Links am Morgen

Ein Bollwerk verweigerter Hilfe. Erschreckende Mischwesen wie ich übrigens (fest angestellt, freiberuflich und auch noch als Firma tätig), und von uns gibt es durchaus auch ein paar, gucken überall eher ratlos hin und murmeln immer wieder eine leichte Abwandlung der damaligen Fernsehshow: “Was bin ich?” Um daran nicht komplett verrückt zu werden, halte ich mich geistig manchmal einfach an diesem Blog fest, an und mit dem ich ja auch Geld verdiene, und dann sage ich mir: “Ich bin eigentlich nur ich, aber das eben beruflich.” Und dann geht es wieder einen Moment.

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Der Hamburger Corona-Virus-Sozialnewsblog der Obdachlosenzeitung, die im Moment natürlich nicht auf der Straße verkauft werden kann.

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Hier ist ein kleiner Absatz über die Psychologie der Warteschlangen drin, faszinierend. Wieder was gelernt.

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Apropos Lernen: Das Thomas-Theorem.

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Der Staat sitzt jetzt zuhause. Da geht es auch am Rande über das Set-Up von Accounts etc, hierzu nur ein Erfahrungswert – ohne mich beschweren zu wollen! -, einfach nur als Zahl. Das Einrichten aller Accounts, das Testen und Beheben technischer Probleme hat für zwei Kinder etwa acht Stunden erfordert. Ich nehme stark, an, auf Seite der Schule waren es nennenswert mehr. Man muss das natürlich mitdenken, wenn man über Zeitbedarf beim Homeschooling redet. Und im weiteren Verlauf ist es übrigens so, wenn etwas nicht geht und ich es nicht spontan beheben kann, dann geht es eben nicht. Ich habe hier keinen technischen Support und kann da keinen halben Tag mehr investieren, weil etwa eine Audiodatei klemmt.

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Keiner kommt, alle machen mit

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Der Möglichkeitsraum für die neue Normalität. Und wie sie alle von den verschwimmenden Tagen schreiben, es ist vielleicht eine der prägendsten Erfahrungen im Moment, diese Aufhebung des Kalender. Aus meiner Sicht wird sie noch gesteigert durch dieses unwirkliche, strahlend helle und kalte Wetter, das sich jeden Tag genau gleich wiederholt, immer wieder wacht man auf und es ist still draußen, total still und wahnsinnig hell und der Himmel ist blau, so blau, unermesslich blau und nichts findet ein Ende oder auch nur einen neuen Anfang und es gibt keine Termine mehr. Man schwebt so herum, aber man hat sich Schweben irgendwie immer schöner vorgestellt.

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Etwas situationsangepasste Mathematik, vielleicht auch als Abituraufgabe geeignet.

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Zum Feuilleton! Hier endlich mal ein Artikel gegen Buchhandlungen. Aber keine Unruhe bitte, es geht nur um die Handlung von Büchern, nicht um das Handeln mit Büchern.

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Währenddessen bei den Buchhandlungen, also denen mit den Büchern in den Regalen. Siehe hier auch international. Man beachte bitte den Schlusssatz, er passt irgendwie zu allem gerade.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Wenn Sie aber den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, die Daten dazu finden Sie hier.

Es ist alles ganz fabelhaft

Homeschooling hat übrigens auch thematisch ungeahnte Abgründe, und damit meine ich gar nicht, dass bei einem Sohn eigentlich gerade Sexualkunde auf dem Lehrplan steht. Daran kommen wir noch vorbei, wie vernünftigerweise entschieden wurde. Nein, ich meine etwa, dass es in Deutsch beim anderen Sohn gerade um Fabeln geht und ich es daher leider nicht vermeiden kann, das ziemlich ausführlich mitzubekommen, zum zweiten Mal im Leben. Um es gleich vorweg zu sagen, der Sohn hat die beste Deutschlehrerin der Welt, an ihr liegt es nicht. Fabeln, versteht sich, werden aber als Literaturgattung auf dem Gymnasium absolut zwingend abgehandelt, denn Fabeln, so muss man leider feststellen, gibt es nun einmal. Es liegen uns Beispieltexte vor, die man leise stöhnend liest, also der Sohn und ich jedenfalls, weil sie erstens, wie soll ich sagen, mit verhaltener Eleganz erzählt sind und zweitens eine so dermaßen tumbe Moral haben, dagegen sind sogar Leo-Lausemaus-Geschichten didaktisch ausgefeilt und fein differenziert, und das will etwas heißen.

Eine Frage, die man sich nebenbei einmal stellen kann – ob eigentlich irgendjemand jemals Fabeln freiwillig gelesen hat – oder ob die nicht von allem Anfang an stets nur aufgezwungene Textbrocken waren, immer in erzieherischer Absicht an duldsame Schülerinnen und Schüler verteilt? Ich meine, es ist doch schlechthin nicht vorstellbar, dass ein lerneifriger Mensch jemals nach der begeisterten Lektüre einer neunmalklugen Fabel die Seite hat sinken lassen und dann froh gesagt hat: “Stark, das hat mich jetzt aber mächtig aufgeschlaut und moralisch weit emporgehoben! Da lese ich gleich noch so eine Geschichte!” Niemals. Niemand.

Fabeln. Die Prusseliese unter den Prosagattungen, das mit Abstand Tantenhaftigste, was je in Buchform daherkam. Pardon, es geht gleich wieder. Wir arbeiten nur noch eben die Moralgeschwulst aus der nächsten Fabel heraus und sehen uns dann mit leichtem Ekel an, was da vor uns liegt. Obduktion nichts dagegen.

Na, vielleicht sind Fabeln in Wahrheit auch gar nicht so schlimm und bei mir werden nur gerade alle Traumata aus der Schulzeit in kaum zu ertragender Intensität getriggert, das will ich gar nicht ausschließen. Wenn Corona nicht vor der Vektorrechnung und den Herrn-K-Geschichten von Brecht durch ist, ich denke doch noch einmal über Drogen nach.

Morgen machen wir wieder mehr Geschichte. Da geht es um den Hadrianswall, also um eine geschlossene Grenze, wie man heute sagen würde.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Ich habe das lange nicht mehr gemacht, Linksammlungen zu posten, ich brauchte da nach dem Wirtschaftsteil auch erst einmal eine längere Pause. Es fällt aber gerade so dermaßen viel an, auch abseits der Hauptnachrichten, es ist vielleicht wieder richtig. Wenn es noch eine Weile so weitergeht, und so sieht es ja aus, dann finde ich vermutlich jeden Tag einige bemerkenswerte Meldungen, Artikel etc. Damit sich kein Rückstau bildet, poste ich die fix am Morgen. Wenn Sie sich dafür nicht interessieren, können Sie diese Rubrik einfach auslassen, wie praktisch ist das denn. Und wenn Sie sich nur dafür interessieren, dann lassen Sie eben den Rest aus, es ist ein freies Land. Haha, Scherz. Es war eines.

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That discomfort you’re feeling is grief. Ich merke das mit dem grief ja vor allem nachts, denn ich kann mich an meine Träume zwar eher nicht erinnern, merke aber doch bei jedem Aufwachen, dass im Hirn gerade Schwerstarbeit geleistet wurde, und wer weiß, am Ende passiert da sogar mehr als am Tag? Mich wundert mittlerweile gar nichts mehr, was übrigens eine empfehlenswerte Grundhaltung ist.

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Nicht systemrelevant. In diesem Zusammenhang eine ernstgemeinte Frage, ich habe da vermutlich etwas verpasst – gibt es einen Katalog, was alles systemrelevant ist, also aus offizieller Sicht? Bitte gerne kommentieren.

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Die Zwei-Klassen-Beschulung. Ein wichtiges Thema und, wenn ich nur mal aus dem heraus hochrechne, was mir hier im Umfeld bekannt ist – das Problem ist vielleicht erheblich größer, als man zunächst denkt.

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Über die Schulen und das Home-Schooling.

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Jochen doesn’t stay at home, Jochen fährt aus Gründen gerade quer durch die USA, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

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Ein Leben in der Nachbarschaft

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Corona im Libanon

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Was bedeuten Kontaktbeschränkungen für Obdachlose? Man hat das ja vielleicht nicht sofort parat. Aber es ist übrigens nicht alles schlecht: Die Hamburger Tafel hat neue Helfer. In diesem Zusammenhang gibt es noch weitere gute Nachrichten, bei den Hilfen für die Obdachlosen tut sich jetzt auch wieder etwas.  Das Suppenprojekt, das wir hier ein wenig supporten läuft natürlich auch weiter. Vielen, vielen Dank schon einmal für die ersten Spenden, Sie haben sofort Möglichkeiten geschaffen, es ist ganz großartig!

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Moby Dicks Ende

Ich will noch eben erzählen, wie es mit Moby Dick ausging. Also nicht mit der Handlung des Buches, ich nehme stark an, das wissen Sie schon, sondern wie es mir mit dem Ende des Hörbuchs erging. Es war nämlich so, dass ich in der Anfangszeit der Coronaphase einmal abends auf dem Sofa lag und mir dachte, jetzt ist es soweit, jetzt hast du definitiv nichts vor, überhaupt nichts, denn die Welt findet ja in absehbarer Zeit nicht mehr statt, jetzt kannst du das große Werk endlich in einem Rutsch bis zum Ende hören, bis der Erzähler da also als einziger Überlebender auf dem Sarg durchs Meer treibt, das ist ja auch eine der Szenen, die man aus dem Film oder auch aus den Filmen kennt.

Ich legte mich also hin und ließ das Hörbuch laufen. Ich war eventuell nervlich etwas stärker beansprucht und allgemein etwas durch, das werden die meisten in den letzten Tagen für sich nicht ganz ausschließen können. Jedenfalls dämmerte ich zwischendurch weg und das Sofa schwankte bald gefährlich, denn es kam Sturm auf und die kreuz und quer über das Deck hastenden Matrosen störten mich erheblich beim Einschlafen; zumal ich nie verstand, was sie mir zuriefen, lauter seemännische Ausdrücke waren das, die mir gar nicht geläufig waren. Es klang aber alles so, als hätte ich dringend mitmachen müssen, als hätte auch ich so wie sie irgendwo ins Tauwerk greifen und ziehen oder pullen müssen, irgendetwas einholen, losmachen, festmachen, vertäuen müssen und dabei brach dann noch ein unfassbarer Regen los, wie er nur in eine Südseesturm möglich ist und das ist übrigens gar nicht so günstig, wenn man nur leicht bekleidet auf einem Sofa auf Deck herumliegt und nicht recht versteht, was eigentlich vor sich geht. Die Herzdame erschien auf dem Achterdeck und wollte etwas, ich konnte sie allerdings nicht verstehen, denn sie rief gegen den Wind, und irgendein Wind war das nicht, das war immerhin ein Taifun. Der Klang von Kirchenglocken wehte darin zu mir und ich fragte mich, wieso die denn bei Sturm läuten, das gab es doch nur früher einmal, auf den Halligen bei Sturmflut oder so, und wieso überhaupt Glocken auf See, hängen die in den Masten oder was – und so ging alles in einem Maße durcheinander, es war eine so unbegreiflich psychedelische Erfahrung, ich bin vermutlich noch nie im Leben so dermaßen gründlich in ein Buch gefallen. Zwischendurch kam es mir auch so vor, als sei es ein kluger und enorm tiefgründiger Gedanke, dass nicht nur der Erzähler, sondern dass auch der Leser die letzte Reise der Pequod überlebt hat und dass man das unbedingt bei allem bedenken und einigermaßen dringend etwas darüber schreiben müsse – das scheint mir bei Licht betrachtet aber keinen Bestand mehr zu haben.

Natürlich weiß ich jetzt nicht genau, wie die letzten Kapitel wirklich abliefen, aber das ist auch egal, ich lass das so stehen, ich weiß ja, wie es ausging. Mehr noch, ich war selbst an Bord, das kann auch nicht jeder behaupten.

Als das Hörbuch vorbei war, rappelte ich mich wieder hoch, es war im Grunde viel zu früh für den Nachtschlaf, selbst für meine seltsamen Verhältnisse. Ich zog mich an und ging noch einmal um den Block, ich ging durch den Bahnhof, wie ich es oft tue. Der Bahnhof war leer, es war der erste Abend, an dem er so leer war, ich könnte also jetzt die Corona-Tage abzählen, welcher davon es gewesen sein müsste, aber es ist auch schon egal. Ich sah über die Bahnsteige, sie sahen aus, als sei es schon tief in der Nacht, dabei war es ein früher Werktagsabend. Tausende hätten da umhereilen müssen, so gut wie niemand war da.

Ich lag gedanklich noch immer bei Melville vor Anker und wage fast nicht, von dem Mann zu erzählen, dem einzigen Mann weit und breit, der mir in der Wandelhalle entgegenkam, und der Ölzeug und einen Südwester trug, obwohl das Wetter nicht danach war, die Szenerie schon gar nicht, das Jahrhundert eigentlich auch nicht. Es wird keine erhellende Erklärung dafür geben. Er gehörte entweder zu einem der benachbarten Theater und lief im Kostüm herum, Zigaretten holen oder so, oder er war zu einer privaten Party unterwegs, die es in diesen Tagen wohl gerade noch gab. Vielleicht war er auch einfach einer der zahllosen Großstadtverrückten oder er war Model und hatte einen Fototermin für irgendwas mit Hamburg und Meer und dergleichen, wir werden es leider nicht erfahren. Er ging einfach nur an mir vorbei, und mit seinen in der leeren Halle gut zu hörenden Schritten verhallte Moby Dick endgültig in mir.

Es war, das wollte ich nur eben sagen, eine einigermaßen spektakuläre Hörbucherfahrung und ich tausche jetzt gerne alle Arten von Drogen endgültig und wild entschlossen gegen die Literatur im Halbschlaf ein. Für meinen Bedarf reicht das so.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Wenn Sie aber den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch überweisen wollen, die Daten dazu finden Sie hier.

 

Es gibt Suppe

Eine kleine Szene vorweg. Es gibt hier im kleinen Bahnhofsviertel eine Dame, die jeder kennt. Sie steht jeden Tag an der Straße und hält einen kleinen Pappbecher vor sich, sie bettelt. Sie ist sehr freundlich, viele Menschen geben ihr ganz routiniert etwas, auch bei Kindern ist das beliebt, seit langer Zeit nun schon. Sie steht da einfach nur und ist nett, mehr macht sie nicht, aber so nett ist sie, das ist schon etwas. Sie sammelt immer nur bis zu einer bestimmten Summe, dann macht sie Feierabend, hat sie uns einmal erzählt, ich weiß aber nicht, wie hoch oder eher niedrig dieser Betrag sein mag. Sie steht da also manchmal nur bis zum frühen Nachmittag und mal bis zum späten Abend, sie kann sehr lange stehen. Manche Menschen gehen einfach an ihr vorbei, manche geben etwas Geld, manche geben etwas Geld und reden noch kurz mit ihr.

Heute Morgen stand sie auch wieder da. Sie steht jetzt aber an einer fast menschenleeren Straße, das ist nun ein mühsames, ein sehr mühsames Geschäft. Und es gibt jetzt Menschen, die kommen da also diese Straße entlang und geben nicht nur nichts, nein, sie machen auch noch einen kleinen oder sogar deutlich größeren Bogen um sie. Sie steht da dennoch immer weiter und lächelt, denn das ist das, was sie wirklich gut kann.

Was ich nur eben sagen wollte – die Ärmsten trifft es wieder besonders heftig, und unter den Armen übrigens noch einmal besonders die Obdachlosen, alle Unterstützung bricht gerade weg. Denn alle bleiben zuhause. Wo bleiben die Wohnungslosen?

In unserem kleinen Bahnhofsviertel gibt es eine lange Tradition der Hilfe für Obdachlose und Arme, die Kirche, auf die ich aus unseren Fenstern sehe, spielt dabei eine große Rolle. Einige werden sich übrigens erinnern, die Herzdame und ich haben uns im Jahr 2015 schon einmal in Kooperation mit der Kirchengemeinde um eine Spendenseite gekümmert, da ging es um die Unterstützung von Gruppen, die damals Geflüchtete versorgt haben.

Unterstützung fehlt auch jetzt, aber das liest man am besten drüben weiter, denn wir haben, wie soll ich sagen, die Band wieder zusammengebracht, die Seite überarbeitet und wir legen jetzt noch einmal los. Die Zeiten sind so, und es ist immer gut, wenn man konstruktiv sein kann, das kann man ja überall nachlesen.

Hier drüben bei Sankt-Georg hilft wieder erklären wir den Rest, es geht dabei nicht nur um Geld, es geht auch um sinnvolle Sachspenden, denn es fehlt jetzt an vielem. Wenn Sie jemanden kennen, der oder die jemanden kennt – manches wird sich vielleicht ganz einfach lösen lassen.

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Vielen Dank an die Herzdame, der ich diesen Text wieder diktiert habe.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Der übliche Paypal-Link entfällt heute, wenn Sie einen Euro oder zwei übrig haben, werden Sie doch bitte drüben auf der Seite etwas ein. Es kommt da an, wo es ganz dringend gebraucht wird, ich kann das tatsächlich vom Balkon aus beobachten. Es gibt auch eine Spendenbescheinigung!

Die Opulenz des Jetzt

Den Titel, nicht wahr, den könnte es so auch als Taschenbuch von Suhrkamp gebe. Aber das nur am Rande. Die Kulturbranche streamt und sendet aus Leibeskräften. Jedes Museum, jedes Theater, jede Oper, jeder Verlag macht plötzlich in berauschender Offenheit und üppiger Fülle etwas online, macht viel online, irre viel sogar, in der Gesamtheit geradezu unfassbar viel, man kann darin schier untergehen. Es entsteht eine kulturelle Butterschicht im Digitalen, an der sich Heerscharen von Studierenden in der Zukunft einmal abarbeiten werden können. Bloggerinnen und Blogger wie ich sind da in der angefeuerten Produktion auch keine Ausnahme, auf einmal erscheinen überall wieder Artikel am laufenden Band, wie damals, als alle noch Spaß daran hatten. Man möchte überall Fleißkärtchen verteilen und weiß doch nicht, ob man sich wirklich freuen soll, zum einen ob des Anlasses, zum anderen aber natürlich auch, weil man nicht mehr hinterherkommt.

Ich weiß in all der opulenten Vielseitigkeit gar nicht mehr, wo ich zuerst hinklicken soll, ich bin dann gestern Abend hängengeblieben beim Instagram-Account des Hamburger Ernst-Deutsch-Theaters, auf dem der Schauspieler Sven Walser auftritt wie folgt – er geht auf eine spärlich beleuchtete leere Bühne vor einem natürlich auch leeren Zuschauerraum. Auf der Bühne steht ein Tisch, auf dem liegt ein dickes Buch, daneben brennt eine Kerze. Ein Glas Wasser steht da auch, eine Leselampe, das ist alles. Er nimmt das Buch und liest vor, und wenn die Wahl des Titels ein Hinweis auf die Dauer unseres Ausnahmezustandes ist, dann aber Gute Nacht, Marie, denn es ist der Zauberberg von Thomas Mann, für den brauchen wir eine Weile. Egal, wer wird an die Zukunft denken, wir sind im Jetzt. Alle sind wir auf einmal radikal und hellwach im Jetzt, wie es in gewissen Büchern doch immer schon empfohlen wurde, und dafür haben wir also gar keine Erleuchteten und keine Esoterik gebraucht, dafür brauchten wir nur einen Virus. That was easy!

Im Jetzt jedenfalls liest der Herr Walser, wie Hans Castorp im Gestern und im Zug nach Davos fährt. Bei mir löst das wundersame Reaktionen aus. Denn zum einen erinnere ich mich auf einmal seltsam deutlich an den Text, also an meine eigene Lektüre des Textes vor zig Jahren, das hätte ich gar nicht für möglich gehalten, zum anderen gefällt er mir auf einmal sogar, obwohl ich doch erhebliche Vorbehalte gegen Thomas Mann habe. Aber jetzt – dieser Erzählduktus ist gerade genau das, was ich brauche, um dem alles mitreißenden Mahlstrom der Nachrichtendienste und Ticker eine Weile zu entkommen.

Vielen Dank dafür, ich bin begeistert.

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Vielen Dank auch an die Herzdame, der ich diesen Text wegen meiner kaputten Gräten größtenteils diktiert habe.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Schnell zwischendurch

Es bleibt hier noch etwa sieben Tage oder etwas länger bei kürzeren und wenigen Beiträgen. Ein Arm spielt nicht mit und mit nur einer Hand geht das alles nicht recht. Obwohl es natürlich viel zu schreiben gäbe, gar keine Frage. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so unpassend, sich das alles erst einmal nur anzusehen, es gibt immerhin keinen Mangel an Szenen, Entwicklungen und Meldungen, die man bestaunen kann, aber doch auch erst einmal verarbeiten muss. Auf Twitter, Instagram und FB finde ich gerade deutlich mehr statt, das kann ich alles einhändig, aber einhändig reicht es eben nur für kurze Gedanken und Splitter. Für längere Ausführungen brauche ich unbedingt beide Hände, was wiederum beweist, dass ich eigentlich mit den Fingern denke und mich daher zum wiederholten Male fragen muss, was genau eigentlich mein Hirn macht. Egal.

Eine Anmerkung noch zu der hier vorgestern in den Kommentaren geäußerten Frage, ob man Kulturschaffenden aller Art irgendwie zentral helfen kann. Das kann man m.W nicht, jedenfalls nicht sozusagen branchenübergreifend. Es wäre auch wahnwitzig kompliziert, das zu organisieren. Man kann die Frage aber vielleicht von den Kulturschaffenden lösen und anders herangehen. Ich bin kein Topexperte für Resilienz und dergleichen, aber es erscheint mir doch sinnvoll, wenn jeder zunächst genau da hilft – wie und womit er eben helfen kann, das muss ja kein Geld sein -, wo er sich auskennt oder beheimatet ist, ob nun im Netz oder in der Wirklichkeit. Hegt und pflegt die Timelines und die Hood, seid unbedingt nett und hilfreich zueinander, bildet Trostbanden. Und wenn man das gemacht hat und dann hoffentlich noch etwas übrig ist, an Kraft, Geld oder woran auch immer, dann gibt es genug da draußen, was unbedingt auch noch zu retten ist, angefangen beim Obdachlosen um die Ecke, dem jetzt kaum eine Institution noch hilft.

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Ich denke an einen schon länger verstorbenen Blogger, ich denke an eine unlängst verstorbene Bloggerin, beide mit ausgewiesener Expertise im Nettsein. Man kann da etwas nachmachen, das passt jetzt. Be kind, wie es auf amerikanischen Seiten immer heißt.

Es ist noch viel zu früh,um sich unterkriegen zu lassen, das stelle ich jedenfalls für mich fest, auch wenn die Lage noch so desolat ist. Oder anders gesagt: Ich übe doch nicht seit fünfzehn Jahren an öffentlichem Humor herum, nur um bei einer Krise sofort einzuknicken, so ja nun nicht. Im Arbeitszeugnis hat bitte zu stehen: “In seiner Rolle als Clown war er stets mit Ernst bei der Sache.”

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Hinz & Kunzt stoppt Straßenverkauf

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Der Homeschooling-Wutausbruch

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Egal, was die Lehrerinnen und Lehrer so an Aufgaben schicken, gehen Sie doch bitte mit den Kindern auch so etwas durch, es ist wichtig: Zehn Tipps gegen die Lügen.

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Ein Elternblog für diese Zeit

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Digitale Angebote der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen – jetzt kostenlos, falls Sie das verpasst haben.

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Leider vergessen, durch wen gefunden – die Definitionen für Clusterfuck, SNAFU, FUBAR und Shitshow. Wer weiß, wann man sie braucht.

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Eine Infoseite und wer sie warum macht

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Momentan kostenlose Apps und Programme

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Ein Wiener Psychiater redet über diese Zeit und den Nutzen. Gefunden via Au fil des mots. Mich beruhigt ja schon der Dialekt, was Wiener vermutlich nicht nachvollziehen können. Ich möchte, wenn ich es noch einmal zu einer Therapie bringen sollte, bitte auch einen Wiener Psychiater, der sinnend vom Herumsandeln spricht, wenn er im Gespräch mit mir meinen Tagesablauf bedenkt, doch, der Gedanke gefällt mir. Sehr.

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Abenteuer Garten

Ein Text von Maret Buddenbohm, die hier lange nichts geschrieben hat. Manchmal kommen sie wieder! Und der Gatte kann ja gerade nicht recht.

Passend zur aktuellen Zwangspause ist ein großartiges neues (Klein-)Gartenbuch erschienen: „Abenteuer Garten – mein erstes Jahr im Schrebergarten“ von Carolin Engwert im Kosmos-Verlag. Wer Gartenblogs liest, der kennt Caro sicher vom Hauptstadtgarten. Das Buch ist nach Jahreszeiten aufgebaut und behandelt neben einigen kleingartentypischen Themen wie Laubenbau, Abwasser und Komposttoilette auch super viele Themen, die alle Gartenanfänger dringend interessieren werden.

Das Buch "Abenteuer Garten" neben Grühnkohl

U.a. befasst sich Caro mit Gartengestaltung, Beetplanung, Aussaat & Ernte, Schädlingen & Pflanzenkrankheiten, Rasen-, Baum- und Heckenpflege. Caro hat auch DIY-Tipps, wie Ollas oder Hochbeete selbst bauen, Fermentieren, Biodünger oder Kompost selbst herstellen oder Erdbeeren vermehren und eigenes Saatgut ernten. Es gibt auch viele Checklisten und Tabellen, z.B. den saisonalen Erntekalender oder eine umfangreiche Tabelle mit Mischkultur-Kombinationen. Oder eine Mengenempfehlung für eine vierköpfige Familie, eine tolle Idee übrigens.

Eien Seite aus dem Buch "Abenteuer Garten"

Wir gehen inzwischen in den vierten Gartensommer und ich finde im Buch noch 1000 Dinge, die ich noch nicht wusste. Ich bin jedenfalls beeindruckt, was Caro alles mehr weiß als ich, obwohl sie den Garten auch nicht viel länger hat. Wenn es keine Ausgangssperre gibt, kann ich demnächst vielleicht etwas aufholen, man kann ja sonst nichts mehr machen. Und weil das Buch auch noch super schön gestaltet ist, mit vielen selbstgeschossenen Fotos, macht das Lesen gleich doppelt so viel Freude.

Eine Seite aus dem Buch "Abenteuer Garten"

Ich kann es allen Gartenanfängern und Fast-Anfängern sehr empfehlen. Ein super Zeitvertreib zur Überbrückung, bis man endlich wieder raus darf.

Eine Seite aus dem Buch "Abenteuer Garten"

Übrigens war das jetzt unbezahlte Werbung, ist klar ‘ne? Wir kennen Caro, wir kennen ihren Garten, wir finden Caro super. Eigentlich würden wir sie auch gerne einmal wieder besuchen. Aber.

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Wo die Bären und die Bücher sind

Kiki braucht Hilfe. Und bietet Bären. Ich sehe in meinen Timelines viele, zu viele, die gerade spontan Hilfe brauchen und würde jeder und jedem am liebsten sofort beidhändig Geld über den Zaun werfen, allerdings ergeht es mir mit meiner Teilselbständigkeit dummerweise nicht anders als ihnen und die Lage ist daher etwas vertrackt. To say the least.

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Willkommen in Retrotopia

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Leben mit dem Virus

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How to protect your mental health

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Eine komplett ausgedacht klingende Szene, aber so ist es nun einmal im Moment: Im Rewe steht eine ältere Dame vor einem Regal und schimpft über die Ausländer, die uns jetzt das ganze Mehl wegkaufen, während ein Regal weiter zwei vermutlich türkischstämmige Jugendliche laut fragen, ob jetzt alle Deutschen endgültig verrückt geworden seien, oder warum schleppen die da alle plötzlich kiloweise Mehl raus? Hallo? Und die Mitarbeiter des Ladens knien dazwischen, füllen unentwegt nach und murmeln immer wieder: “Leute, Leute …”

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Ich kann nur ganz kurz und einhändig schreiben, wie bereits gestern angedeutet, das wird auch noch ein paar Tage so bleiben. Heute Morgen beim Arzt gewesen, also beim Orthopäden, das musste sein, war aber eine eher gespenstische Erfahrung, nach Möglichkeit bitte nicht nachmachen.

Die Schulen der Söhne schicken Aufträge, sinnige Aufträge sogar, wobei es ja Abgründe gibt, auf die Nichteltern vielleicht gar nicht kommen. So liegen die Bücher der Jungs natürlich in den Schulen, wie es bei Ganztagsschülern üblich ist – da nützen sie uns aber gerade nichts. An der einen Schule wird es eine Art Materialübergabe am Schultor geben, bei der anderen bisher nicht. Ich lese, dass Schulbuchverlage ihre Bücher online stellen, müsste aber erst einmal herausfinden, welche Bücher es überhaupt sind (“so ein weißes”) und welcher Verlag denn usw., das kostet alles Zeit, Zeit, Zeit. Der Teufel steckt auch hier im Detail.

So ganz einfach ist das alles also nicht, aber die Lehrerinnen und Lehrer sind wahnsinnig bemüht und großartig, keine üble Nachrede meinerseits, ganz im Gegenteil. Die hängen sich rein. Wie stark man sich aber als Elter reinhängen kann und welche Folgen das dann für die schulische Leistung und/oder für die Eltern-Kind-Beziehung hat – die nächsten Wochen werden es zeigen. Ich folge auch hier einfach dem bewährten Motto: “Herr Buddenbohm war stets bemüht.”

Morgen mehr.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld für – ja, für was eigentlich, was hat denn noch auf? Für Kaffee, das wird noch gehen – in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Wenn Sie aber den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch überweisen wollen, die Daten dazu finden Sie hier.

 

So ist das

Der Text des Tages steht heute beim Goethe-Institut, geschrieben noch in Zeiten vor Corona, wie man deutlich und sofort merkt, er spielt in einer geöffneten Bücherei. Also damals.

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Apropos Bücherei. Da habe ich kurz vor der großen Schließung noch einen letzten Mohnkuchen gegessen, während um mich herum Menschen Berge von Büchern hamsterten und ich folgendes Gespräch zwischen drei Damen neben hörte:

“Na, es ist nun so, wie es ist.”

“Und so ist es dann eben.”

“Genau. So ist das.”

Und das, scheint mir, kann man erstens erstaunlich weit verallgemeinern und zweitens auch eine Weile so stehen lassen.

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In Quarantäne

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Nachdem ich neulich den Gap zwischen Medien und Wirklichkeit mehrmals im Blog erwähnt habe, trat wiederum ein fast schon befremdlich pointensicherer Humor des Schicksals zutage und der Gap wurde für eine Weile auf ungeahnte Weise aufgehoben. Was in den Newstickern ist, das ist auch da draußen, ich gucke auf den Bildschirm, ich gucke auf den Spielplatz, hier und dort Menschen mit Mundschutz, ein paar Meter weiter der ungeahnt leere Hauptbahnhof. Hätte ich gestern oder vorgestern das Liveblog zur Wirklichkeit weitergeschrieben, es hätte wie all die anderen Liveblogs geklungen. Wie abgefahren ist das denn?

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Ich beherrsche mich übrigens nur mühsam, hier ein wirklich schlechtes Wortspiel mit “Schpreppergarten” unterzubringen.

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Ansonsten neige ich zu Gebrechen neben dem Trend, Schultergelenkentzündung, ich tippe hier also wieder wie ein einarmiger Bandit und muss mich kürzer fassen, als es mir lieb ist. Das wird leider auch noch ein paar Tage so bleiben, sagen die Erfahrungswerte. Vielleicht eher ein paar kurze Einträge mehr, mal sehen. Die Schreiblust vergeht mir so schnell nicht.

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Nur eine schnelle Erwähnung noch. In der Nacht zum Sonnabend schreit jemand auf der Straße herum, was hier wirklich nicht ungewöhnlich ist, Mitte der der Millionenstadt, das zieht sie eben alle an. Ein Mann steht um 04:30 vor der Kirche und brüllt mit tiefer Stimme: “Das ist die wahre Dreieinigkeit!” Oft brüllt er das, aber erklären tut er es leider nicht, und das ist ein wenig nervtötend, denn man wüsste dann doch ganz gerne, was das denn nun genau ist, die wahre Dreieinigkeit. Die Auflösung kommt aber hartnäckig nicht. Dann brüllt er: “Die Schergen des Todes!”, was eine immerhin erstaunliche Wortwahl für einen dieser meist stark alkoholisierten Brüller ist, die können sich in aller Regel nicht so gewählt ausdrücken. “Die Schergen des Todes” brüllt er, und weiß sicher gar nicht, dass er dabei auf einem ehemaligen Friedhof steht, was in einer Schauergeschichte immerhin ein nettes Detail wäre und also auch absatzlang erwähnt werden müsste. Und dann kommt nur noch der nicht weiter ausgeführte Abgesang, man hört es, während er weiterzieht und leiser wird: “Corona! Corona!”

So also kommt die Nachrichtenlage bei den verwirrten nächtlichen Brüllern an. Fast kann ich es verstehen, ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit auch das Gefühl, nicht mehr recht hinterherzukommen und “Corona, Corona”, das hört man in absolut jedem Gespräch, wo, wann und an wem man auch vorbeigeht.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld für Mohnkuchen aus anderen Cafés in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Wenn Sie aber den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch überweisen wollen, die Daten dazu finden Sie hier.