Here we go again

Ein vollkommen erwartbarer Text, das muss ich gleich so benennen. Alles, was folgt, habe ich schon einmal gesagt, etwa im letzten Jahr zu ähnlicher Zeit. Und auch in dem Jahr davor und immer so weiter. In etwa zu dieser Zeit jedenfalls, vielleicht mit einer Zielgenauigkeit von plus/minus 14 Tagen, ich müsste nachsehen. Alles habe ich schon gesagt, nur nicht mit genau diesen Worten. Ein wenig ist es wie im Kirchenjahr, in dem sich manche Botschaften auch verlässlich und erkennbar wiederholen, eine Varianz in der Predigt aber von der Gemeinde durchaus erwartet wird.

Es geht jedenfalls wieder los.

Blick über die Kleine Alster vom Rathausmarkt aus

Diesmal begann es mit den Hamburger Theatern. Die mir sämtlich in nur zwei Tagen ihre Newsletter mit Updates zugeschickt haben, enthaltend Informationen zu den neuen Stücken, die sie jetzt im Programm haben oder in Kürze haben werden. Verbunden schon mit Hinweisen – man guckt beim Lesen noch leicht unwillig und liest kopfschüttelnd darüber hinweg – auf die Termine der Weihnachtsmärchen.

Manche Kulturkonsumenten planen aber auch bei so etwas weit voraus und wissen daher jetzt schon, was sie mit ihren Kindern im Dezember wann machen werden. Komisch, so waren wir nie.

Zum anderen fiel am zweiten dieser Newsletter-Tage bei den Meetings im Brotberuf auf, dass es auf einmal, und man wusste nicht recht, wie es eigentlich geschehen konnte, um Themen ging, die schon auf etwas hinzuweisen schienen. Die so einen gewissen Drall hatten. Auf etwas Großes wiesen sie hin. Auf etwas, das man zunächst noch gar nicht benennen mochte, weil es doch jetzt, mitten im August, mindestens so seltsam klang wie etwa „Weihnachtsmärchen“. Was dann aber doch irgendwann als unheilvolles Schlagwort fiel. Woraufhin alle kurz innehielten und ein wenig betroffen guckten, die Vorstellung des Begriffsinhalts erst einmal auf sich einwirken ließen. Man muss sich den Begriff dabei so ausgesprochen vorstellen wie früher das Wort „Risiko“, welches damals beim Großen Preis als Jingle eingespielt wurde und besonders unheimlich wirken sollte: „Jahresschluss“.

Die Silbenzahl passt sogar.

Blick über die Binnenalster bei Regen, vom Jungfernstieg aus, im Vordergrund ein Paar, unter einem Regenschirm auf einer Bank sitzend

Hier jedenfalls die Weihnachtsmärchen, da der Jahresschluss, da fehlte mir nur noch ein Aspekt zum berechenbaren Dreiklang. Ich sah daraufhin kurz und der Ahnung folgend in den sozialen Medien nach und fand dort sofort, was ich im Sinn hatte. Mit einer Promptheit, die mir schon wieder stark zu denken gab. Von wegen Zufall und so: die ersten Bilder von Stollen und Lebkuchen in Supermarktregalen nämlich.

Da hatte ich dann alles zusammen für den obligatorischen WTF-Moment der zweiten Augusthälfte. Und ich denke mittlerweile, ich werde es in diesem Leben nicht mehr schaffen, davon nicht überrascht zu sein. Es gehört einfach so, das Staunen gehört in diese Zeit. Vielleicht schafft es auch niemand, darüber nicht zumindest kurz verblüfft zu sein. Wir wundern uns alle einen Moment lang, dann nicken wir es aber doch wieder einfach ab, machen weiter und fragen uns nur noch zwischendurch im Laufe der nächsten Wochen ab und zu, wieso sich dieser so überaus seltsam selbstbeschleunigende Kalenderabschnitt Septemberoktobernovemberdezember dermaßen überzeugend anfühlen kann, als sei er in Wahrheit nur gesamt einen Monat lang. Höchstens.

Denn irgendetwas passiert mit der Zeit in dieser Zeit, man weiß es vorher. Und es ist etwas, das Einstein nicht erforscht hat. Vielleicht gab es das damals auch noch gar nicht, als der Herr forschte. Die älteren Romane etwa sind keineswegs voll mit Hinweisen auf das Phänomen, die betonen im Gegenteil eher die Längen der Monate mit -r am Ende.

Aber wie auch immer. Wir gehen da jetzt rein. Überprüfen Sie noch einmal Ihre Ausrüstung und lehnen Sie sich während der Fahrt bitte bloß nicht aus dem Fenster. Denn wie alle Menschen meiner Generation sehr gut wissen, die in der Kindheit noch so wie ich ohne Smartphone stundenlang mit dem Zug gefahren sind und dabei aus lauter Langeweile immer wieder sämtliche Beschilderungen in den Waggons gelesen haben:

È pericoloso sporgersi.“

Fleetblick in der Speicherstadt, im Vordergrund ein Seil, welches um ein Brückengeländer gewunden wurde

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Ein Kommentar

  1. Ich we in diesem Jahr zum ersten Mal erstaunt, dass es Anfang August schon Herbstastern gab, hatten doch gefühlt gerade erst die Sommerferien angefangen. Und auch wenn ich sie liebe, habe ich mich standhaft geweigert, mir schon den Herbst vor die Tür zu stellen bei 34 Grad im Schatten…

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