Und sonst so

Vor dem Jahreswechsel sind noch Schulden abzuarbeiten, ich habe da noch ein paar offene Fragen herumliegen – diesmal u.a. von Pyrolim. Dann wollen wir mal:

Woher stammen Deine Blog-Ideen?

Ich sitze hier einfach herum und warte ab, dass etwas passiert. Da ist man natürlich etwas im Vorteil, wenn man Kinder hat, man wartet nicht besonders lange. Wenn aber wirklich nichts passiert, dann koche ich was.

Mandala

Wie viel Zeit verwendest Du auf einzelne Blogbeiträge?

Wenn es ein Text wird, der potentiell irgendwo vorgelesen werden könnte, lasse ich ihn immer erst eine Nacht liegen und schreibe ihn am nächsten Morgen noch einmal um. Nun lese ich natürlich gar nicht dauernd irgendwo Texte vor, ich mache das sogar eher sehr selten, das ist also nur ein rein theoretischer Anhaltspunkt – wenn es ein möglichst gut formulierter Text sein soll, braucht er immer mindestens eine Nacht. Oder auch zwei oder drei. Ich schreibe in Schleifen, der Text ändert sich bei jedem Durchgang und erst, wenn ich einmal heil durchkomme, ohne etwas zu ändern, ist der Text fertig. Und wenn ich ihn dann auch noch laut lesen kann, ohne weiteren Änderungsbedarf zu hören, dann geht er online. Und wenn er online ist, dann sehe ich sofort, was man noch alles sehr dringend ändern müsste. Deswegen gucke ich ältere Texte von mir nicht mehr an, das würde mich in den Wahnsinn treiben.

Die Einträge zum Kochen oder Backen dauernd manchmal auch ziemlich lange, da kommen die Aufnahmen dazu, die Bildbearbeitung, die Abstimmung mit der Herzdame oder den Söhnen, das Warten auf Licht usw. Und nicht jedes Essen gelingt sofort, manches wird einfach nichts und ich schreibe nicht über misslungene Gerichte.

Welches war Dein erfolgreichster Blogpost?

Die erfolgreichste Seite im Blog ist die über den “Rest von Hamburg”. Und, das ist wohl ganz typisch für das Schreiben in Blogs, mit dem Erfolg habe ich so nicht gerechnet, das war nur so eine kleine Spaßaktion, die dann überraschend groß wurde.

#hamburg

Wie wichtig findest Du Fotos in Blogposts?

Ich finde Fotos sehr wichtig, man kann jeden Beitrag dadurch interessanter machen, das scheitert allerdings oft an der Zeit. Bilder machen kostet Zeit, Bildbearbeitung kostet Zeit, das vernünftige Verschlagworten von Bildern kostet auch Zeit.

Voll fett

Wie oft kommentierst Du in anderen Blogs?

Mitteloft. Oder? Keine Ahnung.

Welches Buch liest Du gerade?

Ein Kamerahandbuch. Und die Lektüre artet allmählich in Arbeit aus. Schlimm.

Welches Land würdest Du gerne einmal besuchen und warum?

Irland. Da wollte ich immer schon einmal hin, das hat sich aber nie ergeben. Ich war dann mehrmals in Schottland, das war auch schön, aber die Sehnsucht galt eigentlich doch der anderen Insel. Vermutlich will ich da schon seit der Werbung mit der irischen Frühlingsbrise hin, das ist schon eine Weile her. Da badeten rothaarige Schönheiten in altmodischen Badewannen, die auf blühenden Wiesen am Meer herumstanden, das fand ich schön.

In welcher Zeit würdest Du gerne einmal für zwei Wochen leben?

Zwei Wochen Anfang der Siebziger im letzten Jahrhundert wären nett. Die habe ich zwar schon einmal erlebt, die wären mir aber aus Recherchegründen bei Familienthemen noch einmal wichtig, da müsste ich um den 17. Juni herum nochmal etwas genauer wissen. Wobei der 17. Juni dabei eine rein private Bedeutung hat, der war bei uns nur ein Feiertag, weil da Oma Geburtstag hatte.

Welche Musik hörst Du gerne?

Das müsste ich nachlesen. Und ich könnte es sogar nachlesen, da ich am Ende eines jeden Monats so eine Liste veröffentliche. Tatsächlich habe ich aber auch diese Listen noch niemals wieder nachgelesen. Vermutlich sind die auffälligsten Konstanten Element of Crime und Leonard Cohen.

Hast Du einen Lieblingsort?

Klar. Ist im nächsten Sommer auch wieder gebucht. Und der sieht übrigens etwas nach der irischen Frühlingsbrise aus, fällt mir gerade auf.

Westerhever

Likörchen

Auch zwischen den Jahren steht der Buddenpütz in seiner Hobbyküche und hat da schon einmal etwas vorbereitet. Nämlich das hier:

Baileys

Das sind 300 ml Whiskey (der sollte eigentlich irischer Herkunft sein, das ist der hier leider nicht, wie der Kenner sofort sieht, das macht aber nichts), 200 g Sahne, 1 große Dose gesüßte (!) Kondensmilch (so etwas zählt also neuerdings zur russischen Küche – nanu!), 1 EL Espressopulver, 1 EL Schokoladensirup.

Damit macht man folgende hochkomplizierte Prozedur: Man schüttet alles zusammen und mixt es kurz und energisch durch. Dabei kann man jüngeren Familienmitgliedern damit auf den Wecker gehen, von alten Zeiten zu schwadronieren, also von der eigenen Kindheit zum Beispiel, in der man Kondensmilch, die kennen die Söhne hier übrigens gar nicht, noch aus der Dose genuckelt hat, einfach so. Weil alle Erwachsenen, besonders die Großmütter, davon ausgingen, dass man davon irgendwann groß und stark werden würde. Das kam bei mir übrigens nicht ganz hin, Bärenmarke hin oder her.

Aber wenn man schon bei diesem schönen Thema ist, kann man nebenbei noch erwähnen, dass es damals auch regelmässig Zuckerei gab, also ein in ein Glas geschlagenes Ei, das mit ordentlich Zucker verquirlt und dann roh getrunken wurde, das galt ebenfalls als Stärkungsmittel. Aber Achtung, nicht jeder junge Zuhörer ist der Vorstellung süßen Glibbers gewachsen. Egal, wenn man schon dauernd älter wird, dann darf man auch von früher erzählen, das gehört dazu.

Hat man jedenfalls so viel erzählt, dass man endlich alleine in der Küche ist, kann man in aller Ruhe probieren, was man da gemixt hat – und versinkt schon wieder in Erinnerungen. Diesmal landet man aber nicht in der Kindheit, diesmal geht es in die Jugend. Man ist sechzehn Jahre alt, man ist Oberstufenschüler. Man hat lange Haare und Pickel, man hat einen Parka und rote Jeans an, hört Neue Deutsche Welle und hat eine Flasche von diesem Zeug unterm Arm, Baileys stand da drauf. Das war der Likör, den man damals umschwärmten Mädchen zu Partys mitgebracht hat, wenn man es ernst meinte. Weil es der Getränk gewordene Puddingtraum war, weil es so schmeckte, als könne es unmöglich irgendwie schädlich oder auch nur stark sein, weil es als äußerst seriöses Erwachsenengetränk beworben wurde, das hatte also Stil. Und weil die Flasche für Schüler irre teuer war, unerschwinglich geradezu und man damit ganz prima seine Wertschätzung gegenüber Angebeteten ausdrücken konnte. Jedenfalls solange man sich nicht dazu hinreißen ließ, über die vorhergehende Beschaffungskriminalität zu reden.

Man selbst trank dann aber auf den Partys doch lieber Bier, denn Likör, versteht sich, Likör ging gar nicht. Likör war genau so schlimm wie der stets mit dem Strohhalm getrunkene Katlenburger Erdbeersekt vom Aldi. Spätestens da hört man dann lieber auf, sich zu erinnern, da wird es dann doch zu schlimm, und Verdrängung ist manchmal auch ganz schön.

Als ausgewachsener Mann kann man natürlich mittlerweile offen zugeben, dass es mindestens zwei Likörsorten gibt, die tatsächlich schmecken, auf Eiscreme oder auch auch ohne. Die eine ist Irish Cream, also Baileys, die andere ist, da bin ich aber womöglich nicht mehrheitsfähig, Eierlikör. Zur zweiten Variante kommen wir womöglich später im nächsten Jahr noch, die erste folgte eben gerade wiederum einem Rezept von Yvette van Boven, diesmal aus ihrem Buch “Home Made Winter”, also aus der kälteoptimierten Fortsetzung von “Home Made”.

Home made winter

Faszinierend jedenfalls, dass diese Irish Cream ziemlich exakt wie das Original schmeckt. Nicht wie irgendein Verschnitt, nicht wie ein netter Versuch – das kommt auf den Punkt hin. Das kann man ganz hervorragend als Last-Minute-Geschenk zur Silvesterparty mitnehmen und auch heute noch einer umschwärmten Dame in die Hand drücken. Und es ist natürlich viel wirksamer, den Likör selber herzustellen, als einfach nur irgendwo eine Flasche zu kaufen. Man hat ja doch mit Liebe am Mixer gestanden! Bei der Herzdame hat bereits der erste Schluck erwartungsgemäß große Freude und einen ähnlichen Backflash wie bei mir ausgelöst, damit werden wir wohl nach und nach noch den ganzen Freundeskreis beglücken.

Baileys

Schnell noch ein Dank…

… an Herrn O.T., der die Jungs mit Musik versorgt hat und an die Leserin Nina, die das essentiell wichtigen Lego-Zubehörteil geschickt hat – ganz herzlichen Dank!

Übrigens das erste Weihnachtsfest, zu dem Sohn I dezidierte Musikwünsche hat – und sogar solche, mit denen man gut leben kann. Er lernt sehr leicht und schnell Texte und kann ruckzuck alles mitsingen, was mehr als einmal läuft, das ist manchmal etwas irritierend – etwa wenn er morgens aufwacht, aus dem Fenster sieht und lauthals in die Straße singt: „Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein.“ Der Kenner weiß gleich, das ist von Peter Fox. Und natürlich ist die Aussage auf jede beliebige Großstadt übertragbar, kein Zweifel.

 

Und noch ein Update bei „Was machen die da“

Wir können ja auch anders, wir können auch außer der Reihe. Das letzte Update gab es erst letzten Dienstag, wie sind also eigentlich gar nicht dran – da erscheint heute aber dennoch ein neues Interview. Aus saisonalen Gründen mit genau diesem Timing.

Zum neuen Interview bitte hier entlang.

Und damit ist dann auch „Was machen die da“ für dieses Jahr durch. Der erste Beitrag für 2015 ist aber schon in Arbeit.

Eine Weihnachtsmannfigur

Der Umgang mit dem ganzen Zauber

Sohn II glaubt noch an den Weihnachtsmann, Sohn I nicht mehr. Das stellt man sich schwierig vor, nicht wahr, wie kann das denn gutgehen, liegt da nicht Konfliktpotential? Die beiden reden doch dauernd miteinander? Muss der Zauber denn nicht auffliegen, den man rund um Weihnachten veranstaltet? Es geht aber gut, es geht sogar sehr gut. Weil sie beide ganz genau wissen, dass sie im Recht sind. Sohn II weiß es, weil es Geschenke gibt, das hat er selbst in den letzten Jahren gesehen, dass die plötzlich unterm Baum lagen, einfach so. Das ist eine unumstößliche Tatsache, die muss man nicht diskutieren. Außerdem ist der ganze Monat mit Bildern vom Weihnachtsmann dekoriert, die Erwachsenen reden dauernd von ihm – alles, wirklich alles belegt seine Existenz. Deswegen glaubt er sehr berechtigt, dass es den Weihnachtsmann gibt.

Sohn I dagegen meint zu wissen, dass es den Weihnachtsmann gar nicht geben kann. Denn, ist ja klar, das ist ein Märchen. Der wohnt am Nordpol und bringt Geschenke für alle, haha. Von Wichteln handgedrechseltes Spielzeug, hm? Nein, das kann ihm doch keiner erzählen. Die Welt ist kein Märchenland. Rentiere fliegen nicht, so nett es auch wäre. Alles, wirklich alles belegt die Nichtexistenz des Weihnachtsmanns. Deswegen glaubt er sehr berechtigt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

Und weil beide wissen, dass sie zweifellos richtig liegen, lassen sie einander einfach in Ruhe. Soll der andere doch glauben, was er will, das kann noch so abwegig sein, das ist ja nicht ihr Problem. Brüder sind eben manchmal seltsam.

So wird hier der Familienfrieden gewahrt, weil die Söhne für sich und aus dem Stand heraus gerade die Toleranz in Glaubensfragen erfunden haben. Und wenn die Söhne so etwas mit fünf und sieben Jahren können – sollten es Erwachsene dann nicht auch hinbekommen? Na, war nur so ein Gedanke.

Ich wünsche eine wunderschöne Weihnachtswoche! Mit oder ohne Weihnachtsmann.

(Dieser Text erschien in etwas kürzerer Form als Sonntags-Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

 

Die Herzdame backt: Bratäpfel

Bratapfel

Bratäpfel kommen in alten Büchern vor, das Wort klingt schon irgendwie nach Butzenscheiben und Postkutsche. Bratäpfel kommen aber leider kaum noch in der Vorweihnachtszeit vor, das ist eine äußerst bedauerliche Entwicklung. Es gibt erstaunlich viele Menschen, die Bratäpfel überhaupt nicht mehr kennen, das liegt vielleicht auch daran, dass man ihre Zubereitung für aufwändig hält. Und natürlich auch daran, dass ein Apfel heute nichts mehr wert ist, das Wort hat keinen verlockenden Klang mehr, nicht einmal im tiefsten Winter. Dass ein Apfel einmal eine begehrte Süßigkeit war, die in den dunklen Monaten nur rationiert herausgerückt wurde, das kann man sich kaum noch vorstellen, das war auch in meiner Kindheit schon nicht mehr so. Aber schon die Generation meiner Großeltern wird es noch erlebt haben. Und in den älteren Weihnachtsliedern hört man es noch: „Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart, schenk Äpfel mir von aller Art!“

Dann wollen wir mal etwas gegen den Trend anarbeiten, denn Bratäpfel sind leicht gemacht, schmecken phantastisch und sind, wenn man sie erst ein paarmal gegessen hat, aus dem Winter gar nicht mehr wegzudenken.

Wir folgen einem Rezept aus dem “Für jeden Tag”-Heft von Essen & Trinken und brauchen erst einmal:

50 Gramm Mandelblättchen. Vier rote, säuerliche Äpfel, da kommen diverse Sorten in Betracht – mit zu süßen Äpfeln fehlt dem Rezept etwas. Wir nehmen Elstar. Ich würde auch Boskoop nehmen, aber dazu ist die Herzdame nicht norddeutsch genug, wenn ich das bei allem Respekt vor Nordostwestfalen einmal so anmerken darf, Boskoop muss man gewohnt sein. 50 Gramm gute Butter, 3 EL Zucker und ½ TL gemahlenen Zimt. 80 Gramm (etwa) Marzipanrohmasse. 150 ml Orangensaft, 1 EL Zitronensaft und vier EL Zucker. Große Mengen Vanilleeis.

Zitrone

Die Äpfel werden so geköpft, wie es manche ihrem Frühstücksei antun, die Deckel werden nicht (!) weggeworfen, die brauchen wir noch. Das Kerngehäuse aus dem Apfel stechen, ruhig großzügig vorgehen, das schadet nichts. Im Gegenteil, dann passt mehr Marzipan rein.

Bratapfel

Die Mandelblättchen in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Dabei aufpassen, sie wechseln ziemlich schnell von braun zu schwarz und schwarz ist nicht gut. Riecht aber interessant.

Mandeln

Die Äpfel dann in eine Auflaufform setzen. Die Butter mit 3 EL Zucker und dem Zimtpulver verrühren, das sollte etwas gründlicher geschehen.

Mandelbutter

Die abgekühlten Mandelblättchen auch unter die Butter rühren.

Herzdame
 

In jede Apfelöffnung etwa 20 Gramm Marzipanrohmasse drücken. Wenn Lübecker anwesend sind, die Menge entsprechend steigern.

Bratäpfelfüllung

Die Mandelbutter dann auf die Äpfel verteilen. Den Orangensaft mit dem EL Zitronensaft und einem EL Zucker aufkochen, dann über die Äpfel in der Form gießen.

Zucker

Bratäpfelbegiessung

Bratäpfel im Sud

Im bereits heißen Ofen bei 200 Grad in der Ofenmitte 35 Minuten backen. Nach 25 Minuten die Deckel draufsetzen und mitbacken.

Herzdame

Herzdame

Dann die Äpfel mit dem Sud aus der Form und Vanilleeis anrichten.

Herzdame

Das ist ein außerordentlich gästetauglicher Nachtisch, das ist auch weihnachtsadäquat und das geht alles sogar in bio, teilweise regional und komplett vegan und überhaupt. Als geborener Lübecker betrachte ich natürlich auch das Marzipan als Regionalware, soviel Trick muss sein.

Die Söhne wachsen hier so auf, dass sie Bratäpfel wieder für eine uralte, aber sehr lebendige Tradition halten, das gefällt mir. Ich kannte sie aus meiner Kindheit überhaupt nicht, ich habe sie erst durch die Herzdame kennengelernt. Aber mittlerweile kommt es mir so vor, als sei das vollkommen unmöglich. Es muss sie auch in meinem Leben immer schon gegeben haben.

Sie schmecken nämlich so, als sei der Winter ohne sie einfach nicht vollständig.

Bratapfel

Noch ein Dank…

… diesmal zunächst an eine Herrenrunde, aber das ist natürlich nur Zufall. Es kam Weihnachtspost von Rochus, Andreas und Steffen – ich danke herzlich im Namen der Söhne. Und Rochus, Dein Wunsch wird selbstredend erfüllt, womöglich schon im Januar im Blog.

Post für die Söhne kam auch vom Verlag Hoffmann & Campe. Danke an die Dame mit der Idee! Das ist übrigens ganz seltsam, während man bei anderen Produkten immer darüber nachdenken müsste, was man hier wie genau als Werbung deklariert und ob nicht jede Firmennennung schon als Schleichwerbung verdächtigt und kritisch kommentiert wird usw – bei Büchern und Verlagen ist mir das völlig wurscht. Werbung für Bücher und Verlage ist irgendwie immer in Ordnung.

Ein Update bei „Was machen die da“

Drüben bei „Was machen die da“ haben wir in dieser Woche ein Interview mit Heiko Kunert vom Hamburger Blinden- und Sehbehindertenverein.Das ist lang, es ist sogar sehr lang, es ist aber natürlich auch interessant, da passt das schon.

Sohn I z.B. hat sich das alles sehr genau erklären lassen, jedes Bild und auch das, was da gesagt wird. Wenn Sie auch Kinder haben, zeigen Sie denen ruhig etwas vom Artikel, z.B. die Stelle mit den Wahlen, so etwas weiß ja nicht jeder. Und wenn man dann merkt, wie interessant Kinder das finden, macht der später folgende Absatz über Inklusion gleich noch viel mehr Spaß.

Bitte hier entlang zum Text.

Notiz-Streifen mit Braille-Schrift

Und was ist mit Tee?

Teekanne

Im Wetterbericht stehen für die nächste Woche schon wieder so seltsam schwiemelige Temperaturen, irgendwas um acht Grad herum. Wir hatten früher ja nicht nur nichts, wir hatten auch viel weniger Grad im Dezember, wir hatten da manchmal sogar Schnee. Sohn II hört es und staunt, er hält Schnee mittlerweile endgültig für Märchenzubehör. Immerhin war es aber zwischendurch in den letzten Tagen schon etwas kälter in Hamburg und durch den heftigeren Wind von der Nordsee her sogar ein wenig ungemütlich. Als ich mich vorgestern vom Büro nach Hause wehen liess, habe ich endlich ein wenig gefroren, ein ganz vergessenes Gefühl. Und im Umland gab es tatsächlich Temperaturen unter null Grad! Da ist sogar schon der Grünkohl offiziell freigegeben. Der Grünkohl, den man sonst bei plus zwei Grad auf gar keinen Fall essen darf, weil man sonst von irgendwem ungefragt belehrt wird, ab wann der essbar ist. Selbst dann, wenn man den aus der Tiefkühltheke nimmt.

Bei ausreichender Kälte geschieht mit mir eine seltsame Verwandlung: Ich bekomme Lust auf Tee. Nicht gerade morgens, da könnte ich ohne Kaffee nicht existieren, aber doch am Nachmittag. Tee fällt mir das ganze Jahr über nicht ein, kein Gedanke, keine Option – aber bei Kälte wirkt der Gedanke an eine Tasse Tee plötzlich sinnvoll und schlüssig.

Und da ich ja, wie hier ausführlich beschrieben, etwas mehr in der Küche herumbasteln will, gibt es jetzt selbstgemachten Gewürzteee. Bei selbstgemachtem Apfelkompott wird man zur eigenen Großmutter, bei selbstgemachtem Gewürztee zum eigenen Yogi, immer eine Stufe mehr. Man arbeitet sich langsam hoch. Das Rezept kommt wieder aus diesem Buch von Yvette van Boven:

Untitled

Tee-Rezept

Wir basteln uns also einen Gewürztee, der im Geschmack tatsächlich an den bekannten Yogitee erinnert, auch wenn er vermutlich mit einem Zehntel der Zutaten auskommt. Man braucht nur das hier:

Tee-Zutaten

Nämlich ein daumengroßes Stück Ingwer, einen Zweig Thymian, eine halbe Zimtstange, den Saft von zwei Mandarinen oder Clementinen oder was da gerade herumliegt, sowie frisch gemahlenen Pfeffer. Wenn die Kinder mittrinken wollen, lässt man den Pfeffer besser weg, ich finde ihn allerdings unverzichtbar.

Der Rest ist dann sehr einfach, den Ingwer in Scheiben schneiden, die Mandarinen vom Nachwuchs auspressen lassen, wenn ich dass als Küchenchef mal so delegativ ausdrücken darf. Alles – außer dem Mandarinensaft – in einem Topf mit dem Thymian und der Zimstange aufsetzen. Mit Wasser, versteht sich. Und ohne Mandarinenschalen.

Mandarinen

Zwanzig Minuten bei schwacher Hitze sachte ziehen lassen. Danach den Mandarinensaft dazugeben, evtl. noch Honig. Und zack, hat man einen Gewürztee, der nach wesentlich mehr schmeckt, als drin ist. Der schmeckt tatsächlich so, als hätte man erst stundenlang bei Vollmond -zig Zutaten verrieben. Manchmal ist es ja einfach.

Im Gegensatz zum handelsüblichen Yogitee hat man aber keinen Teebeutel mit fader Kalenderweisheit an der Tasse baumeln, das wird dem einen oder anderen sicher fehlen, man gewöhnt sich auch an so etwas. Mir fehlt das jedenfalls, ich trinke im Winter gerne Yogitee und die Sprüche gehören nun einmal dazu, genau wie die Glückskekse mit Orakelzettelchen zum chinesischen Imbiss gehören. Für das Rundumsorgloswinterteeerlebnis muss man sich also selbst einen Sinnspruch mit fundamentaler Weisheit an die Tasse basteln, aber auch das ist natürlich schnell gemacht.

Teebeutelanhänger

Und in der nächsten Woche mache ich etwas mit ziemlich viel Alkohol und werde mein eigener Wirt. Warum auch nicht.