Ein aktuelles Update: Ich habe für das Goethe-Institut etwas Abschließendes zum Sommer 23 geschrieben.
Dienstag, der 5. September. Am Morgen gelesen: Die Tigermücke in Frankreich, die Abwehrmaßnahmen. Demnächst dann vermutlich auch in Ihrem Theater.
Der Sommer zeigt ansonsten in der Nachspielzeit noch einmal, was er so draufhat, und wenig ist das in dieser Stadt nicht gerade. Ich hänge entsprechend in den Seilen, arbeite im Home-Office stöhnend neben dem Ventilator und mühe mich redlich, die letzten Hitzetage wenigstens denjenigen zu gönnen, die auf so etwas stehen. Ich bin allerdings bestenfalls mäßig erfolgreich darin, und wenn ich auf wunderbare Weise die Temperatur für diese Stadt gesamt runterregeln könnte, ich würde es hemmungslos tun und vom Balkon aus den Herbst verkünden.
Ich verifiziere später in historischen Tondokumenten, wie der September früher war, und da heißt es „kühl“, eindeutig heißt es da “kühl.“ Meine mittlerweile vage gewordene Erinnerung stimmt.
Auf dem Tisch, an dem ich im Wohnzimmer arbeite, liegen noch die Geschenke von den Geburtstagen der Söhne, verstreute Weingummis auch und Luftschlangen. Die Pappkrone, die das jeweilige Geburtstagskind immer beim Auspacken der Pakete aufgesetzt hat; sie hat jetzt viele Jahre und Feiern mitgemacht und sieht daher ziemlich hinüber aus, angestoßen, zerknickt und eingerissen, die Spuren der Jahre. Bis zur Volljährigkeit des ersten Sohnes hält sie wohl nicht mehr durch, aber sie hat es immerhin fast geschafft. Im Luftzug des Ventilators zittert über mir eine Girlande mit bunten Elefanten aus Papier, die ist auch so alt wie diese Krone, aber noch gut in Schuss. An die kam keiner an, sie hing immer zu weit oben. Ritualisiert habe ich mir jedes Jahr einen Stuhl herangezogen und die Schnur mit einer Stecknadel in der Raufaser ganz oben an der Wand befestigt, das war immer der Anfang dieser Feiern für mich. Die zerstochene Stelle in der Wand, das waren die Geburtstagselefanten.
Nachmittags fahren wir noch einmal in den Garten, es gibt ein Familienabendessen draußen. Feta mit Tomaten aus unseren Beeten vom Grill, für die Söhne wieder etwas anderes. Jedes gemeinsame Abendessen im September kann das letzte im Garten für dieses Jahr sein, so oft schaffen wir es nicht zu viert dorthin. Und das Saisonende naht, auch wenn es noch unfassbar heiß ist in der Stadt.

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Am Abend sehe ich noch ein Film, „Am goldenen See“ auf arte, mit Katharine Hepburn und Henry Fonda (seine letzte Rolle), Jane Fonda (zu der ich schon einmal „Hello“ gesagt habe, als ich neben ihr stand, soviel Angeberei muss schon sein – mehr fiel mir dann allerdings nicht mehr ein). Von 1981 ist der Film. Es geht um grantelnde Senioren, ich fühle mich vom Thema angesprochen.
In der Wikipedia sehe ich, dass der Hut, den Henry Fonda in vielen Szenen trägt, Spencer Tracy gehörte, Katharine Hepburn hatte ihn Fonda zu den Dreharbeiten geschenkt. Solche Details mag ich, der Film fällt ansonsten trotz großartiger Besetzung wohl eher unter rührselig, was durch den arg lieblichen Soundtrack noch erheblich unterstützt wird. Aber bereuen muss man das Ansehen auch nicht.
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