Einen bemerkenswert schönen Begriff sah ich in der Überschrift eines Textes von Constanze Kurz bei Netzpolitik: Halluzinationsverhinderungswerkzeugkasten. So etwas kann man auch in den Kursen „Deutsch für Ausländerinnen“ als belebenden Scherz einbauen.
Aber auch der Text ist interessant, und der Inhalt ist außerdem etwas irre. Wie fast immer bei dem Markt, um den es da geht.
Wie bereits erwähnt, beschäftige ich mich im Moment auch aus brotberuflichen Gründen wieder etwas mehr mit KI oder AI. Ich lerne dazu, ich versuche, halbwegs up to date zu bleiben. Das ist ein dreiteiliges Lernen, fällt mir auf. Denn ich bemühe mich da einerseits, überhaupt mitzubekommen, was gerade geht und was alles entwickelt wird. Damit allein hat man schon recht viel Programm, denn es ist eine wilde Jagd.
Andererseits versuche ich auch hier und da, ein Tool oder eine Möglichkeit besser zu verstehen, zu testen usw. Und drittens geht es dann noch um die Bezüge zur eigenen Wirklichkeit in den verschiedenen Ausprägungen. Um die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten also, brotberuflich, freiberuflich, nebenberuflich, privat, als Schrebergartenpächter, Familienkoch, Hamburger etc.
Also um die echten, jetzt greifbaren, womöglich auch sinnvollen Möglichkeiten.
Von denen es aber nach wie vor verblüffend wenig gibt. Etwa 95%, vielleicht auch noch mehr der überall vorgeführten Anwendungen sind eher nicht interessant für mich. Darüber denke ich schon länger nach, denn es ist auf den ersten Blick etwas erstaunlich. Bin ich noch deutlicher anders als andere, als ich ohnehin schon dachte? Oder ist der Markt nennenswert weltfremder, fiktiver als man zunächst meinen sollte.
Bin ich nur zufällig oder am Ende auch wieder altersbedingt überall knapp neben den nach meiner Deutung angepeilten Zielgruppen? Es ist wohl nicht ganz einfach, sich das korrekt zu beantworten. Es kostet auch wieder etwas Zeit, und als ob man die hätte.
Währenddessen leide ich außerdem ein wenig unter oft eher seltsamen Anwendungsbeispielen. Die mich womöglich mehr aufregen, als sie sollten. In einem Artikel neulich, in der New York Times war es wohl, ging es etwa um die KI-gesteuerte App-Entwicklung, also um No-Coding-Varianten. Geschildert wurde dies am Beispiel einer App, in die man ein Foto seines Kühlschrankinhalts hochladen konnte und die dann Vorschläge für Sandwiches ausspuckte.
Ich habe durchaus verstanden, dass es nur ein Beispiel war. Es war wie bei einer Textaufgabe in den Mathebüchern der Söhne, bei denen man die geschilderten Szenarios auch nicht unbedingt erst nehmen muss, von wegen Vater hat achtzig Schrauben und dergleichen. Aber ich habe beim Lesen des Artikels dennoch die ganze Zeit gedacht: Hoffentlich erschießt mich jemand, wenn ich eine App benutze, um mir ein Brot zu schmieren.
Es mag ein Haltungsproblem sein. Am Ende fehlt mir das Spielerische, das geistig Herumtänzelnde. Hanseatisch ernst und gefasst entwickelt man vielleicht keine Zukunftstechnik. Oder zumindest nicht so eine.
Aber was soll ich machen. Ich wirke eben nur in Texten gelegentlich, als hätte ich so etwas wie Humor.
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Ansonsten wird, denken wir uns Fanfaren und Trommeln dazu, gerade und endlich die Renaissance der Blogs vermeldet, etwa hier (gefunden im angenehm kurzen, täglichen Newsletter von Thomas Gigold zu Social-Media-Zeugs).
Das ist jedenfalls eine gute Nachricht für mich, denn ich kann mich jetzt dadurch definieren, dass ich schon vor der Renaissance gebloggt habe – wie VSOP klingt das denn.
Und weil immer Fragen zu dieser offensichtlich mittlerweile ominös gewordenen Abkürzung kommen: die VSOP-Erklärung.
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