Am Sonntagmorgen gibt es durchdringenden Alarm via Katwarn, ein Großfeuer in Hamburg, gar nicht weit vom Garten entfernt, eher schon nebenan. Ein Sirenenton auf dem Handy, mir fällt fast der gerade erst gemachte Kaffee aus der Hand. Die Familie ist schlagartig wach, sogar die Söhne werden aus ihrem sonst verlässlich betonfesten Schlaf gerissen, das ist einigermaßen beachtlich. Das Warnsystem funktioniert also zuverlässig, wissen wir das jetzt auch. Nur dass wir gar nicht in Hamburg sind, sondern ziemlich weit weg, in Nordostwestfalen, das ist dabei etwas irritierend. Die Technik berücksichtigt also nicht den Standort? Aber okay, mal will man von Software ausdrücklich nicht getrackt werden, mal soll man wieder unbedingt getrackt werden, es ist kompliziert und unterm Strich, so denke ich, ist eine Warnung zu viel recht klar besser als eine zu wenig.
Auf Tiktok gibt es sofort Videos vom Feuer, es sind aber, wenn man genauer hinsieht, Videos von irgendwelchen alten Feuern, die jetzt ganz fix recycelt werden. Nicht direkt Fake-News, aber old News, das ist nicht unbedingt besser.
Wir frühstücken in Nordostwestfalen und finden diese Alarmmeldung ziemlich gut, aber aus einem eher speziellen Grund. Das Wetter wird nämlich brauchbar an diesem Tag, das ahnt man schon früh, obwohl der Morgen noch winterlich kalt und gruselig neblig ist, es wird später zweifellos aufklaren. Wir hätten also, wären wir nicht gerade da, wo wir sind, in unseren Garten gekonnt, und das beschäftigt uns nicht wenig. Denn dieses Frühjahr zeichnet sich bisher hauptsächlich dadurch aus, dass wir nicht in den Garten können, und zwar kategorisch nicht, weil es jedes Wochenende verlässlich eisig und verregnet ist und man dort also garantiert keinen Spaß haben würde. Mein Pflichtbewusstsein reicht dummerweise nicht so weit, dort dennoch hinzufahren. Ich bin überzeugter Schönwettergärtner, man muss nicht überall Härte zeigen.
Wir hätten an diesem Ostersonntag also zweifellos in den Garten gekonnt, es kommt uns ein wenig verrückt vor. Der einzige Sonntag, an dem wir nicht da sind. Aber wir hätten dann eben, und das ist erfreulich, doch nicht gekonnt, mit so einem Großfeuer nebenan, bei dem reihenweise unbekannte Chemikalien in die Luft gehen und der Rauch den Tag über der Stadt verdunkelt, wie wir in den Nachrichten lesen. Wir hätten zuhause bleiben müssen, bei geschlossenen Fenstern sogar, wie toll ist das denn. Also dass wir nicht da sind, das ist toll, der Rest natürlich nicht.
Wir sind in Nordostwestfalen, wir können hier einfach rausgehen, und wir machen das auch. Kein Rauch liegt in der Luft, keine Gifte, keine Asche. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein, ich höre beim Spazierengehen weiter den Faust vom ollen Goethe bis hin zu Auerbachs Keller und habe erheblich Freude daran.
Im Bild der eben erwähnte Nebelmorgen, so sieht es dann aus, in dieser Gegend. Es ist, wie die Söhne sagen, dermaßen gechillt hier.


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Ein kleiner Nachtrag noch zur Physikstunde gestern, weil es mir auch nach dem Drüberschlafen weiter merkwürdig vorkommt: Zu lernen war für diese Arbeit auch, dass Ladung in der Einheit Coulomb ausgedrückt wird – und keiner der an diesem Nachmittag anwesenden Erwachsenen aus verschiedenen Generationen konnte sich erinnern, von dieser Bezeichnung jemals im Leben etwas gehört zu haben. Kam das denn damals im Lehrplan nicht vor, ist das tatsächlich neu?
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