Nur eine Winzigkeit, aber bitte hier den letzten Satz beachten. Ich mag solche Kleinigkeiten, denn am Ende bestimmen sie die Erinnerung.

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Weiterbildung zum Wachstum

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Hier zwanzig Minuten über Nature Writing gehört, das mich gerade vehement interessiert, obwohl oder vielleicht sogar weil ich keine Zeit dafür habe. In der Sendung kommt Wilhelm Lehmann mit seinem bukolischen Tagebuch vor, das liegt hier als Büchereibuch neben mir und muss weg, fällt mir gerade ein. Da ruhig mal reinsehen, es ist ein überaus feines Buch. Auch gut geeignet, um nur mal eine Seite zu lesen, weil sie etwa gut zu einem idealtypischen Septembertag passt. Was nicht vorkommt, das ist Henry Beston mit seinem “Haus am Rand der Welt”, das ist aber auch ein schönes Beispiel des Genres, es hat mir gut gefallen. Man kann daraus auch abends vorlesen, es beruhigt ungemein, ich kann das bezeugen. Erwähnt wird eher am Rande noch ein Sachverhalt, der sicher mehr Platz verdient hätte, dass sich nämlich unsere Welt verkleinert und verengt, wenn wir nichts in der Natur mehr benennen können, wenn wir nichts mehr sprachlich assoziieren können mit den Arten, wenn wir nur noch “Baum” können, und das sind dann alle, egal welche. Unten Stamm, oben Grün, mehr wissen wir oft nicht mehr, um im Herbst dann erst die Erleuchtung, ach guck, das ist ja eine Kastanie. Daneben die Vermutung, dass die Welt sich also erst mit unserem Wissen aufblättert. Oder sagen wir mit unserem Interesse. Da könnte man hervorragend ansetzen und weiterdenken und -schreiben, Weltkenntnis und -sicht und – darstellung. Enorm interessant ist das, auch bei dem “Aufschreiben was ist” könnte man weitermachen, gerade als Bloggerin. Ich habe da auf Eiderstedt einen ganz brauchbaren Ansatz für mich gefunden, dachte ich zwischendurch, aber ich habe ja keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit. Es ist ein Kreuz aus Holz von welchem Baum auch immer. 

Ich sehe an Werktagen wenig Natur, viel zu wenig, ich muss mich da beschränken und gucke nur kurz hoch, da ist wieder der Balkon mit den Vögeln darauf. Die Spatzengang auf dem Balkon an den Meisenknödeln – im Grunde ist das eine einzige Dauerschlägerei um Futter, immer feste druff. Von wegen niedlich. Und wenn sie fressen, die lieben Vögelchen, dann picken sie in atemloser Gier und großer Hektik, während andere schon auf dem Balkongeländer lärmend und schimpfend hin- und hertrippeln und äugen, wann da endlich wieder was geht, was da wohl runterfällt und wie viel dann überhaupt noch übrig ist und meins, meins, meins, hau ab da! 

Unter den Knödeln sitzt die immer etwas tantenhaft wirkende Ringeltaube auf dem Balkonboden, linst etwas angestrengt nach oben und wartet, dass sie durch abstürzende Bröckchen bedient wird, was dann auch reichlich geschieht. Sie ist der einzige Vogel, der hier ab und zu etwas entspannt wirkt, vermutlich aber eher durch Übersättigung als durch charakterliche Qualität. Und entspannt wirkt sie auch nur, solange keine normale Stadttaube vorbeikommt. Da hat sie dann doch einige Vorurteile, da ist sie ein besorgter Wildvogel und da gibt es auch mal was auf den Schnabel, vermutlich weil ihr keiner lange genug zugehört hat oder was. Siehe dazu aber auch Blau- und Kohlmeisen, das ist auch so eine Kombination mit Eskalationsgarantie, im Grunde geht es da schon um Clankriminalität. “Ethnisch abgeschottete Subkulturen”, heißt es dazu in der Wikipedia, na – und ob.

Natur ey, hör mir auf. Im Grunde ist das oft gar nicht so schön.

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