Insektenhaftes Gezappel

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an einem Fitness-Center vorbei, nein, ich bleibe sogar davor stehen, denn da ist eine Ampel, die ist immer rot. Ich stehe da also an der riesigen Kreuzung inmitten ausgesprochen unerfreulicher Architektur und gucke in den ersten Stock des Fitness-Centers gegenüber. Da gucken alle unwillkürlich hin, die da stehen, denn da oben drinnen bewegt sich was in wirrer Unordnung und alles ist hell erleuchtet, während man sonst in den Büros und Läden ringsum zu dieser Zeit erst wenige Lichter sieht, der Tag beginnt noch.

In dem ersten Stock laufen Menschen entschlossen über Rollbänder, steigen schwitzend auf Stepper oder wie immer die genau heißen, da rudern sie wild und machen Gott weiß welche Übungen, die ich gar nicht mehr korrekt Geräten zuordnen kann, bei mir sind Fitness-Center eine ganze Weile her. Da drinnen geht es jedenfalls bewegt zu, alles ist schnell, alles läuft, hoppelt, hüpft und zuckt und springt.

Mir fiel in dieser Woche zum ersten Mal auf, dass die Bewegungen der Figuren da oben eine ausgesprochen insektenhafte Anmutung haben, wenn man nicht genau hinsieht, wenn man nur so aus dem Augenwinkel wahrnimmt, was da alles hektisch durchs Bild flackert. Wenn man als vorbeikommender Riese das Dach des Fitness-Centers mal eben abnehmen würde – aber nein, man kann das auch andersherum denken. Wenn man im Garten einen Stein aufhebt und die Asseln darunter in wilder Bewegung sieht, vielleicht sind die gar nicht in Panik. Vielleicht machen die gerade Sport.

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Ich habe das Büro bereits gegen Mittag verlassen, weil ich hexenschussbedingt eher zur Erheiterung der Kolleginnen und Kollegen im Großraumbüro beitrug als zum sinnigen Fortgang der Arbeit.

Zu Hause, bevor ich zur Unzeit ins Bett sank, habe ich noch gelassenen Gemüts Einladungen zu Weihnachtsfeiern in den Müll versenkt, denn das immerhin habe ich in den letzten Jahren gelernt, Weihnachtsfeiern sind eine Erfindung des Teufels und den Dezember terminlich zu verschlanken, das ist eine hohe Kunst, in der ich gewisse Ambitionen habe, wenn schon sonst nirgendwo mehr.

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Ein neues Hörbuch gehört, Heinrich Bölls “Ansichten eines Clowns”, auch so eine Bildungslücke. Da gibt es eine Stelle, an der der Erzähler die Cognakflasche “zurück in den Eisschrank stellt”. Gab es tatsächlich mal eine Zeit, in der man Cognak eisgekühlt getrunken hat? Hatte Böll keine Ahnung? Der Ich-Erzähler nicht? Spinnen die Rheinländer? Wegen solcher Stellen verpasse ich dann grübelnd glatt die nächsten zehn Minuten des Textes. Schlimm.

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Musik! Die Tipps in den nächsten Tagen mal wieder von Sohn I. Fleur East mit Sax. Musik, zu der sie in der Schule im Dance-Kurs tanzen.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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Eine leergesungene Grille

Ich lese in Peter Rühmkorfs Tagebuch und zitiere einen ziemlich novembertauglichen und also eher grauschwarzen Ausschnitt aus dem Jahr 1971 über biografisches Schreiben, man könnte sich noch, der Zeit voraus greifend,  irgendwas mit Blogs dazu denken, wenn es denn beliebt:

“Weiß genau, warum ich vor solchen Bilanzen immer einen gewissen Bammel gehabt hab: es hat nicht nur mit Biografie, es hat auch mit Zugrabetragen zu tun. Ameisen, die eine leergesungene Grille zu Grabe tragen. Nebenher der aus dem gleichen Impuls gepeiste Versuch, ein Tagebuch zu führen: noch fallfrisches Laub zusammenharken und darauf hoffen, daß sich aus welken Blättern ein Komposthaufen bildet. Während das Weltkind immer lustig in den Tag rein lebt und seine Schritte nicht zählt, denken Chronist und Tagebuchschreiber immer heimlich an die Nachwelt: eine Festschrift in eigener Sache, die sich andersherum als Testament lesen läßt. Heute morgen anfallsweise alte Briefe sortiert und dabei viele Schrecken bekommen. Daß man so etwas einmal gewesen sein soll – diese sich selbst in diesem kleinen Rahmen noch blähende Imponierfigur. Hochfahrenheit und Wichtigtuerei bis tief in die Syntax. Kein Triumph. Nur Elend.“

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Ansonsten bin ich gerade mit Hörbüchern glücklich liiert, nach dem seligmachenden Stechlin den geradezu grandios von Dieter Mann gelesenen Professor Unrat von Heinrich Mann, und das ist dann übrigens so dermaßen gut gelesen, das hat schon einen nicht unerheblichen Erlebnisvorteil gegenüber dem gedruckten Buch.

Man kann natürlich auch inhaltlich eine Linie zwischen den beiden Büchern ziehen, vom untergehenden preußischen Landadel zum Kult der wilhelminischen Strenge und zur moralischen Abgrenzung der besseren Gesellschaft, doch, das passt schon. Dazwischen hatte ich neulich ja die Reimann, die über das nochmalige und sie überraschende Erstarken der preußisch-militärischen Tradition in der DDR schrieb und jetzt, um mir noch eben einen passenden Abschluss des Fontane-Jahrs zu inszenieren, höre ich die “Birnen von Ribbeck”, das ist ein Roman von F.C. Delius, gelesen von Christian Brückner.

Ein Roman, in dem das sattsam bekannte Birnengedicht zur Abwechslung als Übergriff ausgedeutet wird, wie überhaupt die Geschichte des Dorfes als eine Geschichte von vielen Übergriffen dargestellt wird und die Pointe, dass dieser Roman von Delius natürlich nur ein weiterer Übergriff ist, die ist nun wirklich nicht schlecht.

Gerne gehört, das alles, es sei alles auch ausdrücklich empfohlen (sämtlich bei Spotify verfügbar).

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Ferner gibt es ein neues Album von Leonard Cohen, eine echte Nanu-Nachricht, wie isses nun bloß möglich? Und ist es gut? Spoiler: Ja, ist es. Und das Wetter passt hervorragend zu neuen Songs von ihm, wie schön und gelungen ist bitte das Timing.

 

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Sohn II fragte mich nach all den Schlüssen an meinem Bund. Ich habe sie dann Stück für Stück erklärt, dieser ist für die Haustür, dieser ist für die Bürotür und immer so weiter, irgendwann wunderte ich mich aber über seinen Blick, der ganz so aussah, als hätter er zumindest leise Zweifel an meiner geistigen Gesundheit. Ich spulte im Geiste ein paar Schlüssel und Erklärungen zurück, fand aber nichts, was bemerkenswert irrsinnig klang, also zumindest nicht aus meiner Sicht. Da der Sohn aber immer irritierter aussah, fragte ich irgendwann nach, Kommunikation soll ja manchmal helfen, habe ich gelesen. Und tatsächlich, es stellte sich heraus, dass er meine vollkommen harmlose Formulierung “und dass sind meine beiden Laubenschlüssel” als philosophischen Affront missverstanden hatte, als väterlichen Kulturspaß der allerdämlichsten Sorte, als typische Erwachsenenüberheblichkeit belehrender Art, was er verstanden hatte, das war nämlich: “Und das sind meine beiden Glaubensschlüssel”, was für ihn in der Tat ein zureichender Grund war, an meinem Verstand und meiner Vorbildfunktion erheblich zu zweifeln.

Wir haben es geklärt und können bei nächster Gelegenheit in Frieden weiter philosophieren.

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Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich am frühen Morgen einen jungen Mann, der in einen Mietsmart steigt. Er setzt sich, er schnallt sich an, er fummelt an den Knöpfen vor sich herum, dann schmettert dröhnend laute Musik aus dem kleinen Auto, Musik, die er sicher voll aufgedreht hat. Und vielleicht ist es ja eine besonders gute Art, einen Montag zu beginnen, man müsste es einmal probieren. Das Stück jedenfalls, dass man recht weit hören konnte, das war dieses:

 

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Ich weiß es doch auch nicht

Nach dem letzten Text wurde ich auf FB gebeten, den Hauptbahnhof doch bitte etwas besser wegkommen zu lassen. Das will ich gerne tun, selbstverständlich doch, bitte sehr, bitte gleich, ich mache mir die Welt …

Gleich am nächsten Morgen also bin ich in ausdrücklich positiver Erwartung zur Bahn gegangen, es schlug mein Herz, geschwind zum Zug. Und ich nahm mir vor, dem Stimmengewirr dort irgendetwas zu diesem Zwecke zu entnehmen, quasi Collageneffekt, nicht wahr, das kennt man, O-Töne einsammeln, immer super, alles so echt hier. Ich durchschritt die morgendliche Menge tatsächlich mit dem Notizbuch in der Hand, aufnahmebereit wie ein Boulevardreporter im letzten Jahrhundert, den Stift im Anschlag. Allerdings vernahm ich weitgehend überhaupt nichts, nur undeutliches Geraune und Genuschel, für mehr oder weniger literarisch sein sollende Zwecke dürften die Menschen gerne ihre wenigen Zeilen in halbwegs anständiger Lautstärke deklamieren, echtjetztmal, das geht so nicht. Was ich einzig verstand, das war ein in besorgtem Tonfall gesprochener Satz zwischen zwei Frauen, es war so ein Satz mit offenem Ende: “Wie sie aber damit die Schule schaffen soll …” Und die andere nickte daraufhin mit einem vielsagenden Blick.

Das war mir natürlich noch nicht positiv genug, Kreativität hin oder her, ich kann auch nicht aus allem etwas machen. Aber dann! Drei Meter weiter, diesmal ein Satz zwischen zwei Männern: “Das muss er dann aber irgendwie schaffen.”

Das sind jetzt nicht gerade strahlende Beispiele von Lebensmut und Frohsinn, aber wenn man eine etwas intimere Beziehung zum Zufall hat, dann freut man sich ja auch schon über solche Satzpaare. Zweimal Schaffen, einmal zwei Frauen, einmal zwei Männer, einmal sie, einmal er, das hat doch eine gewisse Ästhetik, und ich dachte mir also: Immerhin!

Ansonsten schwiegen aber alle, lauter stille Menschen auf den Bahnsteigen, keine Äußerungen, kein Satz, nichts, nur das übliche, immer leicht beleidigt wirkende Warten. Und die langweiligen Lautsprecherdurchsagen: “Auf Gleis 3 fährt ein …”, da hört man aber kaum hin, so sehr ist das längst Gewohnheit. Dann schließlich doch noch ein Satz, der mir auffiel, einer wenigstens noch, auch der kam aus den Lautsprechern: “Noch einmal die Türen lösen …”

Die folgende Assoziation ist jahreszeitlich nicht mehr ganz passend, wofür ich um Verständnis bitten muss, meine Assoziationen gehen etwas nach. Aber diesen Satz, der doch seine eigene Schönheit hat, wenn man es recht bedenkt, noch einmal die Türen lösen, diesen schlichtschönen Satz mit lyrischem Potenzial, den können wir uns nehmen, entleihen und remixen, etwa in dem wir ihn einfach mal ohne Schaden am Rhythmus bei Benn einbauen, mitten in die Astern rein, gucken Sie mal:

“Noch einmal die Türen lösen,

den Rausch, der Rosen Du –

der Sommer stand und lehnte

und sah den Schwalben zu.”

Nun gut. Die Schwalben sind längst fort und wir müssen uns mit anderen kleinen Wesen begnügen, etwa mit dem, was jetzt fast etwas bedenklich nah an der Gleiskante herangelaufen kommt, ein Mädchen von etwa sechs Jahren in einer roten Regenjacke, das eine rote Mütze trägt und singt und lacht und tanzt, ein Wirbelwind ohne erwachsene Begleitung, der ist da für gute Laune zuständig und macht das sehr gut, auch wenn die wartenden Erwachsenen dem Mädchen alle nachsehen, ohne auch nur die geringste Regung im Gesicht zu zeigen. Sie bleibt in ihrer Rolle und wirbelt und lacht und singt und springt, da muss man dann gar nichts tricksen, das kann man als das Positive schlechthin einfach durchgehen lassen und ich könnte jetzt hier aufhören.

Aber der Blick fällt noch eben auf einen alten Mann. Der sitzt alleine auf einer Bank und er fällt schon deswegen auf, weil sonst niemand hier so alt ist. Es ist Rushhour, alle fahren zur Arbeit, alle sind beschäftigt, viele sind jung, etliche sind so mittelalt, richtig alt aber ist niemand, ist nur dieser Mann, der da ruhig sitzt, alleine auf einer Bank mitten im Bahnhof, mitten im Gedränge, und es ist ein erhebliches Gedränge und Geschiebe. Der guckt sich um, besieht sich freundlich die Menge, schüttelt den Kopf. Das sieht etwas komisch aus, denn er trägt eine dieser seltsamen Mützen mit altmodischen Ohrenklappen, die schlackern etwas, wenn er den Kopf bewegt. Er schüttelt also den Kopf und ab und zu hebt er die Schultern und die Hände ein wenig, mit den Handflächen nach oben. Er sagt nichts dabei, aber wenn er etwas sagen würde, ich möchte es fast wetten, dann wäre es ein Satz mit einem milden Bedauern: “Ich weiß es doch auch nicht.” Genauso sieht es aus, genauso sieht er aus.

Und wenn man es aber in diesem ehrwürdigen Alter auch nicht weiß, dann kann ich ja für heute, so denke ich mir jedenfalls, das Grübeln einfach mal einstellen, es bringt ja doch nichts.

Ich mache mir eine Playlist an, die hat irgendwas mit “Calm” im Titel. Ich fahre mit traulichen Klängen zugedröhnt ins Büro, denn irgendwo muss die Harmonie ja herkommen.

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Und nun 12 Minuten Bedouine. Und mehr wären auch in Ordnung gewesen.

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Möwen am Morgen

Am Morgen der Gestank der brennenden Mülleimer am Hauptbahnhof. Immer wieder brennen die, weil die Leute da brennende Kippen reinwerfen, und dann qualmt es stundenlang, weil es keinen interessiert, wenn es da kokelt, man kann ja auch nicht für alles zuständig sein. Beißende Rauchfäden im Bahnhof und darum herum, ein selten gemeiner Geruch. Einige Meter neben dem nächsten Mülleimer liegt ein Obdachloser, der sich bepinkelt hat und der, den krümmenden Bewegungen nach zu urteilen, gleich auch noch kotzen wird. Noch einige Meter weiter ein haltloser Mensch, der auf dem Boden sitzt und seinen Kopf nach hinten gegen die Wand haut, immer wieder. Neben dem sitzen noch zwei, die ganz so aussehen, als hätten sie die Nacht da verbracht, die gucken leer und sehen elend aus, haben aber mit dem anderen, so kann man jedenfalls vermuten, keinen weiteren Zusammenhang, die bilden da nur zufällig ein Trio des Unglücks und wissen es gar nicht, die sehen sich auch nicht an, die sehen überhaupt nirgendwo hin, die sehen nur aus. Überall hasten böse blickende Menschen herum, es ist Montag, es ist früh, es ist grau und es sind enorm viele andere da, die alle im Weg herumstehen und Rollkoffer brachial vor fremde Füße zerren und nervtötend langsam Treppen steigen und rudelweise Fahrstühle blockieren und auf Rolltreppen links Poller spielen und unten auf den Gleisen ruppig in die Bahnen drängeln, als käme niemals eine andere mehr, sind wir hier auf der Flucht oder was.

Auf dem Bahnsteig wird irgendwas durchgesagt. Brülllautes Genuschel, da versteht man auf einmal nicht mehr, was über die Kopfhörer aus dem Handy kommt, wenn man das aber im Gegenzug noch lauter macht, bläst es einem erstens die Ohren weg, versteht man zweitens die Durchsage nicht, und die muss man doch verstehen, wenn man sich korrekt aufregen will, weil wieder etwas aus irgendeinem Grund nicht fährt, ausfällt, sich unbestimmt verspätet und die Menge murmelt kollektiv: „Mann, Mann, Mann!“ Da will man ja mitmurmeln, will man doch, und dann rollt man gemeinsam Augen, das ist besser als gar keine Gymnastik.

Aus einem Kiosk riecht es durchdringend nach Zimt und Franzbrötchen und Kaffee, Gemütlichkeit to go, wenn man sich die Kunden aber so ansieht, dann nützt das auch nichts, rein gar nichts nützt das.

Über einen rappelvollen Bahnsteig laufen Menschen mit Warnwesten, die Westen besagen sicher, dass die Träger eine Funktion ausüben, es weiß aber keiner, worum es sich dabei handelt. Sie machen nichts, die Westenträger, sie reden nicht, sie weichen jedem Blickkontakt aus, aber sie sind da und vielleicht ist das ja gut so, man kann auch nicht alles wissen. Der eine Westenträger stemmt die Hände in die Hüften, sieht über die Menge und schüttelt missbilligend den Kopf, aber dafür müsste man nun wirklich keine Weste in Warnfarbe anhaben, um hier alles zu missbilligen, das könnte man auch so, wie ein Profi könnte man das.

Wo sich der Bahnhof zur Stadt hin öffnet, da sieht man halb abgerissene Hochhäuser, wie im Krieg sehen die aus, nein, eher wie nach dem Krieg, Fassaden mit blinden Fenstern, freistehende Wände, daneben die Bagger. Und überall rote Signallichter, kreischende Züge und S-Bahnen.

Wenn man aber hochsieht, dann sieht man im morgengrauen Himmel lichte Möwen, die fliegen in geschmeidiger Eleganz schönste Kurven in den Werktagshimmel und sehen unbändig frei wie immer aus und ab und zu lachen sie laut, grelle Häme aus der Luft. Wobei sie gar nichts zu lachen haben, denke ich mir, denn später essen sie hektisch und gierend verschimmelten Döner aus einem aufgerissenen Abfallsack neben der Methadonausgabestelle, da rettet das weiße Outfit irgendwie auch nichts mehr. Aber diese Kurven da oben – schon schön!

Davon abgesehen war ich den ganzen Tag vollkommen grundlos und geradezu befremdlich gut gelaunt. Ich beobachte mich voller Skepsis, versteht sich. Überall dranbleiben, auch an Merkwürdigkeiten, quasi Chronistenpflicht.

Eben gerade, es ist mittlerweile ein stockdusterer Novemberabend geworden, meldet die Herzdame per Handy, dass ihre Bahn nach Hause nicht fährt, ganz lapidar steht da “Leiche im Gleisbett”. Und augenblicklich geht es einem noch gold.

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Nur als Furioso nichts erstreben

“Sie haben die Energie für dieses Jahr verbraucht und leben nun mit gedrosselter Geschwindigkeit weiter.” So in etwa die Anzeige auf dem Display vor meinem inneren Auge. Ich schließe mich der neulich bereits verlinkten Kiki an, ich gebe auch der Kaltmamsell recht, die neulich hier in einem Kommentar “Windmühlen einfach mal stehenlassen” als Lebensziel pries, ich halte mich ferner an den ollen Fontane:

Nur als Furioso nichts erstreben

Und fechten, bis der Säbel bricht,

Es muß sich dir von selber geben –

Man hat es oder hat es nicht.

[…]

Und was man da so alles nicht hat, nicht wahr. Wir können uns das übrigens auch vorsingen lassen, dann muss man sich nicht einmal um ein Buch bemühen oder googeln, gucken Sie mal hier.

Ich war drei Abende nacheinander aus, und das sollte ich nicht machen. Obwohl jeder Abend richtig und sinnvoll und auch gelungen war, das kostet mich zuviel Energie, das sind mir zu viele  Eindrücke. Die Dosis macht das Gift und am vierten Abend dann ein Gefühl wie abgeschaltet, bewegungslos vor der Tastatur, Wand anstarren und Testbildvisionen. Unangenehm.

Apropos vor der Tastatur. Sohn II, der ja auch vom Schreiben befallen ist, hat mir gestern kurz und bündig erklärt, warum er schreibt, es ist im Grunde eine so gelungene Zusammenfassung, die spart einem ellenlange Essays und Motivationsanalysen, ich darf hier zitieren: “Schreiben ist eine ruhige Beschäftigung, man muss keinen Aufwand treiben und in keinen Verein eintreten und nicht rausgehen, außerdem geht es auch abends.”

Bitte sehr, da ist alles drin, das nehmen wir so, Grundlage der Weltliteratur.

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Im Vorübergehen gehört, es klingt wie ein Scherz, aber so ist es hier um mich herum, seit mehr und mehr Consultants um die Ecke arbeiten:

“Und dann mache ich noch etwas next level on top.” 

“Oh, toll.”

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Ich lese gerade Joan Didions “Das Jahr des magischen Denkens”, übersetzt von Antje Rávic Strubel, das ist wahrlich ein Novemberbuch, es geht um Tod und Verlust und um ihre Art, damit umzugehen.

Am Dienstagabend, den Zusammenhang stelle ich erst in paar Sätzen her, Moment bitte, war ich in einem Theaterstück, das wurde aufgeführt von einer 12. Klasse, es war der Klassiker “Die Mausefalle”. Der Sohn einer befreundeten Mutter spielte mit  und war in seiner Rolle übrigens der vergnügliche Lichtblick der Woche, aber das nur nebenbei. Ich mag Schultheater, ich mag das Unperfekte und die Leidenschaft, das durchbrechende Talent oder auch das stoische Durchspielen. Ich mag auch den Einsatz geringer Mittel, um Bühnenbild und Kostüme herzustellen. Meistens ist ja doch mindestens ein Mensch auf der Bühne, bei dem man unwillkürlich so etwas wie “Oha!” denkt, und auch “Der kann es aber wirklich!” oder auch die, versteht sich. Das war in diesem Fall ein junger Mann aus Syrien, der da auf die Bühne kam, zwei Schritte tat und sofort so etwas von da war, sofort den Saal hatte – das ist eine große Freude, so etwas zu sehen. Auf der Bühne alte Sessel und eine Stehlampe, das Mobiliar hätte im Wohnzimmer meiner Großmutter damals stehen können, so überaus vertraut kam mir das vor. Möbel aus den Sechzigern, wenn ich die designgeschichtlich richtig rate.

Ich saß da also im Zuschauerraum und sah diesen Sessel neben einem nur angedeuteten Kamin und unter dieser uralten Stehlampe und ich dachte jedenfalls: “Jetzt so im Sessel sitzen. Mit einem Buch. Das wäre wahnsinnig entspannend.” Das aber ist auch schon magisches Denken, denn natürlich lösen sich Verspannungen aller Art und Probleme en gros nicht durch Sessel und Stehlampen, aber es ist irgendwie doch schön und tröstlich, es wenigstens kurz für möglich zu halten. Therapeutisches Sitzen!

Apropos Probleme. Am Montag war ich in den Niederungen der Lokalpolitik unterwegs, wo ich stets nur Zuschauer bin, da ich mich da nicht auch noch verrennen kann. Es ging auch um Verkehrspolitik, um im Grunde so simple Fragen wie etwa: “Wo soll der Bus fahren?” Das sind Fragen, die in Wahrheit natürlich überhaupt nicht simpel sind, ungeheuer kompliziert sind sie, enorm dicke Bretter stellen sie dar. Es ist das eine, eine andere Verkehrspolitik zu wollen, es ist das andere, sie hundert Meter vor der Haustür umzusetzen. Mir fiel aber wieder etwas auf, das vielen nicht ganz klar ist, vermute ich jedenfalls. Man kann, wenn man denn will, schnell und direkt Einfluss nehmen. Nicht nur durch wildes, zeitraubendes Engagement, auch schon durch Fragen und Anmerkungen, das geht und es findet statt. Man kann auch ziemlich schnell etwas werden, ein Ämtchen oder ein Funktiönchen bekleiden, wenn man das denn möchte, und ich habe oft den Eindruck, dass wirklich nicht allgemein bekannt ist, wie unfassbar leicht das geht. Demokratie ist eine Mitmachgesellschaft, man kann hingehen und anfangen, an so vielen Stellen.

Am Mittwoch war ich auf dem hier im Blog beworbenen Abend der Körber-Stiftung, da ging es um Chancen im Exil, um Möglichkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Da saßen Experten und Betroffene und diskutierten, es saßen viele Ehrenamtliche im Publikum und obwohl das alles eigentlich gar nicht mein Thema war – es ist doch gut, sich so etwas einmal anzuhören, weil es ein Gefühl dafür vermittelt, dass Probleme in Bearbeitung sind. Das ist ab und zu ganz gesund, denn die Lage da draußen besteht nicht nur aus Nachrichten, zu der Lage da draußen gehören auch Menschen, die unentwegt etwas tun und die geläufig über “Anpassungsqualifizierungsmaßnahmen” sprachen, es war der Running Gag des Abends. Weil man mit solchen Begriffen eben zurecht kommen muss, wenn man sich dem Thema Beruf hier als Ankömmling stellt, es ist natürlich ein Wort, das in seiner Ungeheuerlichkeit schon selbst wie eine Maßnahme wirkt. Die Gäste aus Syrien oder Afghanistan sprachen es hochkonzentriert fehlerfrei aus und der Saal lachte, es ist immer gut, wenn man über sich selber und auch über seine Sprache lachen kann.

Aber auch Geschichten fallen ab, wenn man zu solchen Abenden geht. Eine wurde von Faisal Hamdo erzählt. Als er in seinem Beruf, er ist Physiotherapeut, anfing und noch kein perfektes Deutsch sprach, behandelte er einen alten Mann, der im Gespräch zu weinen anfing und dann entschuldigend sagte: “Ich bin nahe am Wasser gebaut.” Und Faisal Hamdos Reaktion war völlig angemessen auf diese überaus rätselhafte Mittelung, denn was hatte sein Haus am Wasser jetzt bloß mit der Situation zu tun? “Ach, das ist ja schön.”

Womit sich der seltsam gewundene Kreis dieses Eintrags schließt, denn auch das Haus, in dem wir wohnen, wurde nah am Wasser gebaut, und an dem gehe ich jetzt sinnend spazieren und denke über das Vermögen nach, strukturierte Texte zu schreiben. Man hat es oder man hat es nicht.

Egal. Es ist Mitte November, schon drüber, die Not-To-Do-Liste wird täglich länger.

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Langweiliger und stubenhockerischer

Ein Verriss des Mannes ohne Eigenschaften. Man findet ja immer die Verrisse der Werke hilfreich und richtig, an denen man selbst gescheitert ist. Mit Musil jedenfalls bin ich nie weit gekommen und habe auch tatsächlich bei keinem Versuch verstanden, was denn daran so toll sein soll. Meinetwegen kann das Buch dennoch ganz wunderbar sein, nur eben nicht für mich.

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Ich habe die Briefe der Brigitte Reimann an ihre Eltern durch und bringe hier eben noch selbstbezichtigend das folgende Zitat an: “Die neuen Generationen werden immer langweiliger und stubenhockerischer, findet ihr nicht auch?”  So schreibt sie 1967.

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Meine Rede – mit der Hand notieren und am Computer zu Ende texten. Das beste aus beiden Welten.

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Bewundernswert einfach

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Mehr Zeit bleibt mir heute nicht, das kommt davon, wenn man Abendtermine hat. Aber so drei Links und ein Zitat, das ist ja auch wieder mehr als nichts, so unter uns bescheidenen Menschen. Morgen mehr! Na, oder übermorgen.

Ich höre währenddessen den Stechlin von Fontane bis zum bitteren Ende, das im Text schon unmittelbar bevorsteht, nur noch ein paar Leseviertelstunden. Es ist das dritte Mal, dass ich dieses Buch genieße, ein großes Spätwerk und eindeutig ein Roman, der besser wird, je älter man selbst beim Lesen ist. Nie vorher ist mir etwa aufgefallen, dass der Erzähler einmal – und einmal nur! – sich an die Leserinnen wendet und vollkommen unvermittelt sagt, ich zitiere aus dem Gedächtnis, “Die anderen Gäste der Hochzeit waren uns schon bekannt” und man wird da also auf einmal von einem “uns” umarmt, es hebt sich anz seltsam vom Rest der Seiten ab, und wenig Seiten sind das ja nicht gerade. Als würde der Herr Autor kurz rüberwinken, so wird man da also auf einmal geunst. Doch, es ist ein herrlicher Roman.

Alte weiße Männer in freundlichst ironischem Licht betrachtet, man gerät da beim Lesen oder Hören unversehens in so eine verständnisvolle, verzeihende Grundhaltung, es wird einem ganz unzeitgemäß zumute.

Aber freundliche Ironie hat eben, wie wir heute alle wissen, geschichtlich auch weiter nichts genützt.

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Ein blumiger Beitrag

Mein Haupttext steht heute wieder einmal nicht hier, der steht drüben beim Goethe-Institut. Hier bleibt mir nur, das noch musikalisch zu unterfüttern, wozu wir zwei Legenden auf die Bühne bitten: Neil Diamond und Barbara Streisand.

Wobei ich Ihnen aber eine weitere, künstlerisch womöglich anspruchsvollere und auch ernstere Version nicht vorenthalten möchte.

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Rühmkorfs Briefwaage

Ich habe mich heute eigenmächtig von der Truppe, pardon, der Familie entfernt und war endlich im Altonaer Museum, bei „Lass leuchten!”, das war mir doch eine Herzensangelegenheit. Natürlich immer so eine Sache, Ausstellungen zur Literatur, textlastig wie nur was, auch wenn man da heute, Generation Powerpoint, mit Animationen und Projektionen alles belebt und helle erhebt – es bleibt doch Text. Nur Text. Und wenn der Zauber, aus diesem Text Welten und Paradiese werden zu lassen, in der geneigten Besucherin nicht bereits angelegt ist, dann taugt das wohl nichts, nehme ich an. Und es muss ja auch gar nicht für alle taugen. Wie etwa ich mich in einer Ausstellung über Fayencen und Keramik mutmaßlich zu Tode öden würde, während andere da voller Begeisterung von Objekt zu Objekt gieren – das ist ja alles in Ordnung so. Wer aber literarisch angefixt ist, für den ist das mit großer Sicherheit was, und wer Rühmkorf las oder liest, der wird es eh bereits als Pflichtprogramm auf dem Zettel haben.

In einer Vitrine steht dort Rühmkorfs Briefwaage, in einer steht seine Dope-Dose, in einer seine Olympia-Schreibmaschine. Da steht man dann so davor.

 

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Ich hatte einen leisen Verdacht, gerade bei der Briefwaage: Wie die Menschen sinnend da herumstanden, wie sie näher rangingen ans Glas und dann auch das Schildchen daneben studierten, auf dem natürlich “Briefwaage” stand, wie sie schließlich doch wieder einen Schritt zurücktraten und dann abschließend und schon halb im Weitergehen sicherlich dachten: “Nun ja, seine Briefwaage eben”, genau dieser kleine Moment, dieses Situatiönchen nur, das wäre doch etwas für ihn gewesen. So eine Beobachtung am Rande, darüber würde er, ich möchte fast darauf schwören, später am Tag in seiner Mansarde über der Elbe ein paar Zeilen schreiben, wäre er denn noch unter uns.

Und würde er spuken, dann würde er sicher im Museum sein und den Besuchern hier so grinsend über die Schulter, aber jede Wette doch –  da habe ich mich kurz umgedreht.

 

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Was ich also nur kurz sagen wollte, ich mochte die Ausstellung.

Noch einmal mein Lieblingsstück, das muss jetzt einfach so. “Wenn ich mal richtig ich sage, wieviele da wohl noch mitreden können?” Immer wieder gut.

 

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Im Auto im Regen vor einem Container

Ein Blogeintrag mit einem ganz wunderbaren letzten Satz.

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Im Tagebuch aus dem Jahr 1962 stellt Sandor Màrai bei einem Besuch in Hamburg zwar keine Fremdenfeindlichkeit, aber doch eine Fremdengereiztheit fest – wenn der wüsste, was daraus geworden ist. Wie sehr dass mittlerweile als verniedlichender Begriff wirkt, Gereiztheit. Er notiert da außerdem, dass die Gastarbeiter oder deren Nachfahren, so sagte man damals, später zu einem anderen Typ des Europäers werden sollten, unabhängiger von nationalen Konstrukten wie etwa Belgien, Deutschland etc.. Na, was man damals so geträumt hat.

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Im Vorübergehen gehört, ein Mann in einem irritierend nach den Achtzigern aussehenden Business-Outfit am Handy:

“Das kostet dann 500 Euro … das ist Flug und Hotel … ja … das stimmt … eine Luftmatratze irgendwo wäre billiger, ja.”

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Neulich saß ich im Auto im Regen vor einem Container für Gewerbemüll, man kann ja nicht nur glamouröse Momente im Leben haben. Ich saß da und las, was soll man auch sonst machen, wenn man auf etwas warten muss, etwa auf Söhne. Zwischendurch sah ich kurz hoch und mein Blick fiel auf diesen Container. Der war sehr voll, oben quollen schon die prallen Säcke heraus, zwei nasse Plastikwülste, einer rosafarben und einer blau. Und das, so dachte ich, ist auch wieder nur konsequent, das in dieser Gesellschaft mittlerweile sogar schon der Gewerbemüll nach Geschlecht getrennt wird.

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Der Sohn lernt Vokabeln, jede Woche schreiben sie einen Test in Französisch, einen Test in Englisch, da kommt etwas zusammen. Noch komme ich ganz gut mit, das wird sich natürlich irgendwann ändern, besonders im Französischen. Im Englischen war mir aber auch gerade ein Begriff nicht geläufig, nie gehört das: “partially sighted” für sehbehindert. Das kann man sich zwar leicht erschließen, aber ich denke, ich habe das niemals wirklich gelernt oder auch nur bewusst gesehen. Partially sighted, okay, jetzt weiß ich es. Neue Generationen lernen andere Vokabeln, was weiß ich denn, wie wichtig das Wort heute ist, das kann man vielleicht schon mal gebrauchen, denke ich mir. Ich sage also “sehbehindert” und der Sohn schreibt genervt auf, was da aufzuschreiben ist, auch wenn er nicht recht einsieht, warum sie nun ausgerechnet diese Vokabel, wozu denn die nun wieder – aber gut, solche Gespräche führen bekanntlich zu nichts. Schule, Lernen, fertig, manche Sachen ändern sich wohl nie.

Der Sohn also notiert und versteht erst mein Lachen gar nicht, als ich seine Vokabeln korrigiere und sehe, was er da geschrieben hat. Da ist ihm nämlich die Gegenwart dazwischen gekommen, die Gegenwart und der Druck der Werbung, die digitale Welt, das halb abgespeicherte im Unterbewussstsein – sehbehindert hieß bei ihm jedenfalls: “parship sighted.”

Falls Sie mit diesem Portal oder einem ähnlichen irgendwelche Erfahrungen haben – passen Sie bloß auf mit den Sehstörungen.

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Sohn II brach sich währenddessen wieder etwas und wir wissen jetzt, dass man damit beim dritten Mal schon etwas routinierter umgeht. Es tut aber, so sagt er, und ich will es ihm gerne glauben, so weh wie beim ersten Mal.

Schreiben und Reiten kann er jedenfalls ein paar Wochen vergessen, da fühle ich mit ihm. Also beim Schreiben jedenfalls.

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Es gab Kohl

Und zwar, es folgt ein für manche gar finsteres Wort, Rosenkohl. Den esse ich hier gewohnheitsmäßig ganz alleine und drei andere sehen staunend und schaudernd zu, siehe in diesem Zusammenhang auch Leber oder Labskaus.  Rosenkohl also, ein ungemein schmackhaftes Wintergemüse, es wurde diesmal im Ofen zubereitet mit Pecannüssen, Apfel, Zwiebel und Petersilie, und das ist dann so gut, da braucht man keine Beilage und nix, das geht so als Hauptgang durch. Also bei mir jedenfalls.

Es handelte sich um ein Rezept von Oliver Trific aus dem ohnehin guten Buch “USA vegetarisch”, das ist aus der von Katharina Seiser herausgegebenen Reihe, die hier schon öfter vorkam. Ich hatte aus diesem Buch vor einiger Zeit einmal den Butternusskürbis hier präsentiert, der war ebenfalls, pardon, saugut.

Und weil auf Instagram gleich Nachfragen nach dem Rezept kamen, bitte sehr, bitte gleich. Ich verschlanke die Mengenangaben, denn wenn ich das aus dem Handgelenk kann, dann können Sie das auch, echtjetztmal.

 

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Mis en place: Rosenkohl, Zwiebel, Apfel, Petersilie, Pecannusskerne, Salz, Pfeffer, Bratöl.

Sie nehmen also den Rosenkohl, ich hatte da diese supermarktübliche Beutelmenge. Der Kohl wird am Stumpf etwas gekappt, die äußeren Blätter fliegen wie immer in den Kompost. Das von der Mutter gelernte kreuzweise Einritzen des Stumpfes lassen wir hier einmal weg, das kam da nicht vor, es ging auch so. Stark!

Danach schneiden Sie eine Zwiebel in irgendwas, Ringe, Würfel oder was Sie halt so draufhaben, es ist vollkommen egal. Ein Apfel wird entkernt und in Viertel, Achtel oder was auch immer geschnitten, er wird aber vorher bitte nicht geschält. Greifen Sie zweimal in die Tüte mit den Pecannüssen, die Ergebnismenge dann grob hacken.

Pecannüsse gab es hier übrigens nirgendwo, in keinem der Edel- und Fachgeschäfte, ich fand sie dann ganz banal bei Lidl. Nanu.

Der Kohl wird in einer Pfanne mit etwas Öl kräftig angebraten, er darf also ruhig an etlichen Stellen farblich eine ordentliche Veränderung durchmachen, wobei man aber, Achtung bitte, es folgt ein Spitzenwortwitz, auf eine kohlschwarze Verfärbung verzichten sollte. Im Bild oben sieht man deutlich, dass es noch mehr Farbe hätte sein dürfen.

Nebenbei den Ofen auf 210 Grad vorheizen.

Den Rosenkohl aus der Pfanne nehmen, die Zwiebeln dafür hineingeben und anbraten, bis sie heimelig herbstlich aussehen. Die Apfelstücke auch dazu geben und kurz mitbraten. Etwas gehackte Petersilie jetzt auch dazu, bzw. darüber.

Alles in eine ofenfeste Form geben (auch die Nüsse), salzen, pfeffern und vermengen. Im Ofen cirka 25 Minuten oder etwas mehr garen, je nach Rosenkohlgröße, zack, fertig.

Das gibt es jetzt öfter.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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