Donnerstag, der 14. September. Noch ein Morgen auf Helgoland. Die Postkarte vor dem Fenster ist von schwer zu beschreibender Schönheit und Ruhe, ich sehe mir das lange an, statt zu bloggen, wie so ein disziplinloser Urlauber. Schlimm.
Die Durchmischung der Bekleidung der Menschen vor dem Fenster wird krasser, denn es sind nur noch 14 Grad, es ist also herrlich frisch und etliche frühe Spaziergänger tragen nun schon das dicke Outdoorzeug der dunklen Jahreszeiten, aber einige kommen auch weiterhin in Badesachen zum frühen Besuch Strand, ein Handtuch über den Schultern, und steigen stoisch mal eben in die Nordsee. Wassertemperatur etwa 18 Grad.
Immerhin drei Sondervögel habe ich diesmal auf Helgoland gesehen, womit ich solche meine, die ich nicht bestimmen kann, weil sie nicht zu den üblichen Verdächtigen zählen, also keine Amsel, kein Spatz und keine Kohlmeise etc. sind, was man so vom Balkon kennt. Ein äußerst merkwürdiger Wasservogel war dabei, eine Art langbeinige Magerente, zwei seltsame Singvögel, und ich habe mir natürlich nicht genug von ihrer Erscheinung merken können, um sie hinterher sicher bestimmen zu können. Wer sich für Vögel interessiert – auf Helgoland kann man alle Rekorde der Beobachtung brechen, mehr durchziehende Arten kommen kaum irgendwo in Deutschland vor, las ich. Aber man müsste wohl etwas länger dort sein, um dergleichen in Ruhe betreiben zu können, und man müsste auch etwas Ausrüstung dabeihaben, und damit möchte ich gar nicht erst anfangen. Bloß keine Interessen entwickeln, die eine Ausrüstung erfordern, ganz wichtige Finanzregel.
Ich hätte vermutlich kein Problem mit einem längeren Aufenthalt auf der Insel, ich würde dort schon wochenlang klarkommen, aber ich sehe nicht, dass der Alltag mich in absehbarer Zeit lässt. Es ist ein wenig schade, denn man könnte heutzutage auch von der Insel aus arbeiten, das wäre mittlerweile kein Problem mehr. Aber es sind genug andere Probleme nachgewachsen, kaum dass dieses gelöst wurde.
Eine Touristin schreibt mit dem Fuß in den Sand am Südstrand: „Schöne Grüße von Helgoland“, ganz groß schreibt sie es, fototauglich, und dann steht sie einen Moment davor und denkt nach. Dann macht sie den letzten Buchstaben schnell wieder weg, schreibt ihn neu, dreht ihn um: „Schöne Grüße von Helgolanb.“ Und steht wieder davor und guckt und denkt, und fragt schließlich ihre beiden Begleiter, wie dieser Buchstabe denn richtig sei? Der sehe doch komisch aus? So oder so?
Ihre Begleiter lachen, aber ich verstehe das, und ich nehme an, die meisten Schreibenden werden es kennen, dass irgendetwas auf einmal komisch aussieht, falsch vielleicht, merkwürdig auf jeden Fall, ungewohnt, obwohl man es doch schon tausendmal geschrieben und gelesen hat. Man tippt etwas und sitzt dann davor und guckt und staunt, heißt es Magarine oder Margarine, man weiß es eigentlich, man hat es immer gewusst, aber jetzt ist es weg, der eine Buchstabe sieht auf einmal obskur aus und beide Wörter wirken kurz darauf komisch, wenn man sie nur lange genug anstarrt. Sie lösen sich aus jeder Sinnhaftigkeit, heißt das Zeug denn überhaupt so und kann man nicht vielleicht an dieser Stelle einfach Butter schreiben.
Ob also b oder d, wenn man die Buchstaben mit dem Fuß schreibt und sie sich so ähnlich sind und man sie nur lange genug anstarrt, da kann man schon einmal durcheinanderkommen, ich fühle das in aller Deutlichkeit mit. Ich nicke der ratlos lachenden Frau freundlich zu.
Schöne Grüße jedenfalls, die Kernbotschaft kommt doch an.

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