Links am Morgen

Der sogenannte Social Impact von Unternehmen müsste zur Bedingung werden für finanzielle Förderungen: Übernimmt eine Firma soziale Verantwortung, schafft sie Anreize für eine bessere Vereinbarkeit? Und Care Arbeit muss endlich in die Wertschöpfung mit eingerechnet werden und nicht als Ressource gratis zur Verfügung stehen.

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Über Kommunikation in Krisen- und Corona-Zeiten. Wie erklärt man es?

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Herkunftsbedingt finde ich die Entwicklung an den Ostseestränden ebenso interessant wie absurd.

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Wir hatten im Garten Besuch und das Wesen war mir bisher nicht bekannt. Falls Sie bei dem Anblick auch eher ratlos sind – ein gebänderter Pinselkäfer.

 

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Ich habe für Insekten bisher keine gute Bestimmungs-App entdeckt, für Pflanzen ist die bisher beste aber ganz klar Flora Incognita, die hat bisher alles erkannt, was mir im Garten und sonstwo begegnet ist. 

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Ich: Sohn, sag an, was hört die Jugend?“

Sohn I: „Da.“

Sieht jetzt auch nicht aus wie heile Welt, ne.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Merci! 

 

Daumen hoch

Auf dem Fußweg kommt mir ein Mann entgegen, der fällt auf. Er hat, das sehe ich schon von weitem, die rechte Hand nach vorne und etwas nach oben gestreckt und dabei den Daumen gehoben. Als würde er gerade etwas loben wollen. Dazu grinst er auch noch. Er geht und sieht abwechselnd auf den Daumen und auf das, was dabei neben ihm auftaucht, daher sieht er einigermaßen seltsam aus, denn die Geste bleibt, obwohl er immer weiter geht, an Geschäften vorbei, an Menschen, Autos und Verkehrszeichen und sogar an einer Kreuzung. Wer macht denn so etwas? Müsste ich mir einen Monolog dazu vorstellen, der Mann, der allem und jedem den gehobenen Daumen zeigt, er würde etwa sagen: “Hey, tolle Haus hier, wirklich sehr gut. Das daneben auch! Und da, eine astreine Ampel, schönes Rot auch, wirklich gelungen. Und Sie da, wollen Sie gerade ein Eis kaufen? Stehen Sie deswegen an? Das finde ich richtig gut und sympathisch. Hier, eine Bäckerei, Bäckereien sind auch toll und da, ist das großartig! Eine richtige Bushaltestelle! Und da kommt auch schon ein Bus, wie schön ist das denn.”

So in der Art müsste der Mann vor sich hin reden, damit es zu seinem höchst irritierenden Gang über den Fußweg und zu seiner Geste passt. Mir kommt da also ein befremdlicher Straßenbejubler entgegen, ein notorischer Gutfinder, ein Claqueur des gemeinen Alltags, es ist wirklich einigermaßen merkwürdig. Ich meine, man kann ja ruhig hin und wieder etwas gut finden, irgendetwas, obwohl mir auch das manchmal schwer genug fällt, aber alles? Pauschal? 

Erst als ich den Mann endlich passiere, erkenne ich, was den in seinem vermeintlichen Wahnsinn antreibt. Auf der Spitze des emporgereckten Daumens sitzt nämlich ein Marienkäfer und den strahlt also der Mann so an und für ihn sieht er sich um, wo er den denn bloß mal absetzen könnte. Hier ist ja alles nur Stein und Blech, die Gegend ist nicht eben käferfreundlich, Stadtmitte eben. Da, vor der Pizzeria, da steht so ein Busch in einem Kasten, da endlich wird er ihn los. Und er bückt sich etwas und streift, immer noch breit grinsend, das Käferchen an ein Blättchen und guckt auch noch etwas, ob es da auch gut weiterkommt und nicht etwa runterfällt.

Er sieht es nicht mehr, der Mann, aber ich hebe solidarisch meinen Daumen in seine Richtung. Was wieder beweist, dass das Positive sich auch verbreiten kann. Vergisst man ja leicht. 

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Das jüngste Objekt des Interesses für den Freundeskreis Insel an deutschen Küsten: Norderoogsand.

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Hier wieder was gelernt: Die Sache mit Frau Holle und dem Holunder wusste ich nicht. Oder ich hatte es vergessen.

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Da ist es wieder, das bereits gestern erwähnte Problem.

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Schulen, Kinder und Corona: Es bleibt kompliziert und ich wundere mich, wie viele Menschen die Antwort auf alles zu wissen meinen. Ich weiß gar nichts. 

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In der Zeit wird ein Bildband über Ischgl rezensiert: “Ja, was hier auf knapp 120 Doppelseiten zu sehen ist, ist schlicht und ergreifend widerwärtig.

Ich glaube, ich möchte da nicht hin.

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Bei meinem Anne-Tyler-Marathon bin ich bei “Im Krieg und in der Liebe” angekommen, ein Roman über eine Ehe, Deutsch von Christine Frick-Gerke und Gesine Strempel. Es gibt auch zu diesem Buch eine teilenswerte Rezension von Walter van Rossum, sie enthält diese schöne Beschreibung: “Ein auf den ersten Blick reizloseres Personal als in ihren Romanen lässt sich kaum vorstellen. Es sind meist Kauze, tief verstrickt in die selbstgebaute Normalität als Lebensgeländer. Schrebergärtner ihrer provinziellen Existenz. Warum sich jemand in die Größe zu retten versucht, davon haben wir schon viel gehört. Wie sich aber jemand im Kleinen einrichtet, in der flachen Ekstase der Wiederholung sein Leben verzehrt und sich von Anfang an als Überlebender einrichtet, dafür muss man Anne Tyler lesen. 

Was soll ich sagen, es spricht mich an und ich habe nicht wenig davon in unserem Schrebergarten gelesen, der ganz ohne Zweifel einen gewissen provinziellen Charme hat (die Herzdame kommt hier übrigens als Schrebergärtnerin vor). Walter van Rossum trifft das alles schon sehr gut. Selbst wenn man das Buch nicht liest – die Rezension ist ein Genuss. 

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Sohn I reicht noch einen Beitrag zum Thema “Was tanzt die Jugend” zu. Wenn Sie in meinem Alter sind und das nachtanzen, passen Sie auf Ihre Knie auf.

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Spazieren ist so hundsbanal, so unspektakulär, dass es nicht zum Schwanzvergleich taugt.

Gefunden via Nicola Wessinghage auf Twitter.

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Lenz Jacobsen über Dave Grossman, der Polizisten in den USA das Töten beibringt.

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So aufgeklärt wir selbst auch sein mögen: Die Welt, in der wir leben, ist in großen Teilen das Produkt des Versuchs der weißen männlichen Christen, sie gänzlich an sich zu reißen.

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Ein gewisses anderes Problem ist übrigens auch noch da.

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Mir wurde auf Twitter ein Tanzvideo empfohlen (von Nahoernsiemal), ich habe es mit Sohn I gesehen und er kann bestätigen: Das ist echt krass.


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Ein Satz durch die Jahrhunderte

In der S-Bahn sitzt mir ein Rudel Teenager gegenüber, dreizehnjährig, vierzehnjährig vielleicht. Nein, sie stehen, hocken, liegen, knien auf und neben den Sitzen, es geht da etwas knäuelig und geradezu verboten undistanziert durcheinander, denn sie müssen sich alle unbedingt gegenseitig auf die Smartphones gucken, weil sie Avatare und Spielstände vergleichen. Ich verstehe nicht, um welches Spiel es geht, ich kann das immer nur korrekt deuten, wenn die Söhne das auch gerade spielen. Die Vokabeln, die ich mitbekomme, sagen mir aber in diesem Fall nichts. Egal, es geht um ein Spiel, um Gewinne, Level und Figuren, um so etwas. Und ein Junge sagt einen Satz zu einem Mädchen, den sehen wir uns genauer an, ob seiner zeitlosen Schönheit. 

Denn der Satz ist ganz 2020, er bezieht sich völlig eindeutig auf so eine Multiplayer-Geschichte, es geht um ein Game, ganz sicher um nichts anderes, aber dennoch, was für ein Satz. Man könnte ihn aus der Zeit lösen und quer durch die Jahrhunderte verschiedenen Figuren in den Mund legen, ganz wunderbar würde das gehen. Einem jungen Adeligen bei Shakespeare etwa hätte er sehr gut gestanden, der Satz passt in die Dramen dieser Zeit geradezu perfekt. Oder in den Zeiten des Minnesangs, das ist es fast zu schön, um wahr zu sein, wie gut diese Wendung da zu einem in Liebe entbrannten Ritter passt, als hätte man sie direkt aus dieser Epoche in die Gegenwart rüberkopiert, Strg-C, Strg-V quer durch die Zeiten und der Satz ist immer noch gut. Er meint zwar jetzt etwas vollkommen anderes, aber wenn man nur diesen Satz sieht, nur den Jungen und das Mädchen und er kniet sogar so halb … okay, er hockt eher. 

Es gibt eine Mozartoper, da kommt der Satz auch drin vor. Also die gibt es in Wahrheit nicht, aber es würde uns überhaupt nicht wundern, es ist doch der entscheidende Vers einer Arie, eine herzbewegend vorgetragene Bitte, man schmilzt beim Zuhören nur so dahin, der Jüngling auf der Bühne sowieso, wenn er diesen Satz singt, der sich heute nur auf ein banales Spiel bezieht, aber was kann man nicht alles ausblenden, wenn es doch um die ewige Liebe geht:

“Sag mir deinen Namen, dann kann ich dir folgen.”

Hat er gesagt. Hach. 

Na, egal. Auch bei der Romantik gilt jedenfalls: Immer alles mitnehmen, was man finden kann. 

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Picturing lockdown. Sehr gute Bilder.

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Jochen, für den das Bloggen noch neu ist, der bisher Journalismus im klassischen Sinne gewohnt war, über sein Blog: “Seit ich hier fast täglich irgendwas aufschreibe, kommt mir mein Beruf merkwürdig vor. Bei manchen meiner Geschichten vergeht ein halbes Jahr oder sogar mehr, bis sie endlich irgendwo am Kiosk liegen. Hier im Blog dagegen dauert das keine Sekunde. Man drückt auf den Knopf. Zack! Schon ist es draußen. Unglaublich.” 

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Das Anstrengende an einer Pandemie ist, also neben den ganzen „Sachen“, die irgendwie zu machen sind, eher so ein Anstrengungsgrundrauschen

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Digitaler Unterricht bleibt eine Herausforderung

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Das Leben ist dann doch irgendwie gemischt – aber da wir in jeden Teilaspekt zu einer polaren Meinung tendieren, jeder ganz verschieden, hassen wir bald alle anderen irgendwie.

Gunter Dueck über die Sucht nach dem Fokus und auch über alles. 

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Manfred Maurenbrecher, auch über alles. Ja, das dauert zehn Minuten, ja, es gibt noch lange Lieder. Und es gibt da Bezüge zwischen dem Text von Herrn Dueck und dem Lied hier, ganz seltsame Bezüge. Es isso. 

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Easy

Sohn I kann neuerdings einhändig Rad schlagen, das konnte ich nie, auch in seinem Alter nicht. Und weil ich es nie konnte, kann ich mir die Bewegung auch nicht richtig vorstellen, mir fehlt da etwas. Radschlagen weiß ich noch, Handstand und Kopfstand und so etwas alles auch, meinetwegen sogar Salto vor und rück, man war ja einmal jung, aber Rad einhändig – nein. 

Kennen Sie diese leichte Irritation, wenn man Bewegungen sieht, die man sich nicht richtig vorstellen kann, von denen man also nicht körperlich weiß, dass sie wirklich gehen? Der eine oder die andere kennt das auch aus dem Tanzunterricht, wenn man da neue Schritte und wilde Kombinationen sieht und erst einmal denkt: “Das ist doch so gar nicht möglich.”Manchmal spürt man beim Zusehen dann auf einmal unwillkürlich Muskeln an gewissen Stellen, weil etwas im Körper es sich dringend vorstellen will, was die Augen da wahrnehmen, denn es muss ja irgendwie gehen, das siehste doch. 

Ich sehe den Sohn, der einhändig Rad schlägt, wofür es sicher einen tollen Namen in der Turnszene gibt, den ich aber nicht kenne. Ich sehe ihn und eine innere Stimme raunt mir zu: “Alter, dabei würdest du so dermaßen auf die Fresse fallen.” Meine inneren Stimmen sind nämlich manchmal unerfreulich direkt und sie drücken sich auch nicht immer gewählt aus, die Bagaluten.

Der Sohn aber grinst, schlägt ein Rad nach dem anderen über den Rasen und sagt: “Ist doch easy.” Was will man von jemandem erwarten, der auch souverän Kopfstand auf einem SUP-Board macht, während es über die Bille treibt. Das wiederum hätte ich als Kind gar nicht machen können, denn als ich in seinem Alter war, da ist noch niemandem eingefallen, beim Rudern einfach mal aufzustehen, das war noch nicht erfunden, die Menschheit brauchte noch eine Generation Wassersporterfahrung mehr. Der Sohn macht das heute aber alles, wie nebenbei macht er es. Und es ist wie so oft, easy ist gar nicht easy, easy ist eher eine hohe Kunst. Easy sieht nur easy aus, alte Regel.

Ich habe hier ein Beispiel von Instagram, da sehen Sie eine Bewegung, die können Sie vermutlich auch nicht. Da verstehen Sie gleich viel besser, was ich meine. So also fühlt sich das an, wenn man etwas in der Art sieht, kurz vor schmerzhaft. Sollten Sie diese Bewegungen der Tänzerin aber entgegen meiner Erwartung doch easy nachempfinden können – Respekt! 

 

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Courtesy @trascendance #godatu #dance #godatudance #flexible #flexibility #ballet #ballerina #choreography #gymnast #gymnastics #contemporarydance

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Mely Kiyak über Rassismus

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Bestuhlte Parkplätze mit Service. Warum auch nicht. Mir ist nach wie vor eher unklar, wie Lokale und Läden für Mode und Zeug das überleben sollen, was in diesem Jahr passiert. Aber ich trage auch wenig bis gar nichts zur Rettung bei, stimmt schon. 

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Über Klassiker, freie Autorinnen und Zuwendungen. Ich glaube, ich bin nicht mit allen Deutungen und Voraussagen im Text einverstanden, aber einige Zahlen fand ich dann doch interessant.

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Vielleicht das Unheimlichste an diesen letzten Monaten, in denen die Welt sich auf den Kopf gestellt haben zu scheint, ist das schöne Wetter.

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Für den Freundeskreis Notizbücher: Penguin sex diaries – so etwas zieht einen doch magisch an, nicht wahr. Gefunden via Notebook Stories.

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Bei Gesa gibt es ab Sonntag einen Sütterlin-Kurs auf Instagram. Vielleicht auch für Kinder mit Schreibwarenneigung interessant!

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Am Wegesrand

An einem Kioskfenster hängt ein Zettel: “Alkohol trinken verboten!!!” Vielleicht sind es auch noch mehr Ausrufezeichen, das kann durchaus sein, ich zähle im Vorbeigehen nicht nach. Der Zettel ist schon etwas vergilbt, denn der hängt da in der prallen Sonne. Eine Ecke klebt auch längst nicht mehr richtig, ein Teil des Blattes hängt auf halbmast. Vor diesem Fenster sitzt ein Mann auf einem Plastikstuhl und trinkt Bier aus einer Dose. Der Mann hat nicht den gepflegtesten Gesamtzustand und einen nicht unerheblichen Bauch. Er sieht äußerst zufrieden mit allem aus, besonders aber mit seinem Bier. Der Kioskbesitzer lehnt entspannt neben ihm im Türrahmen und guckt, wer so vorbeigeht. Der Mann mit dem Bier legt jetzt den Kopf in den Nacken, macht die Augen zu und fühlt nach, wie das Bier da in ihm hinunterrinnt und kühlt und irgendwas lindert, also das nehme ich jedenfalls an, dass es das tut. Würde der Mann die Augen jetzt öffnen und nach oben sehen, er könnte den Zettel mit dem Alkoholverbot über Kopf lesen. Der Kioskbesitzer sieht einer Frau nach und sagt etwas, der Mann mit dem Bier nickt ohne hinzusehen. Es ist warm, es ist eigentlich schon heiß, ein wenig schwül vielleicht und die wenigen Menschen, die hier vorbeigehen, wirken angestrengt und müde, es ist spät am Nachmittag.

Es ist ein Vexierbild, nicht wahr, man kann sich aussuchen, wie man das findet. Lässig und locker, wie sich da über ein Verbot hinweggesetzt wird, es mutet doch geradezu französisch entspannt an, liberté wie in dieser einen Zigarettenwerbung da, nur mit irgendwie ungecastet wirkenden Darstellern. Oder es ist einfach nur prollig und blöd, renitent und bockig, wie da der Feierabend den Regeln entgegen verlebt wird, also wenn der da mal überhaupt einen Job hat, der Typ, man weiß es ja nicht, aber nee, vermutlich nicht. Der sitzt da bestimmt immer. Na, man kann es sich aussuchen. 

“Vorstadtfeierabend, dick von Fliederduft, Abendglocken schwingen vogelfrei …” Ich pfeife mir ein uraltes Stück vom Degenhardt, das hat mit der Sache so gar nichts zu tun, also das muss man jedenfalls dringend hoffen, aber was soll ich machen, ich kann die Texte alle noch. 

Ich gehe weiter, mehr passiert hier nicht. Die Platanen werfen schon wieder grünes Laub ab, vermutlich durch die Trockenheit der letzten Wochen. Die großen Blätter am Wegesrand zerknirschen wie Chips unter meinen Schuhen, so klingt der Juni.

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Es fehlt nicht an Schwarzen, die sprechen, sondern an Weißen, die zuhören. Eine Politikerin aus meinem Heimatland. 

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In Italien läuft die Fahrradprämie.

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Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob es so clever ist, jetzt noch Urlaub in Deutschland oder überhaupt irgendwo zu buchen. Wir haben diese eine Woche auf Eiderstedt im Juli, die wir immer mit sehr langem Vorlauf buchen, die kann wohl stattfinden, soweit ich sehe, wenn Schleswig-Holstein da nicht gerade wieder geschlossen wird. Und die nehmen wir auch wahr, denn da können wir auf den Hof, in die Ferienwohnung und dann da einfach bleiben. Das finden die Söhne eh am besten so, ohne diese blöde Ausflüge, was Eltern immer mit Ausflügen haben, es ist eigentlich unbegreiflich, also aus Kindersicht. Nach St. Peter-Ording müssen wir diesmal wohl eher nicht, denke ich.

Hätten wir diese Buchung nicht, ich würde nicht nach etwas suchen, nehme ich an. 

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Bei Anne Tyler bin ich bei “Abschied für Anfänger angekommen”. Und mittlerweile fällt doch sehr auf, dass zwar alle ihre Romane in Baltimore spielen, es diese Stadt in den Büchern aber nicht gibt oder sie nur bestenfalls schemenhaft vorkommt. Da wird nichts beschrieben, man sieht nichts vor sich, keine Gebäude, keine Straßen, keine Landschaft, es blüht nur dauernd irgendwo Hartriegel. Wie blüht Hartriegel? Hübscher als es klingt. Wenn ein Auto in eine Straße einbiegt, dann biegt ein Auto in eine Straße ein, damit ist das auch schon fertig beschrieben. Oh, wie schön ist Baltimore. Da gibt es auch fast keine Gesellschaft, keine Politik, keine unterschwelligen oder offensichtlichen Strömungen, es gibt auch kaum Wetter, es ist nur ab und zu Weihnachten. Das ist alles einfach nicht ihr Thema. Und das ist schon okay, es ist nur in diesem Ausmaß etwas verwunderlich, wie sehr es eine Kulisse nicht geben kann. Es gibt nur die Figuren, die aber sehr. Wie in diesen Vorabendserien, in denen die Kulissen keine große Rolle spielen dürfen, da sie nur Geld kosten, es geht vor allem um die Dialoge, Dialoge sind billig.

Nur dass die Dialoge bei Anne Tyler etwas durchdachter ausfallen und sie es schafft, dass man die Leute genau vor sich sieht, wie sie da über eine leere Bühne gehen. 

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