Jetzt ist schon wieder nichts passiert

Die liebe Frau im Walde.

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Ich gehe nach wie vor sehr viel durch die Gegend, es passiert aber nichts dabei, also fast nichts. Ich sehe keine Szenen, die ich im Blog lang und breit beschreiben könnte, ich erlebe keine halben Geschichten, ich fange nicht einmal bemerkenswerte Dialoge im Vorbeigehen auf, es gibt gerade eine kleine Flaute. Die liegt vielleicht auch am Wetter, es gibt da draußen nämlich gerade ein äußerst langweiliges Großstadtgrau mit mauer Temperatur, nicht warm, nicht kalt, dazu ein gelegentlicher hauchdünner Nieselregen, den kann man nicht einmal als typisch hamburgisch oder norddeutsch bezeichnen, den kann man nur ex negativo definieren, der ist einfach nur kein gutes Wetter. Die Stadt sieht im Licht dieser Tage unschön aus, unfotogen, dreckig, verkommen und verbaut, wobei die an den Straßenrändern liegenden Tannenbäume eine fein deprimierende Note ergänzen, wie sie da abgetakelt zurückgelassen wurden, wie sie nadeln und nass werden, vorbei die ganze Herrlichkeit. Nächste Woche werden sie alle abgeholt.

Im letzten Jahr lag der erste Tannenbaum hier bereits am Abend des 24.,12. vor der Tür, er war nicht einmal richtig abgeschmückt. Der war sicher Teil einer dramatischen Geschichte, Familienkrach für Fortgeschrittene oder so etwas, da ist Weihnachten irgendwo gründlich an die Wand gefahren worden. In diesem Jahr verläuft aber alles in geregelten Bahnen, die ersten Bäume lagen erst kurz vor Silvester auf dem Fußweg. Jetzt werden es zügig mehr und mehr, an manchen Ecken wurden schon drei, vier übereinander geworfen. Über Nacht machen sie sich selbständig und liegen am Morgen im Weg und auf den Straßen, die winterlichen Tumbleweeds der deutschen Gemütlichkeit.

Zwischendurch fahre ich kurz mit der U-Bahn, da sitzt mir ein älterer Mann gegenüber, der ist dann doch bemerkenswert. Markantes Gesicht, stechender Blick. An der einen Hand ein Ring, bei dem man dreimal hingucken möchte, ein goldener Widderkopf in einer Größe, die das an einem Ring erwartete Normalmaß erheblich übersteigt, sagen wir ruhig pflaumengroß, es ist nicht übertrieben. An der anderen Hand trägt er auch einen Ring, auf dem steht ein eiserner Würfel, Kantenlänge locker 4 cm. Vielleicht habe ich noch nie einen Menschen gesehen, der so große Ringe trägt, das kann sein. Wäre ich in einem Fantasyroman und dieser Herr würde sich mir gegenüber hinsetzen und mich so durchdringend ansehen, wie er es getan hat, während ich krampfhaft versuche, nicht die ganze Zeit diesen wirklich vollkommen abgefahrenen Widder und den Eisenwürfel anzustarren, wäre ich also in einem Fantasyroman an genau dieser Stelle, wo unsere Blicke sich treffen und er die Augenbrauen langsam etwas hebt – es würde mit großer Sicherheit auf den nächsten Seiten verdammt spannend werden.

Ich bin aber nicht in einem Fantasyroman, ich bin nur in einem Blog, daher wird das hier einfach nur ein Eintrag von vielen und morgen gibt es ein anderes Thema. Was ein Glück.

Aber apropos auffällige ältere Männer. Wenn Sie Kinder haben, dann kennen Sie vielleicht das Buch “O je, du fröhliche” vo Raymond Briggs, über einen Weihnachtsmann, der mit seinem Job gar nicht so zufrieden ist, der z.B. dauernd über das verflixte Wetter schimpft? In der radiologischen Praxis saß gestern ein Mann im Wartezimmer, der hatte genau das Gesicht dieses Weihnachtsmannes. Er war nicht ganz so beleibt, er war etwas abgemagert, aber zu erkennen war er doch. Ich bin recht sicher, dass er das war, denn dieses Buch habe ich unseren Söhnen ziemlich oft vorgelesen, die Bilder haben wir zu jedem Weihnachtsfest gemeinsam betrachtet, so etwas prägt sich ein.

Falls Sie sich also fragen, was der Weihnachtsmann nach den Feiertagen eigentlich so macht: Er geht zur Strahlentherapie in Hamburg-Altona. Wollen wir hoffen, dass es hilft, sonst gibt es im Dezember ein Problem.

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Musik! L.A. Salami.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Ich als Spezialexperte

Ein Terminhinweis für Hamburg, bei mir um die Ecke – Gegen das Vergessen u.a. mit Esther Bejarano (Auschwitz-Komitee) und Regula Venske (PEN). Sonntag 13. Januar, 13 Uhr, im Polittbüro auf dem Steindamm, kostet nix.

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Ein Lob der schlechten Laune, das liest man ja auch nicht jeden Tag.

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Ease. (Ich überlege noch, welches Wort ich nehmen würde)

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Bei Spektrum gab es auch einen Artikel über gute Vorsätze und deren Scheitern, danach ist es eine menschliche Grunderfahrung, ständig hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben und bei aller Mühe dann doch nicht das Richtige zu tun. Im Grunde eine banale Erkenntnis, man müsst aber das Wort “ständig” vielleicht noch einmal verinnerlichen, es ist doch irgendwie tröstlich. Und selbstverständlich ist es kein Grund, nicht irgendwas zu probieren. Schöner scheitern, Sie kennen das.

Wo wir schon wieder dabei sind, noch ein Wort zur Selbstoptimierung. Ich nutze zur Speicherung von Links den Service von Pocket, dort gibt es auch eine Rubrik “Empfohlen”. Ich habe nie verstanden, was da wie ausgewählt wird, ein Algorithmus macht irgendwas, bei mir erscheinen da aus irgendwelchen mir vollkommen schleierhaften Gründen immer wieder etliche Artikel aus den USA mit wunderwirksamen Listen. Zehn Schritte, um ein toller Autor zu werden, ein reicher Influencer, ein schlanker Mensch oder sonstwas. Fünf Bausteine für mehr irgendwas, mehr Geld, Erfolg, Liebe, Selbstvertrauen und immer so weiter, der Mensch als solcher mag wohl Listen und To-Dos. Sieben Tricks gegen schlechte Stimmung und Schreibblockade und Selbstmitleid und Siechtum, was weiß ich. Es gibt To-Dos für und gegen alles, manche absurd und abwegig, manche geradezu nervtötend naheliegend: “Räum dein Zimmer auf.” Man liest es und hört sich selbst zu den Kindern sprechen, Selbstoptimierung ist am Ende auch nur eine Fortsetzung der eigenen Erziehung mit Bordmitteln und ohne Eltern.

Ich überfliege da morgens immer schnell die Überschriften, denn manchmal finde ich in dem Wust tatsächlich doch einen interessanten Link, wenn auch selten. Deswegen weiß ich, dass da immer wieder das Frühaufstehen dringend empfohlen wird. Was man alles erreichen kann, wenn man früher oder noch früher aufsteht! Die Welt steht einem plötzlich offen, man hat um acht Uhr schon das Tagewerk erledigt, kann ab dem Mittag in strahlender Stimmung die Erfolge abgreifen und wird, das ist ja ganz wichtig, Topmanager und in Folge auch noch steinreich. So stellen sich das viele wohl vor. Ich nehme an, man kann da schreiben, was immer man will, es probiert eh niemand aus, denn das frühere Aufstehen fällt den allermeisten Menschen so irrsinnig schwer, es wird ein typischer ewig scheiternder Vorsatz sein.

Ich bin das Gegenbeispiel, ich stehe seit Jahren früh auf, sagen wir ruhig sehr früh. Nicht weil ich mir da irgendwie Mühe gebe, sondern weil ich einfach aufwache, ein Folgeschaden aus der Kleinkindzeit der Söhne, mein Biorhythmus hat sich danach nie wieder umgestellt. Ich kann da jedenfalls als Insider und Spezialexperte einen Punkt ergänzen, der in diesen Texten immer, immer fehlt, der ist aber gar nicht mal so unwichtig – wenn man früher aufsteht, dann ist man abends auch früher müde. Logisch, ne.

Weswegen ich mir übrigens gerade Mühe gebe, das wieder etwas umzudrehen. In letzter Zeit werde ich gerne schon um vier Uhr morgens wach, da hört der Spaß allmählich auf, denn am Abend bin ich dann ab etwa acht Uhr völlig unbrauchbar und mit einem irgendwie gearteten Sozialleben muss mir keiner mehr kommen. Ich versuche also seit einer Weile, abends wieder länger aufzubleiben, um morgens dann etwas länger zu schlafen und irgendwann – möglichst bald – wieder in einen etwas sozialverträglicheren Rhythmus zu kommen. Man kann die Komfortzone auch zeitlich verlassen, um noch einmal auf die Gedanken der letzten Tage zurückzukommen. Wobei ich das aber nicht aus Prinzip versuche, sondern weil es mir für andere spaßige Vorhaben sinnvoll erscheint. Wenn ich z.B. versuchen möchte, mehr Gelegenheiten und Möglichkeiten aller Art wahrzunehmen, brauche ich dafür sicher auch die Abendstunden, da trifft man nun einmal Freundinnen und andere Menschen, da geht man ins Theater, ins Kino usw., und mir ist gerade sehr nach Anregungen aller Art.

Oder wenn ich wieder Geschichten oder gar ein Buch schreiben möchte, dann brauche ich dazu auch die Abendstunden, die sind dafür nämlich viel geeigneter als die Morgenstunden. Die wiederum sind eher gut fürs Blog oder für den Wirtschaftsteil. Ich kämpfe mich also momentan abends minutenweise vorwärts, andere Menschen, so höre ich, sollen ja bis elf oder noch länger aufbleiben.

Na, wir haben jedenfalls schon den 4. Januar und ich bin noch nicht gescheitert. Geht doch!

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Im Vorübergehen gehört:

“Erst mein Sohn, dann meine Frau, dann ich.”

“Erst dein Sohn, ja.”

“Ja. So ist das jetzt.”

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Ich kümmere mich selten um Podcasts, aber ich mag diese kleine Reihe vom SWR: “Die größten Hits und ihre Geschichte”. Fünf Minuten und man weiß mehr, das kann man mal eben hören während man Kaffee kocht oder so.

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Musik! Und zwar für den Abend, vielleicht sogar für den späten Abend.

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Gehen und Gucken

Ich habe eine Einladung zu einem Neujahrsempfang bekommen, zu so etwas gehe ich ja normalerweise nicht. Also habe ich sofort zusagen wollen, Komfortzone und so, Sie wissen schon. Dann habe ich leider gemerkt, dass bei der Einladung versehentlich kein Tag dabei steht. Nur eine Uhrzeit. Schwierig. Aber der gute Wille war da!

Na, das regelt sich vielleicht noch. Davon abgesehen bin ich enorme Strecken spazieren gegangen, dabei ist überhaupt nichts Interessantes passiert, aber es fühlte sich gut an. Siehe übrigens auch hier. Ich habe mich im letzten halben Jahr viel zu wenig bewegt, es besteht erheblicher Nachholbedarf. Den Erling Kagge (“Gehen – Weitergehen”) habe ich übrigens abgebrochen, er kam irgendwie nicht auf den Punkt und die Kernaussage war recht eindeutig “Gehen ist super” – das finde ich aber ohnehin schon, das muss ich nicht nachlesen.

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Und dann habe ich gleich noch etwas gemacht, was ich sonst nie mache, das läuft hier nämlich. Und zwar habe ich, Sie werden es wohl nicht spektakulär finden, eine Serie gesehen. Sogar mit der Herzdame gemeinsam! Wir fanden das bemerkenswert. Und auch schön. Wir sahen “Wanderlust” auf Netflix, eine britische Serie über ein Paar, dass die Beziehung öffnet, die also beide mit anderen Leuten Sex haben, ohne sich deswegen trennen zu wollen. Eine sehr dialoglastige Angelegenheit (eine Folge besteht überhaupt nur aus einem durchgehenden Dialog), in Bezug auf Fremdschämmomente manchmal etwas anstrengend, aber wirklich witzig und betont liebevoll gemacht. Dicke Empfehlung, wir haben das gemocht.

Wenn Sie mit dem Lieblingsmenschen Ihrer Wahl eher nicht offen über Sex und Liebe reden können, ist das gemeinsame Gucken vielleicht nicht ganz risikofrei, kann ich mir vorstellen. Man kommt da auf Themen.

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Überraschend schwierig finde ich übrigens die Sache mit dem Vorsatz: “Etwas lernen”, denn was nehme ich da bloß? Vielleicht hänge ich mich einfach an den E-Piano-Unterricht von Sohn II ran, das ist so einer der Mängel, die mich wirklich stören, dass ich musikalisch rein gar nichts kann, nicht einmal “Alle meine Entchen”. Das müsste doch zu lösen sein? Und taugt eigentlich irgendeine dieser Apps zum Klavierlernen etwas? Für richtige Stunden wird die Zeit nicht reichen.

Zweitliebstes Vorhaben wäre wieder etwas Zeichnen zu lernen, ich muss das noch abwägen. Aber das sind jedenfalls so zwei Bereiche, bei denen es sich nicht gut anfühlt, nichts zu können.

Vielleicht fällt mir auch noch etwas ganz anderes ein.

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Zum Geburtstag von J. D. Salinger. Wie wohl der Fänger im Roggen bei einer wiederholten Lektüre wäre? Darf man den als Ausgewachsener überhaupt erneut lesen? Wobei ich den so großartig damals gar nicht fand, dazu war er viel zu sehr Schulbuch und von vorne bis hinten mit nervtötenden Fragen durchseucht, warum sagt der das, warum reagiert die so, beschreibe den Charakter, es war entsetzlich. Wir konnten es einfach nicht in Ruhe lesen und eine erleuchtende Erfahrung war es ganz sicher nicht.

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Warum trinken wir keine Milch von Schweinen? Wieder was gelernt. Leider vergessen, durch wen ich den Link gefunden habe, pardon.

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Florian Wacker schreibt und setzt sich durch Öffentlichkeit unter Druck. Kann man machen. Spannend.

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Klingt vielleicht gar nicht so interessant, fand ich aber doch – die taz über die Krätze. Es juckt förmlich beim Lesen.

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Ich habe festgestellt, dass ich neuerdings wieder mit der Hand schreiben kann, was ich jetzt immerhin seit August nicht mehr gemacht habe. Und ich weiß nicht, wie das genau zu erklären sein mag, aber meine Schrift ist jetzt nennenswert besser. Ruhiger, klarer. Falls Sie also auch unter Ihrer Sauklaue leiden, schreiben Sie doch einfach mal fünf Monate gar nichts, das scheint enorm zu helfen. Was bin ich heute wieder hilfreich,

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Im Vorbeigehen gehört:

”Die haben mich gerade verhört, deswegen rufe ich an.”

Und dann, andere Leute, nur ein paar Meter weiter:

Wie machst du das mit dem Schwarzgeld?”

Das war in Altona, eine ganz verkommene Gegend ist das.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Wohl und sicher

Ich bin nach wie vor mit den Vorsätzen beschäftigt, da kam in den Vorschlägen der Leserinnen auch der Punkt mit der Komfortzone, die ich verlassen soll, die sowieso quasi jede und jeder verlassen soll, das liest man ja oft. Man liest es in diesen ganzen Selbstoptimierungstexten, von denen das Internet und die Ratgeberregale nur so wimmeln. Also wenn man die denn überhaupt liest, ich lese da eher nur mal die Überschriften. Und ich habe, da fängt es schon an, Vorbehalte gegen diese Komfortzonenangelegenheit. Denn alle Welt scheint zu unterstellen, dass man da drin ist, sonst könnte man ja nicht raus. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob es nicht eine sogar recht große Gruppe von Menschen gibt, denen man erst einmal raten müsste, in ihre Komfortzone hineinzufinden.

Laut der Wikipedia ist die Komfortzone allerdings sowieso nur ein Begriff der Populärpsychologie, das ist schon einmal eine wunderschöne Begriffsbeleidigung, die nicht in jeder Fachrichtung klappt, Populärjura etwa kommt nicht vor, soweit ich weiß. Und ansonsten: “Eine Komfortzone ist der durch Gewohnheiten definierte Bereich eines Menschen, in dem er sich wohl und sicher fühlt und es ihm deswegen leicht fällt, mit der Umwelt zu interagieren.” Meine Komfortzone ist demnach mein Bett, in dem ich mich wohl und sicher fühle und in aller Regel nur mit einem Menschen interagiere. Ob der Rest meines Alltags nach dieser Definition meine Komfortzone ist – ich weiß ja nicht.

Ich halte mich eher für einen routinierten Komfortzonenneider, unter uns Freunden der Küchen- und Populärpsychologie gibt es dafür ganz einfache Hinweise, gerade jetzt im Winter. Wenn ich durch abendliche Straßen gehe und in fremde Fenster sehe, dann unterstelle ich anderen Menschen stets mehr Gemütlichkeit, Entspanntheit und Sicherheit, als ich normalerweise selbst zur Verfügung habe. Das ist eine ganz spannende Frage, was andere Wohnungen für einen ausstrahlen. Ich beneide niemanden um seine Wohnungsgröße, um die Ausmaße seines Fernsehers, um seine schicke Einrichtung oder um seine Einbauküche, es sind andere Aspekte.

Ich denke immer, die sitzen da alle und wohnen total friedlich und besinnlich, ich dagegen weiß bis heute nicht, wie das geht.

Aber gut. Die Komfortzone meint natürlich alles, worin man sich eingerichtet hat, das können also auch recht fatale und unangenehme Umstände und Probleme sein, Hauptsache, sie ändern sich nicht mehr, so ist das ja eigentlich gemeint, ich weiß. Und da soll man unbedingt raus, das ist also die Aufforderung sich zu challengen, sich irgendwas zu stellen, etwas Neues zuzulassen, sich mal wieder mit etwas abzumühen – damit etwas passiert und sich verändert. Im Grunde ist das eine Wachstumsstrategie, und das ist der zweite Punkt, an dem ich Zweifel habe. Denn diesen Imperativ, dass man immer weiter und höher muss, dass man mehr erreichen soll, mehr sein soll, den kann man ja zumindest mal hinterfragen. Reduce to the max könnte einem als Alternative einfallen (mir schon namensbedingt sowieso), wobei es zu Personal Degrowth noch keine Ratgeber zu geben scheint, bin ich da gerade über eine Marktlücke gestolpert? Ebenso könnte einem die mittlerweile leicht verstaubte Variante einfallen, sich doch bitte erst einmal okay zu finden, das fanden damals doch auch schon alle schwer genug, die Älteren erinnern sich.

Bei Isa stand gerade der Satz: „Do one thing every day that scares you.“ Sie zitiert da spaßeshalber einen herumgeisternden Ratschlag, das ist von unserer Komfortzonendiskussion nicht weit weg. Wobei es vermutlich viele Menschen gibt, die diesen gerade zitierten Punkt schon abhaken können, wenn sie morgens auch nur erfolgreich das Haus verlassen, zumindest sehen in der S-Bahn etliche so aus. Gut, das sind also meine Vorbehalte.

[Exkurs: In einem anderen Blog begegnete mir der Begriff Superbetter, das ist eine App nach einem Buch, bei der es um die Gamification der Selbstverbesserung oder Selbstheilung geht, was auch immer. Und da ich ja möglichst alles nachlese, habe ich eine erstaunlich lange Rezension zum Buch gefunden. Wenn Sie das Thema der Selbstoptimierung spannend finden, dann gucken Sie bitte mal hier, das wird Sie dann vermutlich interessieren. Die App selbst habe ich mir natürlich auch angesehen, der erste Eindruck ist definitiv: Ich weiß ja nicht. Exkursende]

Andererseits! Andererseits kann man die Komfortzone auch als den Routinerahmen des Alltags betrachten, der tendenziell immer weniger Anstöße zulässt, über die tatsächlich noch ernsthaft nachgedacht wird – und Nachdenken, da stehe ich ja drauf. Nicht weil ich damit großen Erfolg hätte, nein, eher weil es Spaß macht.

Noch einmal kurz zurück zu den Ratgeberbücherregalen und den Selbstoptimierungstexten im Internet, ein Aspekt, der da immer wiederkehrt, ist so dermaßen banal, dass man im Grunde gar nicht drüber reden muss, da aber alle dauernd und in epischer Breite drüber reden, wird er vielleicht etwas Wichtiges treffen – mehr Gelegenheiten ergeben mehr Möglichkeiten, um hier einmal das so unangenehm verpflichtend klingende Wort Chancen zu vermeiden. Wirklich, mit dieser Kernbotschaft können Sie Coach werden, das läuft super. Versammeln Sie Leute um sich und sagen Sie ihnen, sie sollen mal rausgehen. Oh, diese Fülle der Weisheit! Denkt man so.

Aber richtig ist es vermutlich doch, es ist sogar eine simple Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die man selbstverständlich auch prima esoterisch, philosophisch, psychologisch, strategisch oder sonstwie betrachten und unterfüttern kann. Und, das wollte ich nur eben sagen, abzüglich der oben erwähnten Einwände, werde ich mich also um dieses Gelegenheitsspiel außerhalb der Komfortzone in diesem Jahr mal deutlich intensiver kümmern.

Nach Niederschrift (ein schönes Wort, lange nicht mehr benutzt) dieser Zeilen bin ich selbstverständlich sofort vor die Tür gegangen, ein Mann, ein Wort, eine Absicht. Ich habe vorher kurz in den Hamburger Theaterplan gesehen, da sprach mich aber nichts an, also beschloss ich, einfach am Hafen spazieren zu gehen. Es war schon deutlich nach acht Uhr am Abend, das ist eigentlich nicht mehr meine Uhrzeit für so etwas, und so soll es ja sein. Zu meiner großen Überraschung wollten beide Söhne mit. Wir sind mit der S-Bahn zum Hafen gefahren, an den Landungsbrücken raus.

Es war fortgeschritten stürmisch, die Jungs öffneten die Jacken weit und spielten Laufsegeln, der Wind trieb sie energisch vor sich her über die Promenade. Die nachtschwarze Elbe war glitzerschön, über uns die beleuchteten Masten der Rickmer Rickmers, weiter hinten die eleganten weißen Aufbauten der Cap San Diego, all das also, was die Touristen an dieser Stadt so lieben, daran kann man sich ja auch als Einheimischer mal wieder erfreuen. Wir gingen an der hell erleuchteten Elbphilharmonie vorbei, durch die wie immer menschenleere und etwas vergessen wirkende Hafencity, wir unterhielten uns über viele wichtigen Themen, denn dazu sind solche Spaziergänge da.

Quer durch die Stadt gingen wir, am Gebäude der Zeit blieben wir überrascht stehen. Auf die Außenwand wurde dort riesengroß der Kopf von Helmut Schmidt projiziert, ein altes Schwarzweißbild von ihm, ein Hinweis auf eine Ausstellung zu seinem 100 Geburtstag. Das fanden die Söhne toll, da mussten wir dann erst einmal herausfinden, wo genau der Projektor stand und wie das genau ging, dass der Herr da oben so groß erschien.

Helmut Schmidt guckte ernst, überhörte unser freundliches “guten Abend!” und sah staatsmännisch und etwas mürrisch über uns hinweg in die Finsterbis, sicher auch weil man ihm keine Zigarette dazu projiziert hatte, ein Unding.

Und hätte er zu uns dreien etwas sagen können, die wir da direkt vor ihm standen und schon aufgrund der Höhe seines Bildes notgedrungen zu ihm aufsahen, es wäre vermutlich nur ein kurzes “Die Kinder gehören ins Bett” gewesen, denn einen ausgeprägten Sinn für S-paß bei der albernen Abendges-taltung hatte der Herr nicht, glaube ich.

Kaum verlasse ich also die Komfortzone, schon rede ich in dunkler und stürmischer Nacht mit toten Kanzlern, wenn das wenn das kein vielversprechender Einstieg ins Thema ist.

In Kürze mehr.

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Trinkgeld Dezember 2018, Ergebnisbericht

Von dem Hutgeld im Dezember haben wir im Kino mit der ganzen Familie den Film über Charles Dickens gesehen, “Der Mann, der Weihnachten erfand”, außerdem den deutschen Film “100 Dinge”, den ich immer schlechter finde, je länger der Besuch her ist. Egal, die Söhne fanden ihn gut.

Und kurz vor Toresschluss waren wir dann noch mit der ganzen Familie in “Der Junge muss an die frische Luft”, also in dem Film, über den schon alle gebloggt haben, etwa hier Isa. Alles richtig, was bei Ihr steht, auch die Sache mit dem Ende. Ein zahlenaffiner Sohn sagte nach dem Kinobesuch: “Von 100 Leuten vor uns haben 65 geheult. Also 35 nicht.” Und das beschreibt es irgendwie auch ganz gut.

Sohn I: “Der Film geht für Kinder ab etwa neun Jahren, wenn sie mit Traurigkeit etwas umgehen können.

Sohn II: “Da lernt man etwas über die Wichtigkeit der Familie, das fand ich gut.

Es hätte für mich gerne auch noch ein Theaterbesuch sein dürfen, das Geld dafür war auch da, bzw. ist da. Die Zeit hat aber nicht gereicht, denn der Dezember ist ja immer befremdlich voll mit allem. Aber wir waren übrigens alle so angetan von unseren Kinobesuchen am Sonntagmittag, das setzen wir wohl so fort. Die Kinos sind leer, es ist hinterher noch etwas Tag übrig, das ist ein wirklich guter Termin für so etwas, wenn man die Kinder mitnimmt.

Fürs Theater müssen wir uns also noch etwas mehr Mühe geben, aber an Mühe muss ja nichts scheitern, wollen wir mal sehen, ob und wie wir das demnächst hinbekommen.

Die Herzdame und ich waren noch auf dem Erdmöbelweihnachtskonzert und haben Sohn II das Songbook mit Noten und CD mitgebracht, in diesem Jahr kommt er dann dorthin mit, wenn es wieder in Hamburg stattfindet.

Die Söhne waren von dem Geld außerdem im Drachenlabyrinth, so etwas können sie mittlerweile ganz elegant ohne elterliche Beteiligung organisieren und das ist ganz schön, wenn man ab und zu einfach sitzen bleiben kann. Nein, es ist nicht nur ganz schön, es ist eine riesige Erleichterung und ein großer Zeitgewinn, wenn man nicht mehr den halben Tag damit verbringt, Kinder von A nach B und zurück zu bringen. Die Jungs wissen jetzt, wo B ist, sie wissen, welche U-Bahn da hinfährt, es ist einfach herrlich.

Vom Buchgeld kaufte ich Mary Shelleys Frankenstein in einer besonders schönen Ausgabe der Büchergilde, übersetzt von Karl Bruno Lederer und Gerd Leetz, illustriert von Martin Stark, dazu später im Jahr mehr.

Wir danken für jeden einzelnen Euro, es ist immer wieder großartig und eine Freude, wenn da etwas ankommt!

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Ein kurzer Gruß

Ich bin immer wieder dankbar, dass ich kein eigenes Blog habe. Doch, doch, das kann ich wohl sagen. Sonst wären mir jetzt schon alle Leser weggelaufen. Wie gut, dass der Gatte die Hauptlast hier trägt. Wenn das Datum meiner Word-Vorschreib-Dokumente stimmt, habe ich Ende August zuletzt etwas geschrieben. Ganz schön lange her. Ich kann das auch erklären … Also, erst hatten wir im September die Kindergeburtstage und die Geburtstage der Kinderfreunde. Da ist man dann nur noch mit dem Besorgen der Geschenke beschäftigt und damit, die Kinder zu Indoor- und Outdoor-Events zu fahren.

Außerdem hatte der Gatte bekanntermaßen seinen Bildungsellenbogen, was dazu geführt hat, dass Haushalt und Garten komplett an mir hängen geblieben sind. Der Gatte konnte zeitweise noch nicht mal Kartoffeln schälen, bestenfalls das Essen umrühren. Und so ein Garten ist ja gerade im Anfangsstadium zeitlich gesehen ein Fass ohne Boden. Bis Mitte Oktober habe ich also jeden Tag direkt nach der Arbeit bis in die tiefste Dunkelheit im Garten gearbeitet.

Und dann wurde der Garten vom Job abgelöst – übergangsweise von Oktober bis Dezember habe ich Vollzeit und mehr gearbeitet und mich nur zwischen Bett und Büro hin und her bewegt. Der Gatte hat währenddessen die Kinder betreut, denn Hausaufgabenhilfe und ins Bett bringen und so, das konnte er noch. Dabei hätte es auch im Garten noch so viel zu tun gegeben! Und Stand heute war ich schon seit 8 Wochen nicht mehr im Garten.

Der Gatte berichtete letztens, dass angeblich irgendwo in den Kommentaren jemand beklagt hätte, dass ich schon so lange nichts mehr geschrieben habe. Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt – ich hänge noch 27 Artikel zurück, inklusive aller zugehöriger Kommentare. 27 ungelesene Artikel.

Ich war auch kaum in den sozialen Medien unterwegs und habe nichts von der digitalen Welt mitbekommen – von der realen auch nur wenig. Das muss sich wieder ändern. Über Weihnachten hatte ich nun Urlaub und dachte auch ständig daran, dass jetzt DIE Gelegenheit wäre etwas zu schreiben. Die Feiertage sind rum und dann geht bald auch die Gartensaison schon fast wieder los. Aber ich habe keinen Plan, was ich schreiben könnte. Alle Ideen, die ich während der letzten Wochen hatte, haben sich dann von alleine auch wieder erledigt. Wenn man nur lange genug wartet, erledigt sich vieles von selbst.

Das war auch eine ziemlich gute Überlebensstrategie während der letzten Monate. Als Dauerzustand ist das allerdings nichts für mich. Also neues Jahr, neues Glück!

Ich werde mich jetzt erstmal um die 27 ungelesenen Blogartikel kümmern, dann die Ärmel hochkrempeln und wieder loslegen. Irgendwas ist ja immer. Allen Lesern und Leserinnen wünsche ich nun ein großartiges 2019 mit allem … [denkt Euch was aus].

Tschüss, bis bald!

(War doch eigentlich gar nicht so schwer.)

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The same procedure

Wir folgen der nun schon etablierten Tradition, kein Silvester ohne dieses Bild, eh klar.

Es handelt sich beim Folgenden also um die Erinnerung an eine norddeutsch-ausgelassene Silvesterparty in einem Hamburger Vorort, der Abend ist bereits viele, viele Jahre her und eigentlich schon gar nicht mehr wahr. Deutlich erkennt man jedenfalls die sogenannte Hanseaten-Ekstase in meinem Blick.

Denn man muss gerade die süddeutschen und besonders auch die rheinländischen Leserinnen und Leser gelegentlich daran erinnern: wir hier oben, wir sind gar nicht so. Wir können auch ganz anders:

Hanseaten-Ekstase

Gleicher Abend, nur einen Meter weiter: Die Herzdame, liebreizend wie stets und dabei auf diese nordostwestfälische Weise strahlend gut gelaunt:

Die Herzdame

 

Die überall zu lesende Jahresrückblickerei liegt mir nicht oder nicht mehr, ich habe mit den Ansätzen zu Vorsätzen im Moment auch genug zu tun, da muss noch etwas nachgeschliffen werden.

Ich war vorhin noch einmal beim Radiologen, die große Praxis war fast komplett menschenleer und die Frau an der Rezeption sagte: “Sie sind der Letzte.” Die Frau im Vorraum der Behandlung begrüßte mich auch mit: “Sie sind der Letzte” und die Frau, die im Behandlungsraum immer den entscheidenden Knopf drückt, sie sagte: “Sie sind der Letzte.” Das war dann also eine magische Erwähnung, dreimal, das kenne ich, da merke ich auf. Der Rest ergibt sich dann.

Denn die Letzten, das weiß man ja, werden die Ersten sein. Wobei auch immer. Was morgen früh übrigens vermutlich schon stimmen wird, denn mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit stehe ich vor Ihnen auf, da fängt es ja schon an. Der Rest ergibt sich dann.

Kommen Sie gut rüber, bewahren Sie unbedingt Haltung, ich schließe für 2018 mit den besten Wünschen zum Neuen Jahr.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister im Jahr 2019 zurücktreten sollte.

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So it goes like it goes

Norman Gimbel ist gestorben, das war nur eine kleine Meldung in den Medien, die konnte man leicht übersehen. Vielleicht haben Sie den Namen auch noch nie gehört, dann geht es Ihnen wie mir. Der Herr war Texter, er hat z.B. das hier geschrieben, das kennen Sie gewiss:

Aber, und jetzt wird es gänzlich unvermutet, er hat auch das hier geschrieben. Zwei Stücke, zwischen denen ich niemals eine Verbindung geahnt hätte:

Und jetzt, wo wir das wissen, jetzt können wir die Stücke ja immer zusammen denken, wenn sie im Radio oder in der Playlist kommen – das war doch von dem, der auch … Ist das nicht schön? Eine posthume Ehrung gewissermaßen.

Norman Gimbel hat auch einmal einen Oscar gewonnen, für “It goes like it goes”, hier in einer Version von Glen Campbell, das Stück kannte ich überhaupt nicht. Aber gucken Sie mal, der Refrain passt ganz wunderbar zum Jahreswechsel:

So it goes like it goes and the river flows
And time it rolls right on
And maybe what’s good gets a little bit better
And maybe what’s bad gets gone

Und damit lasse ich das Jahr ausklingen, vielen Dank für die Kommentare zum gestrigen Artikel! Ich bastele am Plan.

Hier folgt nachher nur noch der traditionelle Eintrag, den einige durchaus und auch vollkommen berechtigt erwarten.

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Übrigens bin ich immer noch der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Gute Vorsätze 2019

Ich habe über gute Vorsätze nachgedacht, weil ich als ambitionierter Hobbyforscher in den letzten Jahren etwas belegt habe: Wenn man keine guten Vorsätze für ein neues Jahr hat, etwa weil man über den Unsinn intellektuell erhaben ist, weil man sich langweiligen Regeln widersetzen möchte, weil man zu cool ist oder weil man ganz einfach seine Lebensumstände lieber gar nicht erst genauer durchdenken möchte, dann nützt das auch nichts. Die Jahre werden nicht toller, interessanter oder erfolgreicher, nur weil man keine guten Vorsätze hat. Bitte sehr, wissen Sie das jetzt auch.

Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass ich für 2019 zur Abwechslung mal wieder welche haben könnte, denn wenn man schon selbst mühsam zu geistreichen Schlüssen kommt, dann muss man danach handeln, finde ich. Wer immer strebend sich bemüht! Nun ist es aber mit guten Vorsätzen so eine Sache. Es gibt die naheliegenden, also mehr Sport, weniger Zucker, mehr Bewegung und dergleichen, die kennen und haben irgendwie alle, an denen scheitern aber dummerweise auch fast alle. Die sind also furchtbar unoriginell und im Nachhinein tendenziell peinlich, die würde ich nicht öffentlich festlegen wollen, wenn überhaupt. Ich erinnere mich an Jahre, in denen ich mit dem Rauchen aufhören wollte (keine Irritation, ich habe längst aufgehört) und dann am 1. Januar um 10 Uhr zum Automaten lief, das waren Demütigungen erster Klasse, wirklich furchtbar.

Es gibt auch die eher heiteren Varianten, bei denen man die humoristische und die geistreiche Motivation durchmischen kann, etwa im nächsten Jahr mehr aufs Handy zu starren, warum auch nicht. Das hat Unterhaltungswert und bemerkenswerte Denkansätze, aber damit hätte ich dann früher anfangen müssen, da fällt mir jetzt nichts mehr ein. Zu spät, Du rettest den Vorsatz nicht mehr.

Drittens gibt es die einigermaßen herausfordernden Varianten, auf die man nach etwas Nachdenken selbst kommt, wenn man denn halbwegs klar erkennt, wo man gerade Optimierungsbedarf hat. Die sind aber oft nah an den erstgenannten Vorsätzen, weil wir im Grunde alle im gleichen Sumpf herumstrampeln. Und da, wo sie nicht nah an den gängigen Varianten sind, erscheinen sie mir dennoch höchst zweifelhaft. Denn wenn ich mein Unterbewusstsein wäre (darf man auch nicht zu lange drüber nachdenken), dann würde ich mich ja an dieser Stelle sofort ausbremsen, einfach um mir meine Gemütlichkeit zu erhalten. Denk mal ruhig herum, würde ich zu meinem bewussten Ich sagen, ich sorge schon für passende Beschlüsse. Denn als mein Unterbewusstsein wäre ich selbstverständlich ganz außerordentlich trickreich, da wäre der listenreiche Odysseus aber gar nichts dagegen.

Und sowieso bliebe ich bei all dem dummerweise in meinem Selbstbild verhaftet, und über die intellektuelle Sollbruchstelle des Selbstbild/Fremdbild-Dramas habe ich schon sehr oft geschrieben. Weswegen mir die Idee kam, mich an eine intelligente und moralisch über alle Zweifel erhabene Jury zu wenden, also an Sie. Das ist im Grunde naheliegend, Sie lesen hier ja schon (Zeitraum bitte selbständig einfügen) mit, Sie haben sich dabei manchmal amüsiert und manchmal interessiert, manchmal hat es Sie sicher auch enerviert, was auch immer, Sie haben da jedenfalls ein verwendbares Fremdbild, weil Sie als Mensch von überragender geistiger Kompetenz natürlich auch gründlich zwischen den Zeilen lesen, wie es sich gehört, und sich stets Ihren Teil denken. Über die Texte und über mich. Und wer weiß, am Ende liegen Sie richtig. Ein etwas herausfordernder Gedanke, so unter uns Topcheckern, aber was soll’s.

Daher möchte ich die Sache mit den guten Vorsätze für das Jahr 2019 diesmal einfach delegieren, sagen Sie mir doch mal bitte, was ich mir sinnvollerweise vornehmen soll, Sie kennen sich doch bestens aus. Und dann gucke ich mal, was ich daraus mache. Und werde berichten. 

Moment, ich setze mir nur eben einen Helm auf.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Heiter weiter

Korallenrot

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New Orleans, das Klima und die Gentrifizierung

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Silvester in der Notaufnahme

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In der radiologischen Praxis, in der ich gerade etwas häufiger verkehre, gibt es viele Patientinnen, die Terminserien haben, das ist da wohl der Normalfall. Die Dame an der Rezeption winkt mich immer durch, wenn ich vor ihr erscheine. Ich muss da also nichts mehr aufsagen, die hat mich schon mal gesehen, das passt schon. Und jedes Mal winkt sie lässig Richtung Behandlungszimmer und sagt: “Heiter weiter.”

Immer frage ich mich dabei, ob sie das bei allen sagt, auch bei denen, die nicht nur wie ich wegen vergleichsweise lapidarer Gelenkgebrechen dort erscheinen, sondern wegen irgendeiner entsetzlichen, womöglich tödlichen Krankheit. Heiter weiter. Ich könnte mal wieder die Stoiker lesen, fällt mir gerade ein, warum auch nicht, irgendwo hier liegt ein Band Seneca herum.

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Aus Gründen, die mir vollkommen unklar sind, die meinem zu diesem Thema momentan eisern schweigenden Unterbewusstsein allerdings sicher vertraut sind, fiel mir heute etwas ein. Etwas, an das ich jahrelang nicht gedacht habe. Ich ging am Hauptbahnhof vorbei, sah den Saturnmarkt und mir fiel ein, dass das früher, also ganz früher, einmal ein Kaufhaus Horten war. Damals noch mit anderer Fassadengestaltung, siehe auch Hortenkachel, wieder was gelernt. Und diese Hortenkacheln, das war immer das, was man aus dem Zugfenster sah, wenn man von Lübeck nach Hamburg fuhr und bei der Einfahrt in den Bahnhof so in die Gegend guckte, diese Fassade war für mich immer der Anfang von Hamburg. Horten, wir müssen raus.

Und dann fiel mir ein, dass es zu etwa gleicher Zeit einen Sänger namens Peter Horton gab (den gibt es auch immer noch). Das war eine Weile lang der Niveaugitarrenmann vom Dienst im deutschen Fernsehen, der hat sich recht zügig von schlagerähnlichen Songs Richtung Anspruch entwickelt. Falls Sie den nicht kennen, dieses Lied kennen Sie vermutlich doch:

Bei Peter Horton muss ich aber auch noch einmal etwas verlinken, was ich zwar schon einmal hatte, was aber eindeutig ein wunderbares Stück westdeutscher Kulturgeschichte ist, die Anfänge von Otto Waalkes, hier mit eben jenem Peter Horton. Ganz unkomisch.

Horten, Horton, das klingt schon fast wie eine Deklination, nicht wahr, das klingt wie kurz vor “Marcus et Cornelia in horto ambulant”, da werden sich jetzt sicher einige mit mir erinnern, das war der erste Satz in einem damals gängigen Lateinlehrbuch. Horten, Horton, Horto, deklinieren Sie mal Ihre Kindheit durch, bitte. Nur die Grundform Hort war mir, da bin ich mir ziemlich sicher, in meiner Kindheit gar nicht geläufig, einen Hort gab es in meinem Umfeld damals nicht. Kindergarten ja, Hort nein.

Und das alles fiel mir übrigens nur ein, weil ich mit Sohn I zur neuen Hamburger U-Bahnstation Elbbrücken gefahren bin, so etwas will ja bewundert werden, denn man erlebt normalerweise nicht allzu viele U-Bahn-Neubauten im Leben.

Um diese neue Station herum ist so ziemlich gar nichts, ist alles recht fotogen hässlich, und zwar auf diese urbane Art, die auf Instagram immer ganz gut ankommt. Die Gleise der U-Bahn enden im Nirgendwo direkt vor der dunkelgrauen Elbe, Straßen liegen unbefahren in der Gegend herum, noch nicht eingepflanzte Bäume lehnen an Kränen, Zäune stehen in der Gegend und sperren irgendwas ab, man kommt nicht darauf, was es sein kann. Links vom Zaun Fläche und Brachland, rechts vom Zaun Fläche und Brachland, aber es wird schon alles einen Sinn haben. Und überhaupt, auch Zäune einfach mal hinnehmen! Jahresendentspannung, zur Sinnfrage kommen wir später wieder.

Und von da sind wir dann jedenfalls zu Fuß zurück, am Ex-Horten vorbei, so kam das alles.

 

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Musik! Heute passend zur Atmosphäre an der neuen U-Bahnstation. Also vom Sound und der Stimmung her, der Text passt nicht recht. Irgendwas ist immer.  

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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