Der Plan bis Sonnenuntergang

Ich schrieb über das vergangene Briefzeitalter (hier war das). An diesen Text haben die Kaltmamsell und auch Herr Rau jeweils etwas angelegt, es ist sehr erfreulich.

Es geht bei ihnen allerdings um alte, aufbewahrte Briefe. Also um einen Aspekt, den gewiss viele romantisch finden. Für mich wäre es eher ein Albtraum, wüsste ich, dass irgendwo noch Briefbündel herumliegen würden. Obwohl ich so schlimmes Zeug sicher auch nicht geschrieben habe, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Es ist eher eine Art von Grundscham, die ich mit der Therapeutin besprechen sollte, hätte ich denn eine.

Ich stelle mir aber immerhin vor, wie die Therapeutin, die ich einmal hatte (been there, done that, got the t-shirt), ernst guckt und nach dieser Anmerkung von mir zu den Briefbündeln aus der Vergangenheit wortlos ihre Lesebrille geraderückt. Wobei sie mich immer weiter ruhig ansieht. Viel mehr hat sie damals selten gemacht, aber es wirkte doch immer ungemein geistreich, sie konnte das wirklich gut. Also sie konnte es genau so, dass man nach ihrem wahrlich meisterhaft ausgeführten Blick über diesen goldenen Lesebrillenrand hinweg lieber doch noch etwas weiter nachgedacht – und dann auch prompt noch etwas gesagt hat.

Und darum ging es schließlich. Interessant war das, doch, doch, zumindest manchmal. Und zumindest für mich.

Ein Rettungsring an einer Wand neben dem Alsterfleet, im Hintergrund die Elbphilharmonie, über eine Brücke ragend

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Ich werde heute direkt nach dem Home-Office („Huuskontor“, auf Mastodon fiel das Wort aus der Pandemiezeit gestern einmal wieder, ich hatte es längst vergessen) in den Zug steigen und ans Meer fahren. So jedenfalls lautet mein halbwegs spontan gefasster Plan. Da ich auf dieser Fahrt aber zweimal umsteigen werde, und zwar mitten in der Walachei, wie man nicht nur in meiner Familie früher zu sagen pflegte, hat die Deutsche Bahn alle Chancen, unterwegs einiges grandios scheitern zu lassen, wie man sich vorstellen kann.

Ankommen werde ich am Ende vermutlich dennoch, und vielleicht auch noch vor Sonnenuntergang. So dass ich es mir am Abend schon einmal kurz ansehen kann, dieses Meer, um das es bei der ganzen Aktion geht. Es sollte im Juni aber auch kein besonderes Problem darstellen, von Hamburg aus vor Sonnenuntergang irgendwo in Norddeutschland anzukommen. Man hat immerhin Zeit bis zwanzig vor zehn dafür. Das sollte wirklich reichen.

Die Rickmer Rickmers im Hamburger Hafen

Ich habe gerade nachgesehen und etwas recherchiert. Fast würde ich die Strecke bis zum Strand meiner Wahl in diesem Zeitraum auch mit einer flotten Postkutsche schaffen können. Aber nein, doch nicht ganz. Immer fair bleiben.

Selbstverständlich wäre ich aber mit unserem Auto viel schneller als mit dem Zug. Fast doppelt so schnell. Aber ich fahre dermaßen ungerne, dass ich bei Plänen dieser Art fast nie sofort das Auto im Sinn habe. So ungern fahre ich, dass auch eine sich eher kompliziert und seltsam verbastelt anfühlende Zugverbindung für mich ein deutlich näher liegender Gedanke als eine Autobahnfahrt ist. Und zwar ein Gedanke, der sich auch viel mehr nach Reise und Nichtalltag anfühlt.

Von der reellen Chance auf Erlebnisse und also Berichtenswertes einmal abgesehen.

S- und Fernbahngleise von der Station Elbbrücken aus

Wie auch immer. Ich schicke Ihnen dann jedenfalls ein Bild vom Strand, so der weitere Plan.

Oder auch ein paar Bilder mehr.

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