Mein Name sei Cornforth

Kaum erwähne ich im Blog einige Male lobend meine Rückzugs- und Abstellkammer und lobpreise die angenehme Ruhe dort, schon muss ein Sohn dauernd hinein, um dort Photoshop am großen Bildschirm zu lernen. Sein Zimmer ist jetzt also frei … ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

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Die Wörter des Tages, ich pflücke die einfach aus den Nachrichten, sind Infektionsdrehkreuz und Beihilfegrenze. Während ich das Infektionsdrehkreuz gleich schön plastisch vor mir sehe und mal kurz überlegen muss, welches Drehkreuz mir mein Assoziationsvermögen da eigentlich genau präsentiert, Moment … es ist eines aus einer Schwimmhalle, denke ich. Aus der Dünentherme in Sankt Peter-Ording vermutlich, wobei meine Erinnerung die Ausschnittserweiterung seltsam hartnäckig verweigert, aber ich sehe jedenfalls dieses metallene Drehkreuz, ich weiß auch, wie es sich anfasst und es riecht darum herum eindeutig nach Chlor. Da in Zukunft also besser nicht mehr gegenkommen, es ist ein Infektionsdrehkreuz. Jetzt so abgespeichert, okay.

Die Beihilfegrenze ist dagegen ein typisches amtliches Hirntotwort, ich denke dabei nichts, gar nichts. Ich schalte einfach ab. Beihilfegrenze, sehen Sie, da steht nicht einmal etwas, Beihilfegrenze kann ich praktisch nicht von Weißraum unterscheiden. Schlimm.

 

 

Hier, da stand es gerade noch einmal, haben Sie es gesehen? Ich auch nicht.

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Am Morgen murmelt die Herzdame etwas von Fifty Shades, es wird dann aber gar nicht interessanter, es geht nur wieder um Wandfarben. Der Maler kommt, die beiden einigen sich in angeregtem Gespräch auf, so höre ich, die Farbtöne Cornforth White und Pavilion Gray. Lebe ich auf einem englischen Landsitz oder was. Und nein, wir haben keine Marketingbeziehung zum Hersteller der Farben, ich amüsiere mich hier honorarfrei, umsonst sowieso. Die Herzdame zeigt mir die beiden Farben auf einem Musterfächer. Ich sage, die sehen gleich aus, entnehme ihrer Reaktion aber, dass das die falsche Antwort war und halte mich daher wieder raus.

Ich werde in den Räumen, die in der nächsten Woche endlich frisch gestrichen sein werden, jedenfalls eine geradere Haltung annehmen, das wird zu den Farbtönen sicher passen. Vielleicht auch mal wieder ein Oberhemd tragen oder gleich Anzug, warum auch nicht. Mehr Haltung! Ich besitze im Moment gar keinen Dreiteiler, da mal nachbessern. Eine Krawatte umbinden, die Wand ansehen und dabei immer wieder „Cornforth White“ sagen. Einen Raum weiter gehen, betont affektiert „Pavilion Grey“ sagen. Der Wand anerkennend zunicken. Mich vor die Wand stellen und meine grauen Haare mit ihr harmonieren lassen, mein Name sei Cornforth. Ich mag den Namen, glaube ich. Kann ich bitte Maximilian Cornforth sprechen? Gerne Sie finden ihn im grauen Pavillon.

Ich glaube, das wird sehr schön.

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Ich bin der Meinung – das war Spitze

Im digitalen Familienkalender steht schon wieder etwas, ich könnte tagelang darüber lachen. Und zwar hatte die Herzdame eine nur ungefähre Erinnerung, ihr war kurz so, als müsse sie demnächst noch jemanden anrufen, vermutlich wegen eines Termins oder wegen was auch immer, einen Handwerker vielleicht, eine Ärztin, so etwas. Es fiel ihr hartnäckig nicht genauer ein, der Knoten löste sich auch nach längerem Nachdenken nicht. Der Mensch an sich hofft nun aber oft bis zum Schluss (noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf, so heißt es bei Schiller), daher wollte sie diesen vielleicht doch wichtigen Gedanken auch nicht gleich wieder fallen lassen, nur weil ein Name als sinnvolle Ergänzung fehlte. Immerhin war doch der Impuls eindeutig und klar, und sie notierte das schnell, was mir und meinen ewigen Predigten natürlich weit entgegenkam: Immer alles notieren. Weswegen jetzt im Kalender als wichtiges To-Do für heute steht: „Irgendwen anrufen.“

Ich denke da noch etwas drüber nach, während ich meine tägliche Wiedervorlage abarbeite: „Irgendwas schreiben.“

Passt schon.

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Nach einem ungeheuer anstrengenden Termin am Nachmittag fuhr ich in den Garten, nur um von dort zu Fuß nach Hause zu gehen, das ist eine sportliche Stunde Weg. Es war die Premiere in diesem Jahr, das kommt jetzt wieder öfter vor. Eine Stunde schnell gehen, das ist genau mein Sport, aber im Winter doch eher nicht. Im Garten sang die Heckenbraunelle besonders schön, und auf der Korkenzieherweide saß eine Schwanzmeise. Das sind die mit dem besonders langen Schwanz und mit dem Flug, der stark Wellengang hat und immer ein wenig nach „Juppheidi“ aussieht, fröhlich schunkelnd durch die Luft. Dazu Kohlmeise und Rotkehlchen, eine gute Besetzung, besonders nach der fatalen Artenarmut in den Vorjahren. Hat es sich vielleicht doch gelohnt, dass wir eine Hecke speziell für Vögel gepflanzt haben und ich noch im Herbst gestikulierend davor stand, hier bitte, eine Hecke, und ob jetzt gefälligst mal … na, vielleicht klappt es ja.

Vogelsang also, ich stand kurz und lauschte. Das helle Gezwitscher unterlegt von den rauen Rufen der Gänse. Kanadagänse waren es wohl, die gastieren an der Bille. Bassisten im Vogelkonzert.

Eine Rose habe ich gepflanzt, die habe ich auf dem Weg schnell im Discounter gekauft. Es gab nichts anderes und ich wollte unbedingt etwas pflanzen. Eine Zehnminutensache, eine pinkfarbene Rose. Es gibt so Tage, da muss unbedingt etwas in die Erde.

Ich ging durch die Kleingärten und von der Insel in die Stadt zurück, die um mich schnell immer dichter wurde, mehr Häuser, noch mehr Häuser, Autos, noch mehr Autos, es wurde dunkel, die Lichter gingen an, ich hörte wüste Musik und ich ging sehr schnell. Es wurde immer urbaner um mich herum, Menschen auf E-Scootern und E-Bikes und E-Skateboards, Joggerinnen und Jogger mit Blinkvorrichtungen am Kopf, Erwachsene mit Bierflaschen und Musikbox auf den Riesenschaukeln im Park und eine junge Frau kam mir spazierend entgegen, die trug unter ihrer neonfarbenen Sportjacke eine Bluse mit ungeheuer viel überquellender Spitze daran, das war, ich möchte mich da festlegen, Mode aus dem neunzehnten Jahrhundert. Auch Beforeigners gesehen? Wirkt sich die Serie tatsächlich modisch aus? Oder halluziniere ich nach Serienkonsum?

Ich habe dann genau aufgepasst, aber Menschen aus der Steinzeit sind mir nicht begegnet, auch keine Wikinger. Nur ein junger Mann mit einer Frisur aus den frühen Achtzigern fiel mir noch auf. Das kann schlicht ein Corona-Nichtschnitt gewesen sein, das kann ich also nicht gelten lassen.

Aber diese Bluse … vielleicht gucke ich doch lieber keine Serien.

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Die Optionen und die Wahl

Es ist alles etwas – nun ja – dümmlich, nicht wahr? Das ist vielleicht das richtige Wort. Dümmlich. Doch, der Begriff passt absolut zur Nachrichtenlage. Seit die Menschen alle FFP2-Masken tragen, wird alles nur noch in Tüten gesprochen. Eine Redewendung, die ich immer gehasst habe, ein äußerst unangenehmer Ausdruck. Gerne verwendet von gut bezahlten Menschen, die in Meetings irgendeinen unausgereiften Blödsinn absondern, jetzt mal in die Tüte gesprochen, haha, in der vagen Hoffnung, andere Menschen im Raum könnten diesen unappetitlichen Gedankensalat vielleicht nett und kompetent arrangieren, so dass es hinterher als brillante Idee präsentiert werden kann. Wir denken vollendeten Quatsch, aber es wird ja nur in Tüten gesprochen, dann macht das nichts.

Ich könnte mich schon wieder aufregen, meine Güte. Ich habe seit zwei Tagen ein unfassbar großes Verlangen, die Bildschirme anzuschreien, auf denen ich Nachrichten lese. Aber ich soll ja nicht. Contenance.

Und immer weiter atmen.

In der U-Bahn, ich erzähle Ihnen einfach etwas, das beruhigt mich vielleicht, in der U-Bahn sitzt ein junger Mann einen Vierer weiter. Ich fahre selten U-Bahn, aber an diesem Tag muss ich das tun, der Weg ist einfach zu weit, und es geht um einen medizinisch berechtigten Termin, Sie verstehen, so kommt man auch in diesen Zeiten zu einer U-Bahnfahrt. Komisch übrigens, dieses seltsame Gefühl, mich für eine U-Bahnfahrt rechtfertigen zu müssen, andere fliegen währenddessen einfach irgendwo hin, aber das nur am Rande. Der junge Mann also. Er hat sein Handy in der Hand und spielt eine Sprachnachricht ab, die kommt von einer Frau und klingt einigermaßen deutlich nach Bett. Gehauchte Stimme, räkelnd lockender Tonfall, angedeutetes Stöhnen, also wirklich, man staunt, da wird es wohl zur Sache gehen. Die Sprache verstehe ich nicht, aber der Mann spielt die Nachricht so oft ab, ich könnte in der Zeit glatt etwas lernen.

Dann steckt er das Handy weg und holt eine Flasche Rasierwasser aus seiner Sporttasche. Und besprüht großzügig seine Frisur. Dann sein Gesicht. Dann seine Hände. Er lüftet seinen Pullover an und besprüht auch seinen Oberkörper, dann hält er die Flasche weit auf Abstand und nimmt sich den Rest des Körpers vor. Er hört einfach nicht auf, es geht immer so weiter und der Duft in der U-Bahn ist ein schönes und leicht verständliches Lehrstück über Aerosolverbreitung. Aerosolverbreitung, so lernen wir, geht schnell und reicht weit, das steht schnell fest.

Die paar anderen Passagiere weichen entsetzt zurück, wechseln Plätze, aber wohin soll man gehen, zu nahe will man sich ja auch nicht kommen und die nächste Station ist noch weit und der Kerl sprüht und sprüht. Man steht verunsichert im Gang herum wie in einem blöden Psychoexperiment, was werden sie wählen?

So nämlich geht es zu da draußen. Also wenn man denn einmal rausgeht, was ich kaum noch mache, dann geht es da so zu. Will man denn überhaupt noch dahin, in dieses Draußen?

Draußen die Irren, drinnen die Nachrichten. Das sind so die Optionen. Hat man eine Wahl? Ein echter Krieger hat immer die Wahl, das haben sie in dieser Serie gesagt, Beforeigners. Soll mir das etwas sagen?

Nein. Wo kommen wir da hin, wenn uns Dialogfetzen aus Serien etwas sagen, dann ist die Wahrheit am Ende auch noch irgendwo da draußen und wir fahren mit der U-Bahn hinterher.

Ich gehe besser wieder in meine Abstellkammer. Vielleicht sogar ohne Geräte mit Bildschirmen.

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Links am Morgen

Schnelltestoffensive, Impffront, Impfdosenbörse, Blitzlockdown, Klassenarbeitsersatzleistung. Pardon, ich dachte nur gerade, ich sollte mir diese feinen Begriffe irgendwo notieren, bevor ich sie wieder vergesse, sie sind doch recht beeindruckend. Die stehen hier jetzt allerdings zusammenhanglos herum, mehr Zeit habe ich gerade nicht, es ist einfach kein Text zu schaffen. Schlimm.

Die neulich an dieser Stelle empfohlene Serie Beforeigners haben wir jetzt, das noch schnell als Update und wie der Nachwuchs sagen würde, weggesuchtet. Wussten Sie, dass man auch andere Nomen auf diese Art zum Verb biegen kann? Dass also etwa eine Frau, die in einem Krimi verängstigt auf einem Bett liegt, herumliegt und angstet? Das fand ich auch interessant.

Aber egal. Jetzt wollen wir erst einmal durch den Werktag stoizieren. 

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Alarmstufe Beige

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Test am Arsch

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Nun halten es die meisten Eltern für unverantwortlich, sich zwischen Gesundheit und Bildung zu entscheiden, ohne dabei einem von beidem gerecht zu werden.

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Links am Morgen

Eine Meldung ans Gesundheitsamt erfolgt auch bei positivem Test nicht – stattdessen sollen die Kinder zum Hausarzt gehen und einen PCR-Test machen. Tun sie das nicht.. nun… dann tun sie das nicht.

Das klingt wie ein Scherz, aber der Text tut dann doch ein wenig weh. To say the least.

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Und hier, es wird nicht besser:

Das war schon ein bisschen abenteuerlich, mit den Schülerinnen und Schülern die Selbsttests durchzuführen. Eine wirkliche Möglichkeit zur Vorbereitung gab es nicht. Es wurde auf die Bedienungsanleitung verwiesen und eine Website des Schulministeriums. Wie so ein Test-Kit aussieht musste man sich selbst ergoogeln und hoffen, dass es das richtige ist.

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Und by the way: Das hier.

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Uns regiert ein zunehmend unsichtbarer Kopf. Der Text enthält auch einen Satz, der zu den neuen Beschlüssen passt: “Es kommt nicht mehr zur Willenskonzentration des Staates.”

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