Komm, Kasper!

Fünf Bücher leben wieder.

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Und heute ist einer dieser Tage

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Bei der GLS Bank habe ich etwas über das Rad im Winter geschrieben und zusammengestellt.

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Ich finde die in vielen Blogs beantworteten 1.000 Fragen oft eher nicht so interessant, sei denn, die Kaltmamsell beantwortet sie mit kalter Präzision.

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Alle mit dabei. Ich bin ja nicht der einzige Mensch, der über Hamburger S-Bahnen schreibt.

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Im Vorbeigehen gehört: Eine Frau beschreibt einer anderen einen Mann mit den Worten: “Er ist mehr so der Chillo.” Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er da irgendwo entspannt herumhängt.

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Im Hauptbahnhof kommt mir am Morgen eine schwankende Dame entgegen, die ist vermutlich nicht betrunken, die ist vermutlich nur unfassbar müde. Sie sieht nach einem Alter aus, in dem viele Menschen nicht mehr arbeiten, diese Dame aber doch noch. Sie sieht so aus, dass gewisse Boulevardzeitungen sie bei einem pressetauglichen Vorkommnis reflexmäßig als Oma beschreiben würden, in diesem Fall vermutlich als Sicherheitsoma, denn sie trägt die Uniform eines privaten Sicherheitsdienstes und kommt, das kann man sich leicht zusammenreimen, gerade von der Arbeit, von der Nachtschicht. Und sie ist so müde, dass man es auf zwanzig Meter Entfernung schon sieht, sie ist so unfassbar bleiern müde, dass man selbst diesen unendlich schweren Zustand geradezu körperlich spürt, wenn man sie ansieht. Sie ist so redlich müde, dass man ihr unbedingt ein baldiges Bett und angenehme Träume gönnen möchte. Sie gähnt und ihr gänzlich unverstecktes Gähnen auf der letzten Rille wirkt so dermaßen ansteckend, das setzt sich durch den ganzen Bahnhof fort und noch weiter in die Züge, es wirkt vielleicht immer noch quer durch Hamburg, auch jetzt noch, mehr als zwölf Stunden später. So ein Gähnen war das.

Ich hatte bis vor einiger Zeit einen Nachbarn, der arbeitete auch als Rentner bei einem Sicherheitsdienst und schob da Nachtschichten. Er hatte immer einen großen schwarzen Hund dabei, der ging mit ihm die ganze Nacht Patrouille. Der Hund hieß Kasper und war so unlustig, wie man sich berufstätige Hunde nur vorstellen kann, dieser Hund meinte alles ernst. Der Hund war dann irgendwann weg, der Nachbar ist bald darauf gestorben. Die Söhne hatten immer etwas Angst vor den beiden. Er war ein Mann, der fast nie gesprochen hat, dieser Nachbar, nie mehr als: “Komm, Kasper!”

In der S-Bahn am Morgen hustet eine ältere Dame ihre Lunge in ein Taschentuch, und zwar tut sie das in einer Intensität, dass etliche Umstehende einigermaßen verzweifelt woanders hinsehen. Das hilft allerdings nur begrenzt, denn dicht neben der älteren Dame mit dem Bröckchenhusten sitzt eine Grundschülerin, die mit entsetzlicher Gelassenheit einen Wackelzahn im Mund hin- und herklappt, sicherlich damit er sich endlich ganz löse. Mir geht es wie vielen Reisenden, wie der Hamburger Verkehrsverbund uns Menschen in den S- und U-Bahnen und Bussen hartnäckig nennt, obwohl wir nur Stadtteile wechseln und von Reisen höchstens träumen, mir geht es wie den anderen, wollte ich sagen, mir menschelt es in diesem Waggon entschieden zu viel und ich freue mich endlich doch einmal, in Hammerbrook schon wieder auszusteigen zu dürfen. Auch mal schön!

In der S-Bahn am Nachmittag, zurück von der Arbeit, sitzt mir ein Rentnerpaar gegenüber, sie sieht etwas auf dem Handy nach, liest und sagt dann zu ihrem Mann: “Also hiernach ist Labskaus jedenfalls keine Vorspeise.” An dieser Stelle grüße ich ausdrücklich alle Touristen, die sich etwas trauen und sich einlassen, und sei es nur auf Labskaus. Nur Mut!

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Musik! Holding back the years. Die Älteren erinnern sich.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Drei Stunden anders

Gestern habe ich noch Scherze über den Frühling gemacht, heute ist er dann unvermittelt tatsächlich da. Genau drei Stunden lang schlendert er durch die Stadt und sieht sich mal unverbindlich um, späterer Einzug nicht ausgeschlossen. Zehn Grad hat er dabei, das ist doch was, und ein Licht und eine Luft auf einmal, da gucken sich alle Menschen so um und machen die dicken Winterjacken auf und reißen sich die Schals vom Hals und die Mützen vom Kopf und strecken sich und merken, dass etwas anders ist. Und erinnern sich plötzlich vage an Nettigkeiten und bessere Zeiten und der Blumenstand an der Straße verkauft heute deutlich mehr als sonst, wirklich deutlich mehr, hast du die Tulpen gesehen, wie die leuchten.

Im Hauptbahnhof fragt eine große digitale Anzeigenwand, wie viele Autokinos es denn in Deutschland gibt, das ist wohl die Frage zum Frühling, wer weiß. Mindestens zehn Menschen sehe ich, die im Strom der 550.000 Menschen, welche täglich durch den Hauptbahnhof ziehen, genau vor dieser Anzeigentafel stehen bleiben und die Frage auch lesen, die Köpfe teilweise so schräg gelegt und dann ratlos hin und her bewegt , denn das weiß man natürlich nicht, wie viele Autokinos es in Deutschland gibt, woher sollte man das auch wissen, das ist eine typisch sinnlose Quizfrage. Normalerweise müsste die erlösende Antwort ein paar Sekunden später erscheinen, so geht das Spiel doch, aber das tut sie heute einfach mal nicht. Es erscheint erst die Uhrzeit und dann erscheint der Wetterbericht und dann eine Werbung und dann die Nachrichten mit dem Brexit, so lange kann ja keiner warten, also wirklich. Die zehn Leute sind längst weg und fahren S- und U-Bahn in Stadtteile mit Doppelhaushälften, Carports und allem und denken jetzt vermutlich den Rest des Tages über die Anzahl der Autokinos nach. Später nerven sie ihre Partnerinnen und Partner mit der Frage oder sie sind Single und murmeln die Frage in einer leeren Küche, googeln das dann endlich am Abend und wer weiß, vielleicht geht wenigstens einer von diesen zehn Leuten noch in diesem Sommer zum ersten Mal tatsächlich in ein Autokino, weil ihn oder sie der Gedanke einfach nicht mehr loslässt, das könnte doch sein, dass da jemand endlich einmal hingeht, so halb ironisch, versteht sich, weil Autokino doch irgendwie seltsam ist. Aber noch bevor der Film auch nur halb vorbei ist, wird in genau diesem Auto selbstverständlich schon heftigst und mit großer Ernsthaftigkeit geknutscht. Und dabei bleibt es auch nicht und wir waren dann also heute ganz am Anfang dieser Geschichte dabei, ist das nicht schön? Herzchenkonfetti regnet herab, Musik mit vielen Streichern, Abblende.

Es sind übrigens zwanzig Autokinos, falls Sie sich das jetzt auch fragen, und keines ist auch nur annähernd in meiner Nähe. Da kann ich ein ganz ruhiges Gewissen haben, in den knapp bemessenen drei Stunden des Hamburger Frühlings heute hätte ich ganz gewiss keines erreicht, was aber nichts macht, denn für Frühlingsgefühle brauche ich mittlerweile sowieso deutlich mehr als drei Stunden und ich kenne mich da zwar nicht aus, aber ich nehme stark an, dass in Autokinos sowieso nur im Sommer Vorführungen stattfinden.

Egal. Morgen wird es schon wieder kälter. Aber schön war es schon. Drei Stunden lang.

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Musik!


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Was das Ding ist

Sven kuschelt mit Franzbrötchen. Nanu!

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Simone über Musik und die Folgen. Und ein Ja zur Frage im letzten Satz. Was sonst.

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Als die Hölle aufging

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In der U-Bahn sitzt mir ein türkischsprachiges Mädchen gegenüber, Teenager-Alter. Die benutzt eine fürchterliche Phrase, die heute allgemein üblich ist, sie beginnt ihre Sätze dauernd mit “Das Ding ist …”. Allerdings kommen danach bei ihr türkische Satzfortsetzungen, wodurch man als ohnehin unfreiwilliger Zuhörer ohne Türkischkenntnisse nie erfährt, was denn nun das Ding ist und man fragt dann ja nicht nach, nein, das tut man nicht. Sie spricht überhaupt nur Türkisch, wenn man von dem häufigen unvermittelt eingeschobenen “Das Ding ist …” mal absieht. Das Ding ist nämlich, dass sich “Das Ding ist” in ihr Türkisch geschlichen hat, wie das Okay oder das Ciao z.B. ins Deutsche. Und das ist doch tatsächlich ein Ding.

Es sei denn, aber das kommt mir eher unwahrscheinlich vor, Dasdingis wäre ein türkisches Wort. Kann das sein? Nein, es klingt nicht so. Dasdingis klingt, wenn es denn überhaupt ein einziges Wort sein soll, am ehesten wie ein mongolischer Vorname, Dschingis und Dasdingis, das könnte hinkommen. “Dasdingis, bringst du mir bitte noch Milch und Katzenfutter mit?” Na, ich weiß ja nicht.

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Ich war auf einer Lesung von Andreas Moster, er las aus “Wir leben hier, seit wir geboren sind”. Isa hat einmal darüber geschrieben und ja, das ist richtig gut, das wollen Sie also auch lesen.

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Zum phänologischen Kalender: Freundliche drei Grad am Morgen, der Himmel zeigt ein Streifenmuster in attraktivem Graublaurosamix, vor dem Hotel nebenan steht ein rauchender Tourist in kurzen Hosen und offenem Übergangsjäckchen. Es wird.

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Musik! Sophie Hunger.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Zwieback in Milch

I’m going to write about monsters.

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Im Vorübergehen gehört, vor einem Schaufenster in Eppendorf: “Ja, hier kannste solche Preise erzielen, das ist eben die richtige Lage dafür. Wenn du das bei uns machst, da lachen doch alle. Und wie die lachen.”

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Gerbrand Bakker schreibt in “Jasper und sein Knecht”, dass er seine Bücher eher für sich selbst geschrieben habe, seine Blogeinträge aber für die Leser, was für eine interessante Einteilung. Na, meine Bücher sind aus Blogartikeln entstanden, ich kann da nicht mitreden.

Außerdem erzählt er, dass er einmal auf einem Literaturfestival im Souterrain eines Antiquitätenladens eine Stunde gegen Honorar geschrieben habe, wobei das Geräusch der Tastatur per Lautsprecher als Happening auf die Straße übertragen wurde, während er da vor sich hin tippte und sich von Minute zu Minute immer mehr für Aufgabe begeisterte. Er empfand sich, so schreibt er, während er da saß und öffentlich schrieb, als endlich deckungsgleich mit sich selbst. Und das wiederum kann ich nachvollziehen.

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Apropos Schreiben, bei dieser Neujahrsvorsatzaktion kam auch der Wunsch, ich möge wieder anderes schreiben als nur Blogartikel, und ich nehme das mit den Vorsätzen ja ernst. Damit habe ich also auch begonnen. Keine Ahnung, ob da in diesem Jahr etwas dabei herauskommt, vielleicht dauert es auch zehn Jahre, bis da etwas vorzeigbar ist, bloß keinen Terminstress. Aber hey, der Versuch zählt, finde ich, mehr kann man bei Vorsätzen sowieso nicht verlangen. Ich habe erst einmal drei Wochen darüber nachgedacht, was ich vor zwei Jahren – oder wann das genau war – mit dem Manuskript da eigentlich vorhatte, dann habe ich mich mühsam, viel zu mühsam an das Passwort der Datei erinnert und mit Todesverachtung ein paar der damals geschriebenen Seiten gelesen. So etwas kann sehr, wirklich sehr herausfordernd sein, mir wurde so heiß dabei wie anderen beim Sport. Es gab da eine Stelle, an der bin ich spontan hängengeblieben, mir schien dort etwas zu fehlen, ein mir wichtiges Bild. Dunkel erinnerte ich mich, das schon einmal irgendwo beschrieben zu haben, vermutlich im Blog, wie das bei mir so ist, da landet ja das meiste. Jedenfalls fing ich damit einfach an, mit genau diesem Bild, es ist eines, das ich seit Jahren im Kopf habe und deswegen flott runterschreiben kann, und es lief auch ganz gut, ein leichter und einladender Einstieg. Fast erstaunlich gut lief das sogar. Ich fügte also diesen ungemein wichtigen Absatz ein, las ihn noch einmal durch und fühlte mich gleich viel besser, das ging doch! Das war wie mit dem Fahrradfahren! Tippeditipp! Dann las ich weiter und war etwas überrascht, denn den gleichen, fast den selben Absatz habe ich auch vor zwei Jahren schon geschrieben, der kam direkt zwei Zeilen tiefer. Nicht im Blog, nein, im Text, den ich gerade geöffnet hatte.

Ich will es positiv sehen, es zeigt immerhin, dass ich noch wie vor zwei Jahren schreibe. Ob das Geschriebene nun gut ist oder nicht, egal, es ist immerhin konsistent. Auch was wert!

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Ein Sohn liegt müde neben mir im Bett, streckt sich und ist gerade im Begriff, zur Nachtruhe ins Kinderzimmer zu wanken, sagt mir aber noch, dass er sich gerade so wohl fühle wie Zwieback in Milch. Ist das nicht schön? Für mich klingt das ganz außerordentlich schön und außerdem ziemlich unerreichbar, denn mich so wohl zu fühlen wie Zwieback in Milch, das kriege ich nicht mehr hin, schon lange nicht mehr.

“Darf ich den Satz bloggen?”

“Ja, der war ganz gut, ne?”

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Ich arbeite seit 1987 in der Firma, in der ich immer noch arbeite. Gerade habe ich erfahren, dass wieder einer der Geschäftsführer von damals gestorben ist. Die sind dann jetzt mittlerweile fast alle tot, die alte Garde ist nicht mehr. Es ist heute nicht mehr üblich, so lange in Firmen zu arbeiten, es ist auch nichts wert, aber es hat doch seine interessanten Seiten. Zum Beispiel kann man dann wissen, wie sich ein Mensch, der vor dreißig Jahren einmal eine wichtige Rolle gespielt hat, vielleicht heute noch dezent auswirkt. Manchmal stelle ich mir Organigramme vor, die das berücksichtigen, mit zartgrauen, kaum sichtbaren Linien in die Vergangenheit, dreidimensionale, hochkomplizierte Modelle durch die Zeiten und Ebenen, kaum lesbar, kaum zu deuten.

Es ist ein wenig schade, dass es solche Gebilde nicht gibt.

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Trinkgeld Januar 2019, Ergebnisbericht

Die Herzdame hat die Schuhe bereits hier erwähnt, daran waren Leserinnen maßgeblich beteiligt. Ansonsten ist nicht viel passiert, das liegt am etwas ereignisarmen Wintermonat und auch daran, dass fast alles, was ich unternommen habe, in diesem Monat nichts gekostet hat. Das ist ja auch mal nett, dann bleibt mehr für die nähere Zukunft. Immerhin bin ich aber mit dem Geld nach Berlin zu den Goldenen Bloggern und zurückgereist, das ist doch etwas, ich habe hier auch entsprechend berichtet. Zum Verbrauch von Spesengeldern kam es dabei diesmal nicht, Sie erinnern sich, es war gegen zehn Uhr abends schon alles zu. Schlimm.

Die Gartensaison nähert sich langsam (sehr langsam), das will ich auch nicht vergessen, ich habe also ein noch im Winter zu verwendendes Biomittel gekauft, das den Pfirsich retten soll. Keine Ahnung, ob es das dann tatsächlich auch tut, ich bin neu in dem Gewerbe und darf Fehler machen. Sehr befreiend!

Noch etwas Buchzuzwachs aus der Büchergilde Gutenberg: Ein Erzählband von Hans Fallada, “Junge Liebe zwischen Trümmern”, das sind Geschichten von ihm, die man bisher nicht in Buchform kannte, Zeitschriftentexte und dergleichen. Das Buch ist noch auf dem Postweg, ich berichte später.

Wie immer: Ganz herzlichen Dank für jeden in den Hut geworfenen Euro! Ich freue mich über jede einzelne Münze und die Buchführung ist mir in jedem Monat ein Fest, ein großes.

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Hey, hallo!

Diese jungen Menschen, die auf Beute lauernd an der Straße stehen und für wohltätige Organisationen werben, weil man da Mitglied werden soll, weil man irgendwas abonnieren oder spenden oder wenigstens unterschreiben soll, sie werden immer freundlicher, auf diese falsche, künstlich antrainierte Art, die uns damals schon bei den Bäckereifachverkäuferinnen so auf die Nerven ging und immer noch geht. Diese jungen Menschen springen den Passantinnen in den Weg und rufen mit nicht auszuhaltender Privatradiomoderatorenfröhlichkeit: “Hey, hallo! Schön dich zu sehen! Wie geht es dir? Hast du ein paar Minuten für mich?” Und ich möchte ihnen reflexmäßig und in kommunikativer Notwehr meine Einkäufe über den Schädel ziehen, aber das macht man ja nicht, erstens weil man es nun einmal nicht macht und zweitens, weil sie immerhin für eine anständige Organisation da stehen und nicht für Mineralölkonzerne oder andere Firmen der Finsternis. Aber egal, ich möchte sie anbrüllen, gefälligst die Klappe zu halten, ich möchte sie verscheuchen, loswerden oder wenigstens ignorieren können, aber das geht ja nicht, weil sie wie übergriffige Schachtelteufel unbarmherzig grinsend vor einem auftauchen, ich finde es grauenvoll, es gibt einfach kein Entkommen mehr vor ihrer inszenierten Kumpelhaftigkeit.

Was aber ganz seltsam ist, sie sind alle gleich, immer sind es die gleichen sympathisch aussehenden jungen Menschen mit den verwuschelten Haaren, sie reden auch alle genau gleich. Es muss also ein einheitliches, genormtes Schulungskonzept geben, für das sie in Massen rekrutiert werden und in dem dieses “Hey, hallo!” trainiert wird, aber wie stellt man sich das denn bloß vor? Zwanzig junge Menschen, es sind ja immer sehr junge Menschen, sitzen in einem Kreis um einen Trainer und rufen immer wieder gemeinsam “Hey, hallo!”, bis es endlich fröhlich und jubelnd genug klingt, Gospelchor nichts dagegen. Und dann üben sie “Sich in den Weg stellen” und “Schon von weitem angrinsen” und “Richtig locker winken” und dergleichen, bis sie irgendwann fit für die Straße sind.

Vielleicht sind die jungen Leute auch gar nicht freiwillig in diesen Kursen, vielleicht hat sich ihnen erst ein paar Tage vorher jemand plötzlich in den Weg gestellt und in bester Jahrmarktslaune “Hey, hallo!” gerufen, an die nächsten zehn Minuten können sie sich komischerweise gar nicht erinnern, aber sie haben jedenfalls irgendwas unterschrieben und nun stehen sie da plötzlich im Kreis, sie wissen gar nicht, wie ihnen geschieht und eine Woche später lungern sie schon frisch ausgebildet und im buntbedruckten Sweatshirt einer Wohltätigkeitsorganisation in der Fußgängerzone herum und es werden immer mehr und noch mehr, jede Woche werden es mehr, bis sich die ersten versehentlich im Gedränge gegenseitig in den Weg springen, begeistert “Hey, hallo!” rufen und sich dann in endloser Folge immer wieder vorgestanzte Dialoge aufsagen, aus denen es einfach kein Entkommen mehr gibt, bis sie irgendwann dehydriert umfallen, und dann kann man endlich wieder in die Stadt gehen, ohne alle zehn Meter angelabert zu werden.

Das wird schön.

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In der bitteren Kälte des Wintermorgens

Ich gehe früher zur Arbeit als sonst, es ist ungewöhnlich viel zu tun. Ich gehe so früh, dass noch kaum jemand unterwegs ist. Vor einer Bäckerei steht eine verlumpte Bettlerin in der bitteren Kälte des Wintermorgens und hält einen Becher bittend vor sich hin, ich krame in den Hosentaschen nach Kleingeld. Und ich habe meinen eher flüchtig gewonnenen Eindruck von ihr gerade noch rechtzeitig revidiert, sonst hätte ich der jungen Bäckereifachverkäuferin, um die es sich in Wahrheit handelte und die, in eine dieser Draußensitzdecken gehüllt, mal schnell vor der Tür eine rauchen wollte, doch glatt ein paar Münzen in ihren dampfenden Latte Macchiato geworfen. Denn auch bei dieser guten Tat, die jeden Tag fällig wird, gilt: Es ist kompliziert.

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Ich lag gestern am späten Abend schon im Bett, es war etwa halb zwölf, als eine Reisegruppe unter meinem Fenster vorbei vom Hotel zum Bahnhof rollkofferte. Wobei es natürlich geraten ist, dass sie zum Bahnhof wollten, aber wohin sonst. Es ist genau genommen auch geraten, dass sie aus einem Hotel kamen, aber woher sonst. Ich bin nicht aufgestanden und habe nachgesehen, es war eine recht eindeutige Geräuschlage, viele Stimmen, viele Koffer, Reisegruppe, man kennt das. Die Sprache vermutlich asiatisch, die Stimmlagen eher hoch, es hörte sich etwas comichaft an, dieses plaudernde Satzgewirr auf der Straße. Wäre ich aufgestanden und hätte ich nachgesehen, der Anblick wäre denkbar unspektakulär gewesen, zwanzig Touristen mit Rollkoffern eben. Das Geräusch ist mittlerweile so gewöhnlich in unserem kleinen Bahnhofsviertel, da sieht keiner mehr hin.

Aber wenn das nun jemand gehört hätte, der gar keine Rollkoffer kennt, jemand aus dem neunzehnten Jahrhundert etwa, wie auch immer der es in die Gegenwart geschafft haben könnte, ein Zeitreisender vielleicht, wenn es also jemand gehört hätte, der bei diesem speziellen, fast unverwechselbaren Rollgeräusch nicht sofort Koffer und Geschäftsreisende oder Touristen assoziiert hätte, dann, das fiel mir gestern plötzlich auf, hätte es so geklungen, als hätten da etwa zwanzig Menschen, wegen der hohen Stimmlagen vielleicht sogar recht kleine Menschen, gemeinsam etwas verdammt Großes mit vielen Rädern die Straße entlang geschoben.

Das jedenfalls ist der Grund, weswegen ich gestern ziemlich spät noch kichernd im Bett lag und mir vorstellte, wie zwanzig koboldhafte Wesen ein seltsames Ungetüm vom Ausmaß eines trojanischen Pferdes vier Stockwerke unter meinem Bett die Straße entlang schoben.

Und nur in einem fantasylastigen Jugendbuch würde diese Szene jetzt weitergehen mit: “Und dann sah ich etwas vor meinem Fenster.”

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Musik! Der letzte Auftritt von Otis Redding. Den nächsten Tag haben die meisten in diesem Clip nicht überlebt.

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Mien Jung

Ich lese Gerbrand Bakker: “Jasper und sein Knecht”, aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Kein Roman, ein berichtendes, fast ein blogartiges Buch, er schreibt aus seinem Leben, über sein Haus und über seinen Hund (Jasper). Hier etwa denkt er über seine Schwierigkeiten mit Besuch nach, das werden andere schreibende Menschen nachvollziehen können: “Dummerweise kann ich Geschehenes nur allein verarbeiten, und wenn ich Besuch habe, geschieht natürlich ständig etwas, das ich verarbeiten will und muss, aber nicht kann, weil ich Besuch habe. Mich zu entspannen ist gar nicht oder bestenfalls ab fünf Uhr möglich, wenn Alkoholisches auf den Tisch kommt. Und eine Nacht zu schlafen, reicht nicht, vor allem, wenn bei Frühstück wieder nett geplaudert wird. Nach vier Tagen stehe ich dann manchmal kurz davor zu platzen: So vieles kommt herein, so viele Reize, und alles läuft unverarbeitet an.”

Ich muss das nicht auf Besuch beziehen, um es zu verstehen, ich habe generell ein Reizverarbeitungsproblem, wenn ich nicht oft und lange genug an den Schreibtisch komme, auch auf Reisen. Schlimm.

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Die Söhne empfehlen einhellig – was gar nicht oft vorkommt – diesen Comic, der sich dadurch auszeichnet, dass der Held, wie sage ich das denn jetzt, die räumliche und zeitliche Ordnung der Strips sprengt, also etwa im letzten Bild einer Seite etwas tut, das sich im ersten Bild auswirkt. Faszinierend!

 

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Immer noch lösche ich in alten Tweets und Facebook-Einträgen herum, eine fantastische Arbeit für lange Winterabende und eine befreiende Angelegenheit. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich nach einem bestimmten Prinzip vorgehe, ich entscheide eher beim schnellen Querlesen intuitiv, was vermutlich nur eine andere Form der im Moment so viel diskutierten Marie-Kondo-Frage “Does it spark joy?” ist. Egal, es ist immerhin eine Frage, die ich gut und ohne langes Nachdenken beantworten kann, wenn es um Texte und Bilder geht. Bei Kleidung und anderem Alltagszeug würde mir das viel schwerer fallen, das ist alles irgendwie nicht mit Freude verbunden.

Das digitale Ausmisten finde ich jedenfalls recht befriedigend, demnächst dann auch Instagram und Blog-Artikel, vielleicht fällt mir auch noch mehr ein, wo virtuelle Staubmäuse herumfliegen könnten. Es gibt viel zu tun.

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Ich stieg in einen Fahrstuhl, in dem bereits ein alter Mann stand, also noch erheblich älter als ich. Der sah mich und winkte mich ran: “Komm rein, mien Jung, und drück mal auf die Eins für mich, machste dat?”

Ich kannte den Herrn überhaupt nicht, aber das war im Grunde ein sehr, sehr kurzer Moment für die Reihe “Was schön war”, die hatte ich hier auch lange nicht mehr. Einmal noch wieder für jemanden “Mien Jung” zu sein, was doch sonst nur noch die Söhne für mich sind. Doch, das war schön. Es war, ich möchte das präzisieren, für den Bruchteil einer Sekunde entlastend.

Dann habe ich für ihn auf die Eins gedrückt und er ist wieder ausgestiegen.

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Und so verging der Januar, der unterm Strich kein guter war.

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Musik! Man beachte bitte das Pferdegetrappel. Ganz groß.

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Und doch war es Nacht

Anna. In den Kommentaren kann man reihenweise lesen, wie Menschen vermeintlich unfertige Geschichten nicht aushalten. Weil alles Sinn haben und rund sein muss, weil am Ende alles gut werden muss, sonst ist es für uns doch nicht das Ende, sonst ist es einfach nichts für uns Märchenkinder.

Es war einmal und ist nicht mehr, wo kommt denn da die Story her? Und wenn sie nicht gestorben sind, die letzte Seite fehlt, mein Kind. 

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Ich lebe in einer Intensivstadt. Voll schön.

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Drüben bei der GLS Bank habe ich eine kleine Blogschau zum Thema Verkehr gepostet.

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Mely Kiyak über Greta Thunberg

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Ich ging also aus den gestern berichteten Gründen unsinnig früh von den Goldenen Bloggern weg und zurück zum Hauptbahnhof. Ein angenehmer Weg von bester Spaziergangslänge, an der Spree entlang und neben den Regierungsgebäuden herkurvend. Es war etwa viertel vor zehn, es war dunkel und menschenleer. Neubau an Neubau, dazu ab und zu ein Blick auf den Reichstag, also auf einen halben Neubau, oben neu, unten alt, in der Kombination haben wir in Hamburg ja auch ein recht bekanntes Bauwerk.

Die Hamburger Hafencity, wo ich schon dabei bin, besteht auch nur aus Neubauten, und dort ist es auch so, dass bei jedem Besuch irgendetwas dazugebaut wurde, zack, noch so ein Klotz, das kennen die Berliner. Bei ihnen fallen die Klötze nur ein wenig größer aus. Die Hafencity ist am späten Abend auch leblos, auch menschenleer, und sie wurde auch so seltsam filmkulissenartig in die Gegend gestellt. Es bedrückt dort aber deutlich mehr, durch die leeren Straßen zu gehen, weil alles um einen herum ein richtiger Stadtteil sein soll, das hat man immer parat, und das, was da sein soll, das lässt einen gucken und suchen. Es lebt dort aber noch nichts, die Hafencity bei Nacht ist ausgesprochen tot, kulissenhaft und unwirklich. Noch jedenfalls, vielleicht ändert es sich später. Viel später, für die Söhne der Söhne oder so, wenn das Viertel bis dahin schon einmal ganz runtergerockt war und dann langsam wieder hoch kommt. So könnte es doch gehen, so geht es ja immer.

Im Regierungsviertel ist es dagegen vollkommen in Ordnung, dass da abends oder nachts nichts los ist. Selbst wenn da jemand noch in Spätschicht herumregieren sollte, so etwas sorgt ja nicht für Streetlife, das erwartet auch niemand. Nein, das ist eben eine Gegend zum Arbeiten, da wohnt keiner, da lebt keiner. Es sieht dort zumindest bei Nacht etwas nach Science-Fiction aus, die Verwaltungseinheit auf einem künstlichen Stern könnte das sein. Die Spree sogar wirkt an dieser Stelle ausgesprochen ausgedacht, ein Architektenfluss, ein Dekogewässer, am Bildschirm entworfen. Links wird sie ins Bild gepumpt, rechts wieder abgesaugt und dann immer im Kreislauf, lassen Sie das mal wie einen Fluss aussehen da! Das beruhigt das Bild!

Nicht einmal irgendwelche Sicherheitskräfte sind zu sehen, keine grauen Herren irgendwelcher Art, weder Büro- noch sonstige Soldaten, es fährt auch niemand Patrouille und sieht mal nach, was so los ist. Aber es ist ja auch nichts los.

Genau drei joggende Menschen laufen an mir vorbei, die haben Kopfhörer auf und ausgesprochen starre Blicke, sie fressen Kilometer und laufen irgendwohin, wo man vermutlich auch wohnen kann. An einer Gebäudeecke steht jemand und bringt drei Hunden Kunststücke bei. Zu ungewöhnlicher Zeit an ungewöhnlichem Ort mit auffälligem Zubehör, in jedem Kinofilm wüsste man da gleich Bescheid. Aber das ist kein Kinofilm, das ist Berlin und den Medien entnehme ich am nächsten Morgen, das alles noch steht und lebt und es keine besonderen Vorfälle gab. Ob irgendein Hund jetzt etwas Neues kann, das steht da natürlich nicht, nehmen wir es einfach mal an.

Das Leuchtschild am Bahnhof leuchtet erfreulich weit durch die Nacht, verlaufen kann man sich hier nicht. Es ist mittlerweile etwa zehn nach zehn, das ist für meine Verhältnisse schon recht spät am Abend. Am Hamburger Hauptbahnhof ist das einfach nur Abend, am Berliner Hauptbahnhof ist es Nacht. Tiefe, finstere Nacht. Die Läden haben zu oder werden gerade geschlossen, Auslagen werden verräumt und Türen vorgeschoben, Reinigungsfirmen kommen an und Verkaufspersonal geht. Es sind nur ganz vereinzelt Menschen zu sehen, auf dem Bahnsteig bin ich noch ganze zehn Minuten der einzige Reisende. Es ist kurz nach zehn, und doch ist es Nacht. Das hat mich überrascht. Aber Berlin ist auch anderswo eher früh zu Ende, wie man hier lesen kann.

 

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Ich stieg in meinen ziemlich leeren Zug, natürlich setzte sich dennoch jemand dicht neben mich, das ist ja immer so. Er setzte sich, aß einen stark aromatischen Döner (woher hatte er den bloß?), schob die Reste von sich weg, rülpste herzhaft und popelte dann in der Nase. Ein Ferkel also, was ich ganz gut fand. Denn durch die Begegnung mit echten Ferkeln erkennt man eventuell, dass man selbst keines ist, und das ist ja auch etwas wert in einer Welt voller Demütigungen.

Ich stieg um 00:33 in Hamburg also als vergleichsweise anständiger Mensch mit respektablen Manieren aus dem Zug und freute mich, dass im Bahnhof noch Imbisse geöffnet waren, denn so muss das sein, wozu lebt man sonst in einer Millionenstadt. Fast hätte ich mir nur aus Prinzip etwas gekauft.

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Musik! Noch einmal Daniel Kahn. Passt nicht exakt, aber die Richtung stimmt. Dank an Isa für den Tipp.

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Ich bin ein altes Brauereipferd

Ich bin also gestern nach dem Büro in den Zug gestiegen und nach Berlin gefahren, und da ja sympathische Menschen aus allen Richtungen in Scharen zu den Goldenen Bloggern strömen, habe ich auch gleich im Zug Gesellschaft gehabt und eine dieser Bekannheitslücken geschlossen. Also wir kannten uns schon länger, aber bisher nur online, so eine Lücke, Sie kennen das vermutlich.

Das mit dem Zug war eine Erfahrung, die ich so noch gar nicht gemacht habe, mal eben nach Berlin fahren, zu einem Termin gehen und dann mal eben wieder zurück fahren, das kann man also gut machen, guck an. Mit kleinen Einschränkungen, denn der letzte Zug zwischen diesen beiden eher unbedeutenden Städten fährt schon um halb elf, was etwas überraschend früh ist. Da fühlte ich mich plötzlich wieder wie als Schüler, wenn ich aus Lübeck den letzten Bus nach Travemünde nehmen musste und deswegen Partys für mich viel zu früh endeten, als alle gerade erst anfingen wild herumzuknutschen. Ich musste gestern den vermutlich besonders lustigen Schlussteil des Events leider auslassen, ob geknutscht wurde, das entzieht sich daher meiner Kenntnis.

Was gab es für Bemerknisse – zunächst einmal etwas, das mir schon auf anderen Events aufgefallen ist: Ich kann von so etwas nicht gut live berichten. Ich finde es mittlerweile bewundernswert, wie gut das einige können, die machen drei Minuten Smalltalk, nehmen dann schnell eine Instagram-Story auf, posten einen Tweet und irgendwas auf FB und reden dann weiter, wobei die Posts auch noch schick und informativ oder gar witzig sind, das ist so eine der Begabungen, die ich ganz eindeutig überhaupt nicht habe. Ich kann nur da sein und gucken und reden und zuhören, wie son Mensch aus dem letzten Jahrhundert. Und mit etwas Glück schreibe ich ganz kurz mal was zwischendurch per Handy, aber oft schreibe ich auch gar nichts.

Der Typ Besinnungsaufsatz bin ich andererseits auch nicht, es widerstrebt mir wie das Bearbeiten von Hausaufgaben damals in Deutsch, von so einem Event detailgenau und chronologisch richtig zu berichten, obwohl das ja nett wäre. Dann könnten Sie sich ein Bild machen und so, wie in einer Zeitung. Aber ich kann es nicht ändern, ich kann nur hier ein Highlight, dort ein Eindruck, fertig ist der Blogtext. Schlimm.

Apropos Highlight. Es war das erste Mal, glaube ich jedenfalls, dass ich alle drei Texte, die als Text des Jahres nominiert waren, tatsächlich schon vor der Nominierung gelesen und auch noch für gut gefunden habe. Das waren, Sie können die ruhig auch noch einmal lesen:

Gerda stirbt

Alle 262.000 Minuten verliebt sich kein Single über Parship

Raus aus meinem Uterus

Es ist übrigens ganz unwesentlich, wer welchen Platz gewonnen hat, auch in den anderen Kategorien, deswegen verlinke ich hier noch einmal die Nominierten, nicht die Gewinner. Es ist in jedem Jahr interessant, sich da einmal durchzuklicken.

Ich war nicht nominiert, ich war da als Mitglied der Akademie, die aus vormaligen Preisträgern besteht und in einigen Kategorien die Wahl entscheidet. Was ein wenig gemein ist, denn dauernd bekommen da alle Preise, also diese formschönen Figürchen, nur als ich damals mit Isa gewonnen habe, da gab es diese Figürchen noch gar nicht. Erst als Sohn I als Newcomer des Jahres gewonnen hat, da wurden sie plötzlich eingeführt, weswegen er hier so eine Trophäe im Regal stehen hat, ich aber nicht. Ein wirklich drastischer Fall von “Wir hatten ja nichts.”

“Ich bin ein altes Bauereipferd aus einer anderen Epoche – war das im Pleistozän oder letzte Woche?” (Rainald Grebe)

Bei der Vorstellung am Anfang des Abends wurde ich als Dinosaurier erwähnt, auf Twitter fiel in diesem Zusammenhang das Wort Urgestein, die wunderbare Kaltmamsell schreibt von der Pleistozän-Generation. Und wie heißt es noch bei Ihr so überaus charmant: „If you hang around long enough, you become a legend by default.“ Es war also, wie man sich vorstellen kann, insgesamt kein Abend, der wie ein Jungbrunnen gewirkt hat. Aber ein schöner Abend, das war es, und ich habe von jemandem auch noch ein wunderschönes Kompliment für meine Texte bekommen, so ein Kompliment, dass etwas weiter trägt, das war auch schön.

Und der Abend endete sogar mit Gesang! Man muss heutzutage wirklich mit allem rechnen.

 

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

Und weil gewisse anwesende Bloggerinnen bei der Melodie schwächelten, hier etwas Nachhilfe. Es ist ja doch ein schönes Lied.

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Selbstverständlich gäbe es noch mehr zu erzählen, aber überraschenderweise bin ich geradezu komatös müde und die Herzdame ist weiterhin krank und liegt flach, es gibt hier also noch anderes zu tun. Schalten Sie auch morgen wieder ein, dann erzähle ich Ihnen etwas vom Berliner Hauptbahnhof bei Nacht. Wobei es da nichts zu erzählen gibt, aber das mache ich dann gründlich.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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