The same procedure

Wir folgen der in diesem Blog hinlänglich etablierten Tradition, kein Silvester ohne diese Bilder, eh klar. Es handelt sich beim Folgenden also um die Erinnerung an eine norddeutsch-ausgelassene Silvesterparty in einem Hamburger Vorort, der Abend ist bereits viele, viele Jahre her und eigentlich längst nicht mehr wahr. Deutlich erkennt man jedenfalls die sogenannte Hanseaten-Ekstase in meinem Blick.
Denn man muss gerade die süddeutschen und besonders die rheinländischen Leserinnen und Leser gelegentlich daran erinnern: wir hier oben, wir sind gar nicht so. Wir können auch ganz anders:

Hanseaten-Ekstase

Gleicher Abend, nur einen Meter weiter: Die Herzdame, liebreizend wie stets und dabei auf diese einmalig nordostwestfälische Weise in strahlender Herzlichkeit gut gelaunt:

Die Herzdame
Silvester 2020 ziehen wir Erwägung, angesichts des unvermeidbar schwierigen Januars um Mitternacht eher Helme aufzusetzen, keine Partyhüte. Wobei wir, es fällt mir gerade erst auf, tatsächlich keine Partyhüte im Haus haben. So bricht das Jahr endlich auch mit dieser Tradition, aber das fällt nicht weiter auf.

Ich habe weder irgendwelche Vorsätze für 2021 noch Zeit für einen Rückblick. Ich halte mich weiter strikt an die Strategie, die sich in den letzten Monaten bewährt hat: Morgens aufwachen und mal gucken, was geht. Denn mehr geht ja nicht. Ich habe vor einiger Zeit beim Goethe-Institut einen Text über Planlosigkeit geschrieben, den kann ich auch auf mich anwenden.

Gestern las ich auf Twitter die Morgengrüße einer Pastorin, wobei ich gleich sagen muss, dass ich mich darüber nicht lustig machen möchte. Ich denke nur darüber nach. Sie schrieb da nämlich, dass sie den LeserInnen das wünsche, was Gott für sie vorgesehen hat. Ich bin nun weder religiös noch theologisch bewandert, aber das ist doch etwas seltsam, nicht wahr. Denn wenn Gott es nicht vorgesehen hat, hätte es dann Sinn, es zu wünschen? Wohl kaum. Wenn es aber vorgesehen ist, muss es dann durch den Wunsch eines Menschleins verstärkt werden? Wohl kaum. Ist die Aussage also nicht eigentlich: Möge passieren, was passieren wird? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir dieser pastorale Morgenwunsch wie eine trickreiche und mit etwas Beiwerk aufgeladene Verbrämung der bewährten Formel “Muss ja” vor.

Ich kann nur für mich feststellen: Es geht auch ohne Beiwerk. Muss ja. 2020 zumindest ging es auf diese Art.

Kommen Sie gut rüber, bewahren Sie unbedingt Haltung, ich schließe mit den besten Wünschen zum Neuen Jahr. Wir sehen uns drüben, wenn Sie mögen.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Links am Morgen

Falls Sie übrigens noch ein Vorhaben für die letzten Stunden des Jahres brauchen – man könnte jetzt hervorragend The Disintegration Loops von William Basinski hören. Bis zum Ende. Passt schon. Auf Spotify verfügbar. Also man kann das als Kunstwerk hören oder aber sich beim Hören fragen, ob man eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, mit so etwas Zeit zu verbringen und ich finde es ganz schön zwischen diesen beiden Einstellungen. Man muss sich ja nicht immer entscheiden.

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Ansonsten der Nekrolog auf ein Jahr, ein Gedicht von Mascha Kaléko. Zu lesen während man kopfschüttelnd das Jahr ablaufen lässt.

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“It might not be today but things will be okay – next year.” Na dann.

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Links am Morgen

Auf arte eine sehenswerte Dokumentation über Selma Lagerlöf. Es kommt auch ein Übersetzer vor, dessen Wohnzimmer ich nicht ohne einen leichten Anflug von Neid sehen kann, überhaupt ist das alles sehr nett ausgestattet. By the way, wieso kommt hier eigentlich so oft arte vor? Weil mir das da reicht. Ich komme mit zig Streamingdiensten und Mediatheken nicht zurecht, mir ist das alles zu üppig, zu überbordend und zu verwirrend und Serien sehe ich sowieso eher nicht, ich hätte also gerne weniger Auswahl, nicht mehr. Im Moment reicht arte. Keine bezahlte Werbung, nur so eine seltsame Strategie der Freizeitbewältigung. 

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Ich lese gerade “Schwitters” von Ulrike Draesner, hier eine Rezension dazu

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Ich höre gerade “Von zwanzig bis dreißig”, der Lebenserinnerungen zweiter Teil von Theodor Fontane. Als Hörbuch auf Spotify verfügbar, gelesen von Karlheinz Gabor. Das Buch läuft 15 Stunden, Fontane entschuldigt sich gleich zu Beginn für die Länge des Textes und bietet an, zum Ausgleich keinen weiteren Teil mehr zu schreiben. Daran hat er sich dann auch gehalten, wenn ich es recht erinnere.

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Währenddessen im Hirn

Ich habe in einem solchen Ausmaß keine Lust auf den Januar mit seiner doch ziemlich wahrscheinlichen Kollision von Home-Office und Home-School, es tut mir schon fast körperlich weh. Daher male ich mir das jetzt alles fürchterlich farbig aus, worst case galore, mit den jeweils übelsten Entwicklungen in allen nur denkbaren Bereichen. Also wie es wird, wenn es richtig, richtig, schlecht wird. Also wie es wahrscheinlich wird, schon klar, Sie merken, ich kann mir Rollen aneignen. In irgendeinem Lebenshilfebuch stand nämlich mal, das solle man in solchen Fällen unbedingt tun, man würde dann schon dadurch gestärkt in das vermeintliche Übel hineinschreiten, das sei quasi eine Resilienzmaßnahme – und wie einfach! Und wie billig! 

Ein anderer Teil von mir steht allerdings daneben, Sie kennen das hoffentlich, wenn ein Teil von Ihnen neben Ihnen steht (sagen Sie jetzt nichts), also neben mir steht dieser andere Teil und sagt die ganze Zeit immer wieder: “Also wir nennen das ja schlicht Realismus.” Wen er dabei aber nun wieder mit wir meint – lassen wir das.

Wozu jedenfalls eine weitere innere Figur, die des langjährigen Autors nämlich, ungefragt etwas aus ihrer Erfahrung beisteuert, wobei sie sich auch noch jovial mit der Rolle des Leser verbrüdert, und die beiden brummen also Arm in Arm und im Brustton der Überzeugung: “Sollste mal sehen, wenn du dir das alles so schlimm denkst – dann wird der Januar voll super. Eh klar. Kennt man doch.” Und sie nicken und grinsen breit und wirken außerdem etwas angeheitert.

Währenddessen sitze ich hier zwischen meinen nur projizierten inneren Figuren und denke, dass der Januar, gesund-fatalistisch betrachtet, selbstverständlich einfach eine Fortsetzung der letzten Wochen werden wird, was auch sonst, weil der kalendarische Übergang mit dem Alltag gar nichts zu tun hat, und ich fühle mich sogar halbwegs schlau bei diesem Gedanken, weswegen auf einmal ein schicksalsgläubiger Persönlichkeitsanteil von mir entnervt auf die Uhr sieht und mit einem Anflug von Ungeduld etwas im Kalender nachschlägt und murmelnd rechnet, ich meine etwas mit “sieben” zu verstehen, aber wen interessiert das. 

Mein innerer Käpt’n schreitet dagegen die ganze Zeit in mühsam niedergerungener Nervösität über die innere Brücke und lässt die anderen reden. Er drückt den Rücken durch und ignoriert alle nach Kräften. Er hat auch wirklich nicht für jeden Unsinn Zeit, er muss immerhin noch den Kurs bestimmen. Aber er nimmt sich doch vor, das Gerede der Stimmen später im Logbuch einzutragen. Pflicht ist Pflicht – und mit Pflicht kennt er sich aus. 

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Links am Morgen

Der Weihnachtsrückblick von Anke

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Wenn man das Skifahren nicht mag, aber aus der Gegend kommt

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Resilienzkritik

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Auf arte eine Doku über Sammy Davis Jr. Eine bittere Angelegenheit.

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