Über die Herkunft

Ich hatte bei den Wanderberichten einmal erwähnt, wie aus meiner Sicht mit der Herkunftsfrage im Alltag umzugehen ist, das war eine Thema, das im Sommer kurz in den sozialen Medien eine Rolle spielte. Und ich schrieb da, dass man Reisende immer fragen darf, wo sie herkommen, aber alle anderen lieber nicht. Ganz einfach. Weil, falls das noch einmal erklärt werden muss, auch der Mensch, der irgendwie vermeintlich so aussieht, als sei er ferner Herkunft, seit zwei oder drei Generationen aus Bochum kommen kann – und wenn das so ist, dann ist die Frage nach der Herkunft natürlich ebenso abwegig wie nervtötend wie ausgrenzend, das kann man sich leicht vorstellen, das kann man leicht lernen und auch anwenden, etwas gute Absicht vorausgesetzt, und die haben wir ja alle.

Wie leicht man dennoch in alte Denkmuster zurückfällt, habe ich bei diesem Grundschulfest gestern gemerkt. Da stand ein kleines Mädchen auf der Bühne, ich werde gleich mal einen neuen Namen für sie erfinden. “Ich bin Lucy, sagte sie, “ und ich komme aus …” woraufhin sie sich vor Aufregung etwas verhaspelte und erst einmal Luft holen musste. Das war nur eine ganz kleine Pause, einige wenige Sekunden, aber ich merkte doch, wie mein vorschnelles Hirn schon einmal passende Länder in den Satz einsortierte, Vietnam oder so, passend zu ihrem Aussehen eben, man glaubt gar nicht, wie schnell das Hirn da sein kann, nach nur einem einzigen Blick. Das Mädchen holte dann noch einmal Anlauf und Luft: “Ich bin Lucy, und ich komme aus der 4b.”

Woher man eben so kommt, wenn man in einer Hamburger Grundschule auf der Bühne steht. Normal. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Präsent, alltäglich und gewöhnlich

In der Grundschule gab es eine Feier, das bringt die Jahreszeit so mit sich, es gibt überall gerade Feiern. Da war auch ein Vater anwesend, der sonst noch nie da war. Es ging ein Raunen durch die Kinderschar, schon  als er hereinkam, das ist er, das ist er. Denn der Herr ist nicht irgendwas, der Herr ist Profifußballer. Also ganz in echt, wie die Kinder jetzt ergänzen würden. Also so richtig! Der spielt für Geld. Das muss man sich mal vorstellen! Es bildete sich sofort eine kleine Schlange von Kindern, die ein Autogramm haben wollten. Das sahen wiederum andere Kinder, die dann, logisch, auch ein Autogramm haben wollten, was wiederum andere Kinder sahen – und immer so weiter. Der Mann lachte, als es mehr und mehr Kinder wurden, der Mann lachte und unterschrieb, was man ihm alles hinhielt, Hefte, Zettel, Arme, T-Shirts, frisch gebastelte Weihnachtssterne und Servietten und Mitteilungshefte. Es kamen immer noch Kinder, die erst in der Schlange erfuhren, worum es überhaupt ging, aber wenn da alle Kinder stehen, dann wird das ja schon einen Grund haben.

Ich fragte irgendwann, für welche Mannschaft der Herr denn überhaupt spielt, das konnte mir allerdings niemand beantworten, das war in der Schlange gar nicht bekannt, und das war auch nicht so wichtig, irgendein Profifussballer eben. Aus dem Ausland! Es wurden drei Länder genannt, eines von denen! Oder aber ein anderes! Ich fragte den Sohn des Sportlers, den strahlenden Sohn, der endlich auch einmal seinen Papa dabei hatte, seinen Papa, der doch sonst immer weg ist, richtig weit weg und auch richtig lange weg. Der Sohn brachte es dann vor lauter Aufregung auch nicht raus, aber egal, ein Profifußballspieler eben. Und sowieso egal – sein Vater! Guck mal! Der Vater lachte und schrieb und lachte und schrieb.

Die anderen Väter und ich waren erst einmal abgemeldet. Wir überlegten dann, ob wir uns nicht vielleicht auch lieber einen Job im Ausland suchen sollten, um wenigstens einmal solche spektakulären Beliebtheitswerte beim Auftauchen zu erreichen. Allerdings sind wir größtenteils schon aus dem Profifußballeralter raus und ein beliebiger anderer Beruf wird es wohl nicht bringen, wenn man es realistisch betrachtet, das wird also dummerweise nichts.

Wir bleiben einfach weiter präsent, alltäglich und gewöhnlich. Ab und zu freuen sich die Kinder trotzdem über uns.

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Sohn II liest gerade ein Buch, über das Sohn I schon einmal geschrieben hat, und nach seiner Begeisterung zu urteilen – ich musste ihn heute zur Schule bugsieren, weil er auf dem ganzen Weg weiterhin stoisch gelesen hat – ist das auch für andere Kinder nach wie vor als Weihnachtsgeschenk brauchbar. Falls Sie noch auf der Suche sind, ich bringe hier in den nächsten Tagen noch ein paar Tipps unter.

Nach dem gerade verlinkten Artikel von Sohn I habe ich eben übrigens mit “Kürbis Zombie Buddenbohm” gegoogelt, manchmal klingt es ja etwas seltsam, was man da so eingibt.

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Kurz mal zwischenbilanziert – das Wiederleseprojekt hat jetzt schon einen Stapel von immerhin sieben Büchern ergeben, das ist ja nicht nichts. Ich stelle mir die mal extra in ein Regal, dann kann ich im weiteren Verlauf von denen aus eine neue und sinnvolle Sortierung einführen. Nein, ich sortiere sie auch hier schon.

Aktueller Stand:

Die Kinderbibel

Emily Brontë: Sturmhöhe

Graham Greene: Der dritte Mann

Novalis: Werke

Iwan Turgenew: Väter und Söhne

Paul Zech: Vom schwarzen Revier zur neuen Welt – gesammelte Gedichte

Peter Rühmkorf: Aufwachen und Wiederfinden – Gedichte

Der Paul Zech ist also schon erledigt, so ein Lyrikband ist ja doch eher Snack-Content, wie man heute sagen würde. Jetzt habe ich mir George Orwell vorgenommen, ein Band “Meistererzählungen” aus dem Diogenes-Verlag. Die erste Geschichte hat den bemerkenswert uneleganten Titel “Ein Hamlet ohne Poesie?” und demonstriert tatsächlich schön erzählerische Meisterschaft. Ein heißer Tag in Burma, Birma, Myanmar, wie auch immer, da blickt ja keiner durch. Aber man merkt jedenfalls die Hitze, die Schwüle, man sieht die Pflanzen, man sieht irgendwie sogar die Vögel, die man nicht sieht: ”Oben in dem Bobaum erhob sich eine Unruhe und ein blubberndes Geräusch wie von kochenden Töpfen. Eine Schar grüner Tauben saß dort oben und fraß die Beeren. Flory blickte in die große grüne Wölbung des Baums hinauf und versuchte, die Vögel zu unterscheiden; sie waren unsichtbar, so vollkommen war ihre Farbe dem Laub angepaßt, und doch war der ganze Baum von ihnen belebt und schimmerte, als würde er von Vogelgeistern geschüttelt.”

Ansonsten sind alle Scheußlichkeiten und die ganze Menschenverachtung der Kolonialzeit in der Geschichte, eh klar.

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Noch schnell ein Schluss. Ja, es war ein großer Film.

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Mit Schluchten und Auen den Abend versauen

Drüben bei der GLS Bank habe ich mal etwas anders gemacht und die Links nicht nach einem Thema, sondern nach einem Land sortiert: Finnland. Warum auch nicht.

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Den Dritten Mann von Graham Greene habe ich jetzt durchgelesen, das Buch bleibt natürlich im Regal, er war doch einer der großen Erzähler, auch wenn er heute wohl nicht mehr viele Leserinnen findet. Es gab noch ein Nachwort von Annika Siems, der Illustratorin, die bei diesem Buch vor der interessanten Aufgabe stand, ein Buch zu bebildern, zu dem so ziemlich jede und jeder schon Bilder im Kopf hat, der Film ist immerhin legendär. Sie hat das sehr gut gelöst, fand ich.

 

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Ich habe weitere Bücher aussortiert, weil mir die Wiederleselust und damit die Wiederlesewahrscheinlichkeit etwas zu gering vorkommen. Gottfried Keller, E.T.A. Hoffmann, Gottfried August Bürger, Conrad Ferdinand Meyer, J. P. Hebel, Joseph von Eichendorff, Ludwig Tieck, Jens Peter Jacobsen, die können alle erst einmal raus, die müssen im Regal keinen dekorativen Aspekt mehr bedienen.

Und was lese ich jetzt? Zwischendurch kommt erst einmal wieder ein schmaler Lyrikband dran, Paul Zech mit “Vom schwarzen Revier zur neuen Welt – gesammelte Gedichte”. Paul Zech, bei dem alle Welt reflexmäßig immer zuerst an die Villonübersetzungen denkt und bildungsbürgerlich beflissen sofort ergänzt, dass das ja eher Nachdichtungen, keine Übersetzungen waren. Ja, wissen wir! Schön sind sie dennoch, die Villonstrophen von ihm. Aber hier erst einmal seine anderen, ganz eigenen Gedichte.

[…]

Turmuhren gehen ihren Kreisgang ohne Zeiger.

Am Kreuzweg, wo der Weiser wie ein Galgen droht,

lärmt eine Krähe frostverschärfte Not:

Gebt Brot …

Der Wind ist aller Kümmernis Verschweiger.

(Novembernacht)

Der Wind ist aller Kümmernis Verschweiger, das ist schon schön. Und in absehbarer Zeit muss ich dann wohl mit Shakespeare beginnen. Ich habe schon einmal hineingeblättert, das erste Stück ist Romeo & Julia, zwei junge Menschen aus krass verfeindeten Familien – wenn das mal gut ausgeht!

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Und da lag nun also gestern noch diese Kinderbibel bei uns am Bett herum und dann sah die Herzdame auch einmal hinein und hat sich gleich bei der ersten aufgeschlagenen Seite fürchterlich aufgeregt. Denn diese Bibel weicht natürlich sprachlich erheblich von den bekannteren Ausgaben für Erwachsene in den Kirchen ab, weswegen sie die Lieblingsstellen aus ihrer Jugend gar nicht wiedererkannte. Nichts mit “und ob ich schon wanderte im finstersten Tal”, nein, da wurde einfach durch eine Schlucht gegangen. Eine Schlucht! Wo es doch Tal heißt! Immer geheißen hat! Da könnte ja jeder kommen! Sie war hell empört und wollte sich gar nicht wieder beruhigen. Wir führten also eine längere Diskussion über die Begriffsinhalte von Tal und Schlucht und Aue und Wiese, was man abends kurz vorm Schlafen eben so macht, Sie kennen das.

Und als ob das noch nicht genug der religiösen Inhalte gewesen wäre, hatten wir gestern beide eine vermutlich typisch norddeutsche Erkenntnis, die Sie vielleicht peinlich und einigermaßen dämlich finden werden, wenn Sie süddeutsch oder katholisch oder gar beides sind, aber egal, ich stehe hier ja zu meinen Wissenslücken. Und zwar ist es überraschenderweise so, dass es bei Mariä Empfängnis, das ist eine Bezeichnung, mit der man hier gemeinhin rein gar nichts verbindet, die man aber aktuell gerade wieder als Rätselwort im Kalender findet, gar nicht darum geht, dass Maria empfangen hat, sondern dass sie empfangen wurde. Was auch kalendarisch besser hinkommt, wenn man mal länger als zehn Sekunden drüber nachdenkt und im Kopf etwas rechnet, aber warum sollte man überhaupt darüber nachdenken, so als Mensch aus Nordelbien. Jedenfalls lagen wir da beide im Bett, lasen das auf den Handys nach und sagten gleichzeitig: “Ach was?!” Und sind jetzt also entschieden schlauer als vorher, vermutlich sieht man es uns sofort an. Und wenn es mit der etwas unfreiwilligen religiösen Fortbildung so weitergeht, merke ich mir sogar noch irgendwann, worum es bei Fronleichnam geht. Aber wir wollen nicht übertreiben.

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Musik!

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Vom Verschwinden der Lektüre und der Zunahme der Bildung

Und dann war der Dritte Mann von Graham Greene auf einmal weg. Das passte zwar inhaltlich ganz gut, war aber doch ziemlich irritierend. Ich hatte das Buch beim Kochen neben den Herd gelegt, denn beim Umrühren kann man ja lesen, nach dem Essen war es nicht mehr da. Ich habe etwa eine Stunde intensiv nach dem Buch gesucht, ich habe sämtliche Familienmitglieder wahnsinnig gemacht, das Buch war weg, es war sowas von weg, es hat sich ein paar Zentimeter neben mir dematerialisiert. Ich habe nach einer Weile auch im Tiefkühlfach und in Räumen gesucht, in denen ich den ganzen Tag nicht gewesen bin, sogar im Treppenhaus. Ich habe sämtliche Comicstapel im Kinderzimmer umgewälzt und etliche Schränke geöffnet, in die ich sonst nie sehe. Ich habe etwas altes Zahngold gefunden und den letzten Brief meiner verstorbenen Freundin J., ich habe lange verschollene Playmobil- und Legoteile gefunden, aber nicht das Buch.

Kennen Sie das, dass es einen seelisch unangemessen erschüttert, wenn man etwas nicht finden kann? Als würde das Chaos bösartig ins Leben einbrechen und sich da breit machen wollen, als wäre die Ordnung des Alltags fortan grundsätzlich gestört, als würde ein wenig Sicherheit wegbrechen und eine gefährliche Lücke aufreißen. Ich ging irgendwann höchst unzufrieden und irritiert ins Bett, aber ich stand noch dreimal wieder auf und suchte doch noch weiter, auch im Müll, auch im Altpapier, auch in der Schublade unterm Herd. Das Buch blieb verschwunden.

Schließlich las ich stattdessen einfach in der Kinderbibel weiter, die immer noch wegen der Religionsarbeit von Sohn I neulich auf meinem Nachttisch liegt. Die Geschichte von David und Goliat, der da tatsächlich ohne h am Ende geschrieben wird, wie sieht denn das aus? Ich erinnere die Schreibweise anders. Die Geschichte jedenfalls kennt man, die kenne auch ich. Aber hätte ich darüber eine Klassenarbeit schreiben müssen, ich hätte doch zwei Punkte Abzug in Kauf nehmen müssen, immer ehrlich bleiben. Denn dass der zuständige König auf Davids Seite Saul hieß, das hätte ich nicht mehr gewusst, und dass Goliath zur Mannschaft der Philister gehörte, das ebenfalls nicht. Und was sind oder waren eigentlich Philister? Da habe ich dann noch einmal zehn Minuten in der Wikipedia herumgelesen, beflissen wie ich bin. Ein schönes Beispiel dafür, wie mein fleißig gepflegtes Wiederleseprojekt der Allgemeinbildung auf die Sprünge hilft, allerdings ohne dass ich die leiseste Ahnung habe, ob ich mit diesem speziellen Wissen jemals etwas anfangen kann. Aber man weiß ja generell selten, wozu man etwas weiß, wenn ich das mal so tiefsinnig abschließen darf.

Der Dritte Mann wurde dann übrigens heute im morgendlichen Trubel gefunden, in einem kleinen Schapp, in dem wir nur leere Batterien aufbewahren und das wir entsprechend selten öffnen. Ein Schapp, wenn Sie das Wort nicht kennen, ist hier im Norden ein Schrank oder ein Fach, irgendwas mit einer Tür davor jedenfalls, das ist ein betont heimatliches Wort. Ein Sohn wollte das Buch gestern aus der Küche zu meinem Schreibtisch tragen und auf dem Weg noch schnell zwei Batterien weglegen, da hat er es versehentlich dort deponiert und sofort vergessen – so etwas passiert.

Es hat mich etwa zwei Stunden gekostet, aber immerhin weiß ich durch die umfangreiche Suchaktion jetzt wieder ziemlich genau, was alles in dieser Wohnung wo genau ist. Auch recht!

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Im Vorbeigehen gehört:

“Sie ist keine Heilerin oder Seherin oder so etwas, sie ist eher chinesisch.”

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Musik!

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Der leise Stich der Entbehrlichkeit

Ich habe die Sturmhöhe beendet, das Buch bleibt natürlich im Regal. Man kann bei ruhelosen Streifzügen durch die Wohnung ab und zu ob der grauenvollen Handlung kopfschüttelnd davor stehen bleiben und sich denken: “Was es alles gibt!” Und solche Bücher sind eben auch gut und nützlich.

Eigentlich hätte ich Lust, mich auf Sekundärliteratur zum Buch zu stürzen, auf Biographien der Verfasserin etc., aber wo kommt man da hin. Nein, das wäre dem Projekt abträglich, es geht hier um das Wiederlesen, und das wird noch eine ganze Weile eisern durchgezogen.

Als nächstes lese ich – ohne jeden inhaltlichen Bezug zum Vorgängerbuch – Graham Greenes Dritten Mann in der neuen Übersetzung von Nikolaus Stingl, auch das ist wieder eine feine Ausgabe der Büchergilde Gutenberg, schön illustriert von Annika Siems.

Das Buch habe ich zum ersten Mal, vermutlich in einer stark gekürzten Version, im Englischunterricht auf dem Gymnasium gelesen. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, weiß aber immerhin, dass ich die Behandlung entschieden zu lang fand. Das ging mir allerdings bei jedem durchgenommenen Buch so, auch in Deutsch. Was etwas seltsam ist, denn einerseits fand ich es schon als Jugendlicher interessant, möglichst viel über ein Buch und die Autorin oder den Autor zu erfahren, andererseits wollte ich das aber nie von jemandem erzählt bekommen, sondern immer nur selber lesen. Fragen zu Büchern hasse ich bis heute. Wer hat darin wann was und warum gemacht und was bedeutet dieses Ding und jener Name? Ganz schlimm. Ich komme wirklich gerne selbst drauf, aber als Prüfungssituation war mir das immer unangenehm. Der dritte Mann also, wir haben damals im Unterricht übrigens nicht den Film gesehen, das fand ich auch falsch, das finde ich bis heute falsch. Ohne den Film hätte es die Erzählung immerhin nicht gegeben – und umgekehrt. Außerdem ist es ein sehr guter Film. 

Hier etwas mehr zum Buch und zur Übersetzung.

Und hier auch, dort wird ganz zu Recht dieser Satz zitiert: “Martins spürte den leisen Stich der Entbehrlichkeit, als er an der Bustür stand und zusah, wie der Schnee so dünn und sanft herabschwebte, dass die großen Verwehungen zwischen den zerstörten Gebäuden eine Anmutung von Dauerhaftigkeit besaßen, als wären sie nicht die Folge dieses mageren Geriesels, sondern lägen für alle Zeiten oberhalb der Linie ewigen Schnees.“

Schnee, ein natürlich wichtiger Hinweis für die Freunde der jahreszeitlich geschickt gewählten Lektüre. Später, viel später im Leben habe ich übrigens fast alles von Graham Greene gelesen, aber nicht noch einmal den Dritten Mann. Manchmal ist es ja seltsam.

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Währenddessen fielen andere Bücher gerade meinem Projekt zum Opfer, etwa die Werkausgabe von Lessing, die ich mit ziemlicher Sicherheit niemals lesen werde. Da könnte natürlich jemand wegen der literaturgeschichtlichen Wichtigkeit des Herrn protestieren, aber um die eben geht es gar nicht. Es geht darum, dass in meinem Regal das für mich Richtige steht. Ebenfalls nicht genug interessieren mich die Selbstbiographie von Jacob Grimm, dito die Werkausgaben von Herwegh, Uhland und Gryphius. Den gesamten Schiller werde ich dagegen behalten, aber schwerlich en bloc lesen können, den Goethe und den Shakespeare auch nicht, die werde ich eher stückweise (ha!) in die Lektürereihe einbauen.

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Musik! Ich wünsche eine schöne und fine Woche. 

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