Die Kraft der Ente und die Kunst der Kroaten

Eine Verschwörungstheorie.

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Während ich bei dem Roman (Der Feigenbaum) immer noch nicht recht weiß, wie ich ihn finde (jetzt aber auch einen Feigenbaum haben will), kann ich bei diesen Kurzgeschichten hier schon einmal anmerken: Verdammt gut.

Titelseite Anthony Doerr

(Anthony Doerr: Die Tiefe, übers. von Werner Löcher-Lawrence)

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Die ebenfalls gestern angesprochene Sache mit der Berufsbezeichnung hat sich übrigens ganz einfach gelöst, dank der Hilfe von Sohn I im Gespräch und von Paula im Kommentar zum letzten Artikel. Die wiesen mich nämlich beide noch einmal darauf hin, dass grundsätzlich und ausschließlich englische Bezeichnungen als cool durchgehen können und dann fiel mir ein, dass ich meine Texte ja gerade spreche und nicht schreibe! Weswegen “Dictator” doch ganz hervorragend passt. That was easy! Man ist aber auch manchmal ein Dummerchen.

Graffiti Putin und Erdogan

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Es wird hier wohl eine schöne Tradition, dass ich die Texte mit Antworten auf die Kommentare zum Vortag beginne. Da fragte etwa Richard, ob ich Laurence Sterne kenne, das ist selbstverständlich der Fall. Denn ein Autor, der ein Leben erzählen möchte, dabei aber bei der Geburt für ein paar 100 Seiten und mehrere Bände vom Thema abkommt, der gilt mir natürlich als Großmeister, zu ihm ist unbedingt aufzusehen. Sollte jemand das Leben und die Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman, versehentlich nicht kennen: Es ist Herbst, es regnet, es wird früh dunkel, man kann schon Herzensternenbrezeln kaufen, die Gelegenheit ist wirklich günstig, genau jetzt damit zu beginnen. Und dann hat man ein paar gepflegte Abende lang etwas zu tun.

 

Thalia-Plakat: Gegenwarten

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Aber zurück zur Tedx. Der erste Redner dort war Paul Bethke, der Gründer von Lemonaid, Sie haben vielleicht mitbekommen, die Firma war im Sommer in den Schlagzeilen, weil ein großer Discounter deren Produkte ziemlich schamlos gefälscht hat, eine Sauerei erster Klasse.

Hier muss kurz ein alberner Exkurs hin, pardon. Denn diese Diktiersoftware ist zwar dahingehend erstaunlich, dass sie fast alles versteht, aber doch nicht ganz alles, und die verbleibenden Fehler sind manchmal schon schön. So stand hier bis eben gerade, dass Paul Bethke an Lemon litt, was sicher eine ganz neue Sicht auf sein Leben ist. Und gestern wurde in einem anderen Text durch einen Fehler das Wort Pointe durch Kroate ersetzt, weswegen mein seltsames Hirn jetzt dauernd Sätze wie :”Er konnte meisterhaft Kroaten setzen” und “Ein Kroate jagte den anderen” abspult, so ist man als Diktierender manchmal auch höchst eigenwillig beschäftigt. Bitte um Vergebung für die Albernheit, Exkursende.

Jener Paul Bethke also hat in den auf der Tedx üblichen 15 Minuten sein Leben und sein Projekt umrissen, also sein größtes Projekt, die bekannte Limonadenfirma mit dem karitativen Aspekt, auch sein Leben wird sicher aus mehreren Projekten bestehen, nehme ich an. Der Film dazu ist noch nicht online, den muss ich irgendwann nachreichen, es dauert immer eine ganze Weile, bis die auf Youtube erscheinen. An Paul Bethke haben mich zwei Aspekte irritiert, und nein, es folgt jetzt weder Kritik an seiner Person noch an seiner Firma, er dient mir hier nur als bloßer Stichwortgeber. Zum einen habe ich ziemlich weit hinten gesessen und nicht die besten Augen, aus dieser Beobachtungssituation heraus sah er ziemlich überzeugend aus wie Frank Zappa, das war sehr merkwürdig. Schon aufgrund dieser Ähnlichkeit konnte er gar keinen normalen Lebenslauf haben. Wobei eine Limonadenfirma mit Wohltätigkeit und Fairtrade-Zutaten in Bioqualität vielleicht auch gut zu Frank Zappa gepasst hätte. Also wenn schon Brause, dann so.

Zum anderen schweife ich aber nicht nur als Autor, sondern auch als Zuhörer gerne und ausgiebig ab, was mir bei Paul Bethke zum Beispiel gleich zu Anfang passierte, weil ich über dieses von ihm vermutlich selbst gewählte und mit den ersten Sätzen klar werdende Format „Mein Leben in 15 Minuten“ nachdenken musste.

Denn 15 Minuten sind denkbar knapp, das wären sie sogar für ein ziemlich ereignisloses Leben. Man bricht sich in so einer Situation als Vortragender auf wenige Eckpunkte herunter, man zeichnet sich mit nur ein paar Linien, man zeichnet sich selbst wie ein Karikaturist, natürlich aber ohne jede beleidigende Absicht. Da sind dann nur die vermeintlich prägenden Merkmale übrig, die Highlights. Dazu dann noch einige sinnvolle Übertreibungen, es soll ja auch werben, und alles mit großem Schwung verbunden. Fast alles aus dem Lebenslauf lässt man aber weg, man entnimmt dem üppigen Material an Jahren und Jahrzehnten nur eine Handvoll Momente – und dann hat man sich als very short story, als prägnante Skizze.

Das kann man leicht zu Hause einmal nachspielen, diese 15-Minuten-Sache, ich glaube, dass daran mindestens zwei Sachen höchst interessant sind. Zum einen natürlich das, was man weglässt, denn das ist vielleicht nicht unbedingt das, was andere auch weglassen würden, wenn sie uns beschreiben müssten. Da ist man dann wieder und wie so oft bei der Selbstbild/Fremdbild–Sollbruchstelle der menschlichen Intelligenz, das ist immer ein höchst spannender Abgrund, über den man gar nicht genug nachdenken kann. Andere würden eine andere Karikatur von uns zeichnen, vermutlich eine, die uns in Teilen überraschen würde.

Zum anderen, und da komme ich wieder auf den gestern verlinkten Text zur Erzähltheorie – obwohl ich den beim Besuch der Tedx noch gar nicht kannte -, ist es aber bedenkenswert, dass man diese 15-Minuten-Version von sich selbst normalerweise und mit bestem Gewissen für die Wahrheit hält. Denn wenn mich meine Psychologiekenntnisse nicht täuschen, spricht einiges dafür, dass genau dies nicht die Wahrheit ist. Ich hatte dazu vor ein paar Tagen auch einen Text über die Täuschungen des Gedächtnisses verlinkt, es gibt aber noch mehr Gründe, sich selbst nicht alles zu glauben, wer einmal eine Therapie gemacht hat, der nickt jetzt wissend. Wenn man das nun ernst nimmt, dann muss man eigentlich enorm vorsichtig mit diesen Kurzfassungen von sich selbst umgehen, ganz egal, ob man sich nun elaboriert einem Auditorium oder nur nebenbei einem Gesprächspartner auf einer Party vorstellt. Noch einmal, damit meine ich nicht speziell den Vortrag von Paul Bethke, der war nur der Auslöser für diese Gedanken, der kann gar nichts dafür.

Das bin also nicht ich, was ich da von mir berichte, das ist nur die von mir zu repräsentativen Zwecken erdachte Geschichte von mir. Was wiederum auch deswegen spannend ist, weil man Geschichten meistens fortschreiben möchte. Und da man dabei nicht irgendwas schreiben, sondern die Geschichte möglichst sinnvoll fortsetzen möchte, verhält man sich permanent so, dass die nächsten 15 Erzählminuten vor Publikum, zu denen es jetzt noch gar keinen Inhalt gibt, möglichst gut zu den ersten 15 Minuten passen werden. Die Erzählung bestimmt das Verhalten.

Da kann man, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, noch sehr viele Gedanken anschließen, da passt ja auch die gestern bereits diskutierte Sache mit der Berufsbezeichnung und ihrer erstaunlichen Wirkung auf andere, da kann man sich immer weiter hervorragend in Grübeleien zu Lebensgestaltung, Lebenslauf und Lebenssituation verlieren. Das habe ich dann selbstverständlich auch getan, weswegen ich von Paul Bethke nicht alles mitbekommen habe. Er hat sich aber wiederholt vehement gegen Rassismus und für Wohltätigkeit ausgesprochen, so viel habe ich mitbekommen, das fand ich alle sehr sympathisch. Darauf eine Limo!

Stühle vor einer Kneipe im Regen

Wenn man über solche Aspekte zu lange nachdenkt, dann wird es aber auch schwierig. Ich habe gerade eine Kolumne für eine österreichische Frauenzeitschrift geschrieben, nein, diktiert (wie es dazu kam, das muss ich auch noch einmal erzählen, das war ganz amüsant), und bei so etwas reicht man immer auch eine kurze Bio ein, also zwei, drei, vier Zeilen über sich selbst. Da habe ich einigermaßen ratlos vor dem Bildschirm gesessen und bin nicht darauf gekommen, was ich schreiben sollte. “Kommt aus Lübeck”, das stand da bisher immer am Anfang – aber ist dieser Umstand denn so wichtig, dass er in einer ganz kurzen Reihe von Fakten über mich wirklich unbedingt genannt werden muss? Ist nicht irgendwas anderes, was weiß ich, “War in der Grundschule schon der Klassenclown” oder so etwas, vielleicht viel wichtiger? Da sitzt man dann und denkt sich fest, so etwas kommt von so etwas.

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Mit der nächsten Rednerin auf der Tedx hat sich die biografische Zuspitzung durch ihre Selbstbeschreibung sogar noch verschärft. Dazu morgen mehr. Oder übermorgen. Oder so.

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Heute keine Musik, heute die Frage: Woher nimmt die Ente die Kraft?

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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An der Finkenau

Ich schreibe irgendwas

Danke für die Kommentare zum letzten Artikel – ich glaube, Jazzrock ist nichts für mich, aber das Buch “Machandel” merke ich mir doch glatt mal vor. Ferner wurde gefragt, ob der gerade von mir gelesene Roman (Der Feigenbaum von  Goran Vojnovic, übersetzt von Klaus Dieter Olof) gut sei. Schwer zu sagen, ich bin nach Sachbuchphasen immer etwas ratlos im literarischen Urteil. Gut genug, dass ich schon auf Seite 100 bin jedenfalls. Ich stelle fest, das hat aber mit “gut” als Geschmacksurteil nichts zu tun, dass es mir gefällt, eine Handlung aus Europa zu lesen. Also im Gegensatz zu: Handlung in den USA. Nichts gegen die USA, schon gar nicht literarisch, aber Europa ist eben auch mal dran und sagt mir gerade wesentlich mehr.

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Die spannende Frage, ob die Post eine gesellschaftliche Aufgabe ist.

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Nachdenken über Geschichten (es ist kompliziert). Ein paar Gedanken dabei, die mir auch schon kamen, das freut einen ja immer. Ein paar Gedanken dabei, die ich haarsträubend daneben finde. Es wird noch mehr dazu zu sagen sein, merke ich gerade. Das im Artikel erwähnte Buch von Albrecht Koschorke besorge ich mir mal.

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Kirche im Regen durch Fensterglas

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Neulich war ich auf der Tedx in Hamburg. Denn ich bin zwar gerade nicht recht schreibtischfähig, aber zuhören kann ich ja trotzdem. Es gab auch einmal Zeiten, da hätte ich dort ein paar Bloggerinnen oder Blogger getroffen, das ist aber heute nicht mehr der Fall. Dafür habe ich Kolleginnen aus dem Büro getroffen, auch eine interessante Wandlung.

Auf einer Tedx ist es so, dass man nach alter Tradition seine Sitznachbarn kennenzulernen hat, das wird auch immer so anmoderiert, jetzt hier, zack, mal zehn Minuten Socialising. Man stellt sich also kurz vor, sagt vielleicht seinen Beruf, wo man herkommt, ob man schon einmal auf so einer Veranstaltung war. So etwa in der Art. Dann wendet man sich wieder nach vorne und hört den Vorträgen zu, die in der Regel, selbst wenn einen das Thema überhaupt nicht interessiert, doch irgendeinen Aspekt haben, über den man hinterher länger nachdenken kann oder muss. Dazu später mehr. Ich fragte also den Herren neben mir nach seinem Beruf, in der Erwartung, er würde irgendwas mit Business oder Medien oder beidem machen, denn das war so die Blase da, dachte ich, so war es da ja immer. Er sagte aber, er sei Molekularbiologe. Ich sagte, ich schreibe. „Hm“, sagte er, so ein unbestimmtes “Hm”, mit dem man alles meinen kann.

Schild "Zeitgeist" in einem Schaufenster


Molekularbiologe, das klingt natürlich toll, das klingt sinnvoll, brauchbar und anwendbar – und wahrscheinlich klingt es nicht nur so, wahrscheinlich ist es das sogar. Ich merke manchmal so einen leichten Stich, wenn ich Menschen mit solch großartigen Berufen begegne. Also mit Berufen, die irgendwie beeindruckend und plausibel klingen. Apotheker, Richter, Geschichtsprofessoren, Meeresforscher, Opernsängerinnen und Geigenbauerinnen. Das klingt doch alles ziemlich gut. Ich ziele dabei nicht auf elitäre Berufe ab, mein Bruder etwa ist Glasermeister, das klingt auch gut, finde ich. Meisterhaft eben. Oder sagen wir so, es klingt alles besser als: ich schreibe. Zumal es auch nicht besser wird, wenn ich meinen Bürojob ergänze, ich bin auch noch Teilzeitcontroller, was soll daran bitte toll sein. Beeindrucken kann man damit sicher niemanden.

Ich habe darüber neulich mit einer etwa gleichaltrigen Freundin gesprochen, die sich beruflich ähnlich verzettelt hat wie ich und auf deren Visitenkarte ebenfalls nichts stehen könnte, was anderen sofort einleuchtet oder sogar Eindruck hinterlassen würde. Dieser dauernde leichte Neid auf Menschen, die sich mit einem Wort gut erklären und verkaufen können. Also zumindest ihren beruflichen Aspekt, charakterlich und seelisch können die natürlich alle vollkommen vergurkt sein, wie jeder andere auch, gar keine Frage. Zu diesem Thema haben meine Freundin und ich uns also durch ein paar Minuten Selbstmitleid gesmalltalkt, bis uns wieder einfiel: Wir wollen ja gar nicht Zahnärzten oder Zahnarzt sein. Wir wollen auch keine Apotheke, keine Kanzlei und keine Professorenstelle. Es hat sich ja nicht nur nicht so ergeben, nein, all diese Klassiker, die waren einfach nichts für uns.

Graffiti Kenn Dein Limit

Wir hätten sie alle haben können, rein theoretisch, doch, das wäre möglich gewesen. Es war damals ein freies Land und das ist es auch heute noch (Stand Oktober 2018), wir könnten immer noch morgen anfangen, einen anderen Beruf zu ergreifen, bitte sehr, fang doch an. Aber das machen wir nicht. Und dann haben wir uns das gegenseitig noch einmal erklärt, dass man nämlich , wenn man sagt, man sei Zahnarzt, auch Zahnarzt sein muss. Durch und durch. Also mit jeden Tag und bis zur Rente. Man hat dann zwar einen renommierten Beruf, das hilft vermutlich bei Wohnungsbesichtigungen oder bei Kontaktanzeigen in der Zeit enorm weiter, aber man muss ihn dummerweise auch ausüben. Und Zahnarzt zu sein, das ist doch etwas speziell, ist es nicht?

Graffiti "Gegen die Stadt der Reichen"

Weswegen es schon sinnvoll ist, dass nur die Zahnärzte werden, die sich tatsächlich vorstellen können, das zu sein – und nicht so Leute wie ich. Also nicht so Leute, die einfach nur  irgendwas schreiben wollen. Dass ich andererseits auch kein Molekularbiologe geworden bin, das liegt u.a. daran, dass ich bis zum heutigen Tage nicht mal weiß, was Molekularbiologie eigentlich ist, genau genommen interessiert es mich nicht einmal genug, um es mal eben zu googlen. Und dann passt das wohl nicht ganz zu mir.

Es ist ein kompliziertes Thema, was man beruflich will, vor allem, wenn man beruflich eigentlich gar nichts will. Ich will tatsächlich einfach nur irgendwas schreiben, ich finde das Thema Beruf  ganz ungemein lästig. So ein Beruf stört einfach bei allem, beim Denken, bei der Freizeitgestaltung und bei der Terminplanung. Aber noch gibt es kein bedingungsloses Grundeinkommen und auch keine Rente für mich, noch muss das also so, eh klar, und es geht ja auch. Also wenn nicht gerade ein Gelenk durchdreht jedenfalls, im Büro würde ich mit Diktieren nicht so leicht durchkommen.  Gibt es überhaupt eine Sprachsteuerung für Excel?

Aufkleber "Fuck"

Die Söhne übrigens können überhaupt nicht verstehen, warum ich nicht Mathelehrer geworden bin. Denn das ist doch etwas, was ich sehr, sehr gut kann, sagen sie. Mathe erklären, das sei doch genau mein Ding. Das ist eine der besten Pointen meines Lebens, schon dafür hat sich die Sache mit der Familienplanung damals gelohnt, auch wenn eigentlich nur ich drüber lachen kann, also eine wirklich sehr kleine Zielgruppe. Mein damaliger Mathelehrer, der könnte vielleicht auch darüber lachen, aber der weiß das nicht (Lieber Herr W. auch mit 30 Jahren Abstand finde ich ihren damals mir gegenüber häufig wiederholten Satz “Kaufen Sie sich lieber einen Sarg” übrigens pädagogisch immer noch etwas unklug, to say the least. Aber was weiß ich schon).

Schriftzug "Reclaim your autonomy"

Es bleibt unterm Strich jedenfalls ein heikles Thema, diese ganze Berufssache, vermutlich muss ich auch darüber noch etwas länger drüber nachdenken. Gleich am nächsten Tag habe ich übrigens wieder einen kennengelernt, ganz ohne anmoderiertes Socialising, einfach so, das geht ja auch. Der sagte dann, er mache was mit Strahlentherapie, die Woche war in dieser Hinsicht wirklich ein wenig herausfordernd. Gott sei Dank fragte er mich gleich darauf, ob ich denn nicht der mit dem Blog sei? Und das ist doch auch etwas, wenn die Tätigkeit einem so zwei, drei Meter vorauseilt. Oder, um schon wieder wie gestern den geschätzten Feuilletonisten Falk Schreiber zu zitieren, das ist doch nicht nichts.

Aufkleber "Free your mind"

Eigentlich wollte ich von der Tedx erzählen. Egal, dazu dann eben morgen mehr. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, ich komme hier ab und zu vom Thema ab, vielleicht fiel es Ihnen auch bereits auf? Schlimm. Aber wenn ich es recht bedenke, das gehört zu den Sachen, die ich wohl ganz gut kann. Irgendwo hingehen, drüber schreiben und vom Thema abkommen. Eine etwas seltsame Begabung, nicht wahr. Als musikalisches Wunderkind hätte ich es vermutlich bedeutend leichter gehabt, aber was soll ich machen, ich kann  bis heute nicht einmal Noten lesen.

Die Außenalster

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Apropos Musik. Heute natürlich von ihm.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Weil Baum

In den Kommentaren zum letzten Text wurde verschiedentlich angemerkt, ich könne das Handy beim Diktieren doch auch einfach anders oder sogar richtig halten, also ans Ohr, wo es hingehört – ich muss aber beim Reden doch auf den Bildschirm sehen, um zu prüfen, wie die Sätze entstehen, die ich da spreche. Deswegen die bekloppte Haltung.

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Bild Kreuzigungsgruppe Sankt Georg

 

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Man muss, wenn man so herumläuft, um etwas zu diktieren, auch erst einmal auf etwas kommen. Also so lange gehen, bis einem etwas einfällt oder auffällt, bis man irgendeinen Gedanken erwischt, aus dem man vielleicht etwas machen könnte. Das kann dauern, sowohl in Minuten als auch in Metern gerechnet, es kann sogar ziemlich lange dauern, denn man denkt zwar dauernd irgendwas, aber nicht unbedingt etwas, das einem auch brauchbar erscheint, geschweige denn dem hochgeschätzten Publikum. Und man sieht auch nicht immer etwas, das man für berichtenswert hält, schon gar nicht in der eigenen Hood, wo man meist völlig bermerknisblind herumlatscht. Es kann also sein, dass man geht und geht und auf nichts kommt, so wie heute. Der Gebrauch gewisser Stimulantien scheint mir daher absolut gerechtfertigt, ich denke da etwa an traurige Musik.

Das hat natürlich nur Sinn, wenn man traurige Musik gewissermaßen als geistigen  Treibstoff nutzen kann, aber vielleicht ticken Sie ja zufällig dauerhaft oder zumindest ab und zu in dieser Hinsicht gerade so wie ich und verstehen das daher. Ich brauche traurige Musik zum Schreiben, je Melancholie, desto Text, das gilt auch für heitere Texte und Pointen aller Art, mit anderer Musik geht das nicht.

Aufkleber "Too shy to rap"

Warum auch immer, das kann ich gar nicht weiter erklären. Oder, wie die Söhne sagen würden, weil Baum. Das ist ihre Antwort, wenn etwas nicht weiter zu begründen ist, ich finde diese Antwort ganz hervorragend und kann mich gar nicht erinnern, ob wir als Kinder auch eine Antwort in der Art parat hatten, also außer “darum”. “Warum hast du für Englisch nicht gelernt? “Weil Baum.” “Warum heilt der Ellenbogen nicht?” “Weil Baum.” “Warm hörst du immer nur traurige Musik?” “Weil Baum.” Man kann sehr viel damit abkürzen, probieren Sie das ruhig auch einmal im Büro.

Jedenfalls habe ich da mal etwas vorbereitet, 99 ziemlich traurige Songs, damit komme ich sinnend um den Block und noch etwas weiter, vielleicht wollen Sie ja auch mal. Deutschsprachige Songs sind nicht dabei, EoC fehlen also, aber deutschsprachige Songs gehören für mich auch zu einer anderen Schreibart, mehr so Richtung Kurzgeschichte.

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Ich versuche gerade, die Sachbuchphase wieder zu beenden, das ist gar nicht so einfach. Immerhin habe ich 50 Seiten in einem Familienroman geschafft, geht doch.

Buchcover "Unter dem Feigenbaum"

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Laut der Zeit wird das “schräg zum Zeitgeist stehende” Hobby gerade wiederentdeckt, Sie merken, ich muss noch Links aufräumen. Ob das Wandelbloggen wohl schräg genug steht?

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Beim Deutschlandfunk finde ich schöne Belege für meine gestern geäußerten Zweifel am Konzept Wahrheit: “Korrektes Erinnern ist unmöglich.

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Jonas Schaible denkt über die Rechten nach. Ganz kurz ist darin der vielleicht wichtigste Satz, wenn den doch bloß auch die Damen und Herren in den Medien mal herauslesen wollten: “Mehr über anderes reden.

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Aufkleber "Rechte Hetze"

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Am Hauptbahnhof wird schon wieder herumgebrüllt, diesmal ist es aber keine Demo, diesmal ist es der Fußball. Der HSV spielt gegen St. Pauli, das sorgt für reichlich Alkoholkonsum am frühen Morgen, für grölende Menschen in befremdlicher Aufmachung und das beschäftigt ziemlich viele Polizistinnen und Polizisten, die rauchend auf dem Bahnhofsvorplatz vor ihren Einsatzfahrzeugen stehen, an ihrer vielteiligen Rüstung herumzuppeln, sehr genervt gucken und mit ihrer Berufswahl vermutlich gerade nur bedingt glücklich sind.

Der Garten, der unserer Parzelle schräg gegenüber liegt, der gehörte einmal einem bekannten HSV-Torwart, habe ich gestern gerade gelernt. Ich habe seinen Namen schon wieder vergessen, mir fehlen da die Kenntnisse. Das heißt jedenfalls, dass die gesamte HSV-Prominenz, Uwe Seeler eingeschlossen, früher dauernd an unserem Garten vorbeigegangen ist, wenn sie den da besucht haben. So etwas lernt man beim Smalltalk an der Hecke, damit habe ich auch nicht gerechnet.

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Aufkleber "Make Racists afraid again"

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Die Gartensaison nähert sich dem Ende, in den Beeten steht nichts mehr außer der Tomatennachhut, einigen prächtigen Kürbissen und etwas rotem Grünkohl, die anderen Beete werden demnächst freundlich mit Laub zugedeckt und haben ein paar Monate Ruhe. Ich habe während des Sommers mitgeschrieben, was wir dem Garten zum Verzehr entnommen haben, in wie kleinen Mengen auch immer. Das war erstaunlich vielfältig, das hätte ich gar nicht so erwartet:

Aubergine

Äpfel

Blutampfer

Basilikum

Blaubeeren

Buschbohnen

Chili

Dicke Bohnen

Dill

Eichblattsalat

Eisbergsalat

Erdbeeren

Estragon

Himbeeren

Hokkaido

Johannisbeeren

Kapuzinerkresse

Kartoffeln

Kirschen

Kohlrabi

Koriander

Knoblauchsrauke

Gänseblümchen

Giersch

Grünkohl

Löwenzahn

Mairüben

Minze

Oregano

Petersilie

Radieschen

Rauke

Rote Melde

Pflücksalat

Rosmarin

Sauerkirschen

Schokominze

Schnittlauch

Stachelbeeren

Tomaten

Thymian

Zitronenmelisse

Zitronenverbene

Zuckererbsen

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Panorama Alster am Rathaus

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Die Herbstferien haben begonnen. Ein Sohn ist alleine auf Reisen, weil er unbedingt was mit Pferden machen will, einer macht wochenlang Workshops beim Theater, weil er unbedingt auf eine Bühne will – schon wieder so ein Fall von “Sie werden so schnell groß”. Anfang des Jahres dachten wir noch, wir hätten im Herbst ein kompliziertes Betreuungsproblem, jetzt organisieren sich die einfach selber was. Auch recht!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, freiwillig wie immer. Merci!

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Wie man beim Verfertigen der Gedanken guckt

Ein bemerkenswert bebilderter Artikel über Chemnitz, da mal genauer hingucken! Den Text kann man aber auch ruhig lesen.

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Erwin fährt in die Schweiz.

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Alkohol trieb den Menschen in die Sesshaftigkeit. Und dann hat er es durch all die Jahrtausende bis zum Oktoberfest gebracht. Eine starke Leistung.

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Subsahara.

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Ein Beitrag aus der Reihe “Blogger gegen rechts”.

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Mely Kiyak über Angela Merkel.

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Wie soll man Keyserling lesen? Ich empfehle das Verschlingen. Dem schließe ich mich an, der wird nämlich immer noch unterschätzt.

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Zwischendurch ein Dank an die Leserin P.G.:

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

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Der oben erwähnte Herr Keyserling hat seine Texte auch diktiert, das nehme ich im Moment natürlich mit besonderem Interesse zur Kenntnis. Dieser Text hier entsteht auf dem Weg zum Einkaufen, denn das Diktieren, daran habe ich noch gar nicht gedacht, schafft natürlich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich ganz neue Möglichkeiten. Wobei ich räumlich jetzt etwas sonderlich werde, im wahrsten Sinne des Wortes, denn was ich so vor mich hin diktiere, das muss ja nicht jeder hören, es wirkt auch sicherlich seltsam, weil ich die Satzzeichen und Absätze selbstverständlich mitspreche – also gehe ich stets auf der Straßenseite, auf der gerade keiner ist, ich drücke mich in Einfahrten und auf Parkplätzen herum oder strolche murmelnd durchs Straßenbegleitgrün. Wer diktiert, der benimmt sich entschieden verdächtig. Was aber noch viel schlimmer ist, wer im Gehen diktiert, der hält sein Handy wie die jungen Leute vor den Schnabel und nicht ans Ohr, wie es sich doch gehört. Schlimm!

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In den Kommentaren unter dem letzten Artikel fragte jemand nach dem Verfertigen der Gedanken beim Diktieren und beim Schreiben. Vermutlich wird sich meine Erkenntnis dazu im Laufe der Zeit noch ändern, ich fange ja gerade erst an, aber es fällt mir zuerst ein Unterschied in der Bedachtheit auf. Obwohl ich die Sätze, die hier erscheinen, erst denke und dann diktiere, wirken sie auf mich undurchdachter, als wenn ich sie erst einmal getippt hätte. Was vermutlich nur daran liegt, dass ein getippter Satz sozusagen noch durch ein Werkzeug geht bevor er manifest wird, und sich deswegen vielleicht immer verfertigter anfühlen wird als ein nur gesprochener Gedanke, obwohl er sich inhaltlich nicht groß unterscheiden muss. Das Tippen also als Veredelung betrachtet? Ich muss da mehr drüber nachdenken.

Wenn ich besser denken könnte, müsste ich natürlich auch nicht vor dem Diktieren denken, ich könnte einfach spontan denksprechen. Sicher gibt es Menschen, die über diese bemerkenswerte Fähigkeit verfügen, vermutlich ist das beneidenswert. Man könnte dann im Radio eine Stunde lang über die Entwicklung der Gesellschaft dozieren, einfach so, aus dem Stand heraus, ohne Skript und doppelten Boden. Ich könnte das nicht, ich bin ein bestenfalls mäßiger Denker. Ich könnte nicht einmal eine Stunde lang über die Entwicklung der Gesellschaft schreiben, ohne mich entsetzlich zu verhaspeln und in trivialsten Details zu verlieren oder thematisch womöglich völlig unangemessene Pointen mitzunehmen. Ganz schlimm.

In den Kommentaren unter dem letzten Artikel schrieb auch jemand, dass das Diktieren eventuell mehr Konzentration verlangt als das Schreiben mit der Hand, das ist noch so ein interessanter Gedanke, und das scheint mir tatsächlich so zu sein. Ich habe eben in einem Schaufenster zufällig die Spiegelung meines Gesichts gesehen, ich sehe beim Diktieren aus, als würde ich mich gerade noch einmal in die höhere Algebra einarbeiten, wie damals in der zehnten Klasse oder wann das war – und leicht fällt mir das auch diesmal nicht, das sieht man. Wobei ich andererseits gar nicht weiß, wie ich beim normalen Schreiben aussehe, ich habe ja keinen Spiegel über dem Notebook hängen, was für ein Gedanke. Was für einen Gesichtsausdruck mache ich denn wohl beim Tippen? Man kommt aber auch auf Fragen!

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Während ich hier so vor mich hin denke, hält neben mir gerade ein Auto, aus dem dröhnend laut Las Ketchup singen. Ein nagelneuer SUV mit dezent rückständiger Beschallung. Der Wagen hält vor dem Hintereingang eines Hotels, vor dem ein Security-Man im schwarzen Anzug steht und jetzt skeptisch guckt, was das wohl wird, mit dem Stück und so laut und dann noch da, wo man doch gar nicht halten darf? Wie toll wäre es, wenn Sie jetzt beim Scrollen durch den Text an dieser Stelle auch kurz dieses Stück hören würden? Ich merke schon, auch das Wandelbloggen hat technisch noch Möglichkeiten, man müsste mehr Sound und ab und zu auch ein Bild einbinden, auf Medienseiten findet man gelegentlich solche Sonderformate, ich mag das. Vorerst kann ich nur quasi oldfashioned das Video einbinden, die Älteren erinnern sich . Lange nicht gesehen!


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Ich komme an einer morgendlichen Demo am Hauptbahnhof vorbei, ich weiß gar nicht was für eine Demo das ist, ich kann es auch nicht erkennen, die hoffentlich sehr große Großdemo gegen Rassismus (es waren dann wohl 20.000, geht doch) kommt doch erst später am Tag. Auf der Demo wird jedenfalls laut und per Megaphon herumgebrüllt, man kann allerdings kein Wort verstehen. Das ist das, was mich an Demos welcher Art auch immer am meisten stört, immer wird dort herumgebrüllt, ich mag kein Herumbrüllen. Es ist meistens nicht hilfreich, siehe auch Pädagogik oder Paartherapie.

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Die Musik des Tages, also abgesehen von Las Ketchup, wähle ich passend wandelbloggish, man möchte ja doch alles Ton in Ton haben. Schöne Version!

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Ich habe außerdem den Verdacht, dass ich fürs Wandelbloggen noch eine eigene Bildsprache finden muss, wenn der Text schon anders entsteht, dann sollten es die Bilder doch auch, und Bilder zwischendurch müssen sein, man kann doch nicht herumlaufen, ohne zwischendurch etwas zu zeigen. Versuchsweise nehme ich mal die schwarzweiße Variante, die ist auch irgendwie bemühter als die farbige, das passt vielleicht ganz gut zum Modus des diktierten Textes und auch zum Herbst. Ich spiele also etwas mit der Lenka-App herum, die ist so angenehm minimalistisch und hat keinen Selfie-Modus, auch gut.

Friseurwerbung

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Wandelbloggen

Ich probiere also erstmalig einen Text ganz ohne den Gebrauch der Finger zu erstellen, ich benutze eine Diktiersoftware auf dem Handy. Das hat zur Folge, dass ich auch nicht am Schreibtisch sitze, denn dazu gibt es keinen Anlass. Im Grunde ist mein Schreibtisch auch nicht gerade die schönste Ecke der Wohnung und ich kann ja jetzt herumlaufen. Free Buddi! Ich stehe am Küchenfenster und sehe auf den Spielplatz, die Szenerie habe ich gestern allerdings bereits beschrieben, die lasse ich also weg, Eichhörnchen, Tauben, Bäume, das kennen wir schon. Ich müsste aber auch nicht am Küchenfenster stehen, ich müsste eigentlich nicht einmal in der Wohnung sein. Ich könnte mit dem Handy in der Hand irgendwo herumgehen, vielleicht sogar durch sogenannte interessante Gegenden. Ich könnte dabei das Wandelbloggen entwickeln und mit dem Format endlich reich und berühmt werden, so lauert eben an jeder Ecke eine neue Projekt-Versuchung.

Ich nutze, falls das jemanden interessiert, die Diktiersoftware Dragon Anywhere, es ist einigermaßen erstaunlich, wie gut das technisch funktioniert und nein, ich habe da keinen Werbedeal. Und erst einmal bin ich mir auch noch nicht sicher, ob ich das wirklich bin, der hier schreibt – oder irgendeine andere Instanz von mir. Der Vorgang des Schreibens per Diktat ist tatsächlich grundsätzlich anders, als wenn man mit der Hand schreibt, es fühlt sich an, als müsste ich alles neu lernen. Am Ende ist natürlich auch das nur eine Frage der Gewöhnung, werden sie sagen – ich bin mir nicht sicher. Es kommt mir zum Beispiel ein wenig so vor, als müsse ich per Diktat viel geistreicher als sonst sein, als müsse jeder Satz besser sitzen, jede Formulierung knackiger sein, weil es doch irgendwie sehr komisch ist, schlechte oder undurchdachte Sätze per Diktat laut durch die leere Wohnung oder sogar auf der Straße zu sprechen. Was natürlich Unsinn ist, ich sage hier ja keine Gedichte auf, ich halte auch keine Reden im großen Saal und in jedem beliebigen Gespräch gibt man doch sehr viele schwache Sätze von sich, dauernd, also ich jedenfalls. Ich könnte die seltsamen Sätze hinterher einfach korrigieren, wie beim normalen Schreiben mit den Händen, da schreibe ich ja auch mehr als genug schwache Sätze, wo ist denn das Problem? Ach, ich fremdele so herum.

Ich kopiere hier jetzt zwei bereits vorgeschriebenen Absätze in das Dokument, das ist quasi geschummelt, aber immer noch rühre ich keinen Finger dabei und werkele nur per Stimme am Text, das ist schon schick.

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Ich habe ein paar Seiten Fachliteratur gelesen, die mir unsere Steuerberaterin geschickt hat, darin ging es einerseits um die korrekte steuerliche Veranlagung von Honoraren, Trinkgeldern etc., die man mit Blogs, Instagram-Accounts, Podcasts und dem ganzen anderen Online-Zeug verdienen kann, andererseits auch um die Bewertung der sozusagen betrieblichen Ausgaben, die man für den Unterhalt dieser Medien und Accounts aufwendet. Ich möchte mich nicht allzu weit aus dem Fenster hängen, aber ich glaube, wir machen das bei Buddenbohm und Söhne stets bemüht halbwegs richtig, auch mal eine nette Erkenntnis. Aber wenn man das ganze schon so lange macht wie ich, dann ist es auch witzig, wie das, was für uns alle damals zunächst nur ein Online-Späßchen war, jetzt Eingang in steuerliche Fachliteratur findet und dort in ungeheuer komplexen Satzverschwurbelungen vorkommt, von denen man tendenziell Kopfschmerzen bekommt.

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Zwischendurch zur Aufheiterung “Alles ist relativ und anything goes” gelesen, sehr unterhaltsam, sehr kurzweilig, man lernt auch etwas.

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Außerdem “Die Ordnung der Zeit” gelesen, das war teilweise faszinierend, teilweise war es mir auch eindeutig zu hoch, die Geschichte meines Physikinteresses ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Zwischendurch kam es mir ein wenig so vor, als würden sich die Physiker dem Zeitverständnis der Erzähler annähern, die ja einen eher laxen Umgang mit zeitlichen Wahrheiten und Zeitebenen pflegen. Nicht einmal in diesem Blog ist “gestern” unbedingt gestern, wenn ich “gestern” schreibe, dann weil es gut klingt, nicht weil 24 Stunden vergangen sind. Gestern kann auch vorgestern oder letzte Woche gewesen sein, das ist für meine Texte nämlich in der Regel vollkommen unerheblich und das Konzept Wahrheit ist ohnehin ein wenig ding, wie Wolf Haas sagen würde.

Immerhin aber habe ich direkt nach dem Lesen einen dieser großartigen Träume gehabt, in denen man plötzlich alles ganz anders und viel tiefer versteht. Wovon man nach dem Aufwachen zwar nichts mehr hat, weil es dummerweise absolut nicht reproduzierbar und nicht einmal halbwegs beschreibbar ist, aber dennoch, das war kurz ein gutes Gefühl. Und kurz ein gutes Gefühl zu haben, das ist ja nicht nichts.

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Nach langer Pause wieder mit Isa im Kino gewesen und den leisen Verdacht gehabt, dass um mich herum bemerkenswert viele Deutschlehrerinnen und -lehrer saßen. Das machte den Film aber nicht schlechter, der war nämlich ein großer Spaß, den kann ich gerne und wärmstens empfehlen, den Dreigroschenfilm. Hier eine ausführliche Rezension in der SZ. Beim Reingehen debattierten zwei der deutschlehrerhaften Besucher bierernst die Frage, ob der Begriff Musical für den Film nun angebracht sei oder nicht. Ich denke, der olle Brecht hätte Spaß an dem Gespräch gehabt.

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Und jetzt teste ich also tatsächlich wie es ist, mit dem Handy herum zu laufen und dabei sozusagen live zu bloggen.

In

Diesem

Moment

Zum

Beispiel

Fahre

Ich

Fahrstuhl

Vier

Drei

Zwei

Eins

Erdgeschoss, Wirklichkeit und täglicher Bedarf, die Fahrt endet hier.

Vor dem Hamburger Hauptbahnhof, der liegt quasi ein paar Schritte vor meiner Haustür, steht eine Damenreisegruppe. Die Damen stehen im Kreis und eine schenkt gerade allen Eierlikör ein, sie haben Gläschen dabei. Jetzt trinken Sie gleichzeitig und lachen dann ein wenig befangen und gucken unsicher, da kommt noch keine rechte Stimmung auf, die eine schenkt gleich noch einmal nach, na komm, die ersten kichern schon, geht doch. Ob wir hier mittlerweile so sehr Szeneviertel geworden sind, dass man besser vorglüht, bevor man bei uns durch die Straßen geht?

Von links läuft einer durchs Bild, der trägt einen ganzen Karton voller Energydrinkdosen. Er sieht ein wenig so aus, als könne es ihm nicht schaden, wenn er ein, zwei der Dosen sofort konsumieren würde, der Herr ist nämlich eindeutig im Zeitlupenmodus und mit seiner Gesichtsfarbe stimmt auch etwas nicht, fifty shades of Übermüdung. Mehr passiert aber erst einmal nicht und mehr Bemerknisse sind nicht zu verzeichnen, auf diese Art beginnt das Wandelbloggen also mit Energie und Eierlikör, das halte ich doch sofort fest, was für ein Omen auch immer das sein mag. Energie und Eierlikör, es gibt auch schlechtere Einstiege. Morgen mehr!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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15 Minuten am Donnerstag

Der Ellenbogen weigert sich nach wie vor, es bleibt hier also kurz und wird vielleicht sogar wieder kürzer, es ist ein Kreuz. Aber ein paar Zeilen pro Tag müssen doch sein, sonst gehe ich seelisch auch noch über die Wupper. Das hier tippe ich gerade nur mit links, was ein Spaß. Aber ich habe ja Zeit. Viel, viel Zeit, noch drei Wochen ohne Büro. Es ist ein wenig absurd, da bin ich einmal im Leben etliche Wochen ohne Bürojob, ich könnte herrlich ein Buch oder sonstwas schreiben, aber ich kann eben nicht. Grotesk.

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Der Wein an der Kirchenwand zeigt alle Farben der Saison, was man im Herbst eben so trägt, es geht den Gewächsen wie den Leuten. In den Büschen werden überreichlich gelbe Beeren angeboten, die die Vögel noch gar nicht interessieren, vielleicht später im Jahr. Auf dem Spielplatz ist kein Mensch mehr, es wird den Eltern jetzt zu kalt, noch stundenlang auf dem niedrigen Mäuerchen an der Sandkiste zu sitzen und überhaupt, die Kinder können auch mal drinnen spielen, wozu hat man das ganze Zeug in den Kinderzimmern denn. Tauben schreiten durch die unberührt daliegende Sandkiste und gehen leer aus, die Kekskrümelsaison ist von einem Tag zum anderen vorbei. Indignierte Blicke, sollen wir jetzt Käfer und Körner essen oder was. Ein Eichhörnchen rennt geschäftig vorbei, keine Zeit, keine Zeit, es empfiehlt ansonsten Eicheln, nahrhaft und köstlich, die Tauben gucken noch viel indignierter und wenden sich ab. Ein leuchtendes Blatt fällt von einer Linde und taumelt langsam im Wind, der den Kirchhof unablässig umkreist. Es fällt dann in Zeitlupe genau auf die unbewegt und verlassen an ihren Ketten hängende Schaukel, es bleibt dort mittig, kitschig und auf eine denkbar banale Art malerisch liegen, aber so ist das mit der Natur, der gelingt auch nicht jedes Bild stilsicher und originell.

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Im Legoladen in der Innenstadt hatte ich meine Kundenkarte vergessen, als Elternteil hat man in solchen Läden Kundenkarten, wenn schon sonst nirgendwo. Ich nahm an, sie würden mich da auch so im System finden können, na klar, sagte die Dame an der Kasse und schob mir schnell einen Zettel hin, ich sollte meinen Namen da aufschreiben. Den kann ich ja auch eben so sagen, sagte ich, mein Name ist Bu – “NICHT DEN NAMEN SAGEN!”

Ich sah die Verkäuferin irritiert an. “DSGVO! NICHT DEN NAMEN LAUT SAGEN!”

Ich sagte ihr, dass das immerhin mein Name sei, und den könne ich ganz sicher nennen, so oft ich nur wolle, Buddenbohm, Buddenbohm, Buddenbohm, nänänä.

Die Auswirkungen der DSGVO sind womöglich die alleralbernsten, die ich je bei einem Gesetz erlebt habe.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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15 Minuten am Mittwoch

Ich habe in den sechs Wochen ohne Arbeit auch Erziehungsratgeber gelesen, das mache ich ab und zu, denn dann merkt man wieder, was man alles schon falsch gemacht hat, wo man gar nicht so verkehrt lag und wo die Hoffnung vielleicht noch nicht ganz verloren ist, das ist doch alle paar Jahre ganz interessant. In dieser Runde gab es: Nora Imlau mit “So viel Freude, so viel Wut”, Alfie Kohn mit “Liebe und Eigenständigkeit” sowie Katherine Reynolds Lewis mit: “The good news about bad behaviour – Why kids are less disciplined than ever and what to do about it”. Ich fand sie alle drei lesenswert und war wieder beeindruckt, wie überaus einleuchtend Aspekte der Pädagogik in Büchern formuliert sein können und wie grandios man dennoch nur zehn Sekunden nach dem Weglegen des Buches ganz ähnliche Situationen wie die dort beschriebenen komplett vergeigen kann. Großes Kino.

Wobei, auch das noch kurz zur Erziehung, es schon auch beeindruckend ist, wie dramatisch der Stresspegel der Familie sinkt, wenn einer mal eine Weile nicht seinem Job nachgeht. Wenn ich Zeit habe, also richtig, richtig viel Zeit, dann läuft hier nämlich alles super und easy, wenn ich Zeit habe, kriege ich alles lächelnd, harmonisch und friedlich und zur schönsten Zufriedenheit aller geregelt. Na, fast alles.

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Zu einem der Kindergeburtstage waren wir wieder in so einem Fantasy-Rollenspiel-Ding, in dem ich schon wegen meiner seltsam stark ausgeprägten Fantasy- und Spielaversion kategorisch nichts verstehe und, schon klar, auch gar nichts verstehen will, wozu auch, das ist einfach nicht meine Welt. Weswegen eines der Kinder, welches mir das Geschehen dort dennoch sehr bemüht zu erklären versuchte, seine Ausführungen irgendwann entnervt abbrach mit dem wunderbaren Satz: “Es geht hier nicht darum, irgendwas zu werden oder irgendwas zu gewinnen. Es geht einfach nur darum, immer weiter zu spielen.” So findet man überall Perlen der Lebensweisheit, wenn man nur gut aufpasst, ist es nicht zu und zu schön? Den zitierten Satz kann man spaßeshalber mal auf verschiedene Themen beziehen, das ist gar nicht uninteressant, nehmen wir einfach mal die Erziehung oder den Job oder die Liebe, da hat man dann was zum Herumdenken, da kann man sich geistig wieder, um im Kontext zu bleiben, etwas aufleveln. Und dann wieder weiter spielen.

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Und hier eine Gardinenpredigt. Es ist immer wieder ganz erstaunlich und weithin völlig unbekannt oder zumindest doch dramatisch unterschätzt, wie schnell man in diesem Land Einfluss nehmen kann. Man muss nur irgendwo hingehen, man muss nur etwas wollen, man muss nur etwas sagen. Was ich jetzt aber auch nur schreiben darf, weil ich heute noch einen Termin in und mit der Lokalpolitik habe.

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Zeit für ein Kaltgetränk, eine bequeme Sitzhaltung und ein gutes Gespräch. Etwa dieses hier. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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15 Minuten am Dienstag

Zu den überraschenden Erkenntnissen, die man unfreiwillig hat, wenn man sechs Wochen wegen irgendwelcher Gebrechen nicht ins Büro geht, gehört es, wie unfassbar self-inflating die ganz normalen Aufgaben im Haushalt sind, wenn man ihnen nur Raum und Zeit lässt. Nehmen wir nur das tägliche Einkaufen, denn essen muss man ja, komme was wolle. Das mache ich sonst auf dem Rückweg vom Büro, dieses Einkaufen, quasi nebenbei, das fällt alles so an. Wenn ich aber gar nicht im Büro bin, dann gehe ich da erst einmal extra hin, also in welchen Laden auch immer, darüber kann ich ohne Büro auch viel länger nachdenken,weil ich ja nicht an meinen Heimweg gebunden bin. Ich kann also z.B. in den Laden gehen, der für ein Produkt genau richtig und nicht nur wie sonst halbwegs passend ist. Ich gehe vielleicht in einen bestimmten Laden, weil es das Zeug da in der genau gewünschten Form gibt, in regional oder in bio oder in billig oder so, wie es hier die Kinder unbedingt haben wollen oder was weiß ich. Plötzlich ist da alles voller Optionen. Ich kann auch nacheinander in drei Läden gehen und dann noch auf den Wochenmarkt. Das dauert viel länger, natürlich, aber warum auch nicht, ich habe ja nichts vor. Schon dauert das Besorgen der simplen Suppenzutaten nicht fünfzehn Minuten wie sonst, schon dauert das anderthalb Stunden und ich habe im Grunde gar nichts gemacht und wenig erreicht, die Suppe jedenfalls schmeckt trotz des Aufwandes so wie sonst auch. Und so geht das quasi mit allen banalen und sonst so mühsam kleingehaltenen Aufgaben im Alltag, sie blähen sich auf, sie wachsen, sie belagern und erobern Stunden, Vormittage, Nachmittage, sie machen sich im Kalender breit wie Bakterien in einer Petrischale. Wer Zeit hat, der wendet auch Zeit auf, das wird am Ende eine nicht leicht zu umgehende Grundregel sein, dazu muss man bis zur Rente also auch eine brauchbare Einstellung finden, merken wir das ruhig schon mal vor.

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Das oben erwähnte self-inflating ist übrigens ein Begriff mit Geschichte für mich, das erzähle ich noch schnell, die Uhr läuft, es wird knapp. Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal an einem denkwürdigen Meeting teilgenommen, in dem es um ein Produkt ging, das “self-inflating”war. Ich weiß gar nicht mehr, welches Produkt das genau war, vermutlich waren die ersten self-inflating Isomatten damals gerade neu und wir haben etwas mit der Markteinführung zu tun gehabt, so etwas in der Art. Der Chef der Abteilung war neu in dem Job, er war gerade erst befördert worden und, das ist fast schon historisch interessant, er hatte einen der damals ganz neuen englischen Titel bekommen, Head of irgendwas, in der Unterzeile irgendwas mit Management, diese Bezeichnungen gab es bis dahin noch gar nicht, man war vorher einfach irgendwann Abteilungsleiter geworden, jahrzehntelang, aber das klang jetzt auf einmal muffig und nach Behörde oder bestenfalls nach Karstadt. Die coolen Leute wurden auf einmal Head of irgendwas und machten alle was mit Management und Projects und so. Man diskutierte also in dieser Abteilungsrunde herum, was genau man nun mit diesen self-inflating Dingern machen sollte, als sich nach einer Weile eine ältere Dame, gefühlt seit dem Kartoffelkrieg in der Firma, zu Wort meldete und eine einfache Frage stellte, für die man wiederum wissen muss, dass es einmal Zeiten gab, in denen in Büros gar nicht jeder Englisch verstanden hat, manche Menschen auch nicht ein einziges Wort, doch, das war normal. Englisch war damals eher für die von der Uni, das war aber nicht jeder. Die Dame fragte also, nachdem sie schon eine ganze Weile immer irritierter geguckt hatte, vollkommen berechtigt: “Aber was ist denn nun eigentlich self-inflating?”

Woraufhin ein stets schlecht gelaunter Kollege, allseits bekannt für deutliche Worte und eine eigene Meinung, gut hörbar für alle sagte: “Guck dir unseren Chef an.”

Liebe Kinder, Ihr habt es längst geahnt, dieser Chef war ich natürlich selber und dieser Meetingmoment war gar nicht so unwichtig für meine etwas später getroffene Entscheidung, die Karriere im Management trotz der überaus verlockenden Verdienstaussichten doch lieber selbst abzubrechen. Und die Moral von der Geschicht’: Deutliche Worte und eigene Meínungen sind gar nicht so schlecht und bewirken manchmal etwas, merkt Euch das. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Fünfzehn Minuten am Montag

Ich: “Was macht ihr eigentlich in diesem neuen Schulfach da, Naturwissenschaft und Technik?”

Sohn I: “Im Moment geht es da um den Sinn des Lebens.”

Ich: “Ach was? Tatsächlich? Und der wäre? Na? Sag schon!”

Sohn I: “Keine Ahnung, wir sind noch nicht sehr weit.”

Ich: “Aber du sagst mir dann Bescheid! Ja? Nicht vergessen! Das will ich auch wissen! Dringend sogar!”

Sohn I: “Papa, chill your life.”

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Die Herzdame und ich haben heute Hochzeitstag, ist es jetzt eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass wir beide auf Anhieb nicht wissen, welchen genau? Vierzehn oder fünfzehn oder so? Irgendwas mit ganz schön lange schon jedenfalls, man müsste das nachrechnen oder im Blog nachlesen, aber wozu eigentlich, man hat ja keinen Erkenntnisgewinn ob der Zahl. Ab und zu fragen die Söhne, warum wir uns eigentlich nicht trennen, weil nämlich, mit dem Grund der Frage rechnet man vielleicht nicht auf Anhieb, das machen doch sonst alle, wer ist schon noch zusammen? Es ist immer komisch und tendenziell verdächtig, wenn die eigenen Eltern sich irgendwie seltsam verhalten und von der Masse abweichen, am Ende sind die beiden ein wenig wunderlich? Und das wäre dann ja womöglich peinlich. Ich sagen ihnen, dass man nicht jede Mode mitmachen muss, das können sie ruhig so nebenbei von uns lernen, wenn wir das schon so überaus bemüht die ganze Zeit vorleben, außerdem bin ich zu alt, um noch jedem Trend hinterherzujagen, echtjetztmal. Sollen sich doch die jungen Hüpfer trennen und damit hip sein. Ich interessiere mich überhaupt nicht mehr für Trends! Oder wenn, dann höchstens für diese neuen Elektrotretroller oder Hoverboards, die finde ich ja irgendwie ganz cool, so als zeitgemäße Flanierhilfe, die stelle ich mir spaßig vor, damit in den Garten oder so zu fahren, ansonsten sind mir sämtliche Moden ziemlich egal. Prioritäten! Ganz wichtig.

Nebenbei grüße ich an dieser Stelle die Leserinnen und Leser, die schon seit der Hochzeit mitlesen, davon gibt es tatsächlich zwei, drei.

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Und nun ein Lied mit einer schönen Liebesgeschichte. Warum auch nicht. 

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Übrigens bin ich zur sicher großen Überraschung der Leserschaft der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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15 Minuten am Sonntag

Ich bin ja so alt, in meiner Jugend galt der Stern noch als lesbare Zeitschrift. Und den hatten wir auch tatsächlich im Haus, den Stern für die bunten Bilder und die Aufreger, die Zeit für die langen Texte und das Bildungsgehabe, das war damals so die Mischung. Und wie mein Erdkundelehrer immer sagte: “Ab und zu auch mal die SZ!” Den Stern las ich auch tatsächlich durch, ich glaube fast, sogar bis zu den Hitlertagebüchern. Das ist das eine.

Das andere ist, dass ich etwa im Alter von dreizehn Jahren ein Stockwerk gewechselt habe, und zwar das in der öffentlichen Bücherei. Oben waren die Kinderbücher, da war ich größtenteils durch, unten waren die Bücher für die Erwachsenen, damit fing ich dann mal an. Natürlich völlig planlos und ohne viel zu verstehen, Krimis, Science-Fiction, Thomas Mann, was da eben so stand, wobei Klaus Mann daneben noch viel interessanter war. Einige Namen waren bekannt, in die guckte ich dann eben rein, über die sprachen ja alle, also etwa im Stern oder in der Zeit zum Beispiel, mehr Begriff von “alle” hatte ich damals gar nicht. Aber diese Bücher mussten ja gut sein. Und weil die Bücherei nicht sehr groß war, kam mir die Aufgabe auch überhaupt nicht unlösbar vor, sich in der Literatur auszukennen, das schien durchaus machbar, man würde eben ein paar Winter brauchen, na und, die Winter waren ja lang und öde genug an der Küste. Henry Miller, Stephen King, Balzac, egal, gib her. Auch so ein Name: Alberto Moravia. Den habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, bis heute nie gelesen, der landete aber damals auf meiner geistigen Irgendwannmalliste, über den sprach man nämlich, das war so ein Großintellektueller, der sagte und schrieb wichtige Sachen. Im Stern war ein Interview mit ihm, das las ich natürlich auch, Interviews lasen sich schnell weg und zack, war man schon auf der Höhe der Zeit. Interviews waren super, dann wusste man, ach ja, Moravia, das war der mit dem Satz neulich. Und genau so etwas wollte ich wissen, als angehender Bildungshochstapler fand ich solche Formate besonders brauchbar.

Alberto Moravia war jedenfalls in Hamburg, vielleicht sogar wegen des Interviews, das weiß ich nicht mehr. Aber diesen einen Satz von ihm, den habe ich mir dann versehentlich sogar bis heute gemerkt, der besagte nämlich, dass ihn diese typischen Hamburger Mietshäuser aus roten Ziegeln, die Klinkerhäuser, an deutsche Schwarzbrote erinnerten, die in Bäckereien nebeneinander im Regal liegen. Häuser wie Schwarzbrote, dunkel und stabil. Natürlich weiß ich die genaue Formulierung nicht mehr, ich weiß nur das mit den Schwarzbroten. Und seit diesem Interview, das ist ein paar Jahrzehnte her, denke ich jedenfalls immer, wenn ich an dunkelroten Hamburger Wohnblöcken vorbeigehe, besonders an Regentagen, an Schwarzbrot und Moravia. Wobei es Moravia übrigens auch als Pils gibt, dadurch wird es noch besser, Bier und Schwarzbrot und rote Ziegel. Ich weiß sonst keinen einzigen Satz und auch keinen Fakt aus den paar Jahren Sternleserei mehr, aber den dann doch und vermutlich werde ich diese Assoziation auch noch für den Rest meines Lebens behalten, rote Klinker, Bier und Schwarzbrot. Sie dürfen das jetzt gerne übernehmen, wenn Sie mal durch Hamburg gehen. Falls Sie sogar hier wohnen, es fühlt sich herrlich heimatlich an, wenn man mit diesem Gedanken durch Hamm oder Borgfelde oder durch die Schlankreye geht und an den Häusern hochsieht.

Und das wollte ich nur kurz sagen, wie seltsam und wie lange Print wirken kann.

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Andi Almquist!  “We don’t fall in love around here anymore, it all turned out to be – Pornography.”

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie bemerkenswert freundlicher Mensch.

 

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