Cat in the rain

Es regnete auf Eiderstedt. Es regnete am frühen Morgen, als nur ich wach war und als ich es nur ahnen, hören und noch nicht sehen konnte. Es regnete in der Dämmerung und es regnete auch, auch als es ungewohnt lange nicht hell wurde. Es regnete noch, als es schließlich doch so hell war, dass ich erkennen konnte, wie die Tropfen in den Pfützen auf dem schlammigen Reitplatz aufspritzen. Es regnete beim Frühstück und ein, zwei Stunden später, es regnete am späten Vormittag, es regnete mittags und bis weit in den Nachmittag. Ein gleichmäßiger Regen aus einem Wolkenfeld von ungeheurer Erstreckung. Man muss Eiderstedt erst einmal überspannen können, das ist auch für Wolken eine Herausforderung. Wenn es vollkommen leise war, und das war es meistens, konnte ich den Regen auf dem Dach hören, diskrete Percussion in Endlosschleife, diese zwei Sekunden am Anfang von ganz langsamen Jazzstücken, gesampelt und geremixt. Vor dem Fenster Dunkelgrau über Dunkelgrün, bis zum Horizont, hin und wieder schwarz von einer Handvoll Krähen durchkreuzt.

Selten nur kamen Kinder in der Wohnung vorbei und plünderten die Schränke in der Küche. Ich fragte eher pflichtgemäß als aus wahrem Interesse, was sie draußen eigentlich machten. Sie waren wieder weg, noch bevor sie antworten konnten. Wildes Getrampel auf der Treppe, dann nichts mehr. Ich lag und las, die Herzdame lag in einem anderen Raum und las auch. Ich hörte, wie sie irgendwann ein Buch auf die Erde warf. Ich stellte mir vor, wie sie das nächste nahm, dieser Urlaub war ungeheuer ergiebig, was unsere Stapel ungelesener Bücher betraf. Ergiebig wie wohl kein Urlaub jemals vorher. Es war kein Tag für Ausflüge oder für irgendwas, es war ein Tag der begrenzten Möglichkeiten für uns Erwachsene. Ich las „Alles ist möglich“ von Elizabeth Strout, übersetzt von Sabine Roth. Ein gutes Buch, besonders wenn man viel von Anne Tyler gelesen hat und so einen kleinen Twist braucht, eine etwas verschobene Sicht auf die Menschen.

Eine tropfenübersprühte Katze kam durch die Tür herein, welche die Söhne selbstverständlich wieder weit offengelassen hatten. Sie kam mit großer Selbstverständlichkeit zu mir, wie verabredet, legte sich auf meinen Bauch und schnurrte. Ich machte weisungsgemäß einen Mittagsschlaf. Ich habe keine Katzen, aber ich verstehe sie soweit. Ich habe schon mit Katzen zusammengewohnt und erinnere mich. Da sie nach dem Nickerchen immer noch da war und auch immer noch schnurrte, machte ich gleich noch eines. Dann setzte ich mich schließlich doch einmal vorsichtig halb auf, hangelte nach meinem Notizbuch und nach dem Füller, ich schrieb langsam einen Satz, es war etwas über die Katze, versteht sich. Sie lag jetzt eingerollt auf meinem linken Arm, es war kaum zu erkennen, wo genau welcher Körperteil von ihr anfing oder aufhörte, sie war ein brummender Fellkreis. Aus diesem Fellkreis stieg ein Ohr und wendete sich dem Schreiben zu, dem dezenten Geräusch der Feder auf dem Papier. Dann kam aus einer anderen und eher unvermuteten Stelle des Schnurrknäuels eine Pfote, die sich sanft, aber in ganz unzweifelhafter Dominanz auf meine Hand legte, die den Füller führte: „Hier wird nicht geschrieben, wir ruhen jetzt.“ Die Krallen gerade eben so zu ahnen.

Ich legte das Notizbuch weg, die Katze seufzte und schnurrte. Ich sah aus dem Fenster, da stand ein Pferd auf dem mittlerweile völlig aufgeweichten Reitplatz. Ich sah das Pferd an. Lange.

Aber dazu morgen mehr. Ein Tier nach dem anderen.

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Links am Morgen

Manche sagen so, manche sagen so: Jessica und Björn über Atemwegserkrankungen, Kitas und Schulen. Man stößt auf die Sinnfrage und bleibt kopfschüttelnd zurück.


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Gehört: Warum wir erzählen – Der Mensch, das geschichtenerzählende Tier. Macht natürlich noch mehr Spaß, wenn man dabei im Geiste überall “erzählen” durch “bloggen” ersetzt.

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Der ganze Grimm des Nordens

Wir fuhren nach Eiderstedt und das Wetter wurde schlechter und schlechter, Drohwolken und Herbstluft, der ganze Grimm des Nordens und insgesamt eine düstere Stimmung, als wollte der Landstrich den vielen neuen BesucherInnen aus den südlichen Landesteilen mal zeigen, was eine nordfriesische Harke ist. Vor Tönning ein Windpark, die Masten und Flügel leuchteten hell auf, als gerade ein Sonnenstrahl durchbrach. Hektisch winkten die Mühlen ab, jede Drehung ein eilig gewedeltes „Kehret um! Kehret um!“ vor schwarzem Gewölk. Aber man kann nun wirklich nicht auch noch auf Windparks hören, denn wo kommt man da hin? Nirgendwo mehr, also zumindest hier im Norden nicht.

Stoisch fuhr ich weiter, trotzig kam ich an, hier habe ich gebucht, hier parke ich. Ich stieg aus und guckte zum Himmel, an dem sich die Wolken jetzt zusammenschoben und aufbauschten wie in einem Kurs für Landschaftsmalerei in Öl, und ich dachte das passt schon, wenn schon schlechtes Wetter, dann bitte hier, denn hier ist es wenigstens dekorativ. Und damit waren wir also wieder auf dem Hof, zum mittlerweile siebten Mal, wie wir etwas überrascht nachgezählt haben. Sieben Mal, guck an, dann waren die Söhne damals ja noch so klein, und wir zeigten Größen etwa in Kniehöhe und konnten es uns kaum glauben.

Der Hof hat einen ganz wesentlichen Vorteil, der sich in jedem Jahr wieder bewahrheitet hat, in diesem sogar mehr als in jedem anderen, es handelt sich dabei um einen Vorteil, den besonders Eltern verstehen werden, die in diesem Jahr ein wenig eng und lange im Familienkreis zusammengehockt haben: Wir sehen die Kinder da so gut wie gar nicht. Nichts gegen die Kinder, aber ab und zu habe ich gerne frei. Sie steigen dort bei der Ankunft aus dem Auto und machen dann eine Woche lang ihr Ding, von dem wir in jedem Jahr weniger wissen, was es eigentlich sein mag, es interessiert uns aber auch immer weniger. Irgendwas mit anderen Kindern eben, oder aber mit Schafen, Hühnern oder Pferden. Egal.

Ich setze mich dort also auf ein Sofa – oder bei gutem Wetter in einen Strandkorb –, und zwar so lange, wie ich möchte. Eltern werden nachvollziehen können, was das heißt. Man sitzt oder liegt irgendwo zwei, drei und mehr Stunden herum und wird einfach nicht gestört, es ist ein seltsam surreales Gefühl.

Für den besonders gelungenen Einstieg habe ich mich hingesetzt und gleich einen Roman am Stück durchgelesen, das habe ich lange, lange nicht mehr gemacht. Ein Roman, der in Nordfriesland spielt, wenn auch in einem anderen Landesteil, etwas weiter nördlich. Aber egal, es war ein ungemein süffiger Roman, endlich einmal wieder etwas zum Dranbleiben aus Freude und Begeisterung und Interesse, die Mittagsstunde von Dörte Hansen. Dicke Empfehlung. Wenn Sie mal in Nordfriesland sein sollten, das ist ja beliebt da – unbedingt mitnehmen.

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Links am Morgen

Also ich zum Beispiel , ich hieß auch gar nicht immer so, wie ich jetzt heiße.

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Es ist überaus merkwürdig, aber ich kenne tatsächlich eines der Bücher von der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt schon jemals der Fall war, ich gehe mit meiner Lektüre sonst eher ein, zwei Jahrhunderte nach. Jedenfalls: Bov Bjergs Serpentinen, die kenne ich, und die sind so gut, die können bitte auch gleich gewinnen. Ich schrieb hier im Blog nichts über das Buch, weil es mich zu sehr beeindruckt hat, ich fand einfach keinen Ansatz und keinen Tonfall dafür. So ein Buch. Wenn Sie Vater sind, werden Sie es vielleicht auch hart finden. Aber auch lohnend. 

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Schule international

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Durch den Parkour-Verein von Sohn I habe ich ein neues Wort gelernt, das kennen Sie vermutlich auch noch nicht: Calisthenics. Wenn man auf Youtube einmal nach diesem Begriff sucht, da findet man Übungen – also ich glaube fast, ich kann gar nicht alle. 

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Zündschnüre und Lebendfallen

Zwischen den Fahrten durchs wilde Westfalen (ich berichtete) und der äußerst besinnlichen Woche auf Eiderstedt (ich werde noch berichten) waren wir eine Woche nicht unterwegs, extreme staycation. Das ist für Familien natürlich ein brandgefährliches Unterfangen, denn zuhause sind ja sämtliche Streitroutinen bestens eingeübt und jederzeit verfügbar, zuhause liegen überall Zündschnüre und Lebendfallen herum. Und nicht nur das, zuhause lauert auch noch Arbeit in buchstäblich jeder Ecke. Weil man ja nicht auf dem Sofa sitzen kann, ohne irgendwohin zu sehen, und wenn man aber versehentlich irgendwohin sieht, dann sieht man auch, wie es da aussieht – und schon möchte man geradezu turnerisch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ein tiefes, tiefes Gefühl der Unentspanntheit überkommt einen, das sich dann noch dadurch verschärft, dass immer genaueres Hinsehen schließlich zu der Erkenntnis führt, dass es mit Aufräumen und Putzen gar nicht getan ist, dass man eigentlich renovieren oder besser gleich ausziehen müsste, und wer soll „man“ in diesem Fall wohl schon sein, stellt man betroffen fest. Man sinkt so nicht entspannt in ein Nickerchen, man fällt eher in Trübsal und Anspannung.

Selbst wenn man, was allerdings unwahrscheinlich ist, diese Gefahr in den Griff bekommt, bleibt immer noch das Risiko, dass man klarerweise Zeit hat, dass man also tausend Termine machen und sogar wahrnehmen kann, und selbst dann, wenn es sich um die vermeintlich schönsten Termine handelt, auf die man nur kommen kann, so sind es doch einwandfrei Termine und man ist also dauernd beschäftigt – und wer beschäftigt ist, der hat ja nun einmal nicht frei, worum es doch eigentlich gehen sollte.

Ich vermute, was allerdings auf Jahre hinaus unbewiesen bleiben wird, dass ich diese Probleme in den Griff bekommen könnte, wenn ich ganz alleine wäre. Aber das bin ich nicht und es ist auch schon enorm lange her, dass ich einmal eine Woche alleine war, es ist eventuell sogar annähernd zwanzig Jahre her. Ich kann darüber also eigentlich gar nichts wissen.

Wir sind dennoch auch im Familienverbund den Gefahren halbwegs entgangen, da wir fast durchgehend im Garten waren. Das klingt nicht logisch, denn im Garten fallen einem eher noch mehr Projekte ein als zu Hause, es gibt noch viel mehr zu tun und die Vorhaben sind vielleicht sogar größer und erfordern auch noch Bauholz und große Werkzeuge und viele Hände, und Unkraut muss man auch noch jäten und das, was wachsen soll, das muss man wässern und pflegen und überhaupt besteht so ein Garten im Wesentlichen aus Tätigkeiten und dann kommen auch noch, was natürlich nett ist, Freunde vorbei, kurz, es ist alles eigentlich ähnlich wie zuhause – aber es macht irgendwie nichts, es ist sogar schön, weil man ja im Garten ist. Das ist schon der ganze Trick. Man besieht sich zwischendurch ein Hummelchen auf einer Blüte, die heranreifenden Äpfelchen und den blühenden Lavendel, man spürt einen Effekt, den es auf dem Sofa so nicht geben kann, ganz egal, was in der Vase auf dem Wohnzimmertisch steht. Es ist im Garten, und alles ist anders.

Faszinierend ist am Rande auch, dass eine Woche im Schrebergarten jetzt unter Privileg fällt. Es ist gar nicht lange her, da war eine Woche Sommerurlaub in der Laube der Inbegriff der kleinkarierten Spießigkeit und des eher unangenehmen Deutschtums, da konnte man da höchstens ironisch drüber lächeln, also bestenfalls so halbwegs milde. Jetzt aber hat man einen Kleingarten, wie andere einen Mercedes. Nanu.

Währenddessen wurde der Wetterbericht für die Woche auf Eiderstedt immer schlechter. Er übersprang den August, den September und den Oktober und versprach schließlich einen Landaufenthalt im tiefsten November. Wir stellten uns darauf ein. Also ich jedenfalls. Die Herzdame haderte tagesfüllend.

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Links am Morgen

Das Problem mit den Leuten, die jetzt nicht mehr Mallorca verwüsten, sondern etwa die Schweiz. Das fällt aber natürlich auch in anderen Ländern auf.

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Bis zu 4000 Bäume werden im Stadtgebiet Frankfurt gefällt werden müssen

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Währenddessen in Brandenburg. Via Papaleaks auf Twitter.

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Julian Bream ist gestorben. Hier spielt er ganz kurz. Was man auf einer Party eben so spielt.


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Für den Freundeskreis Insel: Stefan war auf Helgoland und hat gefilmt und fotografiert.

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Ich habe das Hörbuch “Die Muscheln des Monsieur Chabre” gehört, gelesen von Michael Rotschopf, eine kurze Erzählung von Zola. Sie war wesentlich amüsanter, als ich es von Zola je erwartet hätte und enthält unter anderem die wunderschöne Beleidigung: “Sein Gesicht war flach und banal wie ein Bürgersteig.” Da lohnt sich das Hören/Lesen doch. 

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Neulich gab es auf Twitter eine Frage zu Radiosendern, ich finde sie gerade nicht wieder, aber in den Antworten wurde jedenfalls Djam Radio empfohlen, The eclectic French radio. Und es ist so: Beste Autobahnmusik seit langer Zeit. Ein Genuss. Oder wie ein Sohn sagte: “Können wir jetzt bitte wieder meine Playlist hören?”

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Neu auf der Liste dringend zu lesender Bücher.

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Eine Dankespostkarte

Rückseite

Wir haben zu danken, und zwar für einen Krimi, den sich die Herzdame gewünscht hatte (aus dieser Reihe), für Stifte für Sohn I, ein PopSocket (noch vor wenigen Wochen hätte ich das googeln müssen) für Sohn II und für ein sehr schickes Notizbuch mit Korkeinband für mich, es ist von Lemome, die scheinen gar keinen Homepage zu haben. Nanu. Ganz herzlichen Dank an die AbsenderInnen!

Vorderseite

Die Idee mit diesen Dankespostkarten ist übrigens ganz unerwartet praktisch und nützlich für mich, denn ich gucke jetzt noch mehr durch die Gegend, was denn wohl alles ein Bild sein könnte. Das gibt sozusagen wieder etwas Auftrieb im Blogsport. Auch schön!

Heute wird die Karte etwas meta, denn ich habe, als überzeugter Freund der Alltagsrecherche, mir wegen dieser Dankespostkarten einmal angesehen, was eigentlich aktuell auf den richtigen Postkarten so drauf ist, also auf denen, die man am Kiosk sieht oder gar kauft. Ich ging am frühen Morgen zum gerade geöffneten Kiosk meines Vertrauens und sah mir an, woran ich sonst immer vorbeigehe, nämlich diesen Drehständer mit den Postkarten, den man als Einheimischer sowieso stets ausblendet. Das Ergebnis war überraschend. Denn die Karten, die wenig originelle Motive zeigten, Elbe, Alster, Hummel Hummel, Rathaus und Reeperbahn, waren in einem lausigen Zustand. Die Farben verschossen und ausgebleicht, etliche Karten waren sogar tief eingerissen, die Mehrheit war in der Hitze verformt und der Länge nach durchgebogen. Auf diesem Ständer war im Grunde wenig, was irgendjemand noch kaufen würde, wenn man sich dazu nicht einen enorm dringenden Bedarfsfall vorstellen möchte, was aber viel Fantasie fordert. Ein Ständer voller Schrott also. 

Und jetzt muss man sich vorstellen, wie der Kioskbesitzer diesen Ständer aber jeden Morgen fröhlich vor die Tür schiebt, wie er die Räder arretiert, kurz in den Himmel sieht und dann wieder hineingeht, wobei das “fröhlich” hier nicht umsonst steht, es handelt sich um einen meist ausgesprochen gut gelaunten Menschen. Er schiebt den Postkartenständer mit vergnügter Gelassenheit morgens raus und abends rein.

Man könnte jetzt darüber lachen, über die auffällige Sinnlosigkeit dieser Tätigkeit, aber vorher müsste man da fairererweise noch an seinen eigenen Beruf denken und sich fragen, ob da nicht auch Tätigkeiten dabei sind … und hoppla, schon lacht man nicht mehr. Wer weiß, wann der Mann im Kiosk zuletzt Postkarten nachbestellt hat, vielleicht weiß er schon gar nicht mehr, wie und wo das eigentlich geht. Vielleicht hat er den Ständer schon so von seinem Vorgänger übernommen, vielleicht sind aber auch wegen Corona so wenig Touristen in der Stadt, dass sich Postkarten einfach nicht mehr lohnen. 

Ich habe es mir jedenfalls als Bild gemerkt, wie er da verbindlich lächelnd für einen ganz kurzen Moment neben einem Gestell voller vergilbter Altpapierkunstwerke und schadhafter Postkartenidyllen stand. Es war, so schien mir, ein ausgesprochen freundliches Bild der Vergänglichkeit. 

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Links am Morgen

Das Wetter in Bagdad

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Das Wetter auf Grönland.

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Thomas Knüwer zweifelt am Home-Office. Und die Allianz so: Haha, okay.

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Die Entschuldigungsfalle

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Eine Meldung in der Hamburger Obdachlosenzeitschrift. Eine kleine Meldung nur, die liest man und nickt vielleicht betroffen. Bei uns wird sie aber noch länger Thema sein, denn ein Sohn war bei dem Todesfall dabei, also zu der Zeit in dem Park. 

“Wie war es im Park?” 

“Traurig.”

So fing diese Meldung für uns an. Und die Frage bleibt natürlich: Wie kann das so ablaufen, wie kann das sein?

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Hitzefrei …

… habe ich natürlich nicht. Auch wenn ich es mit einigem Entzücken und Vergnügen zur Kenntnis nehmen würde, und auch wenn ich nach diesen einigermaßen wüsten Sommertagen allmählich doch etwas durch oder womöglich gar bin, you may now serve the pulled Buddenbohm. Wobei es übrigens in meinem Bekanntenkreis tatsächlich Eltern gibt, deren Kinder haben ganz im Ernst so kurz nach Schulbeginn schon wieder hitzefrei, was auch nicht ganz ohne Komik ist, wenn man sich an die letzten Monate und ihre Umstände erinnert. Nicht, dass ich das falsch oder schlecht finden würde, dass die Kinder hitzefrei haben, oh nein, es ist einfach nur eine weitere kleine Pointe dieses ungewöhnlich humorigen Jahres. 

Was ich sagen wollte – ich fühle mich nach mehreren Tagen und Nächten und Bürostunden und Einkaufsrunden mit völlig absurder Hitze zunehmend dumm, und wie es bei Gefühlen so ist, es ist manchmal schwer einzuschätzen, wie zutreffend sie sind. Am Ende bin ich wirklich noch dümmer als ohnehin schon, am Ende sind da etliche Zellen verdampft, die doch irgendwie wichtig waren, die für dies und das zuständig waren, und die fehlen nun leider. Kann doch sein.

Sie lesen das Blog eines sehr schlichten Menschen, er ist so schlicht, er fühlt sich den Pflanzen nah. Die denken vermutlich nicht viel, die Pflanzen, die sind mehr einfach so da, und das aber hauptberuflich, da können die meisten Menschen nur von träumen, so auch der Autor dieser Zeilen. Ich möchte eine Pflanze in diesem Sommer sein, ich möchte nur in der Gegend herumstehen und mich dann langsam, langsam unter der immer grelleren Sonne zur Seite neigen und schmerzlos vertrocknen, ich möchte einziehen und alles ohne Bedauern verfallen lassen, was von mir über der Erde ist. Und dann im nächsten Jahr mit neuen Ideen wieder kommen, wenn es Frühling ist und ein munterer Wind weht, wenn der Aprilregen kitzelt und die Maisonne lockt, wenn es lind ist und sanft und frisch. Aber bis dahin ist es weit und bis dahin brauche ich Ruhe und tiefen, tiefen Schatten. 

Na, oder zumindest mal einen Tag lang. 

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Links am Morgen

Ich habe hier etwas gehört und ein neues Wort dabei gelernt, Solutionismus, das kannte ich nicht. Demnächst mal anbringen! Das ist doch sehr für Meetings geeignet: “Sie neigen zum Solutionismus, was?” In so leicht indigniertem Tonfall. 

Die Audio-Datei ist 42 Minuten lang. Reicht für den Weg zur Arbeit und zurück bei mir.

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Das hier ist vor allem wegen des Bildes interessant – wie es jetzt in Schulen in anderen Ländern so zugeht. Ein Beispiel.

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