Tapetenwechsel, quasi

Manche Themen sind mit einem Satz auf Twitter auch schon erledigt, dem ist gar nichts mehr hinzuzufügen.

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Ansonsten ein unergiebiger Tag, langweiliges Wetter, langweiliges Einkaufen, langweilige Kopfschmerzen und sonst gar nichts, das kommt natürlich auch vor. Hier aber noch ein kleiner Beitrag zur Frage, ob die Buddenbohms mit der neuen und noch zu bauenden Gartenlaube eigentlich irgendwelche romantischen Vorstellungen verbinden. Das kann ich ganz kurz fassen und durch ein Kunstwerk von Sohn II darstellen. “Laube bei Sonnenuntergang”, Johnny Buddenbohm, Buntstifte auf Pappe, 2018.

Kinderbild einer Laube

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Die alte Laube wurde währenddessen vom Bagger endlich etwas angeknabbert, ein Anblick grässlich und gemein, die ganze Parzelle nähert sich erwartungsgemäß dem Vollchaos. In der nächsten Woche hat sie vermutlich schon die ansprechende Optik eines Truppenübungsplatzes, die Älteren erinnern sich.

In der halben Laube kann man immerhin einen Blick in die 70er werfen, unter drei Holzschichten tauchten die Tapeten von damals wieder auf, die Laube war tatsächlich ziemlich alt. Die Wände bestanden zum Teil aus bis zu vier Schichten Holz, der Vorbesitzer hat da unentwegt und über Jahrzehnte irgendwas angenagelt, reingebastelt, dazugebaut, in den Wänden waren sogar ausgediente Schranktüren verbaut, was eben so anfällt. “Im Garten kannst du alles gebrauchen”, das sagt mein Gartennachbar bei jedem Treffen. Ich verstehe den Satz immer besser.

Der Garten, soweit nicht ohnehin verwüstet, ansonsten immer noch januarplatt, ein paar Knospen, ein paar Frühblüherblattspitzen, aber bis jetzt nur wenige. Sehr wenige. Na gut, eine. 

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Hamburger Winter

Vor der Grundschule steht gestern Nachmittag ein kleines Kind, ein Kind höchstens im Vorschulalter, das geht sicher noch nicht einmal in die erste Klasse, so klein ist es. Ein Geschwisterkind könnte es sein, der große Bruder oder die große Schwester werden vielleicht gerade abgeholt. Das Kind tritt mit Hingabe gegen einen großstadtgrauen Schneematschhaufen am Straßenrand, wieder und wieder tritt es dagegen, dass der Schmodder nur so wegspritzt und Passanten sich fluchend und springend in Sicherheit bringen. Das Kind ist auch schon selbst ganz durchnässt, aber hey, da liegt Schnee, also zumindest die Hamburger Innenstadtversion davon, damit wird man ja wohl was machen dürfen, so als Kind. Der kleine Stiefel wird energisch in den trostlosen Haufen gebohrt, in dessen Mitte jetzt schwarzes Pfützenwasser zu erkennen ist, schwarz wie der Asphalt darunter. Dann noch einmal richtig Schwung geholt und ein letzter Tritt in die Pampe, das Kind guckt den hochfliegenden Matschspritzern nach und singt mit glöckchenheller Stimme: “Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst Du geschneit?”

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Gestern Abend beim Elternrat der Grundschule gewesen, das könnte man auf Twitter gar nicht erzählen, weil da alle aus prinzipiellen oder humoristischen Gründen, das ist ja manchmal schwer zu unterscheiden, diese Elternarbeit ganz furchtbar finden. Aber hey, Demokratie und so. Wenn man bestimmte Entwicklungen in der Gesellschaft falsch findet, kann man ruhig auch mal über Pausenhofregeln und deren Einhaltung diskutieren, das ist jetzt nicht so abwegig.

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Seit ich mehr und dauernd schreibe, gibt es auch dauernd mehr Kommentare, das ist sehr schön, vielen Dank. Und so tolle Hinweise darin! Gestern etwa der auf das Als-ob-Zimmer, das ist ganz großartig.

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#reading

Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

Ich lese abends Saatgutkataloge. Und was für eine entspannende Lektüre das ist, fünf Seiten nur Kartoffelsortenbeschreibungen! Danach ist die Welt wieder in Ordnung und man träumt von der Duke of York, einer alten schottischen Sorte, benannt nach dem Vater der Queen und mit “hervorstechend gutem Aroma”. Möchte man doch haben, so etwas, Kartoffeln mit hervorstechend gutem Aroma, die kriegt man nicht beim Discounter.

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Als ob!

Der Abriss der Laube verzögert sich etwas, der Neubau der Laube verzögert sich also auch, das ist ein klein wenig nervtötend. Und wenn ich bedenke, wie sehr der Herzdame und mir schon diese Umstände beim Ab- und Aufbau eines ziemlich kleinen Holzhäuschen auf den Geist gehen, dann bin ich noch im Nachhinein froh, dass wir niemals auf die Idee gekommen sind, ein richtiges Haus zu bauen, das hätte uns nicht gutgetan. Wobei der freundliche Abrissunternehmer in dieser Woche vielleicht bei der Arbeit gegrillt worden wäre, der Strom war nämlich wider Erwarten doch nicht von der Ruine abgeklemmt. Insofern ist immerhin alles richtig gelaufen.

Und die anderen Hagebutten-Nerds, wie Sohn I die Schrebergärtner gerade irritierenderweise zu nennen beliebte, sie können jetzt vermutlich für längere Zeit einen Bagger auf unserer Parzelle bewundern. Es hat nicht jeder einen Bagger auf seinem Rasen stehen!

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Währenddessen wurden ein paar Samen geliefert, ich werde die dann zur gegebenen Zeit spontan und eher wildwestmäßig dahin pflanzen, wo gerade kein Baufahrzeug steht und kein Baumaterial liegt. Gartenplanung leicht gemacht.

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Es gab unter meinem Text zur Kerbelrübe einen Kommentar mit einem Link, den ich noch einmal herausheben möchte, wirklich lesenswert, bitte hier entlang. Ich bin jetzt doch sehr neugierig auf das Zeug. Ein Tütchen Samen kostet etwa acht Euro plus Versand, ziemlich speziell. Nächstes Jahr, ist mir jetzt alles zu kompliziert.

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Beim extrateuren Edeka bitten mich vier Mädchen im Grundschulalter an der Kasse, sie doch bitte vorzulassen. Sie halten mir zur Erklärung ihre Kaugummipackung hin, die den ganzen Einkauf darstellt. Ich lasse sie vor, sehr freundliche Kinder sind das, das freut einen doch. Sie bezahlen und die eine sagt, als die Kassiererin ihr das Rückgeld geben will, mit einem Hauch, mit wirklich nur einem Hauch von gönnerhafter Herablassung in der Stimme, vermutlich bei den Eltern exakt abgehört: “Den Rest können sie behalten.”

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Nachdem das hier nun ein paar Tage als Vielschreiberblog läuft, wird es Zeit für ein erstes Update zum Trainingszweck der Übung, ich schrieb darüber. Es geht eigentlich darum, mir das Schreibvermögen in allen Lebenssituationen und ungeachtet jeder Stimmungsschwankung zurückzuerobern. Wie sieht es nun damit aus? Während ich hier sitze, eskalieren um ich herum drei Kinder, von denen eines bereits jede geistige Bodenhaftung verloren hat, zumindest den Geräuschen nach zu urteilen. Dummerweise gehört es zur Familie und ist nachher also irgendwann wieder einzufangen, aber nachher ist nachher, jetzt ist jetzt. Aus der Küche, die sie ausnahmsweise mit festen Kochabsichten betreten hat, das ist sonst ja kategorisch mein Revier, ruft die Herzdame mir alle paar Minuten irgendwas zu, von dem ich vorgebe, es nicht zu verstehen, ich habe Kopfhörer auf, also bitte. Aus den Kopfhörern singt ein alter Johnny Cash von den Härten des Lebens, ich bin nach einem bestenfalls mediokren Tag mit grauenvollem Wetter und nervtötender Terminhetze fortgeschritten schlecht gelaunt und breche außerdem gleich in der Mitte durch, weil ich auf so einem penetrant wackelnden Gesundmöbel ohne Lehne sitze, von dem die Herzdame findet, es würde mir und meiner Haltung garantiert guttun. Als ob! Wie die Söhne vermutlich sagen würden, die haben “Als ob!” nämlich gerade als Antwort auf alles entdeckt. Das könnten Sie auch mal probieren, das klappt tatsächlich super. “Guten Morgen, Kollege!” “Als ob!” “Schatz, kommst du auch ins Bett?” “Als ob!”

Aber ich halte trotz aller Unbill die Tastatur verbissen fest wie damals John Maynard das Steuerrad, das klappt nämlich, das mit dem Schreibmuskel, das klappt jeden Tag besser, noch zwei Zeilen bis Buffalo. Und merkt man diesem Text die schlechte Laune etwa an? Nichts merkt man dem an! Gar nichts! Und wehe, hier kommentiert jemand abweichend.

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Inbox zero, Blogversion

Ein weiterer Vorteil dieser täglichen Schreiberei zeigt sich gerade, ich habe nämlich gestern alle Notizen für mögliche Einträge verbraucht. Das ist das Blog-Pendant zu inbox zero beim Mailverkehr, davon träumen doch immer alle. Ich habe also keine unverbrauchten Ideen mehr im Blognotizdokument, es gibt da auch keine unerwähnten Bücher oder Filme mehr, keine halbangefangenen Pointen, keinen Vielleicht-Termin, kein Man-könnte-mal und auch kein Man-müsste-mal, keine kryptischen Stichwörter, deren Bedeutung ich mir selbst längst nicht mehr erklären kann, da ist nichts, da ist alles blanko, es fühlt sich an wie schuldenfrei.

Und wenn mir jetzt nie wieder etwas einfällt, dann habe ich auch gleich einen wichtigen Nachteil dieser Methode entdeckt. Toll!

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Andererseits braucht man gar keine Ideen, man muss ja nur irgendwo hingucken. Auf einem U-Bahnsteig am Hauptbahnhof sehe ich eine Mutter mit Kinderwagen, das Kind darin schläft selig schnullernd. Sie schiebt den Wagen auf und ab, sie geht einem Mann hinterher und fährt ihm in die Hacken. Entschuldigt sich bei ihm mit einem etwas karikaturhaft überzogenen XXL-Lächeln, als wäre im Grunde der Mann das Problem, was lungert der da auch im Weg herum, also wirklich. So eine Art der Entschuldigung ist das. Sie dreht um und geht in die andere Richtung, jetzt einer Frau hinterher. Fährt ihr nicht gerade langsam in die Hacken, entschuldigt sich, es sieht ähnlich aus wie beim ersten Fall. Und das wiederholt sich dann noch mehrmals, so dass ich mir bald sicher bin, hier liegt ein Fall von Absicht vor. Die fährt da mit Vorsatz Menschen an und entschuldigt sich dann süßlich überzogen, wer weiß, wie lange sie das schon macht oder wie oft. Ist das nun dringend notwendiger Aggressionsabbau oder hat sie einfach nicht alle Latten am Zaun? Vielleicht hat sie den schlechtesten Tag des Jahrzehnts erwischt, vielleicht hat sie auch seit sieben Tagen nicht geschlafen, kann ja sein, das bekommt dem Menschen nämlich nicht, da wird man seltsam, ich erinnere mich dunkel, ich hatte auch einmal Kleinkinder. Ich steige in meine U-Bahn, die Frau mit dem Kinderwagen steigt aber noch nicht ein. Vermutlich will sie auch gar nicht U-Bahn fahren, zumindest nicht so bald, sie hat da noch zu tun. Sie beachtet die Bahn also überhaupt nicht und bleibt auf dem Bahnsteig, sie schiebt den Kinderwagen gerade einer Gruppe Jugendlicher hinterher. Während sie aus meinem Blickfeld verschwindet, holt sie auf und ist schon ziemlich nahe hinter ihnen, nur ein paar Zentimeter noch bis zu ihren Fersen. Und den Rest der Geschichte wird man niemals herausfinden, damit muss man dann natürlich auch klarkommen, wenn man gerade keine Ideen mehr übrig hat und einfach nur irgendwo hinguckt. Irgendwas ist immer.

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Neues Hörbuch angefangen: John Galsworthys Forsyte-Saga, gelesen von Thomas Dehler, übersetzt von Luise Wolf (für die ich hier einen Stolperstein einfügen kann) und Leon Schalit. Thomas Dehler liest wunderbar und trifft genau den Tonfall, den ich vor einigen Jahren beim Lesen des Buches im Kopf hatte. Perfekt.

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Terminhinweis (Hamburg)

Am 2. und 3. Februar findet auf Kampnagel das Europacamp der Zeitstiftung statt, man kann sich hier das Programm ansehen. Eine ausdrücklich proeuropäische Veranstaltung, quasi gegen den Trend, da mache ich doch glatt mit. Ich habe vor, mir in diesem Jahr etwas mehr in der Richtung anzusehen, in Kürze z.B. auch eine Veranstaltung mit Robert Habeck, mir ist gerade so. Es wird mir nicht liegen, über soche Veranstaltungen Besinnungsaufsätze zu schreiben, aber man wird im Blog sicher dennoch etwas davon merken, es kann ja auch nicht immer nur um den Garten gehen. 

Ich sehe und höre mir das also an, hoffe auf verwertbare Informationen oder Anregungen und kooperiere in diesem Fall auch ein wenig, siehe unten. Mit dabei sind u.a. Robert Menasse (Bei der Kaltmamsell gab es gerade eine Rezension zu seinem letzten Buch, er liest daraus), Sigmar Gabriel, Jan Böhmermann, Johnny Häusler, Olaf Scholz.

Am Freitag gibt es dort einen Europa-Workshop für Kinder ab der dritten Klasse, und wenn alles klappt, wird Sohn I darüber im Auftrag der Veranstalter einen Artikel schreiben. Richtige Altersgruppe, Europainteresse vorhanden, Politikinteresse auch, Rollenspiel eh super – das könnte doch glatt hinkommen und ich bin gespannt, ob das so läuft und wie er es dann findet.

Ich bin außerdem entzückt, dass diese Veranstaltung ab morgen hier im Blog per Banner unter den Artikeln beworben wird. Ich glaube, Veranstaltungswerbung hatte ich noch gar nicht, das ist aber mal eine interessante Idee. Denn es ist einigermaßen schwierig geworden, Veranstaltungstermine in Großstädten vernünftig zu streuen, wir lesen nun einmal alle keine Stadtmagazine und Zeitungen mehr, wir haben keine zentrale Sammelseite im Internet, es rauscht alles an einem vorbei und selbst Informationsjunkies wie ich verpassen Events. Aber Sie wissen jetzt ja Bescheid.

Die Veranstaltung ist kostenlos, um Anmeldung wird allerdings gebeten, das kann man alles online erledigen. Es geht schnell, ich habe das schon mal getestet.

 

Deadhead, Dorfgeschichten

Mit schönen Vokabeln durch den Januar. Heute beim Lesen von englischen Gartenblogs gelernt: to deadhead. Das klingt doch viel besser und interessanter als das deutsche Blüten zurückschneiden, das werde ich mir vormerken, um Telefonkonferenzen im Sommer geschmackvoll zu beenden: “Sorry to interrupt you, but I think I have to deadhead my astrantias.” Und dann Computer aus, den Strohhut aufsetzen und raus. Eine schöne Vorstellung.

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Frau Nessy erlebt Dorfgeschichten.

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Und nun John Lee Hooker mit Van Morrison an einem Fluss.

Puten und Perlhühner

Das ist doch mal eine schöne Überschrift. “Puten und Perlhühner”, so heißt eine Gruppe, die mir Facebook wieder und wieder empfiehlt, der soll ich unbedingt beitreten, ich lese den Hinweis täglich mehrmals. Puten und Perlhühner, die Begriffe kennt man in Hamburg eigentlich eher als Beleidigung für Damen aus Blankenese, gemeint ist hier aber das Geflügel. Wobei mir nicht klar ist, wieso man ausgerechnet diese beiden Arten so zusammenfasst, aber was weiß ich schon von Geflügel, ungefähr gar nichts.

Die Gruppe wird mir natürlich empfohlen, weil ich mich auf Facebook für Garten und Gemüse interessiert habe, deswegen sucht mir die Technik dort jetzt für alle Zeiten landwirtschaftliche Themen raus. Wer sich für Kohl und Karotten interessiert, der nimmt auch Puten und Perlhühner. Logisch! Und wenn er sich tausendmal nicht dafür interessiert, dann wird es eben noch einmal gezeigt, mal sehen, was dann passiert.

Mein Vertrauen in Algorithmen ist weiterhin eher eng begrenzt. Tatsächlich halte ich “dumm wie ein Algorithmus” für eine zeitgemäße Beleidigung.

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Für die GLS Bank habe ich einige Links zu Großraumbüros und ÖPNV-Tickets und Elterntaxis zusammengestellt, bitte hier entlang.

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Ansonsten Winterblues. In den Timelines hebt überall ein großes Wehklagen an, denn die Welt ist dunkel und schlecht, das mit den Klimazielen klappt auch nicht, après nous le déluge. Man müsste zur Aufmunterung in den Garten, aber Januar, außerdem ist da Baustelle. Im März wird alles besser, Sie kennen das. Bis dahin geben wir einfach dem Regen die Schuld an allem, denn der Regen, er regnet jeglichen Tag.

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Auf der Fensterbank Kresse gesät, Kresse ist so einfach, Kresse kann jeder, Kresse macht man mit Kindern, Kresse kann einfach nicht schiefgehen, nicht einmal im Winter. Mir aber ist die Kresse auf der Fensterbank verschimmelt, so viel zum grünen Daumen. Schlage als neues Qualitätsprädikat für Gemüsesamen “Wächst auch bei Buddenbohm” vor.

Erntedankfest in diesem Jahr besser nur für einen kleinen Kreis planen! Für einen ganz kleinen Kreis.

Dank, Respekt und Abriss

Zwischendurch ein Dank an die Leserin B.A.K., die den Söhnen einen Film und ein, wie nennt man das denn, ein Puzzleding geschickt hat. Große Freude bei den Kindern, “Nachts im Museum” wurde sofort gesehen, allerdings ohne uns, ich kann dazu also nichts sagen, wir haben uns abends auf Partys herumgetrieben. Ich erinnere mich zwar ganz dunkel, den Film früher, viel früher auch einmal gesehen zu haben, aber ich weiß überhaupt nichts mehr davon. Das Puzzleding ist tangram-ähnlich und ich sehe gerade, zu Tangram gibt es eine Entstehungslegende auf Kalenderspruchniveau. Haben wir das auch gelernt, fein.

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Ich nehme an, alle Eltern mit auch nur dem geringsten Schulhofkontakt in Hamburg kennen den Satz “Zeig mal Respekt, Digga”, mit dem viele Kinder ab dem Grundschulalter auf vermeintliche Unfreundlichkeiten anderer Kinder reagieren. Die obligatorische Antwort darauf ist “Zeig du mal Respekt”, mit verschärfter Betonung auf dem DU, versteht sich, und es gehört zum korrekten Sprachgebrauch des Nachwuchses, den Satz so auszusprechen, dass er nach gebrochenem Deutsch klingt, ganz egal, wo man herkommt und wie bildungsbürgerlich sich das Elternhaus gibt. Was ich nur erzähle, weil es neulich in irgendeinem Familiendialog hier auf Kinderseite eine Verwechslung von Respekt und Prospekt gab, weswegen jetzt jeder, der hier im Haushalt etwa eine Werbung aus dem Briefkasten in der Hand hat, sofort mit “Zeig mal Prospekt, Digga” angesprochen wird. Und so etwas schleift sich dann ein, irgendwann denkt niemand mehr an den Ursprung dieses Scherzes und man verwendet den Satz ganz selbstverständlich so und alle anderen halten die Familie für komplett irre, wenn sie das zufällig hören. Kann man nichts machen.

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Wir waren kurz im Garten, wo jetzt ein ziemlich großer Bagger auf dem Rasen herumsteht, außerdem ein riesiger Container. Die Koniferen stehen dafür nicht mehr, es ist ungewohnt hell in den Beeten, da die trostlosen Nadelsäulen dem Licht nicht mehr im Weg herumstehen. Die Laube ist schon etwas demontiert, das geht jetzt vermutlich alles schnell. Den Rasen kann man nach den Bauarbeiten natürlich vergessen, ich googele also bei Gelegenheit schon mal “Rasen neu anlegen”, ich habe ja keine Ahnung von gar nichts. Dafür ist der Herr Abrissunternehmer bisher recht kunstvoll und geradezu liebevoll um meine ersten stümperhaften Gärtnerversuche herumgekurvt, das ist alles noch da, jeder Staudenrest noch am Platz, der Knoblauch steht ebenfalls weiter aufrecht und grün und irgendein einsamer Frühblüher bricht doch tatsächlich gerade durch. Keine Ahnung, was das wird, ich habe mir nicht gemerkt, welche Zwiebel im Herbst wo gelandet ist, das wäre ja auch langweilig. Es war aber so rattenkalt, wenn ich Blume wäre, ich würde noch ein wenig warten.

Die Söhne haben zum Aufwärmen eine Stunde lang Abrissunternehmer gespielt und eine weitere Laubenwand zerlegt, das ist im Grunde ein schöner und befriedigender Sport, der Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer verlangt und ausgezeichnet zum Aggressionsabbau beiträgt. Nur ist der Laubennachschub auf Dauer schwer zu organisieren.

Bagger vor Laube

 

(Foto: Herzdame)

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Ein Terminhinweis für Hamburgerinnen: Das Jahresendzeitteam gastiert wieder im Politbüro, das ist empfehlenswert, aber sowas von. Bov Bjerg! Manfred Maurenbrecher! Horst Evers! Und Christoph Jungmann als Angela Merkel, viel lebensechter und überzeugender als die wahre Kanzlerin, dazu Hannes Heesch als beinahe alles. Es wird ein Fest, wie in jedem Jahr.

Kerbelrüben und Helden

Am frühen Morgen Gemüsekunde studiert, während die Familie noch schlief. Dabei überraschte mich die Existenz von Zuckerwurzeln und Kerbelrüben. Die klingen irgendwie ausgedacht, nicht wahr? Die gibt es aber wirklich. Nie gehört! Das bringt mich in Versuchung, willkürlich immer weiter Pflanzennamenbestandteile zu kombinieren und den Freundeskreis Garten mit den Ergebnissen zu irritieren, Kohlbeeren, Stecklauch, Wintertomaten, Sauerrauke, Eiskümmel und Ampfermöhre, so in der Art.

Bei den Beschreibungen der geeigneten Standorte für verschiedene Gemüsesorten fällt mir in den Büchern außerdem immer wieder der Begriff “selbstunverträglich” auf, mit dem ausgedrückt wird, dass man das betroffene Gemüse lieber nicht dort anbauen sollte, wo man es schon im letzten Jahr gepflanzt hat. Es ist also nicht gerne da, wo es schon war, das unstete Kraut, es wandert lieber weiter. Und selbstunverträglich zu sein, wer kennt das nicht?

Wobei das Gemüse da immer noch pflegeleichter als wir Menschen ist, denn wenn wir selbstunverträglich sind, bezieht sich das meistens auf die Gegenwart, nicht auf das Vorjahr, das wäre ja einfach. Wir wollen bei Selbstunverträglichkeit aber nicht auf dem Sofa sein, auf dem wir gerade sind. Und eine Standortänderung hilft da nicht, das ist alles eher kompliziert. Gemüse ist vermutlich auch sonst viel entspannter als wir, ich werde das im Sommer genauer beobachten.

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Eine weiterführende Schule besichtigt, und die wird es dann wohl auch. Da gab es Vorführungen in der Aula, Schülerbands und Tanzgruppen und dergleichen und meine Güte, kann so etwas gut sein! Man hat direkt gesehen, dass Lernen Spaß machen kann. Das hatte eindeutig Format und wenn so etwas bei dem Unterricht da rauskommt, dann habe ich gar keine weiteren Fragen mehr. Im Treppenhaus eine Ausstellung mit Bildern zu den persönlichen Helden der Schülerinnen, je ein Bild mit Beschreibung und kurzer Begründung. Da hingen u.a. Che Guevara, Michael Jackson, Anne Frank, Barack Obama, Nelson Mandela, mir unbekannte Kinderfernsehmoderatoren und Waris Dirie, ich hätte mich da festlesen können.

Wen hätte ich da im Gymnasialalter hingehängt? Ich kann mich gar nicht erinnern, wer mir damals helden- oder vorbildhaft vorkam. Vielleicht jemand wie er hier, der passt auch ausgezeichnet zum dunkelgrauen Wetter heute. Ich komme ja noch aus der Liedermacherzeit, und damals war das für uns kein Gesinnungskitsch, damals war das ganz groß. Jahrelang rauf- und runtergehört das Zeug, auf aus der Bücherei entliehenen Musikkassetten, die wir aus der Erwachsenenabteilung holten, in der wir sonst gar nichts verloren hatten.

Auch schon verblichen, der Ludwig. Aber er hat sich nicht umsonst echauffiert, finde ich.

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Jetzt Mathe mit dem Blinddarmkind machen. “Stelle die gerundeten Einwohnerzahlen der Millionenstädte in einem Diagramm dar.” Ohne Excel! Die haben es auch nicht immer leicht, die Schulkinder.  

12 von 12 im Januar

(Die 12-von-12 der anderen Bloggerinnen wie immer hier bei Caro)

Morgens ins Büro, die Herzdame bleibt mit dem kranken Kind zuhause. Der Hamburger Hauptbahnhof zeigt sich in schönstem “Hier spricht Edgar Wallace”-Licht.


Ich fahre nach Hammerbrook. Wenn man da konzentriert auf die Fleete guckt und den Rest verbissen ausblendet, sehen einige Quadratmeter manchmal fast gut aus.


Arbeit im Büro, wie immer fotofrei, das wären aber auch bemerkenswert langweilige Bilder. Die Rollladen vor den Fenstern gehen wegen eines technischen Fehlers unmotiviert hoch und runter, es wird dunkel, es wird hell, das ist immerhin ganz unterhaltsam. Also wenn man keine hohen Ansprüche hat.

Das Wetter vor dem Fenster, wenn man denn gerade mal rausgucken kann, es ist grau, öde und bleiern, wie von einer GroKo beschlossen. Niemand will es, aber so ist es nun einmal, das nehmen wir jetzt also.

Nach der Arbeit zur Bücherei, in der Gartenbuchabteilung könnte es ja neue Bücher geben. Der Rücknahmeautomat nimmt ein Buch von mir nicht an, ich stecke es wieder und wieder rein, Medium nicht erkannt, immer wieder, Medium nicht erkannt. Was soll der Unfug, ich stecke es mit links rein, ich stecke unter einem Bein durch und über die Schulter, langsam und schnell und mit Gefühl, es geht nicht. Stelle mich schließlich in der Schlange bei den Problemfallbehandlungsmenschen an, die mich freundlich lächelnd und mit beruhigender Stimme darüber aufklären, dass das Buch mir gehört, nicht der Bücherei, weswegen es der Automat auch gar nicht erkennen kann. Ich könne das Buch aber gerne spenden. Wo man hinkommt, wird man gedemütigt. Schlimm.


Ich nehme ein Gartenbuch mit, das mir bisher immer zu dick war. Schluss mit der Faulheit! Das wird jetzt abgeschleppt. 630 Seiten Gemüsekunde, großartig.


Zuhause verweigert das Blinddarmkind seinen Kinderberliner, dann esse ich den eben. Was tut man nicht alles! Aber wieso isst das Kind keinen Kuchen? Sehr verdächtig. Das Kind möchte lieber einen Kräutertee, aber bitte ohne Kräuter. Hm. Immerhin gibt es auch dazu einen Asterix-Band.


Beim aufopfernden Kuchenessen störe ich, wo auch immer ich sitze, die Herzdame in einem akuten Anfall von Aufräumwahn und sehe mich gedrungen, den alten Loriotdialog mit “Ich wohne hier!” aufzuführen. Da mein Humor hier aber nur selten geteilt wird, verlasse ich noch kauend fluchtartig die Wohnung und gehe einkaufen. Nehme bei Edeka willenlos Küchenkräutertöpfe mit, damit in meiner Umgebung wenigstens irgendwas grünt und wächst, es ist doch eine wahre Last mit dieser drängenden Frühlingserwartung.


In der Wohnung werde ich neuerdings übrigens dauernd beobachtet, die Söhne haben gebastelt. Die Frisur entspricht in etwa meinen Haaren, wenn ich morgens aufstehe.


Ein Sohn studiert einen Bildband über Keith Haring, “weil der so ähnlich malt wie ich.” Es geht doch nichts über das Selbstbewusstsein in den Jahren vor der Pubertät.


Das andere Kind macht so eine Art Malen nach Zahlen per App, Kunst ist hier offensichtlich gerade Thema. Diese App (Pixelart Colour by number für iPhone) ist übrigens super zur Beruhigung geeignet, sagen die Söhne.


Traditionell ist hier ein Bild gar keines, es gibt meist ein Video. Heute Seasick Steve mit Gentle on my mind. Gute Version, das.

Insgesamt ein Tag mit Luft nach oben, wie mir scheint. Aber nun, der 12. ist eben irgendein Tag, so ist die Aktion ja gemeint, immer mitten rein ins Leben. Darauf ein Feierabendbier in frühlingsgrünem Design.