außerdem verband sich der Gesamteindruck im weiteren Verlauf des Tages noch wunderbar mit meinem aktuellen Hörbuch. Also mit „Frankie und Freddie“ von Sven Regener. Denn in der ganzen Romanreihe ist Kunst immer wieder ein Thema, mit der Betonung auf moderner Kunst.
Und selbst wenn es in den Romanen eher unernst daherkommt, Stoff zum Nachdenken bietet es dennoch. Und Sven Regener schrieb es auch nicht, wie man beim Lesen merkt, ohne sich selbst intensiv damit befasst zu haben.
Kunst und Literatur in passendem Gleichklang an einem Sonntagnachmittag also, und ich liebe diese Synchronizität. Vor allem dann, wenn sie nicht geplant oder erwartet war.
Hier noch der Link zur Ausstellung. Sie läuft bis zum 21. Februar 2027 in der Galerie der Gegenwart.
Kann man machen!


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