Gehört: Ein Zeitzeichen zu Wolfgang Neuss.
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Am Sonntagmorgen, ich habe noch nachzutragen, fällt fast lautloser Landregen auf die Dachfenster im Heimatdorf der Herzdame, unter denen ich schlafe. Kohlmeisen und Amseln sehe ich beim ersten Licht im nassen Laub der Bäume davor, ungetrübt munter bis aufgekratzt sind die Vögel, und saisonal angemessen laut. Die Wolken lockern sich wieder auf, noch während ich hinsehe. Himmelsausrisse in freundlichem Hellblau.
Ich bin ganze zwei Stunden wach, bevor hier das erste Auto zu hören ist, und dann ist es ein Trecker. Das Land wird heute wieder allen Erwartungen gerecht.
Ich lese nach dem üblichen Bloggen noch lange am Schreibtisch, während die Familie weiterschläft. Einige weitere Kapitel in der Kafka-Biografie, er lernt gerade erst Felice Bauer kennen und es ist noch Leben für ihn übrig, einige weitere Beziehungen auch. Ich lese selten in Büchern am Morgen, fällt mir nach einer Weile auf, schon gar nicht stundenlang. Das Lesen ist für mich seit Jahren fest mit dem Abend verbunden, etwa ab 19 Uhr fühlt es sich richtig an. Die Lektüre am Morgen hat dagegen einen Beiklang von Untätigkeit und Zeitverschwendung, das scheine ich geradezu verlernt zu haben.
Das also auch mal wieder angehen. Und dann wieder über die eigene Zeit verfügen, wie ein Mensch mit Kontrolle über vieles, sogar über sich selbst. Fake it till you make it.
Noch einige müßige Stunden sind wir im Heimatdorf der Herzdame. Ich höre zwischendurch The Nightly Radio, immer noch empfehlenswert für schöne Entdeckungen und auch eher Schräges, es läuft gerade Annette Hanshaw.
Und ich lese währenddessen immer weiter, der Briefwechsel Kafka-Bauer nimmt Fahrt auf und wird bald, so beschreibt es Reiner Stach, zur Brieflawine.
Es gibt noch einmal Spargelsuppe.
Schließlich die Rückfahrt nach Hamburg, die eine Unterwasserfahrt wird. Aller Regen des Tages passt in diese zwei Stunden, fällt entlang der Autobahn, steht über dem Stau, zieht mit uns mit und bis nach Hamburg hinein. Noch in den Garten folgt uns der Regen, wo wir die Nachwuchspflanzen ausladen und erst einmal nur die kleinen Töpfe in die Beete stellen. Das reicht auch schon, um nass zu werden, woran die Pflanzen sicher mehr Spaß haben als wir.
Die weiteren Erdarbeiten folgen später in der Woche.
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Der Montag dann wieder im Home-Office. Ein etwas holperiger Start nach dem Wochenendausflug aufs Land, von Schwung und Begeisterung kann keine Rede sein, die sind beide noch zu erarbeiten. Immerhin eine kurze Woche, das murmelt vermutlich ein erheblicher Teil der Bevölkerung an diesem Morgen, immerhin eine kurze Woche. Man sucht sich die Lichtblicke zusammen.
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