Was man nicht tut

Ein Bericht über die Regionalwert AG und die Hobenköök.

Apropos: Nachschub besorgt.

 

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Schlafend in die Revolution. Vielleicht ruht die eine oder andere ja besser, wenn sie sich dabei nur widerständig genug fühlt? Vermutlich ist das tatsächlich ein guter Ansatz und viel weniger albern, als man zunächst denkt.

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Als ich vorgestern in der Bibliothek war, ich berichtete, habe ich eher unachtsam zwei, drei Bücher mitgenommen, ohne sie lange und sorgsam auszusuchen, eher so das, was mich sofort und im Vorbeigehen anlachte. Eigentlich wollte ich mich dort gar nicht mit Lektüre versorgen, aber ich gehe einfach nicht gerne ohne Bücher aus einer Bibliothek, ich habe da ein ausgesprochen starkes Gefühl von “Das tut man nicht.”

Ich nahm also anstandshalber zwei, drei Bücher mit, ging nach Hause und bloggte etwas über Menschen, die in der Bibliothek sitzen, lesen, lernen und schreiben. Danach schlug ich das erste mitgenommene Buch auf, es war von Hanns-Josef Ortheil: “Das Element des Elephanten – Wie mein Schreiben begann”, und da ging es auf den ersten Seiten doch tatsächlich um Menschen, die in Bibliotheken sitzen, lesen, lernen und schreiben.

Na, das nur als schnelle Randnotiz für den Freundeskreis Zufall. Läuft bei uns, ne.

In dem Lübecker Stadtteil, in dem ich als Kind wohnte, gab es eine ganz kleine Stadtteilbücherei neben der Grundschule, in Travemünde, wo ich als größeres Kind und als Jugendlicher wohnte, gab es dann eine etwas größere Stadtteilbücherei. Die war zwar etwas größer, aber doch nur als Steigerung von klein, sie war nicht groß an sich. Ich erinnere mich noch an meine Erleichterung, als ich in der Gymnasialzeit zum ersten Mal in der großen Lübecker Stadtbibliothek in der Innenstadt war, als ich dort einen Leserausweis bekam, durch die vielen Gänge ging und dachte: Okay, das reicht jetzt erstmal eine Weile. Das war ungeheuer beruhigend.

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Im Vorübergehen gehört:

“Alter, du kannst doch keinen rohen Fisch essen, roher Fisch ist roh!”

“Nein, ist er nicht.”

“Doch!”

“Nein.”

Das ging noch eine Weile so hin und her und ich habe leider nicht erfahren, warum roher Fisch nicht roh ist.

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Der Leihhund ist seit ein paar Stunden da, er ist sehr aufgeregt und läuft viel herum, er hat Krallen und wir haben Laminat, das klingt so:

“‘’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’”’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’’”

Man muss es sich nur viel lauter vorstellen.

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Ansonsten war die Woche etwas anstrengend, to say the least, ich fühle mich wie von einer Walze überfahren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie der Januar so dermaßen zehrend sein kann und dabei doch immer noch ein besseres Image als November hat. Wie macht er das nur? Ich finde ja, gegen den Januar ist der November nur eine leichte Aufwärmübung für die seelische Widerstandskraft.

Nächste Station Februar, und da weiß man schon, der taugt traditionell auch nicht viel. Aber immerhin darf man ihn wegen seiner Kürze verspotten, denn es hilft doch ein wenig, dass man ihn als Monatsimitat, Talmimonat oder kalendarische Notlösung schmähen kann, das kleine Miststück von Wintermonat.

Seit -zig Jahren denke ich zu diesem Monatswechsel insgeheim immer: “Los, Februar, überrasch mich”, und warte gespannt ein, zwei Tage der ersten Woche ab. Und dann wird er doch wieder wie immer.

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Musik! Rosanne Cash.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Kurz und klein

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Jetzt erleben wir uns mal selbst

Jesus und der Kaffee im Indoorspielplatz.

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Wenn der Ehemann nicht als erste Person eingetragen wird, stürzt das System ab und die Finanzamts-Mitarbeiter müssen alle Informationen von Hand erneut in das System eingeben.

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In der Zeit gab es ein Interview zum Thema Zeitempfinden, da muss ich etwas anmerken. Und zwar gleich zum Anfang, wo es heißt: “Fünf Menschen steigen in den Bus, setzen sich, holen wie einstudiert ihre Smartphones raus und starren auf die Displays, bis sie wieder aussteigen.” Das wird kurz darauf – natürlich! kritisiert, die armen Menschen, die kommen auf diese Art ja nicht zu sich selbst, empfinden nichts mehr, denken nichts mehr usw., man kennt das. Und das ist natürlich Unfug, schon historisch betrachtet. Es gibt ja durchaus Menschen, die sich an die Zeit vor den Smartphones noch erinnern können, als sei es gestern gewesen sogar, viel länger ist das ja auch nicht her, wenn man mal kurz in etwas größeren Maßstäben denkt: “Fünf Menschen steigen in den Bus, setzen sich, holen wie einstudiert ihre Zeitungen und Bücher raus und starren auf die Seiten, bis sie wieder aussteigen.” Liebe Kinder, so war das wirklich. Wir haben alle dauernd irgendwas gelesen, fast wie heute, nur war es eben gedruckt. Aber wir haben auch im Zug gelesen, auf dem Klo, im Bett, auch in Kassenschlangen, auch in Wartezimmern und auf Parkbänken. Wir haben nicht, nein, wirklich nicht jede Minute ohne Beschäftigung dazu genutzt, uns zu fühlen, tiefer zu empfinden, geistreich zu sein, im Kontakt mit uns zu sein, wir haben nie, nie, nie gedacht, boah, Langeweile, voll schön, jetzt erleben wir uns mal selbst, hurra. Wir haben aber sehr oft gedacht: Verdammt, ich habe kein Buch dabei. 

Die Zeitungen werden dann im Interview auch noch erwähnt, aber die Parallele wird abgeschwächt. Ich sehe es nicht ganz ein, glaube ich.

 

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Zwischendurch einen herzlichen Dank an die Leserin P.B., die Sohn I ein Buch über griechische Mythologie geschickt hat. Großartig und sehr passend, das kam genau rechtzeitig!

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Wie neulich berichtet, schraube ich gerade am Biorhythmus herum, um wieder etwas mehr Abend für mich zur Nutzung zu gewinnen, das klappt auch schon recht erfolgreich und sogar etwas einfacher als gedacht, das ist auch mal schön. Ich habe das aber zum Anlass genommen, auch an anderen Momenten und Szenen des Alltags herumzuspielen, das mache ich ab und zu ganz gerne und manchmal mit überraschenden Erkenntnissen. Ich setze mich also zum Arbeiten einmal woanders hin, ich arbeite zu anderen Zeiten oder mache andere Dinge irgendwie so, dass sie von der jahrelang eingeübten Routine abweichen. In der Herzdame habe ich da eine engagierte Mitspielerin, die mag das auch. Was geht noch, was geht anders, was geht am Ende sogar besser?

Heute bin ich nach dem Büro nicht nach Hause gefahren, ich bin in die Zentralbücherei gegangen um dort zu schreiben. Immerhin ist dort eine sehr motivierende Atmosphäre, wie schon mehrfach beschrieben, es ist alles voller lernender, lesender und schreibender Menschen. Mit Betonung auf “voller”, es war nämlich in dem ganzen Riesenbau kein Platz für mich frei, außer einem Stuhl in der Cafeteria, da war es mir eigentlich zu laut. Aber da habe ich mich dann dennoch hingesetzt und genau sechzehn Minuten lang begeistert und hochmotiviert geschrieben. Dann gab der Akku des Notebooks plötzlich den Geist auf und eine freie Steckdose gab es weit und breit nicht.

Aber egal, ich hörte über mein Handy Musik und als ich vom schlagartig schwarz gewordenen Bildschirm hochsah, ging eine Frau mit Baskenmütze gerade die Treppe hoch, und zwar ging sie exakt im Takt der Musik in meinen Kopfhörern durch den Bildausschnitt, eine Filmszene mit Soundtrack war das, sie trug sogar einen Stapel Bücher aus der Requisite auf dem Arm, sie sah ernst und klug und sehr inszeniert aus und ihr Kopf verschwand genau in dem Moment aus dem Blickfeld, als mein Lied ausklang. Es sind die kleinen Dinge und Momente.

Aber aufschreiben konnte ich das dann natürlich nicht mehr. Egal, ich versuche es wieder.

Einen Tisch weiter saß ein kleiner, ein sehr kleiner Junge, der heulte und heulte, weil er etwas essen oder trinken wollte, das er dummerweise nicht beschreiben konnte. Die Mutter und die Verkäuferin an der Kuchentheke gaben sich alle Mühe, die dringenden Wünsche zu verstehen, sie hielten alles mal kurz hoch und fragten immer wieder nach, diesen Keks, diesen Kuchen, nein, es gelang ihnen einfach nicht, auf das Richtige zu kommen, das Elend war enorm.

Da habe ich mich zu ihm runtergebeugt und gesagt: “Weißte was, mein kleiner Freund, es ist kein Trost, aber auch mit über fünfzig Jahren hat man es dummerweise noch nicht auf der Reihe, seine Wünsche immer ausreichend klar zu formulieren, so dass man von allen verstanden wird. Das bleibt so.”

Nein, das habe ich natürlich nicht gesagt, schon gut.

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Musik! Tom Jones und Joe Cocker. Warum auch nicht.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhanden Hut werfen, der heute wieder wie ein gegenwärtiger Hut aussieht, na, eher wie eine Wintermütze. Auch Details immer saisonal anpassen! Vielen Dank!

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Im Admiral Benbow

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Sohnes lese ich Stevensons Schatzinsel abends im Kinderzimmer vor. Allerdings habe ich sie gerade erst selbst als Hörbuch konsumiert, es ist mir beim Lesen also alles merkwürdig vertraut und mir kommt die kleine und etwas heruntergekommene, seit vielen Jahren schon windschiefe Schenke auf der Klippe, der “Admiral Benbow”, wie sie auf dem im Sturm schaukelnden Schild über der Tür genannt wird, geradezu unangenehm vertraut vor, denn ein allzu idyllischer Ort ist sie ja nicht. Ich kenne den dort residierenden seltsamen Vogel, vor dem seiner unbändigen Wut wegen alle Angst haben und der sich – ob zu Recht oder nicht! – Kapitän nennen lässt, schon viel zu gut. Ja, mir ist, als würde ich selbst da schon seit Tagen und Wochen immer wieder aus dem Fenster der Spelunke sehen und voller Angst warten, dass auf dem Weg zum Haus dieser einbeinige Seemann auftaucht, von dem der Kapitän immer faselt, wenn er genug getrunken hat. Denn dass er auftauchen wird, daran besteht ja wohl kein Zweifel. Und dann?

Johohooo, und ne Buddel voll Rum. Vielleicht sollte ich beim Vorlesen einen Grog trinken, dieses Getränk ist mir schon seit Ewigkeiten nicht mehr untergekommen, fällt mir gerade auf, das ist auch so eine Kindheitserinnerung. Der Grog der Erwachsenen im Winter, mit den klingelnden Glasstäbchen zum Umrühren, Wasser kann, Zucker darf, Rum muss. Lange her, wie gesagt.

Da ich kein Lehrer bin und die Söhne schon etwas größer sind, können wir nach dem Vorlesen einfach aus Spaß noch etwas über das Gelesene reden, ganz ziel- und planlos, das ist sehr schön. Es fällt etwa auf, dass der Ich-Erzähler seinen Vater auf den ersten Seiten ziemlich sang- und klanglos sterben lässt, eine unwichtige Randfigur, die sonst der Spannung nur im Weg herumgestanden hätte. Erzähltechnisch ist das verständlich, für junge Zuhörer ist es aber ein beachtliches Unding, ich meine, da stirbt immerhin ein Vater, das ist eine größere Sache, wieso ist es im Buch keine? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu? Darüber kann man ja mal reden.

Es gibt noch mehr spannende Frage, wie etwa sieht es im Admiral Benbow eigentlich aus? Das wird nämlich kaum beschrieben, wo kommen dann die Bilder im Kopf also her? Weiter: Im Buch steht nach dem Zwischenfall mit dem Mann, den sie den Schwarzen Hund nennen, dass am unteren Rand des Wirtshausschilds eine Kerbe von einem gewaltigen Säbelhieb des Kapitäns zu sehen sein soll, und zwar ist sie da zu sehen bis zum heutigen Tag. Als Erwachsener liest man glatt darüber hinweg, als Kind kann man aber schon einmal fragen: Stimmt das? Und wenn man schon dabei ist – was stimmt denn da überhaupt und macht es etwas aus? Gab es den Admiral Benbow, gab es diese Klippen, gab es den Ich-Erzähler, gab es irgendeine Figur aus dem Buch, was denn nun davon? Gab es wenigstens die Stadt Bristol? Und da hat man dann eine dieser Nahtstellen zur Fantasie erwischt, die gab es nämlich tatsächlich, die gibt es auch noch. Was aber beweist das für den Rest des Buches?

Wir reden auch über die Klippen, auf denen die Kaschemme steht, wie hoch mögen die wohl sein, wie sehen die eigentlich aus? Auch das steht da nicht. Wir waren alle niemals in Bristol, wir kennen also die Gegend dort nicht, aber wir kennen das Brodtener Steilufer hinter Travemünde, das könnte man als Bild nehmen. Oder nein, noch viel besser – wir kennen alle Helgoland, und das sind doch richtige Klippen, lebensgefährlich steil runter und steinern. Da ist auch die unten wütende Nordsee, das nehmen wir. So also entsteht ein Bild und dann sieht man schon wesentlich genauer, wo der Schwarze Hund nach dem wüsten Streit mit dem Kapitän die Klippen entlang flieht, man spürt den auffrischenden Wind von der See her und sieht weit draußen die Segel, denn auch das kennen wir von der Insel und apropos Insel, das Buch heißt die Schatzinsel, es muss also demnächst irgendwie losgehen, zur See, zur See, so viel ist auch klar. Ein ganz linearer Spannungsaufbau ist das, keine Sprünge zwischen Zeitebenen, keine komplizierte Rahmenhandlung, es ist eine altmodische Geschichte, sie geht grandios ab.

Wenn man in der Gegenwart als Erwachsener gerade von den zahlreichen skeptischen Texten zum Spiegelskandal kommt, von all den misstrauischen Vorsichtsmaßnahmen gegen Geschichten, von den gerade tieffliegenden Warnungen vor allzu viel Dichtung, dann kann man sich hier endlich wieder vor einen Erzähler stellen und aus ganzem Herzen sagen: “Ja, ich will.” Und dann holt er tief Luft und gießt sich einen Rum ein und erzählt das alles bis zum Ende durch und es ist wie früher ganz und gar herrlich, weil es nämlich in schönster Weise funktionieren kann, das mit den Geschichten. Das darf man bei all der Kritik am Erzählen im Moment auch nicht vergessen, nicht wahr.

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Die Musik muss heute ohne Bewegtbild auskommen, ich brauche nur mal eben den Text. Die Ballade von den Seeräubern: “Sie lieben nur verfaulte Planken, ihr Schiff das keine Heimat hat.”

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhanden Hut werfen, den Sie sich heute bitte als etwas speckigen Dreispitz vorstellen müssen, mit einer arg zerzausten Feder daran gesteckt und die Krempe, sie ist an einer Seite abgerissen und hängt seltsam herunter. Wir wollen ja im Bild bleiben. Vielen Dank!

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Behandschuhte Finger weisen vage ein Stockwerk

CamPatri. Ich kann mir keine solche Methode wie dort im Text ausdenken, denn ich müsste sie dann Budmaxi nennen, und wie klingt das denn.

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Wie eine alte römische Münze hängt der Mond am Himmel über der Häuserzeile, eine dünne Scheibe angefressenen Kupfers, erodiert und irgendwie uralt, schrundig, löchrig, dünn, als hielte den Himmelskörper nicht mehr viel zusammen, als könnte man bald durch das abgegriffene Material die Sterne dahinter leuchten sehen.

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Arno Schmidt über die löcherige Gegenwart, Bezüge zum täglichen Bloggen lassen sich leicht schnitzen, wenn man das möchte.

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Zwei hochbetagte Damen gehen vor mir her durch den bemerkenswert kalten Großstadtsonntagmorgen, eine stützt sich auf die andere. Sie gehen langsam und vorsichtig. Beide sind so hochbetagt, dass ihre feinen Pelzmäntel eventuell noch aus einer Zeit stammen, in der ihnen niemand einen Vorwurf für den Erwerb und das Tragen von Pelzmänteln gemacht haben wird, und diese Zeit ist, wie wir alle wissen, schon eine ganze Weile her. Pelzmäntel sind mittlerweile zu Recht ein ungewohnter Anblick geworden, wann sieht man die schon. Wintersonne lässt dichtes Fell fein glänzen, silbrige Effekte auf dunklem Grund. Das Bild der beiden Damen erinnert mich an die Mäntel meiner Mutter, als ich noch Kind war. Da trug man noch Pelz, damals in den 70ern, Nerz, Nutria, Biber, Fuchs und weiß ich was, sogar die Männer trugen Pelzmäntel in dieser Zeit, es fiel nicht einmal auf. Die Pelzmäntel der Mutter fanden wir Kinder sehr kuschelig. So kuschelig fanden wir die, dass ihr späterer Verbleib des Öfteren beruhigend verkündet wurde: “Du erbst mal den, du den …”. Diese Pelze gibt es längst nicht mehr, Menschen halten im besten Fall länger als Mäntel.

Die eine Dame jedenfalls da vor mir, sie trägt zum Mantel eine passende Mütze aus dem gleichen Pelz, zeigt im Vorbeigehen auf ein Haus, behandschuhte Finger weisen vage ein Stockwerk: “Da wohnt einer meiner schönen jungen Männer.”

“Ach”, sagt die andere ohne auch nur hinzusehen, und in diesem “Ach” liegt keine Überraschung, kein Interesse, keine Regung, es muss irgendwie ganz normal sein, dass da einer der schönen jungen Männer der anderen Dame wohnt.

Und mehr werden wir dazu nicht erfahren.

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Ich war am Nachmittag kurz im gefrorenen Garten, da war alles knackig eingezuckert wie die Ränder der Gläser bei manchen Cocktails, Sohn I hat das in der Hecke fotografiert:

 

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Ein Beitrag geteilt von Jojo (@jojostgeorg) am

Das weiße Gras bricht gläsern, wenn man drüber läuft, die toten einjährigen Stauden in den Beeten stehen schwarz und starr. Sogar die Magnolie lässt die wie immer voreiligen Knospen vorerst lieber nicht weiter wachsen, alles zieht sich zusammen und schrumpft tief in sich hinein. Einzig der Grünkohl steht in aller Pracht und hält eisern und grün durch. In der Hecke sitzt ein winziger Vogel ganz still und äugt, was wollen die jetzt wohl hier, die Menschen? Alles ruht und wartet und verharrt, alles sagt: “Mach nichts.”

Und das habe ich dann auch gemacht.

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Später am Tag, das Licht wird schon knapp. Über der Elbe liegt eisiger Nebel, er wabert in die Hafencity und weiter in die Neustadt. Er enthauptet die Kirchen in den Hafenvierteln, er verwischt die Takelage der Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken. Der Elbphilharmonie mümmelt er den prächtigen Aufbau weg, Architektur in heller Auflösung. Den wimmelnden Touristen kriecht der Nebel durch Ärmellöcher und Reißverschlüsse in die Kleidung, da kann die Outdoormode mal zeigen, was sie wirklich drauf hat. Und viel ist das manchmal wohl nicht, so wie überall gefroren wird.

Auf einer Brücke über einem Fleet steht ein Mann, der hält in der einen Hand einen ganz kleinen Hund, in der anderen sein Handy. Er versucht, ein Selfie mit Hund zu machen, er sagt immer wieder “Guck mal! Guck doch mal!” zu dem Hund, wobei er mit dem Kinn energisch zum Handy zeigt und den Hund neben sein Gesicht hebt. Der Hund versteht natürlich überhaupt nichts, er leckt das so interessant wippende Kinn ab und guckt Herrchen an, das ist bei Hunden ja meistens auch richtig so, das weiß er. Heute aber nicht! “Guck doch mal! Na, hier!” Herrchen wackelt fuchtelnd mit dem Handy und sagt dabei immer unfreundlicher “Hier!” Der Hund denkt sich vermutlich, dass er ja hier ist, das wird doch schon passen oder was jetzt, er kann immerhin nicht wissen, das hier heute woanders ist. Es passt jedenfalls nicht. Herrchen stöhnt und rollt die Augen. Der Hund guckt den windschnellen Möwen nach, die über ihm durch den späten Nachmittag ziehen, die Elbe entlang nach Westen. Herrchen schüttelt jetzt den Kopf und murmelt halblaute Unfreundlichkeiten, vermutlich beschimpft er den Hund ob seiner unfassbaren Dummheit, dabei ist er es doch, der dumm ist. Dann steckt er das Handy grummelnd wieder weg. Der Hund guckt nach unten und sieht sich nach anderen Hunden um, denn auf dem Arm beim Menschen, das ist heute irgendwie nichts, so viel steht fest.

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Musik! Let’s dance.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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